#WritingFriday: Geisterjäger

Es war ruhig in der Wohnung, das heißt, noch war es ruhig, denn auch wenn seine Menschen noch schliefen, war es doch genau die richtige Zeit für den ersten Frühsport. Trix blinzelte noch etwas verschlafen, legte kurz seine spitzen Ohren an und streckte sich genüsslich. Das war gar nicht so einfach für den dreibeinigen rotgetigerten Kater, aber er hatte von klein auf gelernt seinen Körper genau so auszubalancieren, dass er die wohltuende Streckung erreichte. Dann sprintete er auch schon los, hechtete durch alle Räume und kippte voller Überschwang auch schon mal um. Aber immer rappelte er sich wieder auf. Er musste die bösen Geister vertreiben, die seine Menschen im Schlaf beschlichen und versuchten, ihnen die Kraft für den bevorstehenden Tag zu rauben. Natürlich wichen die Geister Trix aus, aber er gab nicht auf und warf gelegentlich sogar mit seinen Fellmäusen nach ihnen. Das ergab meist ein fröhliches Glöckchengeklingel, wenn sie ihr Ziel durchquerten und anschließend auf dem Boden oder gegen irgendwelchen Schränken landeten.

Eine anstrengende und erschöpfende Aufgabe, die der kleine rote Wächter über die Geisterwelt sich auferlegt hatte und der er in jeder Nacht nachkam, so gut er konnte. Und jede Nacht gönnte er sich nur kleine Pausen und war froh, wenn die Morgendämmerung hereinbrach, weil seine Menschen allmählich erwachten. Dann war auch die Zeit für sein Frühstück gekommen, das er immer lautstark einforderte, auch wenn er sich sicher sein konnte, dass seine Menschen es ihm gerne mit freundlichen Worten und einem Lächeln im Gesicht servierten, weil sie ihm für seine nächtliche Arbeit dankbar waren. Sie zeigten ihm dies auch mit zahlreichen Streicheleinheiten, die er während des Tages bekam und die er meist mit einem wohligen Schnurren quittierte. Einfach weil er es mochte, wenn seine Menschen dann einen ganz zärtlichen Gesichtsausdruck bekamen und ihre Augen liebevoll glänzten.

Doch auch im Kampf gegen die Geister des Tages war Trix eine wirkungsvolle Wunderwaffe. Der kleine Kater bemerkte immer sofort, wenn sie von seinen Menschen Besitz ergriffen. Meist waren diese dann angespannter als sonst oder aber so erschöpft, dass sie sämtlicher Lebensenergie beraubt schienen. Dann legte er sich auf seine Menschen, schloss die Augen und meditierte. Er selbst kam dabei wieder zur Ruhe und konnte viel von der beinahe unerschöpflichen Kraft weitergeben, die ihn dann durchströmte. Das genoss er so sehr, dass er manchmal ein wenig dabei sabberte. Seine Menschen brachte das meist zum Lachen. Für ihn ein untrügliches Zeichen dafür, dass seine Bemühungen wieder einmal erfolgreich gewesen waren.

Irgendwann hatten seine Menschen überlegt, Trix durch eine Prothese sein fehlendes Beinchen zurückzugeben. Aber das hätte dieses perfekte kleine Katzenwesen verstümmelt.


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Berichte aus dem Alltag von Trix, einer dreibeinigen roten Katze mit einem verblüffenden Talent.“

#WritingFriday: Unwelten

Allgegenwärtig war die Illusion einer perfekten Welt – und in der hatte das optische Altern einfach keinen Platz. Wer es sich leisten konnte, ließ sich die Gesichtszüge straffen und erkaufte sich dadurch die plastikhafte Fassade der ewigen Jugend. Inbegriffen war das wie festgefroren wirkende Lächeln, das eher einer Maske als einer herzlich gemeinten Gefühlsregung glich. Auch die Körper wirkten wie aus Formen gepresst und nur wenn man die Gelegenheit bekam ganz genau hinzuschauen, konnte man eine der kleinen Narben erkennen, die bezeugten, dass hier ein fachkundiger Chirurg Hand angelegt hatte. Besitztümer wurden öffentlich präsentiert und in Szene gesetzt, damit die Habseligkeiten blenden und über mangelnde Kernkompetenzen hinwegtäuschen konnten. Sie war das alles so müde.

Dabei wusste sie doch, wie dieses Spiel lief. Jeder wusste das, und doch konnte sie die Tage kaum ertragen, an denen sie die Zeit hatte, sich Gedanken darüber zu machen. Wer wollte schon so klar sehen und sein Leben und das Aller in Frage stellen. Stürzte man sich so nicht fast schon absichtlich in eine Sinnkrise? Glücklicherweise teilte seit kurzem die Regierung an jeden Mitbürger das englisch ausgesprochene Präparat „Widerling“ aus. Eine treffende Bezeichnung, denn es machte tatsächlich irgendwie breit und spülte die Gedankenwelt so weich, dass jedes „Gegen“ unweigerlich zu einem „Mit“ wurde. Leider hatte sie ihre Wochenration bereits aufgebraucht, weil sie die entspannende Wirkung des aus einer Mutation des Eryngium agavifoliu gewonnenen Anti-Aging-Nahrungsergänzungsmittels so sehr genoss.

Doch inzwischen hatte die Wirkung nachgelassen und sie nahm ihre Umgebung wieder deutlich wahr. So kam es, dass sie eine derjenigen war, die mitbekamen, dass die Regierung beschlossen hatte, künftig „Widerling“ nur noch ins Trinkwasser zu mischen. Um dem Missbrauch entgegen zu wirken, der leider Überhand genommen hatte – so hieß es. Sie wusste, dass spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen war, gegen die Maßnahmen von Oben aufzubegehren. Aber mehr wusste sie nicht, weil „Widerling“ bereits ihr Anti-Gen zerstört hatte.

Unwelten


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Maske, Habseligkeiten, müde, absichtlich, Widerling“

#WritingFriday: Die Nichtbekehrung eines Nichtlesers

Einen Nichtleser zum Lesen bekehren zu wollen widerstrebt mir, denn irgendetwas ist ist im Leben dieses Nichtlesers bereits schief gelaufen, wenn er sich so sehr gegen das Lesen sträubt, dass er sich dazu gezwungen fühlt, sich öffentlich so bezeichnen zu müssen. Oft sind es fast schon geradezu militante Versuche lesebegeisterter Mitmenschen, die krampfhaft versuchen einem jungen unbedarften ABC-Schützen ihr liebstes Hobby aufzuzwingen. Beispielsweise das Lesen üben unter Zwang, also erst etwas gemeinsam Lesen zu müssen, bevor die eigentlich angestrebte Tätigkeit ausgeübt werden kann. So kann man einem Kind mit Leichtigkeit selbst das systematisch vermiesen, was es unter Umständen vielleicht gemocht hätte. Aber möglicherweise hat auch der übermäßige Film- und Videokonsum schon früh dazu geführt, dass das Kind diese bequeme Form Geschichten zu erfahren für sich als die als bessere zu empfinden gelernt, ja vielleicht sogar von den Eltern vorgelebt bekommen hat. Es muss nicht selbst gelesen und passend dazu das Vorstellungsvermögen bemüht und sich mit Sprache auseinandergesetzt werden, sondern man bekommt ganz bequem alles bildlich vorgesetzt und übt sich schon früh darin, sich einfach berieseln zu lassen.

Einen so bereits geprägten jungen Nichtleser doch noch zum mit Freude empfundenen Lesen zu bringen, kann schwierig sein. Mit etwas Glück macht der Film oder die Serie auf das zugrunde liegende Buch oder die Buchreihe neugierig, so dass doch noch die Ausgangsgeschichte gelesen wird und der Weg zurück zum Ursprung führt. Wenn dann auch noch das Buch mehr zu begeistern weiß als der Film, wäre das der gewünschte Volltreffer. Wahrscheinlich wird das Interesse des Nichtlesers aber eher durch einen Mehrwert geweckt, den das Buch zum Film liefern kann. So können ergänzende Themen oder absolut nerdige Zusatzinfos zum geliebten Film sicherlich so manchen Nichtleser doch noch ins Buch blicken lassen. Auch könnte man diesen Effekt vielleicht erreichen, wenn man den Nichtleser sehr gut kennt und ihm zu seinen Herzensthemen und den liebsten Hobbies Bücher empfiehlt oder vielleicht sogar schenkt. Das garantiert zwar nicht, dass dieses Buch auch gelesen wird, aber es könnte unter Umständen so neugierig machen, dass darin zumindest schon mal herumgeblättert wird und die Chancen darauf, dass der Nichtleser sich festliest, steigen. Erst recht, wenn dieses Buch von jemandem empfohlen wird, der in der Gunst des Nichtlesers hoch angesehen ist und bestenfalls sogar gewisse Interessen und Vorlieben teilt. Der anschließende gemeinsame Austausch über die Inhalte des Buches wäre Gold wert und hinterließe sicherlich einen positiven bleibenden Eindruck.

Vielleicht ist es aber auch einfach an der Zeit anzuerkennen, dass wir heute in einer Zeit leben, in der wir unsere Informationen und auch Unterhaltungsmöglichkeiten durch vielfältige Medien und nicht mehr ausschließlich durch Bücher erhalten. Wenn jemand nicht gerne Bücher liest, ist das zwar für jeden, der gerne und viel liest oft befremdlich und nicht unbedingt nachvollziehbar, aber das bedeutet keinesfalls das der Nichtleser mit einem Mangel behaftet ist, für den er sich sein Leben lang entschuldigen müsste oder der ihn womöglich als dumm auszeichnet. Denn entscheidend ist wohl eher mit welchen Informationen man sein Gehirn füttert und wie man in der Lage ist diese auszuwerten und anzuwenden.

Lesemuffel

Da ich den Nichtleser mit dem Namen Erik nicht persönlich kenne, von ihm aber weiß, dass er eben nicht gerne liest, empfehle ich ihm das Buch „Lesemuffel: Für Leute, die nicht gerne lesen“ von Jean-Claude Loiola. Dieses Buch ist für jede Altersgruppe geeignet und kann nach Lust und Laune durchgeblättert werden, ohne Lesen zu müssen. Man kann sich einfach beim sanften Geräusch des Umblätterns der rund 200 Seiten entspannen oder über den leeren Seiten meditieren. Aber dieses Buch bietet so natürlich auch Potenzial für eigene Notizen und Ideen, z.B. als Tage- oder Notizbuch. Das leere Inhaltsverzeichnis hat Platz für persönliche Inhalte, die dank der gedruckten Seitenzahlen schnell wiedergefunden werden können. Die blaue Hardcover Variante hat sogar ein schmuckes Lesebändchen integriert.

-> Zur Leseprobe [Werbung] 😉

Wenn Erik Humor hat, wird ihm das vielleicht gefallen und er wird die Botschaft dahinter als entspannend empfinden.


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Erik – der absolute Nichtleser – liest ein Buch nach deiner Empfehlung – er ist sofort Feuer und Flamme dafür! Welches Buch ist es und wieso gefällt es ihm so gut?“

#WritingFriday : Geliebtes Balkonien

Geliebtes_Balkonien

Schaute man sich den Grundriss meiner Wohnung an, könnte man ihn für ein kleines Anhängsel halten, das der Architekt noch nachträglich hinzugefügt hat, fast als hätte er es ursprünglich vergessen. Aber auch von außen betrachtet ist er wirklich nicht schön. Wie ein Betongeschwür hängt er schmutzig grau am Haus und es ist fast schon ein Geschenk für die Nachbarschaft, wenn die Bäume im Frühling endlich wieder Blätter tragen und die Sicht von der Straße auf meinen und die anderen Balkone dieses Mietshauses versperren.

Genau dann wird mein Balkon für mich zu einem der wunderbarsten Rückzugsorte der Welt. Das ihn umgebende Grün macht ihn zu einer kleinen geschützten Oase, die sich schnell und unkompliziert gleich durch das Öffnen der Balkontür erreichen lässt. Doch neben dem Grün erwartet einen hier standardmäßig eine in hellem steingrau gestrichene Betonwelt, der ich in den vergangenen Jahren den Kampf angesagt habe. Dazu habe ich den mittig fest eingelassenen Betonkasten noch an beiden Seiten um jeweils einen Blumenkasten ergänzt und dafür gesorgt, dass es hier grünt und blüht und duftet. Denn neben Lavendel und einigen Kräutern, sind auch Blumen, Gräser und eine japanische Lavendelheide dort zu finden, so dass ich an der Bepflanzung das ganze Jahr über Freude haben kann. An der offenen Seite des Balkons habe ich ein Rankgitter angebracht und beobachte freudig, wie der Efeu ganz allmählich für einen immer besseren Sichtschutz sorgt und den betongrauen meines Nachbarn verdeckt.

Perfekt wird das ganze noch dadurch, dass auch die Vögel mein kleines Paradies zu schätzen wissen und ich an der Vogelfutterstation und der kleinen Tränke schon zahlreiche Feld- und Haussperlinge, Meisen, Amseln, Buch- und Grünfinken, Tauben, Rotkehlchen, und sogar Krähen durchs Fenster beobachten konnte. Ich genieße das und freue mich über die Besucher, auch wenn ich dafür in Kauf nehmen muss, dass sie dort manchmal Dinge hinterlassen, auf die ich eigentlich gut verzichten könnte. Doch die Freude, die ich beim Beobachten der Tiere empfinde, wiegt das zusätzliche Putzen auf.

Aber auch ich selbst halte mich gern auf dem Balkon auf. Da ich eine Vorliebe für Gartenmöbel aus Holz habe, lenkt das rotbraun vom Beton ab und macht bestenfalls gemeinsam mit den Holzfliesen auf dem Boden alles gleich ein wenig wohnlicher. Letztere musste ich leider gerade erst entfernen, weil ihnen die Witterung in den vergangenen Jahren zu sehr zugesetzt hatte. Nun blitzt mich wieder der gerade erst frisch gestrichene hellgraue Betonboden an. Ordentlich sieht er aus und besser begehbar ist er auch, aber gefallen will mir diese eiskalte Optik dennoch nicht. Es findet sich bestimmt noch eine anmutigere Lösung, aber hierzu muss erst noch so mancher Gedanke reifen und vielleicht auch der ein oder andere Euro seinen Platz auf der hohen Kante finden.

Dennoch gibt es kaum etwas Schöneres, als den Sommertag mit einem Frühstück auf dem Balkon zu beginnen und dabei dem Gezwitscher der Vögel zu lauschen, die sich manchmal lautstark darüber zu beschweren scheinen, dass ich ihnen IHREN Balkon abspenstig mache. Aber ich kann eben auch ignorant sein und hätte ich dort ein wenig mehr Platz, würde ich mir noch den Luxus einer Holzliege gönnen oder einen ausladenen Liegestuhl aufstellen. Doch für ein bis zwei Gartenstühle mit einer gemütlichen Auflage, einen kleinen Klapptisch, ein gutes Buch und eine leckere Tasse Tee oder Kaffee mitsamt zwei diese Umgebung genießenden Personen ist immer Platz auf meinem Balkon vorhanden. Das weiß ich sehr zu schätzen und halte mich dort auf, wann immer Lust und Laune und natürlich auch das Wetter es zulassen. Das sind kleine wertvolle Auszeiten, Ferien im Hier und Jetzt, die einladen sich zu entspannen und sich auf den Roadtrip zu freuen, der schon seit einigen Jahren für 2021 geplant ist – so Corona will.


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Sommerferien in der Heimat – erzähle von deinem Lieblings Sommerplatz in der Heimat.“