erLESENer Juli

Im Lesemonat Juli programmierte ich mit Charly und Miranda einen Androiden, stand mit meiner Bloggerschreiberei auf dem Prüfstand, fand Kurioses in Björns Arbeitswelt und langweilte mich bei den kenianischen Kolonialherren.

Bücherwelten – real und irr.real…

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Maschinen wie ich von Ian McEwan
Ich fand es großartig und zugleich befremdlich, wie der Autor den Androiden Leben einhaucht und sie agieren lässt. Er erzeugt beim Lesen eine Zerrissenheit zwischen Bewunderung und Abscheu. Großartig!

Deutsch für junge Profis von Wolf Schneider
Der Autor möchte den Leser, beziehungsweise den Schreiber, zum klaren, verständlichen Deutsch anhalten und zeigt, wie man mit Kommas und anderen Satzzeichen „Musik“ macht. Dank vieler guter Beispiele lehrreich und unterhaltsam zugleich.

Das Zimmer von Jonas Karlsson
Ein Blick in ein Großraumbüro aus ungewöhnlicher Perspektive mit teilweise grotesken Situationen in der Arbeitswelt. Intensiv, aber auch unterhaltsam. Ein besonderes Buch!

Kenia Valley von Kat Gordon
Gewünscht hätte ich mir in diesem Roman ein wenig mehr Kenia und bedeutend weniger von dem Happy Valley Set mit seinem Leben voller Glamour, Exzentrik, Affären und Partys. Insgesamt ist das Buch eine Enttäuschung und eher langweilig.

Deutsch für junge Profis – Wolf Schneider

Ich bin weder jung noch ein Profi, aber wie man gut und lebendig schreibt interessiert mich und das möchte ich gerne können. Wohl aus genau diesem Grund ist irgendwann dieses Buch bei mir eingezogen und doch erstmal auf dem Stapel ungelesener Bücher gelandet – für eine lange Zeit. Immerhin war ja der gute Wille da. Dabei verspricht der Klappentext eine lehrreiche, anschauliche und durchaus unterhaltsame Lektüre. Als ich das Buch kürzlich eher zufällig wieder zur Hand nahm und ein wenig darin herumblätterte, las ich mich gleich fest.

„Mit perfekter Grammatik lassen sich die scheußlichsten Sätze zimmern – in akademischen, bürokratischen und vielen journalistischen Texten täglich nachzulesen. Auf der Basis der korrekten Grammatik muss ich eine Kunst erlernen, die in der Schule ignoriert worden ist: wie man für Leser schreibt.“ (S. 9)

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In 32 Kapiteln will Wolf Schneider, Deutschlands renommiertester Stilkritiker und Ausbilder an mehreren Journalistenschulen, den Leser dazu bringen, dass er die „Heerschar der Einfach-drauflos-Schreiber ebenso hinter sich lässt wie die verkorksten Germanisten“. Seine Lektionen sind unterhaltsam und führen so manchen weitverbreiteten Sprachgebrauch ad absurdum. Er möchte den Leser, beziehungsweise den Schreiber, zum klaren, verständlichen Deutsch anhalten und zeigt, wie man mit Kommas und anderen Satzzeichen „Musik“ macht.

Erschienen ist das Buch zwar bereits 2011, aber was ein guter starker Satz ist – das hat sich in tausend Jahren nicht geändert. Es gilt für die Bibel und den Blog, den Zeitungsartikel wie für den Geschäftsbericht. So können die ersten zwei Drittel dieses Buches von den Regeln und Erfahrungssätzen profitieren, die schon Luther beherzigt hat. Denn eines ändert sich nie: Wer schreibt, möchte auch verstanden werden.

Wolf Schneider führt den Leser mit vielen guten und unterhaltsamen Beispielen durch seine Lektionen. Als Bloggerin und bekennende unprofessionelle Einfach-drauflos-Schreiberin fühle ich mich stellenweise ertappt, erkenne aber auch einige Fallstricke, in denen ich mich immer wieder verheddere. So wirkt auch manches eben erst Gelesene bei mir noch nach, will umgesetzt oder aber einfach zugunsten der Unbeschwertheit beim Schreiben oder gar der Lust am Fabulieren verworfen werden. Eine Freiheit, die ich als Nicht-Profi habe – mit allen Konsequenzen.

„Wo aber der Stilwille der Lesbarkeit in die Quere kommt – da muss der Schreiber sich entscheiden: Will ich Gebrauchsprosa liefern oder Literatur? Und wenn diese: Muss das in eigenwilliger, hochgestochener Sprache geschehen – einer anderen also als der von Kafka, Brecht und überhaupt der Mehrzahl aller großen Schreiber deutscher Sprache?“ (S. 178)

Insgesamt hat mir „Deutsch für junge Profis“ von Wolf Schneider großen Spaß gemacht. Es ist ein unterhaltsames und inspirierendes Buch, an dem auch die Leser von Bastian Sicks „Der Dativ ist der Genitiv sein Tod“ Freude haben könnten.

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Wolf Schneider
Deutsch für junge Profis – Wie man gut und lebendig schreibt
Taschenbuch, 192 Seiten
ISBN: 978-3499626296
€ (D) 10.00
Verlag: Rowohlt
Erschienen:  02. Mai 2011