Die einzige Geschichte – Julian Barnes

Beim Stöbern auf Spotify stieß ich auf „Die einzige Geschichte“ von Julian Barnes. Von der Handlung war mir zwar nichts bekannt, aber ich hatte über den Autor schon Lobendes gehört. Der angenehme Erzählton dieses Buches und die hervorragend dazu passende Stimme von Frank Arnold brachten mich dazu, anstatt ‚einfach mal reinzuhören‘ bis zum Schluss an diesem Hörbuch dran zubleiben. Das liegt nicht daran, dass diese Geschichte besonders spannend ist, sondern vielmehr an der feinen Beobachtungsgabe und dem Gespür, das der Autor bei der Schilderung dieser Liebesgeschichte an den Tag legt. Es geht um eine Liebe gegen alle Konventionen, die irgendwann in den 1960er Jahren beginnt und die man als Leser bis in die Gegenwart verfolgt.

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Julian Barnes lässt seinen Protagonisten aus großer Distanz, vom anderen Ende seines Lebens her erzählen, wie er mit 19 Jahren, die verheiratete Susan kennen und lieben lernt. Obwohl Susan fast 30 Jahre älter ist, beschreibt er aber keine Affäre, sondern versucht der Einzigartigkeit dieser Beziehung, einer ebenso blauäugigen wie absoluten Liebe, gerecht zu werden.

Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von 19 Jahren noch keine Ahnung. Mit 19 ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, wesentlich älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist sich ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die die Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, in denen Paul im ersten Teil als Ich-Erzähler auftritt, im zweiten zum Du wechselt um im dritten aus der distanzierten dritten Person zu erzählen. Durch diese wechselnde Erzählerperspektive wird die zunehmende Entfremdung von Susan noch greifbarer.

Die Mischung aus Alltagsgeschichten und Beleuchtung des spießigen Bürgertums mit Ausflügen in philosophische Gedankenwelten sind es, die diesen Roman zu etwas Besonderem machen.

„Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.“

Es handelt sich hierbei nicht um eine verklärte Schönwetter-Liebesgeschichte, sondern eine der Liebesgeschichten, die zum Nachdenken und Reflektieren anregen. Die nach und nach enthüllende Leere zwischen dem Paar lässt keine Hoffnung keimen. Am Ende erfahren wir eine resignierte Weltsicht, nüchtern und ohne Zukunftsvision oder Hoffnung. Und doch ist es nicht die Desillusionierung, die als Nachgeschmack dieses Buches zurück bleibt. Als Leser wird man Zeuge einer nicht einfachen Liebes- und Lebensgeschichte für die die Protagonisten zwar ihren Preis zahlen, vielleicht einen zu hohen, aber der es dennoch letztlich wert war, weil die Intensität ihres gleichen sucht.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass hier ein Autor wirklich viel vom Leben und von seinen Höhen und Tiefen versteht und dieses Wissen dem Leser zu vermitteln weiß. Mich hat dieses Hörbuch angenehm überrascht, da mich Liebesgeschichten in Romanen oftmals langweilen oder sogar nerven. Von Julian Barnes möchte ich künftig hingegen gern noch mehr lesen. Auch könnte ich mir bei diesem Buch vorstellen, dass es noch besser ist, wenn man es selbst liest anstatt es sich anzuhören. Denn dieses Buch bietet viele Gelegenheiten, die sich zum Innehalten und Nachdenken, zum Erinnern und Sätze auf der Zunge zergehen lassen anbieten. Darüber hinaus kann ich „Die einzige Geschichte“ Lesern empfehlen, die schon über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen – also eher Menschen in Susans als in Pauls Altersgruppe.

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Julian Barnes
Die einzige Geschichte
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger
Sprecher: Frank Arnold
Spieldauer: 8 Stunden 48 Minuten
Ungekürztes Hörbuch
978-3-8398-1700-1
Preis: 24,95 € 
Erscheinungsdatum: 27.02.2019
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

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Augenblicke im Mai und Juni 2020

Ein kleines Sammelsurium an Dingen und Augenblicken, bei denen wir in den beiden vergangenen Monaten daran gedacht haben, sie aufzuzeichnen.

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umgeSCHAUt im Juni 2020

📚 Ähnlich wie Vincent Klink habe ich mich auch erst kürzlich mit meinem Bücherregal beschäftigt. Gerne hätte ich es auch aufgeräumt, aber manches habe ich wohl nur umgeräumt, den Bestand noch weiter ausgedünnt und damit wohl eher durcheinander gebracht. Leben mit Büchern wird einfach nicht langweilig.

📚 Mir gefällt es richtig gut, dass bei lesenswert derzeit die Autoren ’nur‘ zugeschaltet werden und man sie deshalb in ihrer natürlichen Umgebung erleben darf. Das verschafft ungewöhnliche Einblicke.

📚 Das Interview mit Cornelia Funke macht mir richtig Lust darauf, noch einmal in die Tintenwelt einzutauchen. Dass sie nach Jahren eines ihrer anderen Bücher nochmal komplett überarbeitet hat, kann ich nachvollziehen – aber als Leserin würde ich ihr das vielleicht übel nehmen.

📚 Geradezu unwirklich und traumhaft schön sind die Bilder aus „Inseln des Nordens„.

📚 Unvorstellbar, dass es deutsche Verlage gegeben hat, die Pippi Langstrumpf abgelehnt haben.

📚 Den Literaturclub finde ich dieses Mal mitreißend und hätte große Lust alle vorgestellten Bücher zu lesen – bis auf eines. Das Buch in Schwiizerdütsch könnte ich nur bildlich erfassen, denn ich verstehe davon nicht ein Wort.


Und das sind die Sendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

04.06.2020: lesenswert
Denis Scheck ist vorübergehend in die Produktionswerkstatt des SWR gezogen: seine Gäste, die Jugendbuchautorin Cornelia Funke und Vincent Klink („Ein Bauch lustwandelt durch Wien“), Literat unter den deutschen Sterneköchen, sind zugeschaltet.

05.06.2020: Das Literarische Quartett
Gastgeberin Thea Dorn lädt in der Juni-Ausgabe wieder zum munteren Disput mit drei prominenten Gästen: Juli Zeh, Sven Regener und Jan Fleischhauer. Sie sprechen über „Zerstörung“ von Cécile Wejsbrot, „M. Der Sohn des Jahrhunderts“ von Antonio Scurati, „Berliner Briefe“ von Susanne Kerckhoff und „Der gute Sohn“ von Rob van Essen.

10.06.2020: Bücherjournal
Julia Westlake spricht über „Der Lügenbaron“ von Anna von Münchhausen, „Unsere Welt neu denken“ von Maja Göpel, „Autobahn“ von Michael Kröchert, „Inseln Nordens“ von Stefan Forster, „Soko Heidefieber“ von Gerhard Henschel, „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren, „Der Empfänger“ von Ulla Lenze und „Lies. Das Buch“ von Hauke Hückstedt.

14.06.2020: Buchzeit im Sommer 2020
Im Frankfurter Osthafen diskutieren Barbara Vinken, Katrin Schumacher, Sandra Kegel und Gert Scobel über „Die Schauspielerin“ von Anne Enright, „Das wirkliche Leben“ von Adeline Dieudonné, „Ich bleibe hier“ von Marco Balzano und „Danach“ von Rachel Cusk.

30.06.2020: Literaturclub
Nicola Steiner, Laura de Weck, Milo Rau und Christian Schmid diskutieren über „Die Parade“ von Dave Eggers, „Danach“ von Rachel Cusk, „Nach der Flut das Feuer“ von James Baldwin, „Alpefisch“ von Andreas Neeser sowie „Tage mit Felice“ von Fabio Andina.

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Schreiben dicht am Leben – Hanns-Josef Ortheil

„In jedem Menschen existiert ein großer, noch unentdeckter Text. Diesen im Ganzen dunkel bleibenden Text gilt es zu entziffern. Das tägliche Schreiben versucht genau eine solche Entzifferung, in kurzen Schreibanläufen, die kleine Fragmente von Schrift produzieren.“ (S. 139)

Nachdem ich „Leben, Schreiben, Atmen“ von Doris Dörrie vor einem halben Jahr gelesen und an ihrem kostenlosen Workshop „Schreiben hilft! Dir auch?“ bei der Bürgerakademie teilgenommen habe, schreibe ich mehr oder weniger regelmäßig. Es handelt sich um Erinnerungen an Vergangenes, Schönes und nicht so Schönes, aber auch Gedanken über aktuelle Geschehnisse oder Menschen, die mir mal mehr und manche auch weniger am Herzen liegen oder die ich bereits verloren habe. Das Schreiben tut mir gut und half mir vor allem dabei, mit meiner Trauer umzugehen. Inzwischen schreibe ich auch einfach wieder aus Spaß an der Freud‘, setze mich an den Rechner, stelle den Timer auf 10 Minuten, finde ein Thema und los geht es. Stromlastig, ganz privat, ohne Anspruch auf Perfektion. Vor allem aber ganz egoistisch nur für mich.

„In dieser Stunde der Freiheit war alles erlaubt, wenn es nur spontan war und später nicht wieder aufgenommen wurde. Es durfte kurz oder lang sein, hitzig oder kalt, böse oder gut. Da es nie wieder gelesen wurde, musste man sich nicht schämen, wenn es in seiner Offenheit vielleicht peinlich oder wenn es nicht ganz klar war. Die redliche Überzeugung, dass ich diese Dinge nur für mich niederschrieb, einfach um am Leben zu bleiben und nicht zu ersticken, beließ ihnen ihre Unmittelbarkeit. (Elias Canetti: Aufzeichnungen 1942-1948, S. 7/8)“ ( S. 104)

Manchmal war es jedoch auch so, dass ich zwar Lust zu Schreiben hatte, mir aber spontan kein Thema einfallen wollte. Das brachte mich dazu in meinem Handy-Notizbuch aufzuschreiben, wann immer ich etwas Interessantes oder Bemerkenswertes aufschnappte oder las. Ich mache das mit der App Evernote, die ich in der kostenlosen Version auf Smartphone und Rechner installiert habe, weil ich so auf die Inhalte auf beiden Geräten zugreifen kann. Enorm praktisch, denn Notizbücher liebe ich zwar, besonders die kunstvoll gearbeiteten in Leder gebundenen, wie man sie auch auf Mittelaltermärkten kaufen kann, habe sie aber erfahrungsgemäß nie dabei, wenn ich sie gerade brauche. Tausendsassa Handy dagegen schon.

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Und weil ich seit einiger Zeit eifrig notiere und schreibe, interessiert mich auch alles Theoretische, das ich übers Schreiben finden kann. Dabei stieß ich auf „Schreiben dicht am Leben“ von Hanns-Josef Ortheil. Laut Klappentext verführt dieser Band zum Notieren und Skizzieren. Es gilt, rasch und ohne Mühe etwas festzuhalten, dem plötzlichen Schreibimpuls ohne Umwege zu folgen oder ein Detail des Lebens in Erinnerung zu behalten. Das 160 Seiten starke Büchlein zeigt, dass und warum Notieren eine Kunst sein kann, und macht mit einigen der besten Notierer unter den Schriftstellern der Welt bekannt.

Enthalten sind Textprojekte und Schreibaufgaben wenn man lernen möchte, gut und präzise zu notieren. Es beginnt mit Methoden des ‚elementaren Notierens‘, wie sie vor allem von Schriftstellern des 20. und 21. Jahrhunderts entwickelt worden sind. Im zweiten Teil geht es um das ‚bildliche Notieren‘, also darum, wie man mithilfe von Notaten einen Menschen porträtiert, Bilder zeichnet, Skizzen entwirft oder einen Film gestaltet. In der dritten Abteilung geht es um das Notieren von Emotionen und Passionen abseits von Tagebuchnotaten und damit in einer eigenen Struktur und Kunstform. In der vierten Abteilung dieses Büchleins zeigen vier Schriftsteller des 18. und 20. Jahrhunderts, wie man seit den Zeiten der Moderne mit den traditionellen Verfahren von Exzerpieren, Kommentieren und Reflektieren umgeht und sie erweitert. Auch dabei entstehen ganz neue und vorher nicht gekannte literarische Formen: das Sudelbuch, das Forschungsprojekt, der Feldforschungsbericht und das Denkbuch.

„Man soll seinem Gefühl folgen und den ersten Eindruck, den eine Sache auf uns macht, zu Wort bringen. Nicht als wenn ich Wahrheit so zu suchen riete, sondern weil es die unverfälschte Stimme unserer Erfahrung ist, das Resultat unserer besten Bemerkungen, da wir leicht in pflichtmäßiges Gewäsch fallen, wenn wir erst nachsinnen.“ (Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher I, S. 441)“ (S. 123)

Insgesamt zielen all diese Schreibaufgaben und Präsentationen von Schreibwerkstätten im Grund noch immer auf das handschriftliche Notieren und Skizzieren. Natürlich ist es aber auch leicht möglich, den Computer oder Laptop für ein solches Notieren zu nutzen. Da „Schreiben dicht am Leben“ zu der Reihe „Kreatives Schreiben“ gehört, wurden alle Formen des Notierens und Skizzierens in Tagebüchern oder im Rahmen der neuen Medien nicht aufgenommen. Diese findet man in „Schreiben Tag für Tag“ von Christian Schärf oder in „Schreiben unter Strom“ von Stephan Porombka.

„Schreiben dicht am Leben“ fand ich sehr interessant, weil es mir die verschiedenen Arten des Notierens aufzeigt. So unterschiedlich diese sind, so zugänglich und weniger zugänglich sind auch die Texte und Erklärungen dazu. Für meine Art des Notierens hätte ich dieses Buch nicht gebraucht, fand es aber dennoch bereichernd, weil mir die Beschäftigung mit der Thematik Freude gemacht hat. Außerdem trägt neuerdings eines meiner Evernote-Notizbücher den stilvollen Namen ‚Sudelbuch‘. Georg Christoph Lichtenberg möge mir diesen geistigen Diebstahl verzeihen. Die Bezeichnung ist einfach großartig und so zutreffend 🙂

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Hanns-Josef Ortheil
Schreiben dicht am Leben
Reihe: Kreatives Schreiben
Gebunden, 160 Seiten
ISBN: 978-3-411-74911-9
Preis: 14,95 € 
Verlag: Duden
Erschienen: 01.09.2011

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erLESENer Juni 2020

Im Lesemonat Juni war ich mutterseelenallein auf der Welt, fand internationale Sehenswürdigkeiten in Deuschland, langweilte mich beim lesen anstatt draußen zu sein, gewann die 10. Hungerspiele und hatte ein wundervolles Déjà-vu mit einer Geschichte.

 Bücherwelten – irgendwo zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

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Mein Name ist Monster von Katie Hale
Eigentlich eine Endzeitgeschichte mit Potenzial, die aber irgendwann eine abstruse unglaubwürdige Wendung nimmt. Schade.

Hiergeblieben . 55 fantastische Reiseziele in Deutschland von Jens van Rooij
Das Buch macht gleich Lust die Fototasche zu packen und auf die Reise zu gehen.

Fräulein Draußen von Kathrin Heckmann
So richtig warm wurde ich mit diesem Buch nicht, aber den Blog von Fräulein Draußen kann ich inzwischen empfehlen.

Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins
Wider erwarten eine gut gemachte Rückkehr in die Welt Panems zu einem jungen ‚Präsident‘ Snow und Hungerspielen, die fast noch in den Kinderschuhen stecken. Macht Lust darauf, auch die Trilogie nochmal zu lesen.

Der Freund von Sigrid Nunez
Im vergangenen Monat erst als Hörbuch genossen und jetzt auch als Buch geliebt. Für mich ein Lesehighlight!

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Anarchie am Bücherschrank

Am 5. April 2020 hatte ich hier von der Zwangspause unseres örtlichen Bücherschranks berichtet. Eine unnötige Maßnahme, wie ich finde und selbst Fachleute haben im Laufe der Zeit die eingeschränkte Unbedenklichkeit öffentlicher Bücherschränke und Büchertelefonzellen bestätigt. Denn Händewaschen ist nach dem Aufenthalt in der feindlichen Corona-Außenwelt und dem Anfassen unterschiedlichster Dinge, unter anderem auch Türgriffe, sowieso ein Muss.

Doch auch wenn sich inzwischen vielerlei Maßnahmen gelockert haben, blieben die Warnschilder weiterhin und die Bücher kehrten nicht zurück. Immer mal wieder schaute ich dort vorbei. So ein komplett leerer Bücherschrank ist tatsächlich noch trauriger, als einer, in dem die Bücher kreuz und quer durcheinander liegen. Aber dann fanden sich ganz allmählich vereinzelte Bücher dort ein. Todesmutige Bücherfreunde mussten sie dort hineingestellt haben. Und irgendwer hat sich wohl auch ein Herz gefasst und vor kurzem die Warnschilder abgenommen. Sie liegen nun wie Fremdkörper zwischen den Büchern und wollen nicht mehr beachtet werden. Ich mag sie auch nicht mehr sehen, weil ich enttäuscht bin. Die nahe gelegene Bücherei, von der die Warnschildaktion ausgegangen war, kümmerte sich im Nachgang nicht mehr um diesen Bücherschrank, sondern geht nun in Sommerpause wie via Facebook verkündet wurde. Sehr schade.

#bücherschrankschatz_07_2020

Bei meinem letzten Besuch machte ich jedoch endlich das, was ich schon vor Monaten geplant hatte: Ich überließ dem Bücherschrank „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Wenigstens ein Buch für das Kinderfach. Ich hoffe, es macht Freude und verzaubert einen jungen Leser so sehr, wie es das vor Jahren bei mir getan hat 💕

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BUCHweltreisebericht: 3. Quartal 2020

testDas Ziel der BUCHweltreise ist es, über möglichst viele Länder der Welt Bücher zu lesen. Die Liste der Mitreisenden ansehen oder sich zum Mitmachen anmelden (jederzeit möglich) kann man HIER.

Vorab möchte ich auf den LiBeraturpreis hinweisen, der seit 2013 von Litprom vergeben wird. Der Publikumspreis zeichnet jährlich einen besonders beliebten Titel einer Autorin aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der Arabischen Welt aus. Derzeit läuft die Abstimmung, an der ihr gerne teilnehmen oder euch auch interessante Inspirationen für euer nächstes BUCHweltreiseziel holen könnt: LiBeraturpreis 2020.

Aber kommen wir nun zu unserem Rückblick: Unterwegs waren im vergangenen Quartal Stefan (querdurchdenalltag), Daniela (eat read live), Myriade (La parole a été donnée à l’homme pour cacher sa pensée) und Yvonne (umgeBUCHt). Wir lasen uns nach Dänemark, Deutschland, Indien, Island, Italien, Kenia, Kolumbien und Liechtenstein:

2020_2_BUCHweltreisebericht

Wer wohin mit welchem Buch gereist ist, erfahrt ihr hier. Wer noch mehr entdecken oder einfach nur stöbern möchte, der kann sich auch alle bisherigen Reiseberichte seit dem Start im Januar 2017 anschauen.


Und hier sollen nachfolgend alle Bücher der Teilnehmer gesammelt werden.

Bitte tragt dazu Land, Titel und Autor mitsamt Link zu eurem Beitrag (wenn ihr einen verfasst habt) in den Kommentaren ein oder verlinkt einfach auf diesen Beitrag, damit ich euch in die Liste aufnehmen und wir uns gegenseitig besuchen können.

Ich freue mich auf eure Reiseziele 🌍


BUCHweltreisebericht 3.Quartal 2020:

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Die Zukunft der Zukunft liegt in der Zukunft

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Kleine Weisheit zum Monatsende 😉

 

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Begeisterung²

„Du möchtest wissen, worüber Du schreiben sollst. Du hast Angst, dass, was immer Du schreibst, trivial sein wird oder nur eine Variation von etwas, das bereits gesagt wurde. Aber vergiss nicht, es gibt mindestens ein Buch in dir, das nur Du schreiben kannst. Mein Rat ist, tief zu graben und es zu finden.“
(„Der Freund“ von Sigrid Nunez, S. 150)

25_Der Freund

Und so schreibe ich zwar kein Buch, aber ich schreibe einen kleinen Text über einen Roman, auf den ich im vergangenen Monat bei Spotify als Hörbuch stieß. Es handelt sich um „Der Freund“ von Sigrid Nunez, eine Geschichte, die mich vollends begeistern konnte.

Und doch ist das Hörbuchhören, so sehr ich es auch mag, für mich nicht mit dem Lesen zu vergleichen. Ich wollte dieses Buch noch einmal ganz in Ruhe erfahren und mir den einen oder anderen Satz dabei genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Gemütlich Einblicke in die Welt der Lesenden, der Schreibenden, der Tierliebenden und sogar der Selbstmörder erhalten. Ich wollte Sätze markieren und innehalten, Sätze nochmal lesen und nochmal lesen, Sätze überdenken und nochmal lesen. In Sätzen baden.

Also kaufte ich mir das Buch und tat, wonach mir war. Und jetzt, wo ich den Roman erneut beendet habe, hätte ich größte Lust, ihn wieder von vorne zu beginnen. So fühlt sich ein echtes Lesehighlight an. Ein schönes Gefühl.

„Man bedenke, wie riskant es ist, ein Buch noch einmal zu lesen, vor allem, wenn man es geliebt hat. Es besteht immer die Chance, dass es nicht mehr standhält, dass man es aus irgendeinem Grund nicht mehr so liebt.“
(„Der Freund“ von Sigrid Nunez, S. 90)

Ich denke, ich werde dieses Risiko eingehen und bis zum nächsten Lesen dieses Buch wie einen kleinen Schatz in meinem Bücherregal behüten.

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Der Freund
Sigrid Nunez
Aus dem Englischen von Anette Grube
Original: The Friend
Gebunden mit Schutzumschlag, 235 Seiten
ISBN: 978-3-351-03486-3
Preis: 20,00 €  / 20,60 € (A)
Verlag: aufbau
Erschienen: 21.01.2020

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abc.etüden: Konsistenzübergreifend

Wochenlang zermarterte sie sich den Kopf darüber, womit sie ihm eine Freude zum Geburtstag machen könnte. Dieses Mal kein Buch! Und kein Abendessen im Lieblingsrestaurant! Auch ein Gutschein kam nicht in Frage. Kreativ sollte das Geschenk sein, ihn überraschen, ihn mitreißen und zu neuen ungewöhnlichen Aktivitäten verleiten. Es sollte ihn die Zeit vergessen lassen, ihn bestenfalls sogar in einen Flow versetzen. Und es musste etwas mit dem Kochen zu tun haben, seiner größten Leidenschaft.

Als er schließlich sein Geschenk auspackte, sah sie, dass ihr die Überraschung gelungen war. Er freute sich wirklich und erzählte sofort euphorisch von dem, was er bereits zu dem Thema in Erfahrung gebracht, bisher aber noch nicht ausprobiert hatte. Schnell suchte er einige Videos heraus, um ihr zu zeigen, welche Welt sie ihm mit ihrem Geschenk geöffnet hatte. Eine sehr futuristische Welt, in der nichts so heiß gegessen wurde, wie es gekocht wurde, wenn es denn überhaupt gekocht wurde und in der die Nahrungsmittelzubereitung eher an ein Chemielabor erinnerte.

Immerhin war zwar kein Reagenzglas in dem Starterset für die Molekularküche, das sie ihm geschenkt hatte, aber einige Silikonformen, Messlöffel und Substanzen mit Bezeichnungen wie Calcium Lactate, Sodium Alignate, Soy Lecithin und Agar-Agar. Damit sollte laut Anleitung spherifiert, emulgiert und geliert werden. Die Rezepte für Joghurtkugeln, die im Mund explodieren, einen leichten Schaum mit dem Namen Speckwolke und einen weichen Kaviar aus Balsamico-Essig waren ebenfalls beigefügt. Aber der Zauber der Freiheit steckte ja bekanntlich in jeder Kunstform. Das konnte spannend werden, und doch wurde in ihr die Angst vor dem übermächtig,  was er künftig in ihrer Küche anstellen würde. Dass ihr Geschenk ausschlaggebend dafür war, dass er später in die Geschichte der Haute Cuisine eingehen würde, weil es ihm gelungen war Tofu zu einer ausgefeilten kulinarischen Raffinesse weiter zu entwickeln, konnte sie zu dem Zeitpunkt nicht wissen.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Reagenzglas, übermächtig, vergessen.

 

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