Was bleibt wenn wir sterben – Louise Brown

„Seit der Tod in mein Leben getreten ist – und so fühlt es sich bis heute an -, hat er einiges in mir bewegt. So ist die Angst vor dem nächsten Verlust präsenter geworden. Die Garantie, dass ich oder meine Liebsten morgen noch hier sind, gibt es nicht. Auch scheint es unmöglich zu sein, das Sterben von anderen mitzuerleben, ohne an das eigene zu denken.“

(S. 210)

Keine leichte Thematik und ich muss gestehen, dass ich mich ein wenig davor gefürchtet habe, dass das Buch mich traurig machen könnte und in dieser komischen Zeit, die durchsetzt ist mit ihren ganz eigenen Problemen und indirekt immer auch den Tod im Gepäck hat, stimmungsmäßig so richtig runterziehen könnte. Doch diese Sorge war unbegründet, denn Louise Brown versteht sich darauf die richtigen Worte zu finden und nimmt einen behutsam an die Hand, um das Thema Tod zu beleuchten.

Dabei begibt man sich unweigerlich auf eine Reise in die eigene Erinnerung und begegnet den Lieben, die man schon gehen lassen musste. Das machte mich jedoch nicht traurig, auch wenn ich mich an Schmerz und Trauer erinnerte. Vielmehr ist es ein liebevoller Blick zurück und immer auch eine Einladung, sich nicht nur mit dem eigenen unausweichlichen Tod, sondern außerdem mit dem Leben zu beschäftigen.

Die Journalistin Louise Brown versuchte nach dem Tod ihrer Eltern der Endlichkeit des Lebens etwas sinnstiftendes abzugewinnen und wurde als Trauerrednerin Zeugin dessen, was von uns bleibt. Dies veränderte nicht nur ihre Einstellung zum Tod, sondern auch ihre Haltung zum Leben. Im ersten Teil des Buches geht es um die Konfrontation mit dem Tod, in zweiten Teil um das Leben mit der Trauer, im dritten Teil schließlich darum, die Endlichkeit anzunehmen. Louise Brown schenkt uns unvergessliche Bilder, die daran erinnern, was uns als Menschen ausmacht.

„Ein guter Tod bedeutet für mich: Bevor ich sterbe, möchte ich mich um die Dinge gekümmert haben, die mir wichtig sind. Ich möchte, dass meine Kinder sich geliebt und sicher fühlen. Ich möchte ein mitfühlender und zärtlicher Mensch sein. Ich möchte meiner Welt dienlich sein mit dem Werkzeug, das ich habe. Wenn ich so weit bin, will ich so weit sein. Diese Gedanken an den eigenen Tod helfen mir, Klarheit darüber zu bekommen, welche Geschichte ich von meinem Leben erzählen möchte.“

(S. 232)

Ein tröstendes und befreiendes Buch, das Mut macht, das Leben auf die Dinge auszurichten, die von Bedeutung sind und ein Buch voller Wärme und Menschlichkeit, das Raum schafft, über die eigene Endlichkeit nachzudenken und mit ihr Frieden zu schließen meint der Klappentext. Dem kann ich nur beipflichten und möchte das Buch Lesern empfehlen, die einen liebevollen Blick zurück werfen und sich außerdem mit dem Gedanken an die eigene Vergänglichkeit aussöhnen möchten. Empfehlenswert!

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Louise Brown
Was bleibt, wenn wir sterben
Erfahrungen einer Trauerrednerin
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
ISBN: 978-3257071764
Preis: 22,00 € [D]
Verlag: Diogenes
Erschienen: 29.09.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Unzertrennlich . Über den Tod und das Leben – Irvin D. Yalom und Marilyn Yalom

Erst im Dezember las ich „Wie man wird, was man ist“ von Irvin D. Yalom, was mir diesen von mir geschätzten Autor nochmal ein Stück näher gebracht hat. Schon in dieser Autobiografie war mir aufgefallen, mit wie viel Wärme und Bewunderung er über seine Frau Marilyn, Kulturwissenschaftlerin und selbst Autorin, schreibt, so dass sich ganz automatisch meine Sympathie auch auf sie erstreckte. Umso mehr war ich betroffen, als ich nun erfuhr, dass Marilyn im letzten Herbst starb. Als fest stand, dass ihre Krankheit zum Tode führen würde, begannen beide ein Buch zu schreiben – das am Ende Irvin D. Yalom alleine fertigstellen musste. „Unzertrennlich“ lautet der Titel des Buches der durch 65 Ehejahre verbundenden Eheleute, in dem Irv im April 2019 beginnt, abwechselnd mit Marilyn über die Gefühle und Gedanken bis zu ihrem Tod schreibt und schließlich 125 Tage danach mit einem Brief an sie schließt.

„Ich kann noch schreiben, und dieses gemeinsame Projekt mit Marilyn ist ein Lebenselexier, nicht nur für sie, sondern auch für mich.“

(S. 83 – Irv im August)

Tiefe Ehrlichkeit und stete Reflektion sind sicherlich die treibenden Kräfte, die ihn und Marilyn auszeichnen – und die auch das vorliegende Buch so unvergleichlich und wertvoll machen. Hier wird nichts schöngeredet, es wird um jede Nuance gekämpft, um das zu erreichen, was man Authentizität nennt. Das allmähliche Sterben bis hin zum begleiteten Suizid von Marilyn ist gesäumt von Irv’s Schmerz über den bevorstehenden Verlust und durchsetzt von Gedanken bezüglich seiner eigenen Sterblichkeit. Denn Irv wird im Juni 2021 neunzig Jahre alt und ist immer davon ausgegangen, dass Marilyn ihn überleben würde. Doch nun bereitet Marilyn ihren Abschied vor und sehnt sich aufgrund des größer werdenden Leidendrucks immer mehr den Tod herbei.

Beide schildern ihre ganz persönlichen Gedanken und Gefühle, legen ihre Schmerzen und Schwächen offen. Beim Lesen fühlt man mit ihnen und nimmt an ihrer Geschichte Anteil. Als schließlich für Irv die Zeit des Lebens nach dem Tod von Marilyn beginnt, durchlebt man mit ihm die Verzweiflung und schließlich seine Versuche, sich als Therapeut an das zu erinnern, was er Patientinnen und Patienten in seiner Situation geraten oder in seinen Büchern geschrieben hatte. Auch muss er sich neu organisieren und Entscheidungen darüber treffen, welche Dinge von ihr bleiben sollen und was weg darf.

Keine einfache Thematik und doch ist „Unzertrennlich“ für mich ein wunderbares Erinnerungsbuch an Marilyn Yalom mit vielen privaten Familienbildern, abgedruckten Trauerreden und liebevollen Gedanken von Irv. Gleichzeitig ist es ein Buch über das Älterwerden und allmähliche Abschiednehmen vom Leben.

„[…] so glaube ich tatsächlich, dass Menschen, die im Sterben liegen – wenn sie zum Nachdenken Zeit haben -, dazu neigen, das Leben, das sie gelebt haben, zu bewerten. Gewiss ist das bei mir der Fall. Und ohne selbstzufrieden im falschen Sinne sein zu wollen, habe ich den Eindruck, dass ich keinen Schaden angerichtet habe und mich dem Ende ohne viel Bedauern und wenig Schuld nähern kann.“

(S. 172 – Marilyn im November)

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Irvin D. Yalom, Marilyn Yalom
Unzertrennlich – Über den Tod und das Leben
Aus dem Amerikanischen von Regina Kammerer
Original: A Matter of Death and Life, Stanford University Press
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-442-75921-7
Preis: 22,00 € [D]
Verlag: btb
Erschienen: 10.05.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Mehr als nur eine Katze – Kristin Hoffmann

Mit gemischten Gefühlen halte ich das Trost- und Erinnerungsbuch in Händen. Einerseits freue ich mich über das Buch, das verspricht mit wunderschönen Bildern, literarischen Texten und viel Platz für Persönliches eine Liebeserklärung für meine verstorbene Katze zu sein, andererseits fühle ich mich jedoch an den 15. Oktober 2018 erinnert, eben jenem Tag, an dem ich schmerzlich von Lara Abschied nehmen musste.

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Gut 10 Monate sind seitdem bereits vergangen und allein der Titel des Buches „Mehr als nur nur eine Katze“ treibt mir schon Tränen in die Augen. Dennoch nehme ich mir die Zeit und lese die knapp 80 Seiten in einem stillen Moment und in aller Ruhe durch. Das Buch setzt konzeptionell bei dem Zeitpunkt an, als die Katze in das gemeinsame Leben kam. Der Aufbau des Buches lädt ein, sich zu erinnern: an Fröhliches, an Trauriges, an Besonderes und schließlich an das Ende der Beziehung. Die Erinnerungen werden flankiert mit Katzenweisheiten, berührenden kleinen Geschichten, Sprüchen namhafter Literaten und zauberhaften Fotos.

Ich weine beim lesen dieses Buches viel, aber es sind befreiende Tränen, die einerseits durch die berührenden Texte und Zitate, die allesamt Wertschätzung für die Katze ausdrücken, ausgelöst werden und andererseits durch die Einladung, den im Buch eingeräumten Platz mit eigenen Erinnerungen und Bildern zu füllen. Das macht das Lesen zu etwas sehr Persönlichem, aber auch sehr Schmerzhaftem, weil mir meine Katze immer noch sehr fehlt. Weil jedoch die Erinnerungen nicht durchweg traurig sind, sondern auch so manches Lächeln hervorzaubern können, wird gleichzeitig auch etwas sehr Schönes daraus.

Als ich jedoch „Das Testament einer Katze“ von Margaret Trowton in dem Buch lese, hat es eine geradezu heilende Wirkung für mich. Ich fühle mich irgendwie erleichtert und beschließe loszulassen. Und die Lücken des Buches nicht nur gedanklich mit Fotos und Texten zu füllen, weshalb ich zunächst meine Fotografien der vergangenen 18 Jahre durchschaue, um die schönsten und kuriosesten Bilder von Lara herauszusuchen. Daraus entsteht eine schöne kleine Zeitreise und eine willkommene Gelegenheit die Lieblingsbilder der eigenen Katze zusammenzustellen und endlich auch mal in ausgedruckter Form anzuschauen. Viele schöne Erinnerungen finden schließlich auch ihren schriftlichen Ausdruck und ihren Weg in das Buch, das jedoch nur dann als Höchstbewertung 5 von 5 Sternen erhalten könnte, wenn es komplett mit den Fotos der eigenen Katze gefüllt wäre.

Keine einfache Lektüre, aber ein durchaus lohnenswertes Buch, das mir ein wenig Trost verschaffen konnte und gespickt mit kleinen wertvollen Erinnerungen an meine Katze Lara in meinem Bücherregal einen Ehrenplatz erhalten wird.

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Kristin Hoffmann
Mehr als nur eine Katze
Ein Trost- und Erinnerungsbuch
Hardcover, Pappband, mit Lesebändchen, 80 Seiten
ISBN: 978-3-579-01494-4
Preis:  15,00 [D] inkl. MwSt. | € 15,50 [A] CHF 21,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen:  26. August 2019

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.