Das Zimmer – Jonas Karlsson

Ich hatte ein Buch von meinem Stapel ungelesener Bücher gesucht, das mich von meiner derzeitigen leider etwas langweiligen Lektüre ein wenig ablenkt. Recht schnell fiel mir „Das Zimmer“ von Jonas Karlsson aufgrund seiner geringen Seitenanzahl und seines ungewöhnlichen Covers ins Auge. Ein nicht ganz alltägliches Bild, stilvoll und beklemmend zugleich. Es lässt erahnen, dass man hier nicht einen lustigen Frauenroman in Händen hält. Stattdessen handelt das Buch von unausstehlichen Kollegen in einem Großraumbüro – einer auf den ersten Blick eher nicht so spannenden Thematik. Aber tatsächlich schafft es das Buch, mich bereits nach wenigen Seiten in seinen Bann zu ziehen.

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Der Autor lässt den Leser tief ins Innerste des Ich-Erzählers Björn blicken, einem Protagonisten, der davon regelrecht besessen zu sein scheint, sich mit eiserner Disziplin, strategischem Handeln und Abwesenheit jeglicher sozialer Kompetenz an die Spitze seiner Abteilung arbeiten zu wollen.

»Und wie läuft es bei dir, Björn?«
»Wie läuft was?«, fragte ich in einem völlig neutralen Ton zurück.
»Nun«, sagte Karl und ich spürte sofort, wie unsicher er wurde.
»Was hast du die letzten Tage denn so gemacht?«
Natürlich wollte er darauf keine Antwort haben. Er erkundigte sich lediglich auf die gleiche sinnlose Art wie Leute, die von einem wissen wollen, wie es einem geht. Sie wollen überhaupt nicht wissen, ob man gesund ist oder nicht. Sie wollen nur ihre eigene Stimme hören, Dinge sagen, die sie auch früher schon gesagt haben. Sie wollen in einem zwischenmenschlichen Kontext ihrer Stimme Gehör verschaffen dürfen. (S.102)

Doch recht bald wird klar, dass sein Erleben und seine Wahrnehmung nicht mit der seiner Kollegen übereinstimmt. Denn kaum zwei Wochen, nachdem Björn seine neue Stelle in einem Großraumbüro bei der Behörde angetreten hatte, macht er eine geheimnisvolle Entdeckung: Zwischen der Toilette und dem Aufzug befindet sich eine Tür, die von seinen Kollegen offenbar gemieden wird. Sie führt in ein kleines fensterloses Büro.

Mehr sollte man als Leser vorab eigentlich nicht wissen, um sich auf diesen knapp 176 Seiten umfassenden und auf seine Art fesselnden Roman möglichst unvoreingenommen einlassen und überraschen lassen zu können. Belohnt wird man mit einem Buch, das kunstvoll Einblick in eine ungewöhnliche Sichtweise und eine nicht alltägliche, aber gut dargestellte Psyche gewährt und auch groteske Situationen der Arbeitswelt inklusive Mobbing und Integration nicht ausklammert. Die Charaktere sind nicht einfach schwarz-weiß gezeichnet, sondern erzeugen beim Lesen Sympathie oder sogar Verständnis, aber auch Abneigung und Widerwillen. Langeweile kommt dabei nicht auf und die kurzen Kapitel laden zum immer weiterlesen ein. „Das Zimmer“ von Jonas Karlsson ist ein kurzweiliges und intensives Lesevergnügen, das mich beeindrucken konnte.

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Jonas Karlsson
Das Zimmer
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Hardcover mit Schutzumschlag, 176 Seiten
ISBN: 978-3-630-87460-9
Preis:  17,99 [D] inkl. MwSt. € 18,50 [A] CHF 25,50 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Luchterhand
Erschienen:  11. April 2016

Vergebung – Stieg Larsson

„Vergebung“ beginnt genau dort, wo „Verdammnis“ endet und wer Teil 1 und 2 noch nicht gelesen hat, wird diesem dritten Teil vermutlich nicht folgen können. Es wird zwar immer mal wieder kurz auf Begebenheiten der vorherigen Bücher eingegangen, aber das ist eher zur Gedächtnisauffrischung geeignet. Mir war das ganz recht, da ich sofort nahtlos weiterlesen, beziehungsweise hören, konnte und mich gleich wieder inmitten der Handlung befand.

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Auf den Inhalt dieses abschließenden Buches werde ich nicht näher eingehen, weil es einfach zu schade wäre etwas vorweg zu nehmen. Ich selbst hatte nur Lobendes über diese Bücher gehört, wusste aber nicht viel mehr als das mich etwas Spannendes erwarten würde. Es hat mir viel Spaß gemacht, die Millenium-Trilogie in Form der ungekürzten Hörbücher für mich zu entdecken. Dietmar Wunder war als Sprecher großartig und machte mit seiner Stimme die Protagonisten zu lebendigen unverwechselbaren Charakteren, ohne dabei kitschig (beispielsweise bei Frauenstimmen) zu werden. Wer Lust auf spannende Unterhaltung mit eigenwilligen und nicht alltäglichen Figuren, brutalen Verbrechen, Hacking, investigativem Journalismus, einem Agententhriller, politischen Verstrickungen, einer Prise Sex und viel Crime hat, dem ich kann ich diese Trilogie wirklich empfehlen.

Und ich habe jetzt ein Problem. Warum?
Weil die Millenium-Trilogie posthum veröffentlicht wurde und eigentlich auch mit „Vergebung“ ein schlüssiges gutes Ende findet. Punkt.

Aber David Lagercrantz ist in die Haut von Stieg Larsson geschlüpft und hat die Trilogie um ein viertes und ein fünftes Buch erweitert. Eigentlich für mich ein Grund zu jubeln, weil ich zu gern erfahren möchte, wie die Geschichte um Lisbeth Salander weiter geht. Aber diesen Stoff spinnt nun ein anderer weiter und ich fürchte mich ein wenig davor, dass er nicht genauso gut, wie der von Stieg Larsson sein könnte.

Weiterlesen oder nicht, das ist hier die Frage…


Stieg Larsson
Vergebung (Millennium 3) [Werbung]
ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 20 Std. und 52 Min.
Gesprochen von: Dietmar Wunder
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben
Anbieter: SchallundWahn
Veröffentlicht: 10.05.2012

Verdammnis – Stieg Larsson

Nachdem ich bereits Verblendung, den ersten Teil der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson gehört und teilweise gelesen hatte, wollte ich unbedingt wissen, wie die Geschichte um Mikael Blomquist und Lisbeth Salander weiter geht. Da ich gefallen daran gefunden hatte, das erste Buch vorgelesen zu bekommen, entschied ich mich, auch die Fortsetzung als Hörbuch zu genießen, dieses Mal allerdings in der ungekürzten Version. Und weil ich schon längst einmal Audible ausprobieren wollte, nahm ich den Testmonat in Anspruch und lud mir kostenlos „Verdammnis“ aufs Handy herunter, um mir diesen unglaublich spannenden Roman mit der Audible-App anzuhören, die ich als sehr angenehm und komfortabel empfand.

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Der Klappentext verrät:

„Der Journalist Mikael Blomkvist recherchiert in einem besonders brisanten Fall von Mädchenhandel. Junge russische Frauen werden gewaltsam zur Prostitution gezwungen. Die Hintermänner bekleiden hohe Regierungsämter. Als Blomkvists Informant tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf die Ermittlerin Lisbeth Salander. Nur Blomkvist glaubt an ihre Unschuld. Eine mörderische Hetzjagd beginnt.“

Bereits im ersten Teil war mir die ebenso faszinierende wie widersprüchliche Lisbeth Salander, die 26 Jahre alt ist und seit ihrem zwölften Lebensjahr in psychiatrischer Behandlung war, irgendwie ans Herz gewachsen. Sie zählt zu den besten Computerhackern des Landes und vertreibt sich mit Mathematik die Zeit. Ihr geschahen und geschehen schreckliche Dinge, aber Lisbeth Salander ist keinesfalls ein Opfer – sie agiert und reagiert auf ihre ganz eigene Weise. Während man in „Verblendung“ noch darüber rätselte, was ihr in ihrer Kindheit widerfahren sein mag, das sie in die Psychiatrie brachte, erfährt man in diesem Teil in kleinen Portionen nach und nach die grausige Wahrheit. Nebenbei erliest man sich den facettenreichen Charakter der Lisbeth Salander, die zu einer plastischen lebensnahen Figur wird, mit der sich mitfiebern lässt. Aber auch der Fall, in dem Mikael Blomkvist recherchiert hat es in sich und sorgt für manche Überraschung.

Vorgelesen wird dieses Hörbuch in der ungekürzten Fassung von Dietmar Wunder, der es hervorragend versteht, mit seiner Stimme den unterschiedlichen Charakteren Leben einzuhauchen und mit verändertem Lesetempo zusätzlich Spannung zu erzeugen. Die Geschichte entwickelte für mich einen Sog, sodass ich manchmal kaum stoppen mochte. Zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse und für mich steht fest, dass ich wissen möchte, wie es weiter geht. Dafür werde ich gern eines meiner künftigen Guthaben investieren, da ich mich für das Abo bei Audible [Werbung] entschieden habe.


Stieg Larsson
Verdammnis (Millennium 2) [Werbung]
ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 18 Std. 56 Min.
Gesprochen von: Dietmar Wunder
27,95 € | Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben
Anbieter: SchallundWahn
Veröffentlicht: 06.04.2012

BUCHweltreise: Schweden

testDas Ziel der Buchweltreise ist es, Bücher über möglichst viele Länder der Welt  zu lesen. Die Liste der Mitreisenden ansehen oder sich zum Mitmachen anmelden kann man HIER.

Gerade erst beendet habe ich den Krimi „Verblendung“ von Stieg Larsson, in dem der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren und herauszufinden versuchen, was mit der bereits jahrzehntelang verschwundenen Harriet Vanger geschehen ist. Doch je tiefer die beiden in der Vangerschen Familiengeschichte graben, desto grauenvoller sind die Enthüllungen.

Stieg Larsson wurde 1954 in Schweden geboren. Er war Journalist und Herausgeber des Magazins EXPO. Er galt als einer der weltweit führenden Experten für Rechtsextremismus und Neonazismus. 2004 starb er an den Folgen eines Herzinfarkts. 2006 wurde er postum mit dem Skandinavischen Krimipreis als bester Krimiautor Skandinaviens geehrt. Sein Debütroman „Verblendung“ wurde vom schwedischen Buchhandel zum besten Buch des Jahres 2005 gewählt.

 

Verblendung – Stieg Larsson

Bereits vor Jahren hatte mir eine Sportsfreundin die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson empfohlen und ich hörte auch danach immer nur Gutes darüber. Selbst über die Verfilmung waren alle nur des Lobes und in der letzten Zeit erwischt mich beim Trivial Persuit scheinbar ständig die Frage nach dieser Reihe, worauf ich dann korrekt mit dem Namen des Autors antworte. Fast peinlich wird es aber mittlerweile, dass ich immer wieder auch die Bemerkung hinterherschicke, dass ich die Bücher immer noch nicht gelesen habe, obwohl das erste bereits (seit Jahren) in meinem Regal wartet. Ich könnte mich auch zurückhalten und mich einfach über die beantwortete Frage und mein Weiterkommen im Spiel freuen, aber das scheint meine „Bücherwurm-Ehre“ nicht zuzulassen. Und bevor ich mich noch öfter wiederhole und für gänzlich senil gehalten werde, habe ich kürzlich endlich „Verblendung“ zur Hand genommen…

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…und erstmal auf den Tisch gleich neben den Lesesessel gelegt 😉 Stattdessen entschied ich mich für das Hörbuch, weil ich davon ausging, dass es sich auf dem Crosstrainer oder beim flotten Spaziergang gut nebenbei hören lässt. Das hat auch wirklich wunderbar funktioniert. Die Protagonisten sind recht spezielle Individualisten und die Geschichte ist zwar stellenweise brutal, aber sehr spannend. Dietmar Bär als Sprecher finde ich auch sehr gelungen – es kann einem schon übel dabei werden, wenn er mit seiner Stimme widerwärtigen Charakteren Leben einhaucht. Und doch hatte ich zwischendurch den Eindruck, dass mir immer mal wieder ein Stück der Geschichte fehlte, was ich jedoch auf mangelnde Konzentration oder Ablenkung zurückführte. Hören ist eben doch etwas Anderes als ein Buch zu lesen und wenn man dabei unterwegs ist sowieso. Ich empfand es jedoch nicht als Einschränkung, weil ich den Sinnzusammenhang nicht verlor und hörte dieses spannende Buch zuende.

Dann nahm ich die Ausgabe zur Hand, die ich irgendwann einmal gebraucht gekauft hatte und die wohl schon von mehreren Lesern geliebt wurde. Ich war erstaunt. Das Ende, das sich beim Hörbuch für mich stimmig anfühlte, war überhaupt nicht das Ende – es fehlten die letzten 100 Seiten und ich merkte endlich, dass ich ein gekürztes Hörbuch erwischt hatte. Darauf hatte ich nicht geachtet und fühlte mich nun irgendwie betrogen, obwohl ich doch selbst schuld war. Ich hatte tatsächlich überlegt, das komplette Buch nochmal zu lesen, las jedoch nur noch den Rest (natürlich klang meine innere Stimme nun nach Dietmar Bär). Am Ende war ich jedoch mehr oder weniger ausgesöhnt, weil es sich trotz allem gelohnt hat. Ein gutes Buch, auch wenn man (geschätzt) nur die Hälfte kennt und es selbst liest. Und doch ist es mir unbegreiflich, wie man ein Buch derart kastrieren kann. In der Zukunft werde ich jedenfalls ganz genau hinschauen, damit ich auch wirklich nur noch zu ungekürzten Hörbüchern greife. Der Schock sitzt tief.

Aber es hat mich dennoch gepackt und ich will wissen, wie es mit der Millenium-Trilogie weiter geht. In diesem ersten Teil der Reihe graben Mikael Blomkvist, der ein als Biograf getarnter Journalist ist und Lisbeth Salander, ein virtuoses Computergenie mit messerscharfem Verstand, tief in der Familiengeschichte der Vangers, um das Verschwinden von Henrik Vangers Lieblingsnichte Harriet aufzuklären. Es sei nur so viel verraten: Die Enthüllungen sind grauenhaft.

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Weiter geht es mit „Verdammnis“, das in der ungekürzten Version von Dietmar Wunder in 18 Std. 56 Min. vorgelesen wird und bereits zum weiter hören auf mich wartet. Ich freue mich darauf!



Stieg Larsson
Verblendung
Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn 
Originaltitel: Män Som Hatar Kvinnor (Millennium 1)
Taschenbuch, Klappenbroschur, 704 Seiten
ISBN: 978-3-453-43820-0
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen:  20.07.2015 (Erstveröffentlichung: 2005)