Wo die Toten tanzen – Caitlin Doughty

Nicht einfach, dieses Buch zu beschreiben, das von einem Thema handelt, über das meist doch lieber nicht gesprochen wird. Dabei ist das endgültige Versagen aller lebenserhaltenden Funktionsabläufe – also der biologische Tod von Lebewesen – eigentlich etwas ganz Natürliches. Im 19. Jahrhundert hätte es niemanden verwundert, wenn ein Leichnam von den Verwandten für die Trauerfeierlichkeiten hergerichtet wurde – es wäre sogar befremdlich gewesen, wenn sie das nicht getan hätten. In beeindruckend kurzer Zeit ist jedoch die Bestattungsbranche entstanden und in vielen Industrieländern zur teuersten, kommerziellsten und bürokratischsten Art mit seinen Verstorbenen umzugehen geworden.

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Aus genau dieser Branche kommt die amerikanische Bestatterin Caitlin Doughty. In den letzten Jahren reiste sie durch die Welt, um herauszufinden, welche Totenrituale in anderen Ländern praktiziert werden – unter anderem in Indonesien, Mexiko, Spanien, Japan, Bolivien und in verschiedenen Gegenden der USA. In dem Buch „Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird“ versucht sie zu zeigen, dass es keine reglementierte Art gibt, mit dem Tod zu ‚verfahren‘ oder ihn zu verstehen. Sie besucht in Indonesien einen Mann, der mit dem mumifizierten Körper seines Großvaters zusammenlebt. Verfolgt in Japan eine Zeremonie, bei der Angehörige die Knochen des Verstorbenen mit Stäbchen aus der Verbrennungsasche lesen. Und geht in Mexiko dem „Tag der Toten“ auf den Grund. Augenzwinkernd stellt sie Alternativen wie die Öko-Bestattung vor. Und hinterfragt, ob unsere westlichen Riten Raum zur angemessenen Trauer lassen.

„Ich glaube mittlerweile, dass die Vorzüge eines Totenbrauchs nicht auf Mathematik beruhen, sondern auf Emotionen, auf dem Glauben an die einzigartige Würde der jeweils eigenen Kultur. Das heißt, wir halten Totenrituale nur dann für primitiv, wenn sie nicht mit den unseren übereinstimmen.“ (S. 14)

Wenn man dies gleich zu Beginn des Buches für sich geklärt hat, herrscht die nötige Offenheit um kennenzulernen, wie in anderen Kulturen mit dem Tod und den Verstorbenen umgegangen wird. Die Konfrontation mit dem Tod ist nichts für schwache Nerven und manche Beschreibungen über Aussehen und den Umgang mit menschlichen Überresten verursachen mir beim Lesen ein flaues Gefühl im Magen. Tatsächlich hätte ich mir stellenweise eine weniger anschauliche Schilderung gewünscht, weil es mich doch schockiert hat. Nichtsdestotrotz ist die Thematik sehr interessant und auf ihre Weise bereichernd, da mein Umgang mit dem Tod bislang eher oberflächlicher Natur war. Ebenfalls für gelungen halte ich die zahlreichen Illustrationen von Landis Blair, die Aufbauten und Arrangements begleitend zum Text auf ansprechende und in gewisser Weise doch pietätvolle Art verbildlichen, wie es beispielsweise Fotografien nicht gekonnt hätten.

Gelegentlich ist mir die Ausdrucksweise jedoch zu flapsig und makaber, der Humor der amerikanischen Autorin zu gewollt. Doch das sind glücklicherweise nur kurze Sequenzen, denn sobald Caitlin Doughty wieder etwas sachlicher wird, lese ich gespannt und interessiert weiter.

„Wo die Toten tanzen“ ist kein Buch, das sich einfach so weglesen lässt. Zu oft vergleicht man mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen und wird mit dem Tod in einem Rahmen konfrontiert, der teilweise nur schwierig vorstellbar ist. Gleichzeitig entmystifiziert das Buch dieses Thema ein wenig und ist ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen. Eine Empfehlung!

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Caitlin Doughty
Wo die Toten tanzen – Wie rund um die Welt gestorben und getrauert wird
Aus dem Amerikanischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
Mit Illustrationen von Landis Blair
Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten
ISBN: 978-3-89029-506-0
Preis: € 20,00 [D], € 20,60 [A]
Verlag: Malik
Erschienen:  02. September 2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Kulinarische Weltreise: Spanien

Mittag- und Abendessen sind in Spanien im Allgemeinen warme Mahlzeiten. Diese bestehen in Restaurants in der Regel aus zwei Gängen zuzüglich Nachtisch. Zum Essen wird oft Weißbrot gereicht, gängige Essensgetränke sind stilles Wasser, Wein und Bier. Zum Aperitif werden gerne Tapas auf den Tisch gestellt, die sich durchaus auf Kleinigkeiten wie Oliven, Salzmandeln, Chorizo, Queso manchego und Schinken beschränken können. Der erste Gang besteht oft aus Gemüse, Eintöpfen, Suppen oder Salat, der zweite Gang meist aus Fleisch- oder Fischgerichten, die Grenzen sind jedoch fließend. Meist fällt der erste Gang etwas leichter aus als der zweite. Zum Nachtisch werden Obst oder Süßspeisen, gelegentlich auch Joghurt gereicht.

Wir widmen uns bei unserer 8. Station der Kulinarischen Weltreise allerdings nur den Tapas, die im engeren Sinne eigentlich kostenlose Beilagen zum Getränk sind. Müssen sie zusätzlich bestellt werden, sind die Übergänge von einer Tapa zu einer Ración (größere Menge) oder zu einem Pincho (baskische Tapavariante mit in der Regel aufwändigerer Zubereitung) fließend. Mein Herzbube wählt die aufwändigere Tapas-Variante und unsere Vegetarierin gibt grünes Licht für Fisch und probiert auch eine der speckummantelten mit Ziegenkäse gefüllten überbackenen Datteln, um sich davon zu überzeugen, dass ihr die fleischlose Dattel doch besser schmeckt.

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Spanisches Brot: 300 ml warmes Wasser, 2 EL Olivenöl, 1 Pck. Trockenhefe, 1 TL Zucker, 1 TL Salz, 500 g Weizenmehl, 1 Zweig gehackten frischen Rosmarin, 50 g Pinienkerne. Vermengen und kneten. Abgedeckt bei Zimmertemperatur etwa 1 Stunde gehen lassen. Den Teig in 8 Stücke aufteilen, kleine Fladen daraus formen und auf dem Backblech mit einer Gabel mehrfach einstechen. 15 Minuten bei 220 Grad backen.

Papas arrugadas (Runzelkartoffeln): 1 kg kleine Kartoffeln (Schmörkes), 300 g Meersalz. Kochen, abschütten, ausdampfen lassen.

Aioli: 3 gepresste Knoblauchzehen, 1 Eigelb, 200 ml Sonnenblumenöl, 2 TL Zitronensaft und Salz in ein hohes Gefäß geben und mit dem Pürierstab langsam von unten nach oben ziehen.

Mojo verde: 1 grüne Paprika, 1 Chili, 1/2 Bund Petersilie, 1 Bund Koriander, 1 Knoblauchzehe, 1 EL Paniermehl, 2 EL Limettensaft, Salz, Pfeffer, und Kreuzkümmel pürieren.

Mojo rojo: 200 g geröstete rote Paprika, 2 rote Chili, 2 Knoblauchzehen, 1 EL Tomatenmark, 1 EL Paniermehl, 100 ml Olivenöl, Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel und Paprikapulver pürieren.

Pimientos de padrón (Bratpaprika mit Meersalz): 400 g bunte kleine Paprika, 250 ml Olivenöl, 2 EL feines Meersalz. Paprika in dem Öl braten, rausnehmen und mit dem Salz bestreuen.

Mediterane Fischtapas: 1 in dünne Streifen geschnittene Zwiebel anschwitzen, 1 EL Tomatenmark zugeben und mit einem Schuss Rotwein ablöschen. 1 Packung stückige Tomaten und einen gewürfelten Pfirsich zugeben. Mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. 400 g Steinbeisser-Filet in walnussgroße Stücke schneiden, in die Sauce geben und etwa 5 Minuten ziehen lassen.

Datteln im Speckmantel mit Ziegenkäsefüllung: 16 entsteinte Datteln mit Ziegenfrischkäse füllen und mit je einer halben Scheibe Speck umwickeln. Im Backofen bei 180 Grad 5 Minuten backen, bis der Speck knusprig ist.

Mini-Chamignons mit Knoblauch: 500 g kleine Champignons in reichlich Olivenöl mit 3 gehackten Knoblauchzehen braten und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Auberginenröllchen: 1 Aubergine in 8 dünne Scheiben schneiden und mit reichlich Olivenöl in einer Grillpfanne von beiden Seiten braten. Mit Frischkäse bestreichen, mit Tomatensalz würzen, mit eingelegten Tomaten und Rucola belegen und aufrollen.

Fazit: Was soll ich sagen – ich liebe Tapas ❤