Der Abgrund in dir – Dennis Lehane

Ich hatte mal wieder richtig Lust auf einen Thriller, als ich auf „Der Abgrund in dir“ von Dennis Lehane aufmerksam wurde. Dieses Buch bezeichnet sich als eine Mischung aus psychologischem Thriller und einer Liebesgeschichte und der Klappentext klang für mich zwar interessant, aber leider auch nach einem Schema, wie es bereits aus vielen anderen Büchern bekannt ist:

„Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet ihr Mann dieses Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?“

30_Der Abgrund in dirEs muss wohl an dem Autor Dennis Lehane gelegen haben, dessen Bücher „Mystic River“ und „Shutter Island“ als Weltbestseller bereits erfolgreich verfilmt wurden, dass ich mich dennoch entschied in die Leseprobe hineinzuschauen. Und tatsächlich hat mich gleich der Anfang des Buches mitgenommen und auch der Rest der Leseprobe konnte mich überzeugen:

„An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann. Er stolperte mit einem seltsam wissenden Gesichtsausdruck rücklings, als ob er schon immer geahnt hätte, dass sie es tun würde.“

Zwar nimmt sich das Buch gleich im Anschluss zurück und stellt dem Leser ausführlich die Protagonistin Rachel Childs vor, aber ich mochte die ruhige und gefühlvolle Art in der dies geschieht. Man lernt Rachel als unglückliches Kind und als junge Frau auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater, als Katastrophenreporterin auf Haiti und schließlich als stark in ihrem Leben eingeschränkte Angstpatientin kennen. Facettenreiche Einblicke, die sich allmählich zu einem Bild der Protagonistin zusammensetzen, wobei ich mich jedoch immer auch fragte, wie und vor allem wann die eigentliche Geschichte denn wohl weiter gehen würde.

Doch gerade, als ich mich damit abgefunden hatte, dass es sich bei diesem Buch „nur“ um einen Roman, den ich nichtsdestotrotz sehr gerne las, anstatt des eigentlich erwarteten Thrillers handelt, nahm die Handlung enorm Fahrt auf. Das Buch splittet sich ab diesem Zeitpunkt in zwei Teile auf, die sich nicht mehr so recht zusammenbringen lassen. Ab sofort sind die komplexen Charaktere beinahe völlig vergessen und es geht nur noch darum, beim Lesen lebendige und lebensgefährliche, teils tödliche Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen, die so rasant sind, dass kaum Zeit zum Luftholen bleibt. Aber sie konnten mich auch mitreißen und dafür sorgen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte, auch weil ich unbedingt wissen musste, wie sich diese verworrene Geschichte auflöst. Dabei schießt Dennis Lehane meines Erachtens jedoch einige Male übers Ziel hinaus, indem er zu sehr konstruiert und es zu unglaubwürdigen, manchmal sogar absurden Entwicklungen kommen lässt. Erstaunlicherweise habe ich ihm das jedoch nicht einmal übel genommen, sondern fühlte mich trotz allem irgendwie gut unterhalten.

-> Zur Leseprobe [Werbung]



Dennis Lehane
Der Abgrund in dir
Roman
Aus dem Amerikanischen von Steffen Jacobs und Peter Torberg
Hardcover Leinen, 528 Seiten
ISBN: 978-3-257-07039-2
€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70 * unverb. Preisempfehlung 
Verlag: Diogenes
Erschienen:  29.08.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

umgeBUCHt Beiwerk: Ein bekannter unbekannter Autor

Die Rivalin – Michael Robotham

Erzählt wird die Geschichte von Agatha und Meghan – zwei Frauen, Ende dreißig, die beide in London wohnen. Und beide erwarten ein Kind. Doch während Meghan bereits zwei wunderbare gesunde Kinder und einen erfolgreichen charmanten Ehemann hat, lebt die Verkäuferin Agatha in eher ärmlichen Verhältnissen und hatte in ihrem Leben schon früh mit Missbrauch und Verlust zu kämpfen.

02_Die Rivalin

„Im Königreichssaal hab ich gelernt, dass Neid zu den sieben Todsünden gehört, doch ich mache mich ihrer fast täglich schuldig. Ich beneide die Gutaussehenden, die Wohlhabenden, die Glücklichen, die Erfolgreichen, die fest liierten und Verheirateten. Aber mehr als alle anderen beneide ich junge Mütter. Ich folge ihnen in Geschäfte, beobachte sie in Parks. Ich blicke sehnsüchtig in ihre Kinderwagen.“ (S. 144)

Agatha sieht Meghan jeden Tag im Supermarkt, wenn diese bei ihr einkauft und genau das Leben zu führen scheint, von dem Agatha immer geträumt hat. Sie beginnt Meghan zu stalken und knüpft sogar einen engeren Kontakt. Während Agathas Realität sich jedoch zunehmend als gefährliches Gespinst aus Lügen und Illusionen erweist, geraten die Dinge auch für Meghan außer Kontrolle. Und mehr sei an dieser Stelle über den Inhalt dieses Buches nicht verraten, das einige Überraschungen zu bieten hat.

Dadurch, dass die Geschichte im Präsens abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Agatha und Meghan erzählt wird, kommt man den Personen sehr nah und ist immer dicht am Geschehen. Allmählich lernt man die beiden Protagonistinnen kennen und erfährt doch recht schnell, dass bei beiden Frauen nicht alles so ist, wie es zunächst scheint. Nach einer überraschenden Wendung nimmt das Buch Fahrt auf und ich mochte es nicht mehr aus der Hand legen. Manches erscheint und ist ab diesem Zeitpunkt vorhersehbar, aber nicht in dem Maße, dass es berechenbar und langweilig würde, da es noch einige Wendungen gibt, die ich so nicht erwartet hätte.

„Jeder, der sagt, Ehrlichkeit sei die beste Maxime, lebt in einer Traumwelt. Entweder das oder er war nie verheiratet oder hatte keine Kinder. Eltern belügen ihre Kinder andauernd – über Sex, Drogen, Tod und hundert andere Dinge. Wir belügen die, die wir lieben, um ihre Gefühle zu schonen. Wir lügen, weil das Liebe bedeutet, während bedingungslose Ehrlichkeit grausam und der Gipfel der Ichbezogenheit ist.“ (S. 65)

In diesem Buch gibt kein schwarz-weiß. Die Charaktere sind facettenreich und einfühlsam dargestellt, sodass man zwar immer noch Recht von Unrecht unterscheiden kann, aber auch verstehen kann, was zu welchen Handlungen geführt hat, ohne diese zu verharmlosen. Es geschehen erschreckende grauenvolle Dinge, die jedoch nicht blutrünstig sind und bei denen der Fokus auch nicht auf das Widerliche gelegt wird. Es handelt sich bei diesem Buch eher um einen Psychothriller, der gekonnt mit Ängsten spielt und vor allem die mütterliche Seite in mir angesprochen und gequält hat. Warum mir dieses Buch dennoch richtig gut gefallen und mich hervorragend unterhalten hat, erschließt sich mir jetzt, wo ich ein mulmiges Gefühl in der Magengrube habe, wenn ich nur an das Buch denke, eher nicht – aber ich schätze, dass die Psychologen sicherlich eine plausible Erklärung dafür haben.

Michael Robotham war mir vom Namen her zwar bekannt, aber gelesen hatte ich bislang noch keines seiner Bücher. „Die Rivalin“ hat mich auf den Geschmack gebracht, so dass ich unbedingt mehr von diesem Autor lesen möchte, auch wenn mir zu Ohren gekommen ist, dass dieses Buch so ganz anders als seine bisherigen Thriller sein soll. Ob diese Aussage nun gut oder schlecht ist, muss ich noch herausfinden.

-> Zur Leseprobe [Werbung]



Michael Robotham
Die Rivalin
Aus dem Englischen von Kristian Lutze
Original: The Secrets She Keeps
Paperback, Klappenbroschur, 512 Seiten
ISBN: 978-3-442-31409-6
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 21,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Goldmann
Erschienen: 27.12.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Sag kein Wort – Raphael Montes

Téo Avelar ist Einzelgänger und ein Medizinstudent, der sich im Seziersaal der Medizinischen Fakultät am wohlsten fühlt . Echte menschliche Gefühle bringt er nur für seine dortigen Studienobjekte auf – bis er Clarice begegnet, einem Partygirl aus gutem Hause. Vom ersten Moment an ist Téo überzeugt, dass Clarice die Frau seines Lebens ist. Er beginnt, sie zu verfolgen und zu beobachten, macht ihr Geschenke, ist geradezu besessen von ihr. Als Clarice ihn zur Rede stellt und unmissverständlich deutlich macht, dass sie nichts von ihm wissen will, schlägt Téo sie bewusstlos und entführt sie in ein entlegenes Hotel in den Bergen. Was nun folgt, sind aus Téos Sicht tatsächlich perfekte Tage. Dass er Clarice fesseln und knebeln muss, sobald er sie allein lässt, liegt schließlich nur daran, dass sie so widerspenstig und unvernünftig ist.

44_Sag kein Wort

So ruhig die Geschichte anfängt, so schnell nimmt sie an Fahrt auf. Allmählich bekommt man tiefere Einblicke in Téos Denkweise und weiß, dass die Art, wie er agiert und reagiert mit etwas Fürchterlichem enden muss. Distanzlos und schockierend beschreibt der Autor Menschliches und unmenschliches Handeln des Medizinkundigen, was schockierend ist, wobei jedoch nicht das Augenmerk auf blutrünstige Taten gelegt wird. Dieser Thriller lebt eher davon, dass der personale Erzähler den Leser tief in die Psyche des verklemmten, liebeskranken, realitätsfremden, aber nicht dummen Stalkers blicken lässt, der einem beinahe schon leid tun könnte, weil klar ist, dass er die so sehr von ihm ersehnte Gegenliebe von Clarice auf diese Art niemals gewinnen kann.

Der Schreibstil ist flüssig und auch wenn einem weder Téo noch Clarice sympathisch sind, so will man doch immer wissen, wie dieser Thriller weiter geht. Stellenweise wirkte die Handlung ein wenig konstruiert und unrealistisch. Dennoch fand ich das Buch spannend und fühlte mich gut unterhalten. Wer gerne einen Stalking-Thriller der etwas anderen Art lesen möchte, dem könnte „Sag kein Wort“ gefallen.

Der Autor Raphael Montes, geboren 1990 in Rio de Janeiro, ist Jurist und Autor. Sein Debütroman wurde u. a. für den Sao Paulo Literaturpreis nominiert, und in seiner Heimat wird Raphael Montes als ‚Stephen King Brasiliens‘ gefeiert. Mit seinem zweiten Spannungsroman ‚Sag kein Wort‘, der in siebzehn Ländern erscheint, sorgt Montes auch international für Furore.

-> Zur Leseprobe [Werbung]



Raphael Montes
Sag kein Wort
Aus dem Portugiesischen von Kirsten Brandt
Original: Dias Perfeitos, Companhia das Letras, São Paulo 2014
Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8090-2678-5
Preis: € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Limes
Erschienen: 26.06.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.


testMit diesem Buch ging es für mich literarisch nach Brasilien. Das Ziel der Buchweltreise ist es, Bücher über möglichst viele Länder der Welt  zu lesen. Die Liste der Mitreisenden ansehen oder sich zum Mitmachen anmelden kann man HIER.

Drei Meter unter Null – Marina Heib

Geschrieben ist „Drei Meter unter Null“ aus der Ich-Perspektive einer 34jährigen selbstbewussten unabhängigen Frau, die nach ihrem Einser-Abi und dem abgeschlossenen Informatik Studium einen guten Job hat und in Berlin-Mitte eine schicke Eigentumswohnung bewohnt. Und doch brodelt es unter der scheinbar so perfekten Fassade, wie dem Leser schnell deutlich wird. Ab der ersten Seite spürt man ihre Aggressionen und ahnt, dass sie von großen seelischen Problemen getrieben wird. Kein sympathischer, sondern ein von Besessenheit getriebener Charakter, dem man in diesem Buch folgt.

39_Drei Meter unter Null

2 Monate lang nimmt die Frau sieben Stunden pro Tag unerbittlichen Unterricht in Kampfsport. Alles ist erlaubt, es gibt keine Regeln. Und während man als Leser gleich von der bildhaften und teilweise poetischen Sprache  mitgerissen wird, erfährt man, dass die junge Frau in wohlbehüteten Verhältnissen aufgewachsen ist und dennoch ein aggressives verhaltensauffälliges Kind war, das sich gern in Phantasiewelten flüchtete. Ihr Berufswunsch war Pippi Langstrumpf, Tarzan oder Winnetou zu werden. Als Kind dachte sie noch, dass man sich aussuchen kann, was man werden möchte.

„Jetzt stelle ich mich meinem Schicksal und meiner Bestimmung. Mein neues Ziel ist weniger Beruf als Berufung. Ich werde Mörderin.“

Fürchtete ich bei dieser Aussage einem naiven Thriller aufgesessen zu sein, in dem ab diesem Zeitpunkt ein wildes sinnloses morden folgt, wurde ich glücklicherweise eines besseren belehrt.

Die Frau wählt den Weg der Gewalt nicht grundlos, wie man nach und nach in Form von Rückblicken erfährt. Sie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen, nimmt in ihrer Firma ein Sabbatical und eröffnet ihre ganz persönliche Jagdsaison:

„Heute prügele und schubse ich nicht mehr. Ich töte. Aber ich töte weder Menschenschafe noch Opferlämmer, ich töte Wölfe. Wölfe, die Lämmer zur Schlachtbank führen.“ (S.71)

Und sie tötet brutal. Auch hier liegt der Fokus auf dem, was in der Frau vor sich geht und weniger auf blutrünstigen Tötungsakten. Allerdings ist die Phantasie beim Lesen ausreichend genug stimuliert, so dass dies auch gar nicht notwendig ist. Schließlich erfährt der Thriller noch eine Wendung, die für mich in der Art nicht vorhersehbar war und zu einem Ende führt, das nachvollziehbar ist, aufgrund der Geschehnisse aber niemals befriedigend sein kann, egal für welchen Ausgang der Geschichte sich die Autorin entschieden hätte – die Thematik geht einfach zu nah.

„Drei Meter unter Null“ ist ein spannender psychologischer Thriller, der unter die Haut geht und durch eine besondere Schreibweise besticht. Empfehlenswert!

-> Zur Leseprobe [Werbung]


Marina Heib
Drei Meter unter Null
Gebunden mit Schutzumschlag, 256 Seiten
ISBN: 978-3-453-27111-1
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne Encore
Erschienen: 06.03.2017

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Die Falle – Melanie Raabe

Nachdem ich im vergangenen Jahr „Die Wahrheit“ von Melanie Raabe gelesen und für gut befunden hatte, stieß ich immer öfter auch auf Empfehlungen des Buches, das sie davor geschrieben hatte. So stand „Die Falle“ recht bald auf meiner Wunschliste und als das Buch jetzt im Leseclub von Alicia, Phil und Steffi für das gemeinsame Lesen auf dem Programm stand, war endlich auch für mich die Zeit gekommen diesen Thriller zu lesen.

Dabei habe ich wieder einmal feststellen müssen, dass ich für das gemeinsame Lesen mit anderen nicht unbedingt geeignet bin. Ich habe mein eigenes Tempo und wenn es spannend wird, kann ich nicht mehr aufhören zu lesen. So ist es mir auch bei diesem Buch ergangen und ich habe mich bereits nach dem ersten Leseabschnitt verselbständigt.

09

Die erfolgreiche Romanautorin Linda Conrads, 38, hat seit gut 11 Jahren keinen Fuß mehr über die Schwelle ihrer Villa am Starnberger See gesetzt. Vor vielen Jahren hat Linda ihre jüngere Schwester Anna in einem Blutbad vorgefunden und das Gesicht des flüchtenden Mörders gesehen. Deshalb ist es ein Schock für sie, als sie genau dieses Gesicht eines Tages im Fernsehen entdeckt. Grund genug für Linda, ihre verbliebenen Kräfte zu mobilisieren, um herauszufinden was in der Tatnacht wirklich passiert ist und den vermeintlichen Mörder in eine Falle zu locken.

In kurzen Kapiteln, die oft mit einem Cliffhanger enden, wechselt die Geschichte zwischen Auschnitten aus dem Buch der Romanautorin und ihren Empfindungen und ihrem Erleben aus der Ich-Perspektive. Und diese hat es wirklich in sich. Oftmals schauen wir mittels eines scheinbar einfach heruntergeschriebenen Gedankenstroms direkt in den Kopf von Linda Conrads. Wir erleben ihre Gedanken, Ängste, Panikattacken und Gefühle mit. Diese sind so bildhaft und intensiv dargestellt, dass sie nachvollziehbar werden, selbst wenn sie teilweise chaotisch sind. Der psychologische Aspekt dieses Thriller macht für mich seine Besonderheit aus und ich fand es spannend und interessant die Gedankenwelt dieser erkrankten Autorin miterleben zu können. Gleichzeitig baut sich dadurch auch große Spannung auf, bei der man sich unweigerlich fragt, ob die Protagonistin der Belastung überhaupt standhalten kann und ob sie in der Lage sein wird, ihr Vorhaben umzusetzen.

Dieses Buch ist spannungsreich, verfügt über nicht vorhersehbare Wendungen und liest sich flüssig. Und doch stolperte ich einige Male über Sätze, die sich wiederholten, als seien sie stumpf mehrfach eingesetzte Textbausteine, während ich andere Wiederholungen als Stilmittel und Ausdruck von Linda Conrads Gedankenwelt akzeptieren konnte. Das schmälert jedoch insgesamt gesehen für mich nicht die Qualität dieses Thrillers, der in psychologischer Hinsicht interessant und packend zugleich war.



Melanie Raabe
Die Falle [Werbung]
eBook (epub)
ISBN: 978-3-641-13696-3
€ 8,99 [D] | CHF 11,00* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb
Erschienen: 09.03.2015

Er liebt sie nicht – Sharon Bolton

Charismatisch, erfolgsverwöhnt, gut aussehend, intelligent und ein verurteilter Serienkiller, der vier stark übergewichtige Frauen umgebracht haben soll, ist Hamish Wolfe. Er beteuert jedoch seine Unschuld. Damit sein Fall neu aufgerollt werden kann, bittet er Maggie Rose, eine erfolgreiche knallharte Anwältin und True-Crime-Autorin, die schon mehrere verurteilte Straftäter wieder freibekommen konnte, um Hilfe. Sie widersetzt sich seinen Bitten, was dem Polizisten, der Hamish seinerzeit festgenommen hat, sehr recht ist. Dieser Thriller lebt davon, wie die Protagonisten miteinander umgehen und was sie sagen oder nicht sagen. Als Leser ist man ständig auf der Suche nach Hinweisen, die einem verraten können, was wirklich vorgefallen ist und wer hier falsch spielt.

03

Den deutschen Titel des Buches halte ich für gut gewählt, das Cover spricht mich allerdings nicht an und ich kann im nachhinein auch keinen Bezug zum Inhalt des Buches herstellen. Beim englischen Original finde ich das besser und ansprechender gelöst.

Der Thriller spielt im Südwesten Englands und wird aus personaler Erzählperspektive dargestellt, wobei teilweise eine recht bildhafte Sprache gewählt wird, die für eine gute Vorstellungskraft sorgt:

„Die Kammer ist riesig, als wäre die ganze Felswand hohl, und noch immer sehen die Felsen um sie herum aus wie lebendiges Gewebe. Fast könnte sie sich einbilden, im Bauch irgendeiner gigantischen Kreatur zu sein. Dass, wenn sie die Hand ausstreckt und die Wände berührt, diese warm wären, unter ihren Fingern nachgeben würden, dass Blut darin pulsieren würde.“ (S. 77)

Dennoch handelt es sich bei diesem Thriller um kein Buch, bei dem die unschön zu Tode gekommenen Opfer über Gebühr blutrünstig beschrieben werden oder ein Fokus auf gewalttätige Szenen gelegt wird.

Maggie und Hamish sind gut ausgearbeitete, aber auch sehr eigenwillige und ungewöhnliche Charaktere, deren scharfsinnige und kluge Denkweise wir aufgrund der Erzählperspektive mitverfolgen können. Ihre Art und Handlungsweise ist vor allem berechnend und manipulativ. Richtig sympathisch werden einem diese Personen nicht. So fiebert man zwar der Auflösung entgegen, die am Ende auch überraschend ist, aber durch die mangelnde Nähe zu den agierenden Personen fühlt man ansonsten nicht mit.

Die Handlung erschließt sich auf anschauliche und abwechslungsreiche Weise. Neben dem Erzähler erfahren wir durch handschriftliche Briefe zwischen Maggie und Hamish, Briefe von Hamish an eine Unbekannte, Briefe einer Unbekannten an Hamish, eMails, unterschiedlichste Zeitungs- und Online-Artikel, ein psychiatrisches Gutachten und nicht zuletzt durch Maggies Buchentwurf unterschiedlichste Details, die sich zu einem lückenhaften Gesamtbild zusammenfügen, bei dem die Spannung bis zum Schluss erhalten bleibt.

Wer einen spannenden Thriller mit ungewöhnlichen Protagonisten und einem überraschenden Ende lesen möchte, dem könnte „Er liebt sie nicht“ von Sharon Bolton gefallen.


Sharon Bolton
Er liebt sie nicht [Werbung]
Aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger
Originaltitel: Daisy in Chains, -verlag: Transworld
Klappenbroschur, 480 Seiten
ISBN: 978-3-442-54767-8
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Manhattan
Erschienen: 03.10.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Im Netz der Spinne – Nikki Owen

Die Chirurgin Dr. Maria Martinez leidet unter dem Asperger-Syndrom und findet sich im Zustand geistiger Verwirrung in einem Gefängnis wieder. Sie wurde zu einer langjährigen Haftstrafe für den Mord an einem Priester verurteilt – eine Tat, an die sie keine Erinnerung hat. Stattdessen sieht sie Bilder und wirre Szenen in ihrem Kopf. Je näher Maria der Wahrheit kommt, desto mehr gerät sie in Gefahr – in tödliche Gefahr, der sie im Gefängnis nicht entkommen kann.

img_1802

Als Leser erleben wir die Gedankenwelt der Ich-Erzählerin Dr. Maria Martinez, die unter dem Asperger-Syndrom leidet. Ebenso wie ihr, fällt es dem Leser schwer, beziehungsweise es ist bis kurz vor Ende des Buches unmöglich zwischen Phantasie, Erinnerung und Realität zu unterscheiden. Durchwirkt wird die ganze Erzählung noch von Symptomen und Reaktionen, die zum Teil dem Asperger Syndrom und andere der Schizophrenie zugeordnet werden. Die Gedankenwelt und Empfindungen waren glaubhaft dargestellt und ich fand es interessant, einen Thriller aus dieser ungewöhnlichen Perspektive zu lesen.

Die Autorin hat im Laufe des Buches Marias Verstand immer weiter aufklaren lassen und mich als Leser dabei gerade noch rechtzeitig mitgenommen, bevor ich das Buch aufgrund eigener Verwirrung beiseite gelegt hätte. So bekommt man gegen Ende eine Ahnung davon, worum es in diesem Thriller überhaupt geht. Doch zeitgleich verliert Maria beinahe alle Eigenheiten und selbst ihre dem Asperger geschuldeten Verhaltensweisen treten in den Hintergrund. Damit verliert diese Geschichte für mich auch komplett ihren Reiz. Was übrig bleibt, ist verworren und wirkt so konstruiert, oberflächlich und unrealistisch, dass mich das Buch letztendlich nicht begeistern konnte.



Nikki Owen
Im Netz der Spinne [Werbung]
Deutsche Erstausgabe
Aus dem Englischen von Antonia Noris
Original:The Spider in the Corner of the Room (Mira)
Taschenbuch, Broschur, 416 Seiten
ISBN: 978-3-442-48329-7
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Goldmann
Erschienen: 16.05.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Buch-Date mit Hindernissen

Wie hatte ich mich gefreut, als ich sah dass Michaela von Bücherlogie mir als eines von 3 Büchern im Rahmen des Buch-Dates (-> Sammelbeitrag) zur Auswahl „Der Ruf des Kuckucks“ von Robert Galbraith gestellt hatte. Für mich stand sofort fest, dass ich diesen Roman lesen wollte, zumal er ja schon auf meinem SuB wartete. Und obwohl ich mir so hunderprozentig sicher war, dass mir dieses Buch gefallen würde, weil es ja von J. K. Rowling unter ihrem Pseudonym geschrieben worden war, wurde ich enttäuscht. Weder die Handlung noch die Personen und auch nicht der Fall, um den es ging, konnten mein Interesse wecken. Ich quälte mich durch knapp 200 Seiten, bevor ich mich endlich entschloss, das Buch abzubrechen.

Glücklicherweise war noch ein wenig Zeit bis zum 1. Dezember 2016 und so entschied ich mich dazu das folgende Buch zu lesen:

„Todesdeal“ von Veit Etzold

978-3-426-30434-1_druck-jpg-34448904Martin, ein junger Berliner Journalist, reist für seinen ersten großen Rechercheauftrag in den Kongo, in dem seit Jahrzehnten ein grausamer Krieg wütet. Kurz nach seiner Ankunft wird er von den Milizen eines Warlords in Geiselhaft genommen. Ausgelöst wird er von einer Geschäftsfrau aus Ruanda. So gerät der unerfahrene Journalist in die gnadenlosen Hände von russischen Oligarchen, chinesischen Investoren und deutschen Waffenhändlern.

Zu Beginn des Buches befindet sich eine Auflistung und Kurzbeschreibung der handelnden Personen. Dies ließ mich zuerst befürchten, dass dies aus Gründen der Übersicht notwendig sein könnte. Aber die Sorge war unbegründet und es war kein ständiges Blättern notwendig, um den Überlick zu behalten.

Schnell ist der Einstieg in eine Geschichte geschafft, die langsam an Fahrt aufnimmt und von der man wissen möchte, wie sie sich entwickeln wird. Doch etwa zur Mitte des Buches wurde ich jäh im Lesefluss gebremst, weil hier nur noch ellenlange arg konstruierte Dialoge mit Erklärungen zur Geschichte und politischen Lage des Kongos und seine Verstrickungen im Weltgeschehen folgten.

Einerseits handelt es sich hierbei um interessante und erschreckende Ausführungen über Bürgerkriege, Kinderarbeit, Kindersoldaten, Waffenhandel, wirtschaftliche und menschliche Ausbeutung und vieles mehr. Andererseits bleibt bei diesen Ausführungen die Handlung selbst auf der Strecke und ich hatte den Eindruck ein Sachbuch über die Geschichte und die Politik des Kongos zu lesen. Irgendwann wurde der Handlungsfaden zwar wieder aufgenommen, konnte mich aber nicht mehr für diesen Polit-Thriller begeistern.

Insgesamt hatte ich den Eindruck ein Sachbuch zu lesen, um das eher mühsam eine Geschichte unter Zuhilfenahme vieler Klischees herumkonstruiert worden war. So ergab sich für mich kein stimmiger Gesamteindruck, der mir ein positives Leseerlebnis beschert hätte.


Veit Etzold
Todesdeal [Werbung]
Klappenbroschur, 480 Seiten
ISBN: 978-3-426-30434-1
€ 14,99
Verlag: Droemer
Erschienen: 01.10.2015

Der Rabe von Lionel Davidson

img_1633„Inmitten der sibirischen Steppe liegt ein Geheimnis begraben, von dem nur eine Handvoll Menschen wissen: ein unterirdisches russisches Forschungslabor. Offiziell existiert es nicht, und wer einmal dort ist, wird es nie wieder verlassen. Doch der Biologe Rogatschow weiß, dass das, was dort geschieht, nicht im Eis verborgen bleiben darf. Er schickt einen verschlüsselten Hilferuf an den einen Mann, der die Wahrheit ans Licht bringen kann: Dr. Johnny Porter, eigenwilliger Einzelgänger indianischer Abstammung, Mikrobiologe und Sprachgenie, begibt sich auf die lebensgefährliche Mission nach Sibirien.“

So lautet der Klappentext, den ich hier komplett zitiere und der mich innerlich auf einen Thriller eingestimmt hat, der in der nahen Gegenwart spielt und von dem ich mir erhofft hatte, dass er mir eine spannende Geschichte über ein ominöses gefährliches unterirdisches Forschungslabor erzählen würde. Stattdessen wurde jedoch die lebensgefährliche abenteuerliche Geschichte von Johnny Porter erzählt, der sich zur Zeit des kalten Krieges auf den Weg macht, um die Geheimnisse dieses Forschungslabors ans Tageslicht zu bringen.

Der Schreibstil ist flüssig und schnörkellos. Der Autor nimmt sich viel Zeit, um seinen Protagonisten darzustellen, ihn planen und handeln zu lassen. Das sorgt zwar stellenweise dafür, dass sich die Handlung zieht und man dem Buch die Bezeichnung Thriller aberkennen möchte, aber letztlich sorgt auch diese Genauigkeit in dem Aufbau des Charakters dafür, dass man ihm seine Taten schließlich auch zutraut. Alles ist logisch durchdacht und immer wieder gerät man darüber ins Staunen, wie ausgefeilt die Pläne des Protagonisten sind und wie wohl überlegt er zu jeder Zeit handelt.

Und doch habe ich während des Lesens immer der im Prolog kurz erwähnten Forschungsstation entgegen gefiebert. Nach knapp 2/3 des Buches war es schließlich so weit, aber dieser Teil wurde für meinen Geschmack zu schnell abgehandelt. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren und war letztlich von diesem Teil der Geschichte eher enttäuscht.

Gegen Ende nimmt dieser Thriller dann allerdings nochmal richtig Fahrt auf und mündet in einem runden schlüssigen Ende, bei dem keine Fragen mehr offen bleiben. Obwohl mir das Buch letztlich nicht die Geschichte geliefert hat, die ich ursprünglich erwartet hatte, konnte es mich dennoch überzeugen und ich habe es trotz einiger Längen gerne gelesen.

Wer einen gut durchdachten und abenteuerlichen Thriller in Agenten-Manier lesen möchte, dessen Schauplatz überwiegend im eisig kalten Sibirien zur Zeit des kalten Krieges spielt, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.


Lionel Davidson
Der Rabe [Werbung]
Aus dem Englischen von Walter Ahlers, Christian Spiel
Original: Kolymsky Heights (Heinemann, London 1994)
Taschenbuch, Broschur, 672 Seiten
ISBN: 978-3-328-10002-7
€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Penguin
Erschienen: 12.09.2016

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle nochmal recht herzlich bedanke.