Hashtag Authentisch – Sara Tasker

Vor einigen Wochen hatte mich der Bloggerblues gepackt und ich machte mir verstärkt Gedanken darüber, wo es mit meinem Blog und dem Instagram-Account hingehen sollte, den ich passend dazu irgendwann aus dem Boden gestampft hatte. Stagnation und Langeweile waren meine Grundempfindungen, wenn ich über beides nachdachte. So rannte der Fotografie-Newsletter vom Rheinwerk Verlag bei mir offene Türen ein, als er mir ein Buch empfahl, das den Namen „Hashtag Authentisch“ trug und mir versprach, meinen eigenen kreativen Weg zu finden. Ich hatte Lust darauf kreativer zu werden, wollte mich aber nicht in der Zurschaustellung einer Welt verlieren, die nicht meiner entsprach. Das Buch machte mich neugierig und schon bald hielt ich es in Händen.

30_Hashtag authentisch

Ein wunderschön gestaltetes Buch, gespickt mit vielen Fotos, die Sara Tasker auch auf ihrem Instagram-Account @me_and_orla zeigt. Bilder und Gestaltung verschmelzen zu einem harmonischen Gesamtbild und laden zum Wohlfühlen ein. Unterteilt ist das Buch in die vier Themenbereiche „Storytelling“, „Bilder machen“, „Das Archiv deines Lebens“ und „Teile deine Welt“. In darin enthaltenen Kapiteln wie „Digitalfotografie kann jeder“, „Finde deinen Stil“, und „Sich zeigen“ nimmt sie den Anfänger an die Hand und beseitigt auf sympathische Weise mögliche Schwellenängste. Beim Lesen gewinnt man tatsächlich den Eindruck, auch selbst so einen wunderschönen Instagram-Account mit eigenen Inhalten befüllen zu können. Denn die Autorin gibt viele Themen und Beispiele an die Hand, die zum ausprobieren und nachmachen inspirieren. Aber Sara Tasker ist nicht darauf bedacht ihre Vorgehensweise als einzig seelig machend zu verkaufen, sondern sie inspiriert mit einer Leichtigkeit, die nicht einengt und vorgibt, sondern vorschlägt um eigene Wege zu finden. Sehr sympathisch und angenehm. Die unkreative Seite Instagrams, also die Seite, die sich mit Technik und Statistik oder Ähnlichem beschäftigt, sucht man allerdings in diesem Buch vergebens. denn es beschäftigt sich mit der Gestaltung und der Schaffung von Inhalten für den Instagram Account.

Für mich war es ein sehr interessanter Ausflug in die Insta-Welt, der mir dabei geholfen hat meine eigene Blog- und Instagramgestaltung zu überdenken. Und das, ohne die Vorschläge aus dem Buch zu übernehmen, auch wenn sie mir gefallen haben. So werde ich auch weiterhin keinesfalls optisch in den Mittelpunkt rücken und auch nicht versuchen meinen Alltag gestalterisch ausdrücken, nur damit ich um jeden Preis Inhalte produziere. Aber ich liebe die Fotografie und lasse sie nun stärker mit einfließen. Fotos mag ich entwickeln und Schönes betonen, aber ich mag keine Filter, die über alles einen Schleier legen oder mit einem unnatürlichen Farbkonzept verfremden. Ich mag jedoch manchmal experimentieren und neben Lightroom auch Photoshop benutzen. Bei der Gestaltung der Bilder, bei denen Buchtitel zusammengestellt werden, die ich nur digital besitze, gebe ich mir künftig mehr Mühe. Et voilà – Stagnation und Langeweile sind verschwunden und mir gefällt besser, was ich auf Blog und Instagram sehe. Es ist zwar immer noch nicht so richtig harmonisch und aus einem Guss, aber das bin ich ja auch nicht. Und genau das ist wohl auch #authentisch 🙂

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Sara Tasker
Hashtag Authentisch
Übersetzung: Heico Neumeyer
Original: Hashtac Authentic
Gebunden, 192 Seiten
ISBN: 978-3-8362-7249-0
Preis: € (D) 24,90
Verlag: Rheinwerk
Erschienen: 25.10.2019

Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst – Jaron Lanier

Das Thema Social Media lässt mich nicht los. Ich lerne gern von YouTube, zeige meine Bilder bei Instagram und mag meinen übersichtlichen Facebook-Account, mit dem ich in unterschiedlichen Themengruppen vertreten bin. Mein Facebook-Feed ist friedlich und ähnlich zurückhaltend, wie ich selbst. Angeschaut wird dieser meist am PC, wo mich uBlock Origin vor unerwünschter Werbung schützt. Meine kleine heile Welt der sozialen Medien könnte so schön sein, wenn mit der Zeit nicht immer mehr Dinge ans Licht gekommen wären, mit denen man als Nutzer einfach nicht einverstanden sein kann. Und doch scheint das Maß immer noch nicht voll zu sein, denn weder ich noch die Menschen meiner Freundesliste haben ihren Account bislang gelöscht.

Und so machte mich der Clickbait-Titel „Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst“ neugierig, auch wenn ich diese effektheischenden Überschriften eigentlich nicht leiden kann und sie in meinem Facebook-Feed meist geflissentlich ignoriere. Aber geschrieben hat dieses Buch Jaron Lanier, der 2014 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt und ein Internetpionier der ersten Stunde ist. Er gilt als Figur des gefallenen und enttäuschten Internet-Optimisten und arbeitet heute für Microsoft Research. Seine Sicht der Dinge wollte ich erfahren und war gespannt auf das Buch.

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Jaron Lanier nähert sich den Problemen von Social Media in zehn Kapiteln von allen Seiten: Er zeigt, wie die künstliche Intelligenz uns immer perfider konditioniert, dubiosen Auftraggebern Daten über uns bereitstellt, um unser Verhalten zu manipulieren, und weshalb asoziale und verschwörungstheoretische Posts immer auf nahrhaften Boden fallen. Das Buch gibt Laniers Erfahrungen als Insider im Silicon Valley wieder und beschreibt das perverse aber höchst profitable Geschäftsmodell der Social-Media-Netzwerke, das unsere Gesellschaft fundamental bedroht.

„Einer der wichtigsten Gründe, deine Social-Media-Accounts zu löschen ist, dass du keine praktikable Möglichkeit hast, auf andere Social-Media-Accounts umzusteigen. Nur wenn du möglichst bald ganz aussteigst, kannst du wirklich etwas verändern. Wenn du nicht aussteigst, schaffst du nicht den Raum, den das Silicon Valley braucht, um an sich zu arbeiten.“ (S. 36)

Dementsprechend rät Lanier, dass „alle klugen Menschen ihre Accounts löschen sollten, bis es eine ungefährlichere Version davon gibt“. Nach dieser Aussage und nach dem Lesen des Buches fühle ich mich alles andere als klug. Der Wille, meine Accounts zu löschen ist aufgrund mangelnder Alternativen zu schwach und mir fällt auch gleich noch ein, dass es beispielsweise zu WhatsApp bereits Ausweichmöglichkeiten wie „Telegram“ gibt, die jedoch in meinem Umfeld kaum genutzt werden. Was nützt es also, wenn kaum einer mitmacht – aber wenn andererseits keiner den Anfang macht, wird es halt auch nichts.

Gewünscht hätte ich mir in dem Buch einen Seitenblick zu anderen sozialen Netzwerken oder vielleicht sogar in Entwicklung befindlichen Alternativen, falls es sie gibt. Das hätte mich interessiert, da ich Social Media eigentlich mag und nicht gänzlich darauf verzichten möchte. Viel Neues habe ich nicht erfahren und so lässt mich das Buch insgesamt eher unzufrieden zurück. Die Aufforderung die Accounts zu löschen erfolgt am Ende jedes Kapitels natürlich zu Recht und läuft bei mir doch irgendwie ins Leere.

Gelegentlich zieht und wiederholt sich der Text, so dass ich mir gewünscht hätte, dass der Autor schneller auf den Punkt kommt. Aber nichtsdestotrotz ist das Buch insgesamt eine interessante Lektüre, die viel Stoff zum Nachdenken bietet auch wenn leider das Wort „A….loch“ in alter Schimanski-Manier inflationär verwendet wird. Aber wer darüber hinwegsehen kann und sich mit der Frage, warum er seine Social-Media Accounts wenn vielleicht nicht gleich löschen, aber unbedingt kritisch im Auge behalten sollte, intensiver auseinandersetzen möchte, dem kann ich das Buch dennoch empfehlen.

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Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst
Jaron Lanier
Original: Ten Arguments For Deleting Your Social Media Accounts Right Now
Übersetzung: Karsten Petersen, Martin Bayer
Einband: Pappband, 208 Seiten
ISBN: 978-3-455-00491-5
14,00 (D) | 14,40 (A) | 19,50 (CH)
Verlag: Hoffmann und Campe
Erschienen:  05.06.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.