abc.etüden: Übersinnlichkeit

Als sie morgens verschlafen vor dem Badezimmerspiegel ihre Zähne putzte, war noch alles in Ordnung gewesen. Abschließend hatte sie wie gewohnt ihre Zähne gebleckt und danach ihre Haare zu einem Zopf zusammengebunden, bevor sie sich auf den Weg zur Arbeit machte. Auch der Vormittag im Büro war noch ganz normal und ohne große Vorkommnisse abgelaufen – etwas stressig zwar, aber das gehörte zum Arbeitsleben halt manchmal dazu.

Sicherheitshalber hatte sie sich gleich nach der Arbeit auf den Weg in den Wald gemacht um etwas Entspannung bei einem Spaziergang zu finden. Doch als sie allmählich zur Ruhe kam, merkte sie, dass etwas anders war. Sie nahm die Farben um sich herum verändert wahr. Das Grün der Bäume war greller als sonst und die Fliegenpilze am Wegesrand schienen fast schon zu leuchten. Alles um sie herum war kontrastreicher als sonst. Helles erschien heller und Dunkles noch dunkler. Die geliebten Gerüche des Waldes waren intensiver, zwar nicht zu intensiv, aber doch ein wenig zu stark, um wirklich angenehm zu sein. Selbst die Stimmen der Vögel glichen keinem Gesang mehr, sondern hallten leise, aber vehement in ihrem Kopf wider.

Sie wunderte sich über ihre Wahrnehmung, aber sie machte ihr keine Angst mehr. Traurig erinnerte sie sich an ihre Tabletten, die sie pünktlich und wie gewohnt genommen hatte, aber gegen stressige Situationen auf der Arbeit oder gegen die normalen Unplanbarkeiten des Lebens konnten auch sie nicht schützen. Jetzt hieß es einfach die Ruhe zu bewahren, tief durchzuatmen und erstmal alles hinter sich zu lassen. Das Hier und Jetzt würde sie schon bald begrüßen und ihr die gewohnte Sinneswelt zurückgeben. Darauf konnte sie vertrauen, auch wenn die Pfütze vor ihr gerade einen Himmel zeigte, der am Boden war und in dem sie versinken würde, wenn sie nicht auf sich aufpasste.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Pilze, traurig, schlafen.

abc.etüden: Waldbaden

Vergessen war die vergangene Nacht, in der sie sich von einer auf die andere Seite gewälzt hatte und sie auch das langweilige Buch dem schlafen nicht näher gebracht hatte. Als endlich die Morgendämmerung hereingebrochen war, ging sie leise durch den allmählich erwachenden Wald. Nicht dass sie zu den Waldbesuchern gehörte, die sonst herumlärmte, aber heute war sie für die Ruhe besonders empfänglich und lauschte intensiv dem gelegentlichen Zwitschern der Vögel und dem Rauschen der Blätter, das der Wind erzeugte, wenn er in kleinen unregelmäßigen Böen durch die Bäume strich. Erste Blätter rieselten bereits zu Boden und kündeten davon, dass der Herbst nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.

Konzentriert setzte sie einen Schritt nach dem anderen und saugte tief die harzig-erdige Luft in sich ein. Ihre Sinne waren geschärft und empfänglich für alles, was das Hier und Jetzt ihrem übernächtigten Geist zu bieten hatte. Der Wald nahm sie mit offenen Armen auf und schenkte ihr Kraft. Sie wünschte sich, dass sie ähnlich wie die Pilze eine Symbiose mit den Bäumen eingehen könnte. Mit ihnen fast schon verschmelzen zu können um sich mit sich und der Welt als eins zu fühlen. Ein Geben und Nehmen. Ein Gedanke, so schön und traurig zugleich. Denn derzeit konnte sie dem Wald nicht mehr zurückgeben, als dass sie ihn von dem Müll befreite, den andere ihm achtlos aufgebürdet hatten.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Pilze, traurig, schlafen.

abc.etüden: Gedankenwälzer

Es gab da diese Idee, die sie fast schon engelhaft immer wieder von Zeit zu Zeit umgarnte und doch nicht viel mehr war als ein Gedanke, den sie sich nicht traute weiter zu denken. Denn immer dann, wenn er ihr in den Sinn kam und weiter gesponnen werden wollte, blockte sie ihn ab. Zu laut hallten in ihrem Kopf Sätze wider, die von ihrer Unfähigkeit sprachen. Immer ging es um mangelndes Durchhaltevermögen und fehlendes Talent. Unbestätigt zwar, aber dennoch. Wenn man ein wenig genauer hinhörte, schwang darin eigentlich die tiefsitzende Angst vor Ablehnung und Versagen mit. Die Quintessenz ihres Lebens. Niederschmetternd und grausam.

Wohl auch ein Grund, sich zu vergraben und in dem auszuharren, was sie bislang erreicht hatte. Aber durfte man tatsächlich dabei von erreichen sprechen? Hatte sie irgendwelche Anstrengungen dafür unternommen oder waren es nicht vielmehr Dinge, die sich auf die ein oder andere Art ergeben hatten oder in die die Umstände und manchmal auch einfach die Wirren des Lebens sie getrieben hatten? Wie in einem Spiel, in dem jemand Anderes für sie würfelte und setzte. Wann hatte sie die Würfel aus der Hand gegeben? Wann hatte sie aufgehört zu träumen und nach den Sternen zu greifen? Etwas zu wagen, den Unkenrufen in ihrem Kopf zum Trotz? Und wann, wenn nicht jetzt war die Zeit gekommen, so manchen Gedanken einfach weiter zu denken und zu schauen ob er für die Realität taugte?


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Idee, engelhaft, vergraben.

#WritingFriday: Geisterjäger

Es war ruhig in der Wohnung, das heißt, noch war es ruhig, denn auch wenn seine Menschen noch schliefen, war es doch genau die richtige Zeit für den ersten Frühsport. Trix blinzelte noch etwas verschlafen, legte kurz seine spitzen Ohren an und streckte sich genüsslich. Das war gar nicht so einfach für den dreibeinigen rotgetigerten Kater, aber er hatte von klein auf gelernt seinen Körper genau so auszubalancieren, dass er die wohltuende Streckung erreichte. Dann sprintete er auch schon los, hechtete durch alle Räume und kippte voller Überschwang auch schon mal um. Aber immer rappelte er sich wieder auf. Er musste die bösen Geister vertreiben, die seine Menschen im Schlaf beschlichen und versuchten, ihnen die Kraft für den bevorstehenden Tag zu rauben. Natürlich wichen die Geister Trix aus, aber er gab nicht auf und warf gelegentlich sogar mit seinen Fellmäusen nach ihnen. Das ergab meist ein fröhliches Glöckchengeklingel, wenn sie ihr Ziel durchquerten und anschließend auf dem Boden oder gegen irgendwelchen Schränken landeten.

Eine anstrengende und erschöpfende Aufgabe, die der kleine rote Wächter über die Geisterwelt sich auferlegt hatte und der er in jeder Nacht nachkam, so gut er konnte. Und jede Nacht gönnte er sich nur kleine Pausen und war froh, wenn die Morgendämmerung hereinbrach, weil seine Menschen allmählich erwachten. Dann war auch die Zeit für sein Frühstück gekommen, das er immer lautstark einforderte, auch wenn er sich sicher sein konnte, dass seine Menschen es ihm gerne mit freundlichen Worten und einem Lächeln im Gesicht servierten, weil sie ihm für seine nächtliche Arbeit dankbar waren. Sie zeigten ihm dies auch mit zahlreichen Streicheleinheiten, die er während des Tages bekam und die er meist mit einem wohligen Schnurren quittierte. Einfach weil er es mochte, wenn seine Menschen dann einen ganz zärtlichen Gesichtsausdruck bekamen und ihre Augen liebevoll glänzten.

Doch auch im Kampf gegen die Geister des Tages war Trix eine wirkungsvolle Wunderwaffe. Der kleine Kater bemerkte immer sofort, wenn sie von seinen Menschen Besitz ergriffen. Meist waren diese dann angespannter als sonst oder aber so erschöpft, dass sie sämtlicher Lebensenergie beraubt schienen. Dann legte er sich auf seine Menschen, schloss die Augen und meditierte. Er selbst kam dabei wieder zur Ruhe und konnte viel von der beinahe unerschöpflichen Kraft weitergeben, die ihn dann durchströmte. Das genoss er so sehr, dass er manchmal ein wenig dabei sabberte. Seine Menschen brachte das meist zum Lachen. Für ihn ein untrügliches Zeichen dafür, dass seine Bemühungen wieder einmal erfolgreich gewesen waren.

Irgendwann hatten seine Menschen überlegt, Trix durch eine Prothese sein fehlendes Beinchen zurückzugeben. Aber das hätte dieses perfekte kleine Katzenwesen verstümmelt.


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Berichte aus dem Alltag von Trix, einer dreibeinigen roten Katze mit einem verblüffenden Talent.“

#WritingFriday: Unwelten

Allgegenwärtig war die Illusion einer perfekten Welt – und in der hatte das optische Altern einfach keinen Platz. Wer es sich leisten konnte, ließ sich die Gesichtszüge straffen und erkaufte sich dadurch die plastikhafte Fassade der ewigen Jugend. Inbegriffen war das wie festgefroren wirkende Lächeln, das eher einer Maske als einer herzlich gemeinten Gefühlsregung glich. Auch die Körper wirkten wie aus Formen gepresst und nur wenn man die Gelegenheit bekam ganz genau hinzuschauen, konnte man eine der kleinen Narben erkennen, die bezeugten, dass hier ein fachkundiger Chirurg Hand angelegt hatte. Besitztümer wurden öffentlich präsentiert und in Szene gesetzt, damit die Habseligkeiten blenden und über mangelnde Kernkompetenzen hinwegtäuschen konnten. Sie war das alles so müde.

Dabei wusste sie doch, wie dieses Spiel lief. Jeder wusste das, und doch konnte sie die Tage kaum ertragen, an denen sie die Zeit hatte, sich Gedanken darüber zu machen. Wer wollte schon so klar sehen und sein Leben und das Aller in Frage stellen. Stürzte man sich so nicht fast schon absichtlich in eine Sinnkrise? Glücklicherweise teilte seit kurzem die Regierung an jeden Mitbürger das englisch ausgesprochene Präparat „Widerling“ aus. Eine treffende Bezeichnung, denn es machte tatsächlich irgendwie breit und spülte die Gedankenwelt so weich, dass jedes „Gegen“ unweigerlich zu einem „Mit“ wurde. Leider hatte sie ihre Wochenration bereits aufgebraucht, weil sie die entspannende Wirkung des aus einer Mutation des Eryngium agavifoliu gewonnenen Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittels so sehr genoss.

Doch inzwischen hatte die Wirkung nachgelassen und sie nahm ihre Umgebung wieder deutlich wahr. So kam es, dass sie eine derjenigen war, die mitbekamen, dass die Regierung beschlossen hatte, künftig „Widerling“ nur noch ins Trinkwasser zu mischen. Um dem Missbrauch entgegen zu wirken, der leider Überhand genommen hatte – so hieß es. Sie wusste, dass spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen war, gegen die Maßnahmen von Oben aufzubegehren. Aber mehr wusste sie nicht, weil „Widerling“ bereits ihr Anti-Gen zerstört hatte.

Unwelten


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling“

Etüdensommerpausenintermezzo III/2020: Fotografie

Geknipst habe ich seit meiner Kindheit, nämlich immer dann, wenn etwas Besonderes anstand. So hatte ich es gelernt. Zu Feierlichkeiten, bei Ausflügen, im Urlaub. Es musste einfach eine Kamera dabei sein. Ein Blick, ein Klick und schon war der Zeitpunkt im Bild eingefroren und auf die Filmrolle gebannt. Diese musste später noch weggebracht und entwickelt werden, damit auch tatsächlich ein Foto daraus entstehen konnte, das es vielleicht sogar ins Fotoalbum schaffte. Ich habe mir im nachhinein gern diese Bilder angeschaut, die eigentlich wie eine Gedächtnisstütze sind und mich oft gedanklich in die Situation und Zeit zurückversetzen können, in der sie entstanden sind.

Die gestellten Familienfotos sind in meiner Erinnerung allerdings noch gestellter und unnatürlicher, weil mir auch heute noch die harschen Kommandos im Ohr klingen, mit denen die Personen ins Bild gequetscht wurden oder eine Nähe zur Schau gestellt werden sollte, die es so eigentlich nicht gab. Dafür liebe ich die Schnappschüsse umso mehr. Sie zeigen zwar die abgelichteten Menschen nicht unbedingt von ihrer Schokoladenseite, aber sie bleiben lebendig in Erinnerung, nämlich so, wie man sie erlebt und geliebt hat. Mitsamt dem schelmischen Blick zu dem verschmitzten Lächeln, der Grimasse oder bestenfalls in einer Situation, die einen noch heute zum Lächeln bringt, einfach weil man diesen Menschen so sehr mag und sich darüber freut, zur Erinnerung wenigstens noch über das ein oder andere Bild zu verfügen.

Und dann gibt es bei mir noch Zeiten, die ich für mich als die grauen Jahre bezeichne, obwohl es von ihnen Bilder in Farbe gibt, die bezeugen, dass ich sogar in den Urlaub gefahren sein muss. Doch meine Erinnerungen an diese Zeit sind verwaschen und gefühlsneutral, weil eine Krankheit mich sämtlicher Lebensfarben beraubt hatte. Doch genau diese Krankheit sorgte auch dafür, dass ich einige Zeit später über Umwege die Fotografie neu und völlig anders für mich als Hobby entdeckte. Allmählich bekam ich durch sie eine neue Sicht auf die Welt um mich herum. Das manuelle Scharfstellen, beziehungsweise „Schönes Sehen“ oder das „Ungewöhnliche Sehen“ funktionierte anfangs noch nicht, aber glücklicherweise stellte sich der Autofokus als hilfreich heraus. Während ich noch benommen bemüht darum war meine Umwelt wieder bewusster wahrzunehmen, hatte meine Canon EOS 1000D, eine Spiegelreflexkamera für Einsteiger, die ich mir 2011 geleistet hatte, bereits alles klar im Blick.

Von vornherein entschied ich mich gegen das Format JPG um im RAW-Modus zu fotografieren. Deshalb lernte ich parallel zur Handhabung der Kamera auch gleich noch den zur Entwicklung der Fotos nötigen Umgang mit dem Programm Lightroom. Gar nicht so einfach, wenn man unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen leidet. Zuerst fotografierte ich nur mit den Halbautomatiken und entschied mich meist für die Blendenvorwahl, später traute ich mich auch an die Zeitvorwahl heran, überließ jedoch den Weißabgleich der Kameraautomatik,  auch deshalb, weil ich die Einstellung auch später noch beim Entwickeln in Lightroom vornehmen konnte. Mit dem ISO-Wert konnte ich hingegen lange Zeit nichts anfangen, lernte es aber später bei der Nachtfotografie zu schätzen, dass ich mit diesem Wert Einfluss auf die Lichtempfindlichkeit des Sensors (nicht nur bei Dunkelheit) nehmen konnte.

Ich hatte so unglaublich viel Neues zu lernen und ließ mich von allem begeistern, was irgendwie mit Fotografie zu tun hatte. Ich kaufte mir ein Handbuch zur Kamera und sah mir etliche YouTube-Videos an, um auch im Umgang mit Lightroom immer sicherer zu werden. Blende und Verschlusszeit waren irgendwann für mich keine Fremdworte mehr und ich traute mich sogar daran, gelegentlich auf die Kameraautomatiken zu verzichten um alles manuell einzustellen. Das war allerdings auch notwendig, denn ich hatte im Internet schon früh Projekte von Fotobegeisterten entdeckt, die die Teilnehmenden wöchentlich vor neue Themen und Herausforderungen im Umgang mit der Technik und Bildgestaltung stellten. Erst dadurch lernte ich das Fotografieren wirklich. Ich sah, wie unterschiedlich die Themen interpretiert und umgesetzt wurden. Auch Plattformen wie Facebook und Instagram zeigten mir Bilder von denen ich lernen konnte. Das regt einerseits zum Nachahmen dessen an, was man an den Bildern anderer gerne mag und zeigt andererseits auch im Vergleich, welche Techniken oder Gestaltungsmöglichkeiten man noch lernen könnte, welche man bereits beherrscht oder welche man vielleicht sogar besser kann, als der Urheber des betrachteten Fotos. Bei anderem erkenne ich im nachhinein, was ich verbessern könnte und finde Grenzen, die manchmal auch einfach darin begründet liegen, dass meine Finanzen recht überschaubar sind und ich meist in der näheren Umgebung fotografiere. Es gibt einfach Orte auf dieser Welt, wo man nur den Auslöser betätigen muss, um ein traumhaftes Einzelbild zu fotografieren. Der Niederrhein ist zwar schön, aber fotografisch macht er es einem nicht immer so einfach. Doch mit etwas Experimentierfreude, dramatischem Wetter, etwas Glück und dem Mut auch mal dem Gegenlicht ins Auge zu blicken, kommen dennoch ansehnliche Ergebnisse dabei heraus.

Doch die Kamera allein und das Kit-Objektiv machen auf Dauer nicht glücklich. Und so gesellten sich im Laufe der Jahre erst ein Telezoom-Objektiv, danach noch ein Makro-Objektiv und zum Schluss das Ultra-Weitwinkelobjektiv dazu. Denn genau diese Möglichkeiten, die einem die Objektive eröffnen, machen die Fotografie erst so richtig abwechslungsreich, aber auch herausfordernd. Denn gelegentlich nervt es doch ein wenig, zwischen ihnen hin und her wechseln zu müssen. Aber beim späteren Entwickeln sehe ich, dass es sich gelohnt hat und ich das bildlich umsetzen und einfangen konnte, was ich mir im Vorfeld vorgestellt hatte. Dem Smartphone sind da doch gewisse Grenzen gesetzt, obwohl ich manchmal darüber staune, welche Fotos mit meinem Mittelklasse-Smartphone doch möglich sind. Denn wie heißt es so schön: „Die beste Kamera ist die, die man dabei hat.“ Und wenn mich unterwegs ein Motiv anspringt, ich die Kamera jedoch nicht dabei habe, mache ich halt Fotos mit meinem Handy. Aber da macht es eben auch einen Unterschied, ob ich mir über die Bildgestaltung Gedanken mache und statt im JPG- im RAW-Modus fotografiere, den ich in der Lightroom-App auswählen kann um den vollen Umfang an Entwicklungsmöglichkeiten für das Bild zur Verfügung zu haben. Denn auch das die Fotografie unvorhersehbar und spontan sein kann, macht sie zu einem besonderen Erlebnis und die spätere Bildentwicklung am Computer macht mir nochmal beinahe genauso viel Freude, wie das Unterwegs Sein und Fotografieren selbst.

In den letzten Jahren wurde jedoch ganz allmählich der Wunsch nach einer neuen Kamera größer und in gefühltem Zeitlupentempo wuchsen schließlich auch meine Ersparnisse dafür heran. Etwa neun Jahre habe ich mit meiner Einsteigerkamera fotografiert. Sie hat mir wertvolle Dienste geleistet und mich niemals im Stich gelassen, auch wenn ich mit den Jahren so manche Funktion an ihr vermisste. Als treue Wegbegleiterin hat sie mir Woche für Woche zur Seite gestanden, wenn ich für diverse Fotoprojekte oder unsere kleinen Fototouren Bilder gemacht habe. Ich habe viel gelernt und bin dankbar für dieses Hobby, das mich immer wieder in die Natur treibt um genau, genauer und manchmal auch ganz genau hinzusehen. Jetzt habe ich seit wenigen Wochen meine neue – die Canon EOS 80D. Sie liegt unglaublich gut in der Hand und ich staune, was sie alles kann. Ein Quantensprung, auch wenn ich immer noch nicht weiß, was die X-Synchronzeit ist. So habe ich auch weiterhin noch viel zu lernen, Neues zu entdecken und Anderes wieder zu finden; kann dabei weiterhin meinen Fotografischen Blick schulen, Gestaltungsregeln anwenden oder bewusst ignorieren und nach Herzenslust experimentieren und ausprobieren. Ich liebe es und freue mich über das neue Kapitel in meinem Foto-Tagebuch.

Foto-Tagebuch


Beim Etüdensommerpausenintermezzo III-2020 geht es darum, zu einem frei wählbaren Oberthema je einen passenden Begriff zu den Buchstaben des Alphabets zu finden und daraus einen Text zu formen. In meinem Fall: „Fotografie“ – Autofokus, Bild, Canon, Dunkelheit, Erinnerung, Fotoalbum, Gestaltungsregeln, Handbuch, ISO-Wert, JPG, Kamera, Lightroom, Makro-Objektiv, Nachtfotografie, Objektiv, Projekt, Quantensprung, RAW-Modus, Spiegelreflexkamera, Telezoom-Objektiv, Ultra-Weitwinkelobjektiv, Verschlusszeit, Weißabgleich, X-Synchronzeit, YouTube-Videos, Zeitvorwahl)

 

#WritingFriday: Die Nichtbekehrung eines Nichtlesers

Einen Nichtleser zum Lesen bekehren zu wollen widerstrebt mir, denn irgendetwas ist ist im Leben dieses Nichtlesers bereits schief gelaufen, wenn er sich so sehr gegen das Lesen sträubt, dass er sich dazu gezwungen fühlt, sich öffentlich so bezeichnen zu müssen. Oft sind es fast schon geradezu militante Versuche lesebegeisterter Mitmenschen, die krampfhaft versuchen einem jungen unbedarften ABC-Schützen ihr liebstes Hobby aufzuzwingen. Beispielsweise das Lesen üben unter Zwang, also erst etwas gemeinsam Lesen zu müssen, bevor die eigentlich angestrebte Tätigkeit ausgeübt werden kann. So kann man einem Kind mit Leichtigkeit selbst das systematisch vermiesen, was es unter Umständen vielleicht gemocht hätte. Aber möglicherweise hat auch der übermäßige Film- und Videokonsum schon früh dazu geführt, dass das Kind diese bequeme Form Geschichten zu erfahren für sich als die als bessere zu empfinden gelernt, ja vielleicht sogar von den Eltern vorgelebt bekommen hat. Es muss nicht selbst gelesen und passend dazu das Vorstellungsvermögen bemüht und sich mit Sprache auseinandergesetzt werden, sondern man bekommt ganz bequem alles bildlich vorgesetzt und übt sich schon früh darin, sich einfach berieseln zu lassen.

Einen so bereits geprägten jungen Nichtleser doch noch zum mit Freude empfundenen Lesen zu bringen, kann schwierig sein. Mit etwas Glück macht der Film oder die Serie auf das zugrunde liegende Buch oder die Buchreihe neugierig, so dass doch noch die Ausgangsgeschichte gelesen wird und der Weg zurück zum Ursprung führt. Wenn dann auch noch das Buch mehr zu begeistern weiß als der Film, wäre das der gewünschte Volltreffer. Wahrscheinlich wird das Interesse des Nichtlesers aber eher durch einen Mehrwert geweckt, den das Buch zum Film liefern kann. So können ergänzende Themen oder absolut nerdige Zusatzinfos zum geliebten Film sicherlich so manchen Nichtleser doch noch ins Buch blicken lassen. Auch könnte man diesen Effekt vielleicht erreichen, wenn man den Nichtleser sehr gut kennt und ihm zu seinen Herzensthemen und den liebsten Hobbies Bücher empfiehlt oder vielleicht sogar schenkt. Das garantiert zwar nicht, dass dieses Buch auch gelesen wird, aber es könnte unter Umständen so neugierig machen, dass darin zumindest schon mal herumgeblättert wird und die Chancen darauf, dass der Nichtleser sich festliest, steigen. Erst recht, wenn dieses Buch von jemandem empfohlen wird, der in der Gunst des Nichtlesers hoch angesehen ist und bestenfalls sogar gewisse Interessen und Vorlieben teilt. Der anschließende gemeinsame Austausch über die Inhalte des Buches wäre Gold wert und hinterließe sicherlich einen positiven bleibenden Eindruck.

Vielleicht ist es aber auch einfach an der Zeit anzuerkennen, dass wir heute in einer Zeit leben, in der wir unsere Informationen und auch Unterhaltungsmöglichkeiten durch vielfältige Medien und nicht mehr ausschließlich durch Bücher erhalten. Wenn jemand nicht gerne Bücher liest, ist das zwar für jeden, der gerne und viel liest oft befremdlich und nicht unbedingt nachvollziehbar, aber das bedeutet keinesfalls das der Nichtleser mit einem Mangel behaftet ist, für den er sich sein Leben lang entschuldigen müsste oder der ihn womöglich als dumm auszeichnet. Denn entscheidend ist wohl eher mit welchen Informationen man sein Gehirn füttert und wie man in der Lage ist diese auszuwerten und anzuwenden.

Lesemuffel

Da ich den Nichtleser mit dem Namen Erik nicht persönlich kenne, von ihm aber weiß, dass er eben nicht gerne liest, empfehle ich ihm das Buch „Lesemuffel: Für Leute, die nicht gerne lesen“ von Jean-Claude Loiola. Dieses Buch ist für jede Altersgruppe geeignet und kann nach Lust und Laune durchgeblättert werden, ohne Lesen zu müssen. Man kann sich einfach beim sanften Geräusch des Umblätterns der rund 200 Seiten entspannen oder über den leeren Seiten meditieren. Aber dieses Buch bietet so natürlich auch Potenzial für eigene Notizen und Ideen, z.B. als Tage- oder Notizbuch. Das leere Inhaltsverzeichnis hat Platz für persönliche Inhalte, die dank der gedruckten Seitenzahlen schnell wiedergefunden werden können. Die blaue Hardcover Variante hat sogar ein schmuckes Lesebändchen integriert.

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Wenn Erik Humor hat, wird ihm das vielleicht gefallen und er wird die Botschaft dahinter als entspannend empfinden.


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Erik – der absolute Nichtleser – liest ein Buch nach deiner Empfehlung – er ist sofort Feuer und Flamme dafür! Welches Buch ist es und wieso gefällt es ihm so gut?“

#WritingFriday : Geliebtes Balkonien

Geliebtes_Balkonien

Schaute man sich den Grundriss meiner Wohnung an, könnte man ihn für ein kleines Anhängsel halten, das der Architekt noch nachträglich hinzugefügt hat, fast als hätte er es ursprünglich vergessen. Aber auch von außen betrachtet ist er wirklich nicht schön. Wie ein Betongeschwür hängt er schmutzig grau am Haus und es ist fast schon ein Geschenk für die Nachbarschaft, wenn die Bäume im Frühling endlich wieder Blätter tragen und die Sicht von der Straße auf meinen und die anderen Balkone dieses Mietshauses versperren.

Genau dann wird mein Balkon für mich zu einem der wunderbarsten Rückzugsorte der Welt. Das ihn umgebende Grün macht ihn zu einer kleinen geschützten Oase, die sich schnell und unkompliziert gleich durch das Öffnen der Balkontür erreichen lässt. Doch neben dem Grün erwartet einen hier standardmäßig eine in hellem steingrau gestrichene Betonwelt, der ich in den vergangenen Jahren den Kampf angesagt habe. Dazu habe ich den mittig fest eingelassenen Betonkasten noch an beiden Seiten um jeweils einen Blumenkasten ergänzt und dafür gesorgt, dass es hier grünt und blüht und duftet. Denn neben Lavendel und einigen Kräutern, sind auch Blumen, Gräser und eine japanische Lavendelheide dort zu finden, so dass ich an der Bepflanzung das ganze Jahr über Freude haben kann. An der offenen Seite des Balkons habe ich ein Rankgitter angebracht und beobachte freudig, wie der Efeu ganz allmählich für einen immer besseren Sichtschutz sorgt und den betongrauen meines Nachbarn verdeckt.

Perfekt wird das ganze noch dadurch, dass auch die Vögel mein kleines Paradies zu schätzen wissen und ich an der Vogelfutterstation und der kleinen Tränke schon zahlreiche Feld- und Haussperlinge, Meisen, Amseln, Buch- und Grünfinken, Tauben, Rotkehlchen, und sogar Krähen durchs Fenster beobachten konnte. Ich genieße das und freue mich über die Besucher, auch wenn ich dafür in Kauf nehmen muss, dass sie dort manchmal Dinge hinterlassen, auf die ich eigentlich gut verzichten könnte. Doch die Freude, die ich beim Beobachten der Tiere empfinde, wiegt das zusätzliche Putzen auf.

Aber auch ich selbst halte mich gern auf dem Balkon auf. Da ich eine Vorliebe für Gartenmöbel aus Holz habe, lenkt das rotbraun vom Beton ab und macht bestenfalls gemeinsam mit den Holzfliesen auf dem Boden alles gleich ein wenig wohnlicher. Letztere musste ich leider gerade erst entfernen, weil ihnen die Witterung in den vergangenen Jahren zu sehr zugesetzt hatte. Nun blitzt mich wieder der gerade erst frisch gestrichene hellgraue Betonboden an. Ordentlich sieht er aus und besser begehbar ist er auch, aber gefallen will mir diese eiskalte Optik dennoch nicht. Es findet sich bestimmt noch eine anmutigere Lösung, aber hierzu muss erst noch so mancher Gedanke reifen und vielleicht auch der ein oder andere Euro seinen Platz auf der hohen Kante finden.

Dennoch gibt es kaum etwas Schöneres, als den Sommertag mit einem Frühstück auf dem Balkon zu beginnen und dabei dem Gezwitscher der Vögel zu lauschen, die sich manchmal lautstark darüber zu beschweren scheinen, dass ich ihnen IHREN Balkon abspenstig mache. Aber ich kann eben auch ignorant sein und hätte ich dort ein wenig mehr Platz, würde ich mir noch den Luxus einer Holzliege gönnen oder einen ausladenen Liegestuhl aufstellen. Doch für ein bis zwei Gartenstühle mit einer gemütlichen Auflage, einen kleinen Klapptisch, ein gutes Buch und eine leckere Tasse Tee oder Kaffee mitsamt zwei diese Umgebung genießenden Personen ist immer Platz auf meinem Balkon vorhanden. Das weiß ich sehr zu schätzen und halte mich dort auf, wann immer Lust und Laune und natürlich auch das Wetter es zulassen. Das sind kleine wertvolle Auszeiten, Ferien im Hier und Jetzt, die einladen sich zu entspannen und sich auf den Roadtrip zu freuen, der schon seit einigen Jahren für 2021 geplant ist – so Corona will.


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Sommerferien in der Heimat – erzähle von deinem Lieblings Sommerplatz in der Heimat.“

Etüdensommerpausenintermezzo II-2020: Geruhsame Verortung

Sie wohnte in einem der Wohngebiete, wie sie jede kleine Stadt kannte. Hier und da gab es eine Reihenhaussiedlung und das ein oder andere Mehrfamilienhaus inmitten schmucker und teils auch in die Jahre gekommener Einfamilienhäuser. Die Bewohner widmeten sich der Pflege ihres Vorgartens entweder so liebevoll, dass es nahezu verschwenderisch grünte und blühte und summte und zwitscherte, oder aber sie vergaßen ihn und überließen ihn sich selbst, vielleicht auch um einen peniblen Nachbarn zu ärgern, der sich nicht zurückhalten und zu allem seinen Kommentar abgeben musste. Manch einer wollte seinen Vorgarten aber auch einfach nur vergessen und versteinerte ihn, damit ihm das irgendwie gelang.

Nur wenige Straßen entfernt begann jedoch die Natur. Immer wieder war das ihr eigentliches Ziel um strammen Schrittes an Stoppelfeldern, Bäumen, Sträuchern und Wiesen entlang zu laufen, um irgendwann ihren Weg entlang eines kleinen Bachs durch den Wald fortzusetzen. Längst absolvierte sie ihre Spaziergänge nicht mehr nur um ein Bewegungspensum zu erfüllen, das infolge eines temporären Diätwahns für ein Kaloriendefizit sorgen sollte. Es war ihr vielmehr zu einem inneren Bedürfnis geworden, sich den frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und die vorbeiziehenden Sahnewölkchen am Himmel zu beobachten.  Sie genoss die Zeit, die ganz allein ihr gehörte und in der sie ihren Gedanken freien Lauf lassen konnte. Immer kehrte sie von diesen Spaziergängen erholt und erfrischt zurück und empfand es fast schon als ein Geschenk, dass sie seinerzeit nicht von diesem Ort weggezogen war, als Trennung und Herzschmerz ihr eigentlich den Antrieb zur Flucht gegeben hatten.

Denn dieser Ort verfügte trotz ländlicher Lage über alles, was sie sich wünschte. Es gab neben Ärzten und Einkaufsmöglichkeiten sogar einige kleine Lokale. Vor allem aber fand sie hier die geliebte Ruhe in der Natur zu Land und zu Wasser. Zwar konnte man nicht mit einer Windjammer segeln, doch immerhin bot die Niers gleich zwei Anlegestellen, von denen man ablegen und mit dem Kanu auf dem Wasser unterwegs sein konnte. Aber man konnte diesen Ort natürlich auch mit dem Fahrrad oder dank Bahnverbindung verlassen und der Flughafen brachte einen zumindest in den Sommermonaten zu einigen europäischen Reisezielen. Er war einer dieser kleinen Orte, die selbstbewusst genug waren, ihre Bewohner nicht an sich zu ketten sofern sie kein Auto besaßen und der mit seinen Zwischentönen genug Farbigkeit und Abwechslung zu bieten hatte, dass einem dort nicht langweilig werden musste, wenn man nicht dazu neigte. Es hatte lange gedauert, aber nachdem sie gelernt hatte, in sich selbst ein Zuhause zu finden, wusste sie diesen Ort, der ihr in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren zur Heimat geworden war, zu schätzen. Sie war angekommen. Endlich.


Beim Etüdensommerpausenintermezzo II-2020 geht es darum, 7 von 12 vorgegebenen Worten (Blaupause, Diätwahn, Herzschmerz, Kantine, Kommentar, Ohrenkneifer, Sahnewölkchen, Stoppelfeld, Strandkorb, Vulkan, Windjammer, Zwischentöne) in einer Geschichte beliebiger Länge unterzubringen, die an einem Ort spielt den man gut kennt und den man wiedererkennen kann.

abc.etüden: Konsistenzübergreifend

Wochenlang zermarterte sie sich den Kopf darüber, womit sie ihm eine Freude zum Geburtstag machen könnte. Dieses Mal kein Buch! Und kein Abendessen im Lieblingsrestaurant! Auch ein Gutschein kam nicht in Frage. Kreativ sollte das Geschenk sein, ihn überraschen, ihn mitreißen und zu neuen ungewöhnlichen Aktivitäten verleiten. Es sollte ihn die Zeit vergessen lassen, ihn bestenfalls sogar in einen Flow versetzen. Und es musste etwas mit dem Kochen zu tun haben, seiner größten Leidenschaft.

Als er schließlich sein Geschenk auspackte, sah sie, dass ihr die Überraschung gelungen war. Er freute sich wirklich und erzählte sofort euphorisch von dem, was er bereits zu dem Thema in Erfahrung gebracht, bisher aber noch nicht ausprobiert hatte. Schnell suchte er einige Videos heraus, um ihr zu zeigen, welche Welt sie ihm mit ihrem Geschenk geöffnet hatte. Eine sehr futuristische Welt, in der nichts so heiß gegessen wurde, wie es gekocht wurde, wenn es denn überhaupt gekocht wurde und in der die Nahrungsmittelzubereitung eher an ein Chemielabor erinnerte.

Immerhin war zwar kein Reagenzglas in dem Starterset für die Molekularküche, das sie ihm geschenkt hatte, aber einige Silikonformen, Messlöffel und Substanzen mit Bezeichnungen wie Calcium Lactate, Sodium Alignate, Soy Lecithin und Agar-Agar. Damit sollte laut Anleitung spherifiert, emulgiert und geliert werden. Die Rezepte für Joghurtkugeln, die im Mund explodieren, einen leichten Schaum mit dem Namen Speckwolke und einen weichen Kaviar aus Balsamico-Essig waren ebenfalls beigefügt. Aber der Zauber der Freiheit steckte ja bekanntlich in jeder Kunstform. Das konnte spannend werden, und doch wurde in ihr die Angst vor dem übermächtig,  was er künftig in ihrer Küche anstellen würde. Dass ihr Geschenk ausschlaggebend dafür war, dass er später in die Geschichte der Haute Cuisine eingehen würde, weil es ihm gelungen war Tofu zu einer ausgefeilten kulinarischen Raffinesse weiter zu entwickeln, konnte sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Reagenzglas, übermächtig, vergessen.