erLESENer April 2020

Im Lesemonat April fuhr ich mit einem Anhalter und dem Wohnmobil quer durch Island, fand Leichen in einem alten baufälligen Krankenhaus, nutzte die Gentechnik zur Partnersuche und folgte beeindruckt den Spuren Rüdiger Nehbergs.

Bücherwelten – fiktiv ebenso mitreißend wie real und nachdenklich machend.

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Der Anhalter von Gerwin van der Werf
Die Geschichte eines Mannes, der mit allen Mitteln verzweifelt um seine Ehe kämpft und sich dabei verliert. Zuweilen etwas nervenaufreibend, aber dennoch gut gemacht.

Die ewigen Toten von Simon Beckett
Ein weiterer guter Thriller aus meiner Lieblingsreihe rund um den foresischen Anthropologen David Hunter.

The One . Finde dein perfektes Match von John Marrs
Ein unterhaltsamer Roman, der aufzeigt was passieren kann, wenn die DNA bestimmt, welcher Partner zu einem passt und welcher nicht.

Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen . Ein abenteuerliches Leben von Rüdiger Nehberg
Die Autobiografie von Rüdiger Nehberg, der bodenständig und mitreißend über sein beeindruckendes Leben schreibt. Für mich ein echtes Highlight!

Die ewigen Toten – Simon Beckett

Bei diesem Buch handelt es sich um den 6. Fall des forensischen Anthropologen Dr. David Hunter. Mehr brauche ich eigentlich nicht, um zu wissen, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Denn diese Thrillerreihe begeistert mich von Anfang an, so seltsam und makaber sie auch manchmal ist. Denn Dr. Hunter verbringt mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden und untersucht Verwesung und Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren. Und obwohl es widerlich und manchmal auch erschreckend sein kann, was auf ganz natürliche Weise mit dem menschlichen Körper nach dem Tod passiert, so interessant ist es gleichzeitig, dass ich die Bücher kaum aus der Hand legen kann, wenn ich sie erst begonnen habe. So erging es mir auch mit „Die ewigen Toten“.

Ob man dieses Buch auch lesen kann, wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt? Ich denke schon. Leider ist mein Gedächtnis nicht das Beste und ich tauche mit jedem Buch beinahe gänzlich neu in die Geschichte David Hunters ein. Das ärgert mich zwar, aber der Autor greift die Vorgeschichte seines Protagonisten zumindest so grob auf, dass man den Anschluss finden kann. Allerdings beginnt die Geschichte um Dr. Hunters ‚Dämonen‘ natürlich bereits in den vorher erschienen Büchern der Reihe. Wer sich also nicht spoilern möchte, liest die Bücher dann doch besser der Folge ihres Erscheinens nach.

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Dieses Mal ermittelt David Hunter in einem verlassenen Krankenhaus mit schrecklicher Vergangenheit. Das St. Jude, das Krankenhaus im Norden Londons, soll in Kürze abgerissen werden. Nur noch Fledermäuse verirren sich seit langem dorthin, doch dann wird auf dem staubigen Dachboden eine teilweise mumifizierte Leiche gefunden, die in eine Plastikhülle eingewickelt ist. Als beim Versuch, die Leiche zu bergen, der Boden des baufälligen Gebäudes einbricht, entdeckt der forensische Anthropologe ein fensterloses Krankenzimmer, das nicht auf den Plänen verzeichnet ist. Warum wusste niemand von der Existenz dieses Raumes? Und warum wurde der Eingang zugemauert, obwohl dort nach wie vor Krankenbetten stehen? Betten, in denen noch jemand liegt. Ein harter Fall für David Hunter, der zusätzlich noch mit den Schatten seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Je tiefer Hunter in die Vergangenheit des Krankenhauses eindringt, desto mehr düstere Geheimnisse kommen ans Licht. Und bald ist klar, dass das St. Jude noch lange nicht sein letztes Opfer gefordert hat.

Einen wirklich schaurigen Handlungsort hat sich der Autor dieses Mal ausgesucht, der wohl jeden Freund der sogenannten Lost Places erfreuen dürfte. Die atmosphärische Szenerie des alten baufälligen Krankenhauses kann man sich bildlich gut vorstellen und ist gleich darin gefangen. Der Dachbodenfund lässt einen gruseln, aber auch das, was den anderen Toten widerfahren sein muss, lässt einen beim lesen nicht kalt. Das Thrillerelement sorgt für den gewünschten thrill und treibt einen durch die Handlung, durchsetzt mit der aufschlussreichen Ermittlungsarbeit, die Dr. Hunter leistet und dem wissensdurstigen Leser auf interessante Weise erklärt. Kurzum: Ein Thriller dieser Reihe, wie ich ihn mag und wie ich ihn mir von Simon Beckett wünsche. Dass manches in der Geschichte für meinen Geschmack aber dennoch etwas zu konstruiert ist, kann ich verschmerzen. Denn das Gesamtpaket dieses Thrillers, den ich mir zum Teil auch ungekürzt und hervorragend von Johannes Steck vertont bei Spotify angehört habe, ist für einen Fan wie mich dennoch großartig.

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Simon Beckett
Die ewigen Toten (David Hunter 6)
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld
Gebunden, 480 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5002-3
Preis: 22,95 € (D)
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 12.02.2019

erLESENer März

Im Lesemonat März fand ich mit Dr. David Hunter Leichen und Leichenteile in den Backwaters, übte mich mit den Scythe und angehenden Scythe in der Kunst des Nachlesens und sah Stephan Wiesner dabei über die Schulter, wie er einiges Rund ums Thema Fotografie ausprobierte.

Und dann gibt es da noch auf meinem eReader einen angefangenen Roman, der mich mehr mitnimmt als mir lieb ist, der es stellenweise schafft mich zu faszinieren und mich gleichzeitig anwidert, mich nervt und mich nach gelesenen knapp einhundert (von insgesamt dreihundert) Seiten bereits mehrfach in diesem Monat an meine Schmerzgrenze gebracht hat. Der Roman hemmt mich in meiner Lesefreude und lässt mich oft andere Dinge tun, als zu lesen. Aber irgendetwas hat dieses Buch, dass ich es einfach noch nicht abbrechen kann, ihm immer wieder eine neue Chance gebe und den „richtigen“ Zeitpunkt abwarte, um weiter zu lesen. Dabei habe ich nicht den Eindruck, dass es am Ende eines der Bücher werden könnte, das sich gelohnt haben könnte zu lesen – und dennoch…

Bücherwelten, manchmal enorm strapaziös…

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Totenfang von Simon Beckett
Das fünfte Buch aus der David Hunter Reihe in bewährter Qualität. Für Fans ein Muss- und ich bin einer 🙂

Die Hüter des Todes . Scythe 1 von Neal Shusterman
Eine großartige Jugendbuchdystopie, die ich als Hörbuch genoss und von der ich mir unbedingt auch die Fortsetzung anhören werde.

Nicht glauben, ausprobieren! von Stephan Wiesner
Stephan Wiesner beschreibt die fünf Jahre, in denen er seinen YouTube-Kanal startet und von der Informatik immer mehr hin zum Schreiben, Reisen und Fotografieren findet. Interessante und unterhaltsame Zusatzinfos für fotografiebegeisterte Zuschauer.

Totenfang – Simon Beckett

Gerade erst ist „Die ewigen Toten“, der 6. Teil aus der David-Hunter-Reihe von Simon Beckett erschienen und ich konnte natürlich nicht umhin, mir auch dieses Buch zuzulegen, obwohl ich das vorherige Buch mit dem Namen „Totenfang“ noch nicht gelesen hatte. Aber das sollte sich jetzt endlich ändern und bereits nach wenigen Seiten wusste ich wieder, warum ich die Thriller rund um den forensischen Antropologen David Hunter so sehr mag.

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Zum einen ist Dr. David Hunter kein oberschlauer Superheld, dem alles gelingt oder gar eine gestrandete Existenz, der man es kaum zutraut einen Fall zu lösen, sondern ein eher ruhiger sympathischer Protagonist der mit leiser Selbstironie und profundem Wissen den Leser in der Ich-Perspektive ganz nah an sich herankommen lässt. Dabei erfährt man viele Details, die bei der Begutachtung der Leichen Aufschluss darüber geben, was dem toten Menschen widerfahren ist oder zumindest Hinweise darauf geben, was geschehen sein könnte. Das ist stellenweise natürlich nicht gerade appetitlich, aber als Leserin habe ich bei diesen Thrillern nicht den Eindruck dass der Fokus auf den Ekel gelegt werden soll, sondern dass hier vielmehr die Gratwanderung zwischen dem einerseits widerwärtigen Verfall des menschlichen Körpers und der andererseits hochinteressanten Wissenschaft, die sich dahinter verbirgt, geschafft wird. Dabei wird das Ganze noch in einer spannenden Geschichte erzählt, die nicht actiongeladen durchs Buch hetzt, aber einen durch die packende Handlung und so manchen Cliffhanger am Kapitelende doch dazu bringt, immer weiterlesen zu wollen.

In „Totenfang“, dem fünften Fall von David Hunter, verschlägt es ihn in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex. Dort wird an einer Flussmündung zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden, die bis zur Unkenntlichkeit von Krabben und Meeresinsekten verunstaltet wurde. Die Polizei geht davon aus, den seit über einem Monat vermissten 31-jährigen Leo Villiers, Spross der einflussreichsten Familie der Gegend, gefunden zu haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten, außerdem findet er tags darauf einen einzelnen Fuß im Wasser, der definitiv zu einer anderen Leiche gehört.

Simon Beckett konnte mich mit diesem Buch aufs Neue begeistern, weshalb ich es unbedingt Lesern empfehlen kann, die sich von der Thematik angesprochen fühlen und Lust auf einen spannenden Thriller haben. Da mir auch die anderen Bücher dieser Reihe gefallen haben, kann ich ebenfalls für „Die Chemie des Todes“, „Kalte Asche“, „Leichenblässe“ und „Verwesung“ eine Empfehlung aussprechen. Aber ich denke, auch wenn man diese Bücher nicht gelesen hat, fehlen einem keine grundlegenden Vorabinformationen, um „Totenfang“ verstehen zu können. Ich selbst kann mich selten nach längeren Zeiträumen an Einzelheiten aus Büchern (oder Filmen) erinnern, sondern behalte nur einen Gesamteindruck im Gedächtnis. Meine Vergesslichkeit fand ich beim Lesen von „Totenfang“ zwar schade, aber nicht einschränkend. Es bestärkt mich eher in dem Vorhaben, die David-Hunter-Reihe in einigen Jahren vielleicht nochmal komplett für mich aufs Neue entdecken zu können – jedes Ding hat halt zwei Seiten 😉

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Simon Beckett
Totenfang
Original: The Restless Dead, Bantam Press, London
Übersetzung: Sabine Längsfeld und Karen Witthuhn
Gebunden, 560 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5001-6 – € 19,95 [D]
Preis: 22,95 [D]
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 14.10.2016

umgeBUCHt Beiwerk: Eine meiner Lieblingsreihen