Der Ernährungskompass – Bas Kast

Als ich vor kurzem Bas Kast in einer Talkshow über seinen vor einigen Jahren erschienenen Ernährungskompass sprechen hörte, fand ich das sehr sympathisch und informativ. Längst war mir sein Buch positiv aufgefallen und ich hatte bislang nur Gutes darüber gehört. Aber ich bin auch sehr interessiert am Thema Ernährung und halte mich für recht gut informiert. So habe ich nicht erwartet, dass ich anhand dieses Buches allzu viel Neues erfahren könnte. Doch gelegentlich brauche ich einfach einen sanften oder unsanften Stupser, der mich wieder auf die richtige Spur bringt, wenn ich schlechte Gewohnheiten zu sehr schleifen gelassen und allein Geschmacksknospen und ungesunde Gelüste meine Ernährung bestimmen gelassen habe.

Da kam mir dieses Buch genau recht. Denn Bas Kast hat wissenschaftliche Ergebnisse genauer unter die Lupe genommen und miteinander verglichen um daraus Konsequenzen zu ziehen. Die Ergebnisse offenbaren, wie sich das Leben zum Besseren wenden kann, indem man seine Ernährung umstellt. Manche Krankheit kann im Frühstadium durch eine passende Ernährung, ergänzt um die richtigen Vitamine, gelindert, wenn nicht sogar verbessert werden. Das menschliche Altern kann zwar nicht aufgehalten, aber unter Umständen verlangsamt werden. Doch es sind nicht diese fast schon reißerischen Versprechen, die einen zur gesunden, beziehungsweise gesünderen Ernährung bekehren, sondern vielmehr finde ich die kleinen umsetzbaren Tipps so ansprechend, die eine für den menschlichen Organismus bessere Kartoffel- oder Reissorte empfehlen und auch nicht vor der Kochmethode halt machen. Ich habe vieles in dem Ernährungskompass markiert, von dem ich einiges zwar bereits wusste, es mir aber nochmal unmissverständlich und möglichst unvergesslich in Erinnerung rufen wollte. Anderes, ein geringerer Teil, war tatsächlich neu für mich.

Wohltuend empfand ich es, die Informationen anhand von Studien belegt zu wissen, da ich mit meinen mittlerweile fast 53 Lebenjahren bereits die ein oder andere Phase durchlebt habe, in der gewisse Ernährungsformen als das Non-Plus-Ultra galten und sich inzwischen als unhaltbar oder sogar grundverkehrt herausgestellt haben. Es lohnt sich, das eigene Wissen immer wieder zu überprüfen und auf den aktuellen Stand zu bringen. Ich erinnere mich daran, dass ich vor einigen Jahren stark verunsichert war und aufgrund der zahlreichen kursierenden Ernährungsmythen gar nichts mehr glauben konnte und wollte. Ganz allmählich fand sich jedoch ein Weg durch diesen Dschungel unterschiedlicher Aussagen diverser Quellen, so dass ich denke zu wissen, wie gesunde Ernährung funktioniert. Bas Kast hat für mich mit seinem Ernährungskompass genau dieses mühsam zusammengesammelte Wissen bestätigt und noch um das ein oder andere ergänzt, ohne dabei zu dogmatisch zu werden. Eine Bestätigung, die sich gut anfühlt.

Aber zu wissen, wie es geht, heißt ja leider nicht zwingend, dass man das auch 1 : 1 so umsetzt – zumindest bei mir ist das so. Gerade wenn ich zu ausgedehnt im Genussmodus bin, ist ein Buch wie der Ernährungskompass hilfreich bei der Kurskorrektur. Ein Buch zum immer mal wieder reinschauen.

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Bas Kast
Der Ernährungskompass
Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-570-10319-7
Preis: € (D) 20,00
Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: 05.03.2018

Wuhan Diary . Tagebuch aus einer gesperrten Stadt – Fang Fang

Auch wenn das Coronavirus die Jahreszahl 19 in der offiziellen Bezeichnung trägt, so ist doch 2020 das Jahr, welches maßgeblich davon bestimmt ist. Gefühlt verging bisher kein Tag, an dem man das Virus hätte vergessen können. Wohltuend, sich mit Büchern in andere Welten oder Aufgabenstellungen zu flüchten, aber als ich auf Fang Fang’s „Wuhan Diary“ aufmerksam wurde, hatte ich doch das Bedürfnis mich auch lesend mit Corona zu beschäftigen, um so eine andere Sichtweise und ein anderes Erleben im Umgang mit dem Virus kennen zu lernen – in dem Land, wo alles anfing.

„Beim Ausbruch der Epidemie, von der anfänglichen Ausbreitung bis zur jetzigen Explosion, haben wir die Situation zuerst falsch eingeschätzt, dann verschleppt und schließlich falsch gehandelt. Wir haben es versäumt, dem Virus zuvorzukommen, und rennen seither ständig hinter ihm her. Dafür zahlen wir einen enorm hohen Preis.“ (Fang Fang)

Erstmals in der Geschichte wurde eine Stadt mit neun Millionen Einwohnern für den Zeitraum von 76 Tagen komplett von der Außenwelt abgeriegelt. Vom 25. Januar bis zum 24. März 2020 führte die berühmte chinesische Schriftstellerin Fang Fang ein Online-Tagebuch aus ihrer Heimatstadt Wuhan. Eingeschlossen in ihrer Wohnung berichtet sie vom Hereinbrechen und dem Verlauf einer Katastrophe, von den Versäumnissen der ersten 20 Tage, der Unterdrückung warnender Stimmen, aber auch von den wirkungsvollen Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Coronavirus, den vielen freiwilligen Helfern und der großen Solidarität.

Fang Fang liefert einen unverstellten Blick auf die Katastrophe ‚von unten‘, ganz nah an den Menschen, ihren Ängsten und Nöten. Sie erzählt von der Einsamkeit, dem heroischen Kampf des Personals in den Krankenhäusern, vom Leid der Erkrankten, dem Schmerz der Angehörigen und der Solidarität unter Nachbarn. Millionen Chinesen folgten ihrem Blog – und teilen ihren Zorn über die Untätigkeit und Vertuschungsmanöver der Behörden während der Anfangsphase der Covid-19-Pandemie.

‚Wuhan Diary‘ ist ein leidenschaftliches Tagebuch voller Wärme, Mitgefühl und Zorn, das Online in China über 100 Millionen Leser fand. Aber man lernt dabei auch die andere Seite Chinas kennen, denn zugleich werden immer wieder ihre Beiträge aus dem Netz genommen, Fang Fang wird auf massive und entwürdigende Weise angegriffen, sie erhält sogar Morddrohungen. In dem Buch haben nun ihre Beiträge einen dauerhaften Platz gefunden und berühren die sensible Frage, wie der Umgang Chinas mit dem Ausbruch des Coronavirus zu bewerten ist.

Fang Fang gibt ihrer Wut und Trauer Raum in ihren Beiträgen und verzichtet bewusst auf besonderen literarischen Ausdruck. Das macht sie zu einer Bloggerin mit einer Stimme von nebenan, die ihren Gefühlen und Eindrücken freien Lauf lässt, die sich in ihrer Entrüstung auch mehrfach wiederholt, weil die Geschehnisse sie berühren und einfach nicht loslassen. Dennoch ist sie auf gewisse Weise privilegiert, denn sie verfügt über Kontakte, die sie von ‚vorderster Front‘ informieren. Auf ihre Weise fachsimpelt sie jedoch und findet manchmal auch Lösungen, von denen man als Außenstehender ahnt, dass diese nur am virtuellen Stammtisch gedacht, insgesamt aber nicht praktikabel sind. So wirken Fang Fangs Beiträge manchmal gut strukturiert, durchdacht und sind informativ, gelegentlich sind sie jedoch auch ein wenig wirr und getrieben von Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit, gewürzt mit einer gehörigen Prise Kämpfergeist, der sie trotz aller Repressalien ihr Online-Tagebuch weiterführen lässt.

Das „Wuhan Diary“ ist kein Buch, das sich leicht weglesen lässt, dazu geht die Thematik einfach zu nah. Beim Lesen werden einem die zahlreichen Todesopfer bewusst, die das Virus gefordert hat und im nach hinein lassen sich deutliche Fehler im Umgang damit erkennen. Doch der im Anhang in Kurzform geschilderte Verlauf der Coronapandemie macht deutlich, dass auch in Deutschland das Virus zu Beginn unterschätzt wurde und es zu Fehlentscheidungen kam. Es wäre wünschenswert, wenn aus den bisherigen Geschehnissen und Entscheidungen gelernt würde – weltweit und gemeinsam…

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Fang Fang
Wuhan Diary – Tagebuch aus einer gesperrten Stadt
Übersetzung: Michael Kahn-Ackermann
Pappband mit Schutzumschlag, 352 Seiten
ISBN: 978-3-455-01039-8
Preis: € (D) 19,99
Verlag: Hoffmann und Campe
Erschienen: 30.05.2020

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Schreiben dicht am Leben – Hanns-Josef Ortheil

„In jedem Menschen existiert ein großer, noch unentdeckter Text. Diesen im Ganzen dunkel bleibenden Text gilt es zu entziffern. Das tägliche Schreiben versucht genau eine solche Entzifferung, in kurzen Schreibanläufen, die kleine Fragmente von Schrift produzieren.“ (S. 139)

Nachdem ich „Leben, Schreiben, Atmen“ von Doris Dörrie vor einem halben Jahr gelesen und an ihrem kostenlosen Workshop „Schreiben hilft! Dir auch?“ bei der Bürgerakademie teilgenommen habe, schreibe ich mehr oder weniger regelmäßig. Es handelt sich um Erinnerungen an Vergangenes, Schönes und nicht so Schönes, aber auch Gedanken über aktuelle Geschehnisse oder Menschen, die mir mal mehr und manche auch weniger am Herzen liegen oder die ich bereits verloren habe. Das Schreiben tut mir gut und half mir vor allem dabei, mit meiner Trauer umzugehen. Inzwischen schreibe ich auch einfach wieder aus Spaß an der Freud‘, setze mich an den Rechner, stelle den Timer auf 10 Minuten, finde ein Thema und los geht es. Stromlastig, ganz privat, ohne Anspruch auf Perfektion. Vor allem aber ganz egoistisch nur für mich.

„In dieser Stunde der Freiheit war alles erlaubt, wenn es nur spontan war und später nicht wieder aufgenommen wurde. Es durfte kurz oder lang sein, hitzig oder kalt, böse oder gut. Da es nie wieder gelesen wurde, musste man sich nicht schämen, wenn es in seiner Offenheit vielleicht peinlich oder wenn es nicht ganz klar war. Die redliche Überzeugung, dass ich diese Dinge nur für mich niederschrieb, einfach um am Leben zu bleiben und nicht zu ersticken, beließ ihnen ihre Unmittelbarkeit. (Elias Canetti: Aufzeichnungen 1942-1948, S. 7/8)“ ( S. 104)

Manchmal war es jedoch auch so, dass ich zwar Lust zu Schreiben hatte, mir aber spontan kein Thema einfallen wollte. Das brachte mich dazu in meinem Handy-Notizbuch aufzuschreiben, wann immer ich etwas Interessantes oder Bemerkenswertes aufschnappte oder las. Ich mache das mit der App Evernote, die ich in der kostenlosen Version auf Smartphone und Rechner installiert habe, weil ich so auf die Inhalte auf beiden Geräten zugreifen kann. Enorm praktisch, denn Notizbücher liebe ich zwar, besonders die kunstvoll gearbeiteten in Leder gebundenen, wie man sie auch auf Mittelaltermärkten kaufen kann, habe sie aber erfahrungsgemäß nie dabei, wenn ich sie gerade brauche. Tausendsassa Handy dagegen schon.

26_Schreiben dicht am Leben

Und weil ich seit einiger Zeit eifrig notiere und schreibe, interessiert mich auch alles Theoretische, das ich übers Schreiben finden kann. Dabei stieß ich auf „Schreiben dicht am Leben“ von Hanns-Josef Ortheil. Laut Klappentext verführt dieser Band zum Notieren und Skizzieren. Es gilt, rasch und ohne Mühe etwas festzuhalten, dem plötzlichen Schreibimpuls ohne Umwege zu folgen oder ein Detail des Lebens in Erinnerung zu behalten. Das 160 Seiten starke Büchlein zeigt, dass und warum Notieren eine Kunst sein kann, und macht mit einigen der besten Notierer unter den Schriftstellern der Welt bekannt.

Enthalten sind Textprojekte und Schreibaufgaben wenn man lernen möchte, gut und präzise zu notieren. Es beginnt mit Methoden des ‚elementaren Notierens‘, wie sie vor allem von Schriftstellern des 20. und 21. Jahrhunderts entwickelt worden sind. Im zweiten Teil geht es um das ‚bildliche Notieren‘, also darum, wie man mithilfe von Notaten einen Menschen porträtiert, Bilder zeichnet, Skizzen entwirft oder einen Film gestaltet. In der dritten Abteilung geht es um das Notieren von Emotionen und Passionen abseits von Tagebuchnotaten und damit in einer eigenen Struktur und Kunstform. In der vierten Abteilung dieses Büchleins zeigen vier Schriftsteller des 18. und 20. Jahrhunderts, wie man seit den Zeiten der Moderne mit den traditionellen Verfahren von Exzerpieren, Kommentieren und Reflektieren umgeht und sie erweitert. Auch dabei entstehen ganz neue und vorher nicht gekannte literarische Formen: das Sudelbuch, das Forschungsprojekt, der Feldforschungsbericht und das Denkbuch.

„Man soll seinem Gefühl folgen und den ersten Eindruck, den eine Sache auf uns macht, zu Wort bringen. Nicht als wenn ich Wahrheit so zu suchen riete, sondern weil es die unverfälschte Stimme unserer Erfahrung ist, das Resultat unserer besten Bemerkungen, da wir leicht in pflichtmäßiges Gewäsch fallen, wenn wir erst nachsinnen.“ (Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher I, S. 441)“ (S. 123)

Insgesamt zielen all diese Schreibaufgaben und Präsentationen von Schreibwerkstätten im Grund noch immer auf das handschriftliche Notieren und Skizzieren. Natürlich ist es aber auch leicht möglich, den Computer oder Laptop für ein solches Notieren zu nutzen. Da „Schreiben dicht am Leben“ zu der Reihe „Kreatives Schreiben“ gehört, wurden alle Formen des Notierens und Skizzierens in Tagebüchern oder im Rahmen der neuen Medien nicht aufgenommen. Diese findet man in „Schreiben Tag für Tag“ von Christian Schärf oder in „Schreiben unter Strom“ von Stephan Porombka.

„Schreiben dicht am Leben“ fand ich sehr interessant, weil es mir die verschiedenen Arten des Notierens aufzeigt. So unterschiedlich diese sind, so zugänglich und weniger zugänglich sind auch die Texte und Erklärungen dazu. Für meine Art des Notierens hätte ich dieses Buch nicht gebraucht, fand es aber dennoch bereichernd, weil mir die Beschäftigung mit der Thematik Freude gemacht hat. Außerdem trägt neuerdings eines meiner Evernote-Notizbücher den stilvollen Namen ‚Sudelbuch‘. Georg Christoph Lichtenberg möge mir diesen geistigen Diebstahl verzeihen. Die Bezeichnung ist einfach großartig und so zutreffend 🙂

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Hanns-Josef Ortheil
Schreiben dicht am Leben
Reihe: Kreatives Schreiben
Gebunden, 160 Seiten
ISBN: 978-3-411-74911-9
Preis: 14,95 € 
Verlag: Duden
Erschienen: 01.09.2011

Die Macht der ersten 1000 Tage – Dr. med. Matthias Riedl

Dr. med. Matthias Riedl ist Ernährungsmediziner, Diabetologe sowie ärztlicher Direktor und Gründer des medicum Hamburg, Europas größter Einrichtung für Diabetes, Ernährungsmedizin und angrenzende Fachgebiete. Mir ist er durch die NDR-Hausboot-Praxis bekannt, in der die Ernährungs-Docs zeigen, wie sich mit speziellem Essen schon innerhalb weniger Monate oft erstaunliche Erfolge im Kampf gegen diverse Gesundheitsprobleme erzielen lassen. Als ich kürzlich auf sein neues Buch aufmerksam wurde, war mein Interesse daher sogleich geweckt. Es geht darum gesünder durch die heutige Welt des Überflusses zu kommen, auf die wir evolutionsbioglogisch gar nicht vorbereitet sind.

06_Die Macht der ersten 1000 Tage

Das Buch richtet sich an Eltern und an alle, die im Leben eines Babys und Kleinkindes eine Rolle spielen und dafür Sorge tragen wollen, dass dieses Wesen alles bekommt, was es braucht, damit es langfristig gesund durchs Leben gehen kann. Aber es richtet sich auch an Erwachsene, die regelmäßig an Diäten scheitern – und sich einfach nicht erklären können, warum sie immer wieder in die Jo-Jo-Falle tappen. Oder die an Krankheiten wie Diabetes oder Rheuma leiden und es trotz besseren Wissens nicht schaffen, Ernährungsmuster zu verändern, die solchen Krankheiten oft zugrunde liegen.

Matthias Riedl erklärt, nach welchen Mechanismen Prägung funktioniert, welchen Einfluss Evolution und Eltern haben, und führt damit vor Augen, warum so viele von uns so gern das Falsche und von allem zu viel essen. Im zweiten Schritt geht es darum, unserer ganz persönlichen Prägung nicht nur auf die Spur zu kommen, sondern sie auch zu verändern. Sich also auf ‚gesund‘ umzuprogrammieren – und das in jedem Alter. Wer diese Zusammenhänge einmal verstanden hat, soll danach verständnisvoller auf sich und sein Ernährungsverhalten schauen. Und wissen, wie er die Wahrscheinlichkeit erhöhen kann, als Übergewichtiger Kilos zu verlieren – und das dauerhaft. Denn nur wenn wir bei allen Versuchen, uns gesünder zu ernähren, vor Augen haben, wie Evolution, Gene, Umwelt, Umgebung und Eltern uns geprägt haben, lässt sich das Essverhalten anpassen, ohne dass wir uns im Alltag permanent sabotieren.

Darüber hinaus kann das Wissen um das Prinzip der epigenetischen Evolution jedem Einzelnen von uns helfen. Indem wir darüber Bescheid wissen, dass sich unser Lebensstil in epigenetischen Veränderungen zeigt und damit langfristig beispielsweise Stoffwechselprozesse verändern sowie das Risiko für Krankheiten erhöhen kann, haben wir eine Möglichkeit, dieses Risiko zu steuern. Eine besondere Chance haben Eltern. Wissenschaftler finden immer mehr Belege dafür, wie erstaunlich groß der Einfluss ist, den Eltern in epigenetischer Hinsicht auf ihre Kinder haben. Denn, so eine Erkenntnis der Wissenschaft: Nie wieder verändert sich unser Methylierungsmuster (Aktivierung und Deaktivierung von Genen) so stark wie in den ersten 1000 Tagen unseres Lebens. Aktuelle Studien zeigen, wie sehr Vater und Mutter mit ihrem eigenen Lebensstil ihre Kinder beispielsweise daraufhin epigenetisch prägen, wie effektiv die Fettverbrennung ist – und mit welchem Risiko für Übergewicht und bestimmte Krankheiten, allen voran Diabetes, ihr Nachwuchs zur Welt kommt.

Aber auch Verantwortliche in Politik und Verwaltung, in Krankenkassen und Schulen, in Vereinen und Organisationen nimmt Matthias Riedl in die Pflicht. Sie alle sollten darüber Bescheid wissen, wie ‚frühkindliche Ernährungsprägung‘ unsere Gesundheit auf Jahrzehnte hin beeinflusst. Denn die richtige Prägung von Kindern und die Umstellung beziehungsweise ‚Umprogrammierung‘ von Erwachsenen zu ermöglichen und zu fördern, ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Wenn nicht jeder Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln hat, wenn nicht Konzerne verpflichtet werden, nahrhaftere Lebensmittel zu produzieren und die Zahl energiereicher, hoch verarbeiteter, langfristig krank machender Produkte zu reduzieren, so Matthias Riedl,  dann wird all das Wissen von Ernährungsmedizinern nichts nützen.

Ein hoch interessantes Buch, das mir einige Aha-Effekte bieten konnte und mir bei der Spurensuche im Hinblick auf meine eigene Prägung wertvolle Hinweise bieten konnte. Ob ich meine erlernten Gewohnheiten verändern kann und die Umstellungen dauerhaft in meinen Alltag integrieren kann, muss sich allerdings erst noch zeigen. Die richtige Ernährung ist und bleibt ein Lebensthema, weshalb ich die Lektüre dieses Buches empfehlen kann.

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Dr. med. Matthias Riedl
Die Macht der ersten 1000 Tage
Taschenbuch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-8338-7275-4
Preis: € 19,99 [D] inkl. MwSt.
Verlag: GU Gräfe und Unzer Verlag
Erschienen: 04. Februar 2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Die Kunst der guten Erinnerung – Meik Wiking

Auf dieses Buch wurde ich kurz nach seinem Erscheinungstermin aufmerksam und es sprach mich sofort an, weil ich das Bedürfnis hatte, mich zu erinnern, nicht loszulassen und ich wollte keinesfalls den Menschen vergessen, der mir lieb und wertvoll war und den ich gerade erst verloren hatte. Ich erhoffte mir von dem Buch ein wenig Hilfe dabei, meine Erinnerungen an diesen Menschen zu sortieren und vielleicht in gewisser Form auch zu konservieren, um sie für meine ganz persönliche Ewigkeit haltbar zu machen. Ein verzweifelter Versuch mit dem Schmerz umzugehen, der mich gleichzeitig blind für das machte, was der Klappentext des Buches eigentlich ankündigt: Meik Wiking ist seines Zeichens Glücksforscher und nutzt Daten und Tagebücher, Interviews, globale Umfragen und Studien sowie Experimente aus der Verhaltensforschung und zeigt, wie wir perfekte Momente schaffen können – Momente, an die man sich für immer erinnern wird und die prägen. Es geht also weniger um das Erinnern an sich, sondern um das Schaffen erinnerungswerter Momente.

04_Die Kunst der guten Erinnerung

Dabei ist das Buch in 8 Kapitel unterteilt:

  1. Die Macht der ersten Erinnerung
  2. Mit allen Sinnen erleben
  3. Aufmerksamkeit investieren
  4. Bedeutungsvolle Momente schaffen
  5. Emotionale Highlights ‚markern‘
  6. Gipfel und Täler
  7. Geschichten gegen das Vergessen
  8. Erinnerungen bewahren

Auf den ersten Blick ist dieses Buch wunderschön mit Zeichnungen illustriert und mit zahlreichen stimmungsvollen Fotografien ausgeschmückt. Je weiter ich jedoch beim Lesen fortschritt, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass diese eher inflationär ausgewählt sind und das Buch nur künstlich aufblähen, um über den doch eher dürftigen Inhalt hinwegzutäuschen. Denn wenn man sich mit positiver Psychologie oder dem Thema „Glück“ schon intensiver auseinandergesetzt hat, erfährt man dabei kaum etwas Neues. Das meiste hat man schon mal irgendwo gehört oder gelesen oder macht es bestenfalls bereits intuitiv richtig. Abschließend gibt es in dem Buch noch eine Ideenliste, die dabei helfen soll, ein ganzes Jahr lang glückliche Erinnerungen zu schaffen. Eigentlich eine nette Idee, die allerdings eher wie gut gemeint wirkt und nicht so richtig gut ist, weil sie oft recht vage bleibt.

Da der Autor insgesamt eher Altbekanntes vorstellt und den wenigen Inhalt mit zahlreichen Fotos und vielen langweiligen Geschichten aus seinem Leben streckt, die ich zum Ende hin fast nur noch quergelesen habe, anstatt mich eingeladen zu fühlen, den eigenen Erinnerungen ein wenig nachzuhängen, erweckt das Buch den Eindruck, als hätte er hiermit sein ganz persönliches Erinnerungsstück verfasst.

Gut gefallen hat mir hingegen das Kapitel „Erinnerungen bewahren“. Das widerspricht so völlig dem Minimalismus und Marie Kondos Aufräumwahn, verhilft jedoch zu individuellen Erinnerungsperlen, die beim Betrachten Gefühle hervorzaubern. Das macht so manchen Staubfänger in meinem Regal gleich noch ein wenig wertvoller. Auch nehme ich mir vor, das ein oder andere für mich bedeutungsvolle Foto auch tatsächlich einmal in Printform zu verewigen, um es dem digitalen Universum zu entreißen.

„Bestenfalls erschafft unsere Erinnerung – so schrieb Virginia Woolf einmal in ihren Memoiren – Skizzen der Vergangenheit. Doch so fehlerhaft sie sein mag, so sehr sie von Gipfeln und Tälern beeinflusst ist, sie ist sehr viel wert. Und vielleicht ist unser Glück nicht nur davon abhängig, was wir erinnern können, sondern auch davon, was wir vergessen können. Zu viel Vergangenheit kann uns lähmen. Wir wollen unsere glücklichen Erinnerungen festhalten, aber wir wollen auch in der Lage sein, die Vergangenheit loszulassen, in der Gegenwart zu leben und Zukunftspläne zu schmieden.“ (S. 248)

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Meik Wiking
Die Kunst der guten Erinnerung
Und wie sie uns dauerhaft glücklicher macht
Aus dem Englischen von Ulrike Strerath-Bolz
Hardcover, 288 Seiten
ISBN: 978-3-7857-2663-1
Preis: € 20,00 [D] inkl. MwSt.
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 31. Oktober 2019

erLESENer Oktober

Im Lesemonat Oktober ließ ich mich von Erebos terrorisieren, tauchte nach Norwegen ab, übte mich im therapeutischen Lesen und löste einen Fall bei den Amischen.

Bücherwelten – mit der richtigen Buchstabendosis für jede Stimmungslage…

10_erLESENer

Erebos 2 von Ursula Poznanski
Eine spannende Fortsetzung der Geschichte rund um das an die moderne Technik angepasste Computerspiel mit den gefährlichen Auswirkungen in der Realität. Leichte Schwächen, aber dennoch lesenswert.

Heimatland von Kronprinzessin Mette-Marit (Hrsg.), Geir Gulliksen (Hrsg.)
Unterschiedliche Facetten Norwegens von bekannten norwegischen Literaten in Worte gefasst. Macht Lust aufs Reisen und mehr von Norwegern lesen.

Licht in der Nacht der Seele von Martin Duda
Ein literarisches Antidepressivum, das vor allem durch das Verständis des Autors für die Auswirkungen der Depression und die therapeutische Wirkung des Lesens beeindruckt.

Die Zahlen der Toten von Linda Castillo
Ein gelungenes Thriller-Debüt, das mir tatsächlich Lust darauf macht, mehr von dieser Reihe rund um Kate Burkholder und die Amischen zu lesen.

Wo die Toten tanzen – Caitlin Doughty

Nicht einfach, dieses Buch zu beschreiben, das von einem Thema handelt, über das meist doch lieber nicht gesprochen wird. Dabei ist das endgültige Versagen aller lebenserhaltenden Funktionsabläufe – also der biologische Tod von Lebewesen – eigentlich etwas ganz Natürliches. Im 19. Jahrhundert hätte es niemanden verwundert, wenn ein Leichnam von den Verwandten für die Trauerfeierlichkeiten hergerichtet wurde – es wäre sogar befremdlich gewesen, wenn sie das nicht getan hätten. In beeindruckend kurzer Zeit ist jedoch die Bestattungsbranche entstanden und in vielen Industrieländern zur teuersten, kommerziellsten und bürokratischsten Art mit seinen Verstorbenen umzugehen geworden.

39_Wo die Toten tanzen

Aus genau dieser Branche kommt die amerikanische Bestatterin Caitlin Doughty. In den letzten Jahren reiste sie durch die Welt, um herauszufinden, welche Totenrituale in anderen Ländern praktiziert werden – unter anderem in Indonesien, Mexiko, Spanien, Japan, Bolivien und in verschiedenen Gegenden der USA. In dem Buch „Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird“ versucht sie zu zeigen, dass es keine reglementierte Art gibt, mit dem Tod zu ‚verfahren‘ oder ihn zu verstehen. Sie besucht in Indonesien einen Mann, der mit dem mumifizierten Körper seines Großvaters zusammenlebt. Verfolgt in Japan eine Zeremonie, bei der Angehörige die Knochen des Verstorbenen mit Stäbchen aus der Verbrennungsasche lesen. Und geht in Mexiko dem „Tag der Toten“ auf den Grund. Augenzwinkernd stellt sie Alternativen wie die Öko-Bestattung vor. Und hinterfragt, ob unsere westlichen Riten Raum zur angemessenen Trauer lassen.

„Ich glaube mittlerweile, dass die Vorzüge eines Totenbrauchs nicht auf Mathematik beruhen, sondern auf Emotionen, auf dem Glauben an die einzigartige Würde der jeweils eigenen Kultur. Das heißt, wir halten Totenrituale nur dann für primitiv, wenn sie nicht mit den unseren übereinstimmen.“ (S. 14)

Wenn man dies gleich zu Beginn des Buches für sich geklärt hat, herrscht die nötige Offenheit um kennenzulernen, wie in anderen Kulturen mit dem Tod und den Verstorbenen umgegangen wird. Die Konfrontation mit dem Tod ist nichts für schwache Nerven und manche Beschreibungen über Aussehen und den Umgang mit menschlichen Überresten verursachen mir beim Lesen ein flaues Gefühl im Magen. Tatsächlich hätte ich mir stellenweise eine weniger anschauliche Schilderung gewünscht, weil es mich doch schockiert hat. Nichtsdestotrotz ist die Thematik sehr interessant und auf ihre Weise bereichernd, da mein Umgang mit dem Tod bislang eher oberflächlicher Natur war. Ebenfalls für gelungen halte ich die zahlreichen Illustrationen von Landis Blair, die Aufbauten und Arrangements begleitend zum Text auf ansprechende und in gewisser Weise doch pietätvolle Art verbildlichen, wie es beispielsweise Fotografien nicht gekonnt hätten.

Gelegentlich ist mir die Ausdrucksweise jedoch zu flapsig und makaber, der Humor der amerikanischen Autorin zu gewollt. Doch das sind glücklicherweise nur kurze Sequenzen, denn sobald Caitlin Doughty wieder etwas sachlicher wird, lese ich gespannt und interessiert weiter.

„Wo die Toten tanzen“ ist kein Buch, das sich einfach so weglesen lässt. Zu oft vergleicht man mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen und wird mit dem Tod in einem Rahmen konfrontiert, der teilweise nur schwierig vorstellbar ist. Gleichzeitig entmystifiziert das Buch dieses Thema ein wenig und ist ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen. Eine Empfehlung!

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Caitlin Doughty
Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird
Aus dem Amerikanischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
Mit Illustrationen von Landis Blair
Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten
ISBN: 978-3-89029-506-0
Preis: € 20,00 [D], € 20,60 [A]
Verlag: Malik
Erschienen:  02. September 2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Das geheime Band zwischen Mensch und Natur – Peter Wohlleben

Seitdem ich Peter Wohlleben vor Jahren in einer Talkshow sah, wollte ich immer mal eines seiner Bücher lesen. Ich mochte die Art, wie er anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse und seiner eigenen Erfahrungen über die erstaunlichen Phänomene der Natur berichtet. Erst in diesem Jahr wurde ihm für seine emotionale und unkonventionelle Wissensvermittlung die Bayerische Naturschutzmedaille verliehen. Und doch ist das erst kürzlich erschienene Buch „Das Geheime Band zwischen Mensch und Natur“ das erste Buch, das ich von ihm las und von dem ich an dieser Stelle verraten kann, dass es nicht mein letztes sein wird.

„Wir sind keine degenerierten Wesen, die nur mithilfe der modernen Technik noch in der Lage sind, langfristig zu überleben. Lassen Sie sich auf der Reise in die Wälder überraschen, wie gut Ihre Sinne funktionieren! So gibt es zum Beispiel Gerüche, die Sie besser wahrnehmen können als Hunde. Daneben werden wir auf elektrische Phänomene an Bäumen stoßen, die Spinnenhaare zu Berge stehen lassen. Im Grünen gibt es eine gut bestückte Apotheke, aus der sich nicht nur alle Tiere, sondern auch Sie sich bedienen können. Darüber hinaus umweht Sie ein Kommunikationscocktail, der Ihren Kreislauf und Ihr Immunsystem stärkt.“ (S. 7/8)

36_Das geheime Band zwischen Mensch und Natur

Als Förster und Naturschützer entdeckt Peter Wohlleben verblüffende Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Natur – ein uraltes Band, das bis heute intakt ist, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind. So profitiert unser Immunsystem bei einem Waldspaziergang nachweislich von pflanzlichen Antibiotika, die Bäume zu ihrem eigenen Schutz vor Angreifern ausdünsten. Unser Blutdruck normalisiert sich in der Umgebung von Bäumen, die Farbe Grün beruhigt uns, der Wald schärft unsere Sinne, er lehrt uns zu riechen, hören, fühlen und zu sehen. Peter Wohlleben öffnet die Augen für das verborgene Zusammenspiel von Mensch und Natur. Er entführt uns in einen wunderbaren Kosmos, in dem der Mensch nicht als überlegenes Wesen erscheint, sondern als ein Teil der Natur wie jede Pflanze, jedes Tier.

Aber Peter Wohlleben macht auch bewusst, dass es in unserem ureigenen Interesse ist, die Natur zu bewahren. Er studierte Forstwirtschaft und war über zwanzig Jahre lang Beamter der Landesforstverwaltung. Heute hält er Vorträge und Seminare, schreibt Bücher zu Themen rund um den Wald und den Naturschutz und leitet eine Waldakademie in der Eifel. Er setzt sich weltweit für die Rückkehr der Urwälder ein, denn die angeschlagene Natur kann sich am besten heilen, wenn man ihr den Raum dazu lässt. Aber auch mit den derzeit in den Schlagzeilen stehenden Wäldern beschäftigt er sich und gewährt interessante Einblicke. Es ist viel Stoff zum Nachdenken in dem Buch vorhanden, aber es setzt auch ganz klar das Signal, dass es für den Schutz der Natur nicht zu spät ist – nie zu spät sein kann, weil wir als Menschen viel zu stark mit ihr verbunden sind.

So erzeugt das Buch neben der Schärfung des Bewusstseins für die Probleme des Waldes und der Waldbewirtschaftung gleichzeitig eine lebendige Atmosphäre, in der man Erstaunliches über die Natur entdecken kann und die gleichzeitig Lust darauf macht, sich auf der Stelle in den nächsten Wald zu begeben um diesen mit all seinen Sinnen und dem frisch erworbenen Wissen neu zu erfahren. Ein Buch, das nachwirkt.

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Peter Wohlleben
Das geheime Band zwischen Mensch und Natur
Erstaunliche Erkenntnisse über die 7 Sinne des menschen, den Herzschlag der Bäume und die Frage, ob Pflanzen ein Bewusstsein haben
Hardcover, 240 Seiten
ISBN: 978-3-453-28095-3
Preis:  22,00 [D] inkl. MwSt. | € 22,70 [A] CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Ludwig
Erschienen:  12. August 2019

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

 

 

 

 

 

Das 5-Minuten-Trampolin-Training – Manuel Eckardt

Die ersten Erfahrungen mit dem Trampolin machte ich seinerzeit beim Schulsport und konnte mich mit dem Sportgerät damals nicht so recht anfreunden. Immer diente es als Hilfsmittel um irgendwelche Hindernisse zu überspringen oder mit ordentlichem Schwung und einer Rolle in der Luft in der dicken blauen Sportmatte zu landen. Ich mochte das alles nicht und fand es einfach nur überflüssig – wie Sport überhaupt und Schulsport im Speziellen. Selbst das von anderen Mitschülern so bejubelte große Trampolin konnte mich damals nicht in Begeisterung versetzen. Meine Meinung bezüglich sportlicher Betätigung hat sich im Laufe der Jahre zwar geändert, aber es erstaunt mich dennoch, dass ich mit nunmehr fast 52 Jahren seit kurzem Besitzerin eines Mini-Trampolins mit türkisfarbenen Gummi-Seilringen bin.

Schuld daran ist das Online-Fitness-Portal purlife, bei dem ich seit über 3 Jahren angemeldet bin. Immer mal wieder habe ich auch neugierig in die Trampolin-Videos geschaut und mich gefragt, wie es sich wohl anfühlt auf diesen Geräten zu trainieren. Leicht und beschwingt sieht das Training aus, mehr nach Spaß als nach schweißtreibendem Sport. Gerne hätte ich so ein Trampolin-Training probeweise mal mitgemacht, aber der Weg nach Weilburg zu dem Purlife-Offline-Fitness-Studio ist mir einfach zu weit und der Kauf eines bellicons, also der Trampolin-Hausmarke, das man sich nach eigenen Wünschen zusammenstellen und nach Hause liefern lassen kann, übersteigt einfach mein Budget. Aber dann ging plötzlich alles ganz schnell. Abends beim Einkaufen sah ich im blau-gelben Diskounter das Mini-Trampolin mit den türkisfarbenen Gummi-Seilringen und entschied am nächsten Morgen, dass ich die etwa 60 Euro investieren und es unbedingt haben möchte will. Es hat übrigens mehr als knapp und auch nur ohne Karton ins Auto gepasst, worüber wir nicht nachgedacht hatten, nicht mal als wir das sperrige Ding zu zweit durch das halbe Geschäft buchsierten.

Zu Hause waren jedoch schon bald die Stahlbeine angeschraubt und ich machte die ersten Hüpfer auf meiner Neuerwerbung. Den beigefügten T-Griff brachte ich jedoch nicht an, weil ich die Extremsprünge, wie sie auch auf beiliegender DVD gezeigt werden, keinesfalls machen wollte. Aber ich fühlte mich anfangs noch sehr unsicher und hätte mir etwas zum festhalten gewünscht. Doch für das purlife-Training ist kein T-Griff notwendig und allein um dieses Training ging es mir ja glücklicherweise. Denn das, was auf der DVD gezeigt wird, die zum Trampolin gehört, ist langweilig und sorgt vermutlich dafür, dass viele Mini-Trampoline nach kurzer Begeisterung verstauben oder wieder verkauft werden. Enthusiastisch machte ich mein erstes Trampolin-Videotraining aus der Sammlung „purBounce Einsteiger“. Wackelig und unsicher war ich, selten im Rhythmus und am Ende ziemlich aus der Puste. So anstrengend hatte ich mir das nicht vorgestellt, aber immerhin war ich nicht abgeneigt und machte auch an den folgenden Tagen weiter. Dabei wuchs jedoch mein Bedürfnis, mehr über diese Sportart erfahren zu wollen. Also kaufte ich mir das „Das 5-Minuten-Trampolin-Training“, das Buch von purlife Geschäftsführer und Fitnesstrainer Manuel Eckardt.

32_Das 5-Minuten-Trampolin-Training

In der schon von den Online-Gesundheits-Seminaren gewohnten Manier vermittelt der Autor alles Wissenswerte rund um das Mini-Trampolin – auch hier im Speziellen das der Firma bellicon. Dabei geht er nicht nur auf die „Dos and Don’ts“ ein, sondern erklärt auch ausführlich wie sich das Schwingen auf dem Trampolin positiv auf den gesamten Körper und das Wohlbefinden auswirkt. So erfährt man etwas über die Funktionsweise der Zellen und des Herz-Kreislauf-Systems, die Rolle einer guten Sauerstoffzufuhr und die herausragende Wichtigkeit von Wasser, wie Glückshormone durch das Trampolin in Schwung kommen und sich Verspannungen und Blockaden lösen und sogar die Bandscheiben vom Training profitieren können. Da man jedoch nicht umhin kommt sich mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen, wenn man lange gesund und aktiv bleiben möchte, geht Manuel Eckardt in einem gesonderten Kapitel auch auf diesen Aspekt etwas detaillierter ein. Denn auch bei der Nährstoffversorgung kann das Trampolin unterstützend wirken. Alles liest sich gut verständlich und ist sehr interessant, obwohl ich bereits durch die schon angeschauten Online-Ernährungsseminare recht gut informiert bin.

Als ich jedoch endlich im Buch bei dem vierwöchigen Trainingsprogramm ankomme, bin ich irgendwie raus. Die Einleitungen sind zwar gut, die Beschreibungen der Übungen verständlich, aber die zugehörigen Bilder klein und bei manchen sehe ich kaum einen Unterschied zum vorherigen Bild. Das lädt nicht gerade zum nachmachen ein, sondern verursacht bei mir eher einen fragenden Gesichtsausdruck. Gleichzeitig lotst es einen fast automatisch zu der im Buch angegebenen Internetadresse, bei der man sich kostenlos anmelden und die Videos zu dem Trainingsprogramm anschauen oder sogar per App aufs Handy laden kann. Da ich bereits Mitglied bei purlife bin, suche ich mir Online im Portal einfach den passenden Trainingsplan, gleichlautend zum Buchtitel, heraus und starte mit den 5-minütigen Trainingseinheiten. Sie sind so konzipiert, dass man von Woche zu Woche intensiver und mutiger trainiert und in gelegentlichen Seminaren Wissenswertes über Ernährung und das Schwingen mit dem Trampolin erfährt. Genau das, was ich wollte – dazu hätte ich das Buch eigentlich nicht gebraucht und es bietet mir als purlife-Mitglied tatsächlich auch keinen nennenswerten Mehrwert. Darauf hätte ich früher kommen können, bin allerdings auch nicht verärgert, weil das Buch neben Online-Videos und der App lediglich als eine weitere Möglichkeit der Wissensvermittlung dient und auch nicht als mehr oder weniger angepriesen wird, wie ich später entdecke – folglich mein Fehler.

Wer also noch nicht bei purlife angemeldet ist und dort die Übungsvideos für das „5-Minuten-Trampolin-Training“ (und andere) anschauen möchte oder vielleicht lieber den Einstieg ins Trampolin-Training nur mit dem Buch machen möchte, für den könnte es dennoch interessant sein.

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Manuel Eckardt
Das 5-Minuten-Trampolin-Training
Softcover, 160 Seiten
ISBN: 9783899939514
Preis: € 19,99 [D]
Verlag: humboldt
Erschienen:  09. Januar 2017

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