Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange – Suzanne Collins

„Die Tribute von Panem“ waren für mich immer etwas Besonderes. Als zwischen 2009 und 2011 die Bücher in deutscher Übersetzung erschienen, waren meine Tochter und ich gleichermaßen von dem Klappentext und den ersten Leserstimmen dazu begeistert und setzten den ersten Teil der Reihe bei Lovelybooks auf unsere Wunschlisten. Und weil wir beide gern lesen, kam es, wie es kommen musste: Wir schenkten uns gegenseitig „Tödliche Spiele“, das erste Buch der Panem-Trilogie, zu Weihnachten. Die Lacher waren auf unserer Seite, aber wir machten das Beste aus der Situation. Eines der beiden Bücher wurde gegen den zweiten Teil umgetauscht und es wurde, wie seinerzeit schon bei Harry Potter, ein gemeinschaftliches Leseprojekt daraus. Wir waren begeistert. Mit dieser Reihe stellte ich fest, dass ich sehr gerne Dystopien lese, wodurch ich zu einigen Klassikern dieses Genres gelangte, aber auch neuere Bücher und Reihen fand. Selbst die Panem-Verfilmung mochte ich gern, auch wenn sie natürlich aus vorgenannten Gründen nicht an das herankommt, was ich mit den Büchern verbinde.

Dass nun ein neues Buch die Panem-Reihe ergänzen sollte, nahm ich einerseits freudig auf, andererseits aber auch sehr skeptisch. Was sollte dieses neue Buch noch für die Geschichte bringen, die meines Erachtens rund auserzählt war? War ein junger Präsident Snow, der spätere verachtenswerte Feind von Katniss und somit auch von mir als mitfiebernder Leserin, tatsächlich so interessant, dass ich ihn näher kennen lernen wollte? Und wie sollte dieses Buch es schaffen, die sicherlich überhöhten Erwartungen von mir eingefleischtem Panem-Fan nicht zu enttäuschen? Dinge, die für mich eigentlich gegen das Buch sprachen. Aber… die Neugier ließ mich einfach nicht los und weil ich gerade ein Guthaben bei Audible übrig hatte, entschied ich mich dafür, diese Geschichte als Hörbuch zu erfahren – auch weil ich es bei Nichtgefallen umtauschen konnte. Aber das war erfreulicherweise nicht nötig, denn die etwa 16 Stunden wurden hervorragend von Uve Teschner eingesprochen und auch die Geschichte wusste mich zu begeistern.

24_Die Tribute von Panem X

„Die Tribute von Panem X“ versetzt, wie der Titel schon verrät, in die Welt von Panem zu der Zeit der 10. Hungerspiele. ‚Präsident‘ Snow ist mit seinen 18 Jahren noch jung und lebt mit seiner Großmutter und seiner Cousine in eher ärmlichen Verhältnissen, weil sie durch den Krieg alles verloren haben. In der Hoffnung ein Stipendium zu erlangen, für ihn die einzige Möglichkeit studieren zu können, wird Coriolanus Snow Mentor bei den Hungerspielen. Ausgerechnet die relativ chancenlose Sängerin Lucy Gray aus dem unbeliebten Distrikt 12 wird ihm zugeteilt. Aber er wäre nicht Snow, wenn er nicht versuchen würde, seine Tributin mit allen Mitteln am Leben zu erhalten. Viel mehr mag ich an dieser Stelle gar nicht verraten, als das ich tatsächlich relativ schnell in die Geschichte reinfand und den Wechsel zwischen spannenden und etwas ruhigeren Abschnitten sehr genoss.

Nach den vielen Jahren Abwesenheit aus Panem fühlt es sich tatsächlich ein wenig so an, als kehrt man zurück an einen geliebten Ort, so paradox dies bei einer dystopischen Welt erscheinen mag. Aber recht bildhaft hatte ich beim Lesen noch die Trilogie im Kopf und erschloss mir mit diesem Buch die Vorgeschichte. Erlebte eine eher stümperhafte aber nichtsdestotrotz grausame Anfangsversion der Hungerspiele und erlas mir kleine Puzzlestücke, die wunderbar die Trilogie ergänzen und noch ein wenig runder machen.

Selbst mit dem ungeliebten Snow schaffte ich es zeitweise mitzufiebern und wundere mich noch jetzt über die Sympathie, die ich ihm entgegen bringen konnte. Aber ich wusste natürlich auch zu welchem Menschen er sich entwickeln würde und blieb ihm gegenüber beim Lesen skeptisch. Natürlich fand ich früh Indizien für seine Verabscheuungswürdigkeit, weil ich sie finden wollte und fühlte mich beinahe beruhigt, als ich sie unübersehbar bestätigt sah. Aber dieser Snow ist kein fader Schwarzweißcharakter und immer wieder gab es auch Überraschungen, die neben  Suzanne Collins gewohnt atmosphärischer Schreibweise dafür sorgten, dass ich dranblieb. Darüber hinaus gibt es noch eine niedliche Liebesgeschichte und übertrieben viele Liedtexte, die leider mit der Zeit ermüdend waren. Doch im Großen und Ganzen ist dieses Buch auf jeden Fall lesenswert und hat mich überwiegend gut unterhalten.

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Suzanne Collins
Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange
Sprecher: Uve Teschner
Spieldauer: 16 Stunden 34 Minuten
Ungekürztes Hörbuch
Preis: 9,95 € oder 1 Audible-Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 19.05.2020
Sprache: Deutsch
Anbieter: Oetinger Media

 

Über Yvonne

...glücklich verbandelt, fotografiebegeistert und mit dem Lesesessel verwachsen...
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10 Antworten zu Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange – Suzanne Collins

  1. Sabiene schreibt:

    Ich fand das Buch sehr interessant. Das Seelenleben von Snow wurde gut herausgearbeitet, in seiner ganzen Ambivalenz. Aber das Buch hat mich weniger beeindruckt, als die anderen Bände. Aber das ist wohl bei Prequels immer so.
    Den Film würde ich mir auf jeden Fall anschauen. Wie du sagst: Es ist ein bisschen, wie heimkommen!
    LG
    Sabiene

    Gefällt 1 Person

    • Yvonne schreibt:

      Den Film müsste ich mir auch anschauen, ich bin viel zu neugierig, um mir das entgehen zu lassen. Aber eigentlich ist mir zu viel Gesang enthalten und Musicals mag ich nicht so gerne.

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  2. Pingback: Die schönen Dinge des Lebens - Coole Blogbeiträge der Woche

  3. Traude "Rostrose" schreibt:

    Mein Mann und ich sind auch dran geblieben an der Geschichte, obwohl wir ambivalente Gefühle beim Lesen hatten. Den unsympathischen Snow bekommt man nie aus dem Kopf und von daher zeichnet sich ein unerfreuliches Ende bereits ab. Die Liedtexte gingen mir ebenfalls irgendwie auf die Nerven nach einiger Zeit, aber erzählt war die Geschichte durchaus spannend und plausibel. Der gefinkelten und überlebenskämpferischen Lucy Gray wünsche ich in jedem Fall, dass sie überlebt hat und in der Wildnis auf andere „Rebellen“ oder Outlaws gestoßen ist. Und dass sie in der Folge eine Liebesgeschichte erlebt, die sie sich verdient hat. Aber vielleicht macht Frau Collins da ja sowieso noch eine Geschichte draus… Würde sich irgendwie anbieten, denn starke Frauencharaktere kann sie!
    Herzliche Rostrosengrüße,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2020/06/ein-naturreservat-und-drei.html

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    • Yvonne schreibt:

      Starke Frauencharaktere kann sie wirklich und ich würde tatsächlich auch weiterlesen, wenn sie ein weiteres Prequel veröffentlichen sollte. Irgendwie überrascht es mich gerade, dass ich von der Autorin, die ja durchaus noch andere Bücher geschrieben hat, noch nichts gelesen oder zumindest einmal angelesen habe. Ein Versäumnis?

      LG Yvonne

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      • Traude "Rostrose" schreibt:

        Liebe Yvonne, leider kann ich dir nicht beantworten, ob es ein Versäumnis, ist, denn ich habe außer den Panem-Geschichten auch noch nichts von ihr gelesen… Aber in Wikipedia finde ich dazu hauptsächlich die „Gregor“-Serie, die für ältere Kinder gedacht ist und mich von der Kurzbeschreibung her nicht allzu sehr anspricht… (Obwohl ich „Kinder- und Jugendbücher“ wie Harry Potter sehr gerne lese.)
        Kennst du die Otherland-Serie von Tad Williams? Wenn nein: Die kann ich dir sehr empfehlen. Man kämpft sich mit den Protagonisten viele Seiten lang durch teilweise sehr düstere, aber auch höchst phantasievolle Abenteuer, manche Fragen werden erst nach einiger Zeit beantwortet, aber das Dranbleiben lohnt sich und am Ende hat man das Gefühl, Freunde gewonnen zu haben, die man gerne wieder treffen will, indem man die Bücher wieder und wieder liest. Ging meinem Mann so und mir auch! https://de.wikipedia.org/wiki/Otherland
        Alles Liebe, Traude

        Gefällt 1 Person

      • Yvonne schreibt:

        Das klingt großartig, liebe Traude! Das schaue ich mir näher an. Danke für den Tipp!
        LG Yvonne

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  4. Pingback: erLESENer Juni 2020 | umgeBUCHt

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