erLESENer November

Im Lesemonat November eierte ich mit Jasper durchs Leben, erlitt mit Timo eine schwere Kopfverletzung, reiste mit Jan Kammann durch die Welt, durchlebte und -liebte iranische Wurzeln und erlitt mit Lisbeth Salander dank ihres Vaters einen Kopfschuss.

Bücherwelten – manchmal gefährlich kopflastig…

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Spinner von Benedict Wells
Ein Protagonist an der Schwelle zwischen Pubertät und Erwachsenwerden. Tragikkomisch, aber auch berührend. Mein erstes Buch von Benedict Wells, von dem ich jetzt mehr lesen möchte.

Thalamus von Ursula Poznanski
Ein interessantes Thema in eine spannende Geschichte eingewoben. Ein unterhaltsames spannendes Jugendbuch.

Ein deutsches Klassenzimmer von Jan Kammann
Ein Lehrer investiert sein Sabbatjahr, um die Heimatländer seiner Schüler kennen zulernen. Das Buch öffnet Horizonte und hilft manches zu verstehen.

Drei sind ein Dorf von Dina Nayeri
Ein Buch über Entwurzelung und Wurzeln, die ein Leben lang bleiben. Berührend, herzerwärmend und lesenswert!

Vergebung von Stieg Larsson
Ein gelungener Abschluss der Millenium-Trilogie. Empfehlenswert!

Spinner – Benedict Wells

Benedict Wells ist ein Autor, dessen Name mir seit seinem Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ geläufig ist. Ein Buch, von dem ich bisher nur Gutes hörte und es immer mal lesen wollte. Als kürzlich in der Facebook-Gruppe Diogenes Verlag – #backlistlesen eine Leserunde zu seinem ersten Roman stattfand, nahm ich daher gerne teil und war gespannt darauf, was mich in „Spinner“, einem laut Klappentext tragikomischen Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen, erwarten würde.

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Geschrieben hat der 1984 geborene Benedict Wells das Buch bereits mit 19 Jahren. Nach seinem Abitur zog er nach Berlin, entschied sich gegen ein Studium, bestritt seinen Lebensunterhalt mit diversen Nebenjobs und widmete sich ganz dem Schreiben. Und so hatte ich beim Lesen von „Spinner“ den Eindruck, dass es sich um ein stark autobiografisch geprägtes Werk handelt, da es viele Parallelen zu der Hauptperson Jesper Lier gibt, der ebenfalls an seinem Erstlingsroman schreibt und sich ähnlich durchs Leben schlägt. In Jesper herrscht das Gefühlschaos des Erwachsenwerdens. Er sucht sein Auskommen mit dem Leben und seinen Umständen und steht dem Ganzen doch oft verständnislos, manchmal unbeholfen und teilweise resignierend  gegenüber.

„Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten.“ (S. 99)

Die Stimmung dieses Entwicklungsromans ist trotz Jespers trockenem Humor eher düster und einige der eher deprimierenden schwarz-weißen Gedankengänge kommen mir bekannt vor und lassen mich mit Jesper mitfühlen, selbst wenn er aus der Spur gerät und man ihn fast wie ein kleines Kind schelten möchte. Da aber meist nichts ohne Grund geschieht, wird manches am Ende nachvollziehbar und stimmt einen milde.

Gustav lachte nur. „Du und alles im Griff, Jesp. Das glaubst du doch selber nicht. Dein blödes Getue, der einsame Rebell, der seinen schwierigen Weg geht. So ein Scheiß, werd endlich erwachsen.“ (S. 229)

Wäre dieser Roman nicht Gegenstand der Leserunde gewesen, hätte ich zu einem Buch dieser Thematik vermutlich nicht gegriffen, wurde jedoch angenehm überrascht. Ich nahm das Buch gern zur Hand und wollte bis zum Schluss wissen, wie es mit Jesper weiter geht. Auch der Schreibstil von Benedict Wells hat mir gefallen und ich habe große Lust mehr von diesem Autor zu lesen.

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Benedict Wells
Spinner
Taschenbuch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-257-24384-0
€ (D) 12.00 / sFr 16.00* / € (A) 12.40 * unverb. Preisempfehlung 
Verlag: Diogenes
Erschienen: 01.09.2016