erLESENer November

Im Lesemonat November eierte ich mit Jasper durchs Leben, erlitt mit Timo eine schwere Kopfverletzung, reiste mit Jan Kammann durch die Welt, durchlebte und -liebte iranische Wurzeln und erlitt mit Lisbeth Salander dank ihres Vaters einen Kopfschuss.

Bücherwelten – manchmal gefährlich kopflastig…

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Spinner von Benedict Wells
Ein Protagonist an der Schwelle zwischen Pubertät und Erwachsenwerden. Tragikkomisch, aber auch berührend. Mein erstes Buch von Benedict Wells, von dem ich jetzt mehr lesen möchte.

Thalamus von Ursula Poznanski
Ein interessantes Thema in eine spannende Geschichte eingewoben. Ein unterhaltsames spannendes Jugendbuch.

Ein deutsches Klassenzimmer von Jan Kammann
Ein Lehrer investiert sein Sabbatjahr, um die Heimatländer seiner Schüler kennen zulernen. Das Buch öffnet Horizonte und hilft manches zu verstehen.

Drei sind ein Dorf von Dina Nayeri
Ein Buch über Entwurzelung und Wurzeln, die ein Leben lang bleiben. Berührend, herzerwärmend und lesenswert!

Vergebung von Stieg Larsson
Ein gelungener Abschluss der Millenium-Trilogie. Empfehlenswert!

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umgeSCHAUt im November

📚 „Junger Mann“ von Wolf Haas klingt nach einer vergnüglichen Zeitreise in die 1970er Jahre – zumindest nach der zweiten Vorstellung, die in diesem Monat im Literaturclub erfolgte. Im Gespräch mit Denis Scheck konnte der Autor mein Interesse hingegen zunächst nicht wecken. Vielleicht klang es mir da zu sehr nach einem dieser „Abnehm-Bücher“ – so etwas hatte ich erst vor kurzem und bei Bedarf ist für dieses Jahr gedeckt.

📚 „Archipel“ von Inger-Maria Mahlke macht Lust und Neugier auf Spanisches.

📚 „Neujahr“ von Juli Zeh setze ich mir auf die Bücherwunschliste. „Nullzeit“ und „Unterleuten“ las ich bereits von ihr und mochte beide Bücher.

📚 Gerade erst habe ich den dritten Teil der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson als Hörbuch gehört und bin restlos begeistert. Aber auch der Autor selbst als investigativer Journalist war einigen brisanten Themen auf der Spur.

📚 Kein Roman, keine Fiktion, sondern ein China, das nach einem dystopischen Überwachungsstaat klingt. Als ich den Bericht zu dem Buch „Die Neuerfindung der Diktatur“ von Kai Strittmatter anschaute, drehte sich mir der Magen um.


Und das sind die Sendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

08.11.2018: lesenswert
Aus Österreich kommt Wolf Haas und erzählt in „Junger Mann“ witzig und berührend zugleich von einem zu groß und zu dick geratenen Jugendlichen, der lernt, erwachsen zu werden, zu lieben und zu scheitern. Für ihrem Roman „Archipel“ wurde Inger-Maria Mahlke mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet und ist nun zu Gast bei Denis Scheck.

13.11.2018: Literaturclub
Nicola Steiner, Martin Ebel, Milo Rau und – als Gast – die Spoken-Word-Poetin Fatima Moumouni diskutieren über „Der Schnee war schmutzig“ von Georges Simenon, „Ein einfaches Leben“ von Min Jin Lee, „Junger Mann“ von Wolf Haas und „Erinnerung eines Mädchens“ von Annie Ernaux.

22.11.2018: lesenswert
Gäste im Palais Biron bei Denis Scheck: Die Bestseller-Autorin Juli Zeh mit ihrem Roman „Neujahr“ und der Koch Dieter Müller: Drei Sterne hat er bereits, drei (Koch-)Bücher seines Lebens bringt er mit.

25.11.2018: Druckfrisch
László Krasznahorkai zeichnet in „Baron Wenckheims Rückkehr“ anhand eines abgestürzten Barons ein morbides Bild seiner Heimat Ungarn. Und: Warum Übersetzer den Autoren in der Sprachkunst oft in nichts nachstehen wird im Gespräch über „Krieg im Kaukasus“ von Lew Tolstoi deutlich.

08.11.2018: Bücherjournal
Julia Westlake spricht über „Stieg Larssons Erbe“ von Jan Stocklassa, „Die Neuerfindung der Diktatur“ von Kai Strittmatter, „Ich war der letzte Bürger der DDR – Mein Leben als Enkel Honeckers“ von Roberto Yáñez und Thomas Grimm, „Der magische Adventskalender“ von Jan Brandt, „Die hohe Kunst des Alterns“ von Otfried Höffe, „Verzeichnis einiger Verluste“ von Judith Schalansky und „Der neue Antisemitismus“ von Deborah Lipstadt.

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Vergebung – Stieg Larsson

„Vergebung“ beginnt genau dort, wo „Verdammnis“ endet und wer Teil 1 und 2 noch nicht gelesen hat, wird diesem dritten Teil vermutlich nicht folgen können. Es wird zwar immer mal wieder kurz auf Begebenheiten der vorherigen Bücher eingegangen, aber das ist eher zur Gedächtnisauffrischung geeignet. Mir war das ganz recht, da ich sofort nahtlos weiterlesen, beziehungsweise hören, konnte und mich gleich wieder inmitten der Handlung befand.

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Auf den Inhalt dieses abschließenden Buches werde ich nicht näher eingehen, weil es einfach zu schade wäre etwas vorweg zu nehmen. Ich selbst hatte nur Lobendes über diese Bücher gehört, wusste aber nicht viel mehr als das mich etwas Spannendes erwarten würde. Es hat mir viel Spaß gemacht, die Millenium-Trilogie in Form der ungekürzten Hörbücher für mich zu entdecken. Dietmar Wunder war als Sprecher großartig und machte mit seiner Stimme die Protagonisten zu lebendigen unverwechselbaren Charakteren, ohne dabei kitschig (beispielsweise bei Frauenstimmen) zu werden. Wer Lust auf spannende Unterhaltung mit eigenwilligen und nicht alltäglichen Figuren, brutalen Verbrechen, Hacking, investigativem Journalismus, einem Agententhriller, politischen Verstrickungen, einer Prise Sex und viel Crime hat, dem ich kann ich diese Trilogie wirklich empfehlen.

Und ich habe jetzt ein Problem. Warum?
Weil die Millenium-Trilogie posthum veröffentlicht wurde und eigentlich auch mit „Vergebung“ ein schlüssiges gutes Ende findet. Punkt.

Aber David Lagercrantz ist in die Haut von Stieg Larsson geschlüpft und hat die Trilogie um ein viertes und ein fünftes Buch erweitert. Eigentlich für mich ein Grund zu jubeln, weil ich zu gern erfahren möchte, wie die Geschichte um Lisbeth Salander weiter geht. Aber diesen Stoff spinnt nun ein anderer weiter und ich fürchte mich ein wenig davor, dass er nicht genauso gut, wie der von Stieg Larsson sein könnte.

Weiterlesen oder nicht, das ist hier die Frage…


Stieg Larsson
Vergebung (Millennium 3)
ungekürztes Hörbuch, Spieldauer: 20 Std. und 52 Min.
Gesprochen von: Dietmar Wunder
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Anbieter: SchallundWahn
Veröffentlicht: 10.05.2012

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abc.etüden: Gegen Sprachlosigkeit

Langsam klappte sie ihr Notebook zu. Eigenartig, welche Wege gespendete Worte manchmal nahmen. Sie hatte an die Schönheit eines Wintermorgens gedacht, an eiskaltes Gras und strahlenden Sonnenschein und den nicht enden wollenden Rausch des Fotografierens von glitzerndem Raureif. Momente, die in der Lage waren, die Zeit zu verzaubern und die Realität zu verrücken – von so unschuldiger Reinheit, dass es sündig wäre, sie nicht zu erleben.

Aber inzwischen hatte sie eine völlig andere Seite dieser Worte eingeholt. Eine Seite, bei der die Kälte des Raureifs schmerzt, wenn die Frau auf ihm zusammensackt, weil der Mann den sie liebt, sie brutal zusammengeschlagen hat. Eine Seite, bei der die Frau sündig ist, weil er seine Triebe nicht zu zügeln weiß. Eine Seite, bei der Gedanken sich verrücken, bis nur noch Wahnsinn von der Liebe bleibt.

Manchmal wünschte sie sich, sie könnte diesen Frauen nicht nur drei Worte für die abc.etüden, sondern ein ganzes Wörterbuch spenden, damit sie aus dem Schatten heraustreten und sich Gehör verschaffen können. Armeen von Worten, die bewaffnen – zum Schutz und zum Kampf und vielleicht sogar für ein bisschen Seelenfrieden.

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Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Raureif, sündig, verrücken.

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Drei sind ein Dorf – Dina Nayeri

Als ich mich kürzlich hier in der Buchhandlung mit den „Couchgesprächen“ von Mike Altwicker durch den Bücherdschungel führen ließ, genoss ich nicht nur den unterhaltsamen Abend rund ums Buch, sondern wurde auch auf eines aufmerksam, von dem ich gleich wusste, dass ich es lesen würde – ein Buch, dessen Sprache man schmecken und riechen kann und dessen Charaktere einem ans Herz wachsen können, hieß es.

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Und tatsächlich fühlte ich mich bereits nach den ersten Seiten in einem Buch angekommen, in das man einsinken und sich in eine Geschichte fallen lassen kann, die den Alltag ausblendet. Auf den ersten Blick ein Wohlfühlbuch mit schöner anschaulicher Sprache, die ein wenig in den Iran mitnimmt und mit leisem herzlichen Humor verzaubert, aber auch die Missstände und Problematiken auf eine gefühlvolle menschenbezogene Art anspricht. ‚“Drei sind ein Dorf “ ist ein Appell an die Menschlichkeit – und gleichzeitig ein Roman über die Liebe, über Sehnsucht und Verletzungen, ein kluger, vielschichtiger Roman von einer Autorin, die genau weiß, wovon sie spricht.“ zitiere ich hier Julia Westlake und ich kann ihr nur zustimmen.

Wie die Protagonistin des Buches, wurde die Autorin während der islamischen Revolution im Iran geboren und emigrierte in die USA, wo sie schließlich an einer Eliteuniversität studierte, Karriere machte und später in den Niederlanden lebte. Nilou, die Ich-Erzählerin des Romans,  (es gibt außerdem einen auktorialen Erzähler) gewährt dem Leser nach und nach immer mehr Einblick in ihr Leben und ihrem ganz speziellen und auf besondere Art ausgelebtem Bedürfnis nach Zuflucht. Als sie zufällig Bekanntschaft mit einer Gruppe iranischer Exilanten macht, mit ihnen kocht und den Geschichten aus dem Land ihrer Geburt lauscht, werden immer stärkere Zweifel an ihr selbst und ihrer Art zu leben wach. Und mir als Leserin eröffneten sich gefühlvolle, aber auch tragische Einblicke in die Welt von Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und versuchen woanders Fuß zu fassen. Ein Buch über Entwurzelung und Wurzeln, die ein Leben lang bleiben. Berührend, herzerwärmend und lesenswert!

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Dina Nayeri
Drei sind ein Dorf
Originaltitel: Refuge
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 368 Seiten
ISBN: 978-3-86648-286-9
€ 24,00 [D]
Verlag: mare
Erschienen: 14.08.2018

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52 Week Photography Challenge: Golden Triangles

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Week 46 – Composition: Golden Triangles
[A diagonal line divides the frame from corner to corner, two more lines are added from the other corners, intersecting the diagonal line.]


52 Week Photography Challenge 2018 has been created by photographers who participated in past year’s challenges to push themselves and you even further in your photographic journey.

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Ein deutsches Klassenzimmer – Jan Kammann

Jan Kammann (geboren 1971) unterrichtet Englisch und Erdkunde in einer internationalen Vorbereitungsklasse in Hamburg. Er will mehr über die Herkunft seiner Schüler erfahren, die aus Kulturen und Lebenswelten kommen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Im Englischunterricht fordert er seine Klasse 10 d auf, ihm Reiseführer für ihre Heimatländer inklusive einem kleinen Sprachführer zu erstellen. Doch diese sind nicht nur als Übung für den Unterricht gedacht, sondern sie sollen ihm tatsächlich auch beim Kennenlernen von 14 Heimatländern seiner Schüler behilflich sein, die er während seines Sabbatjahrs 2016 bereist.

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Er erlebt den Alltag in Kuba, Nicaragua und Kolumbien, Südkorea, China, Russland, im Kosovo, in Albanien, Armenien, Iran und Ghana und erzählt in „Ein deutsches Klassenzimmer“ vom Lehrer sein heute und von der Welt, in der er selbst ein Jahr lang wieder zum Schüler wird. Da er sich teilweise bemüht auch ein wenig von der jeweiligen Landesprache zu lernen, bekommt er ein neues Verständnis von den Sprachproblemen, die seine Schüler in Deutschland zu überwinden haben. Auch lernt er durch die verschiedenen Länder besser die Eigenheiten und die Vergangenheit seiner Schüler zu verstehen.

Glücklicherweise reist er meist unkonventionell und trifft auf seinen Reisen mit vielen interessanten Menschen zusammen. Es macht Freude von diesen Begegnungen zu lesen und auch als Leser bekommt man einen kleinen Einblick in unterschiedliche Lebensweisen und Problematiken in den Ländern. Bei einem Kapitel fühlte ich mich zwar ein wenig wie auf der Schulbank eines trocken unterrichtenden Erdkunde-Lehrers, aber das blieb doch eher die Ausnahme. Schreibstil und Wortwahl sind ansonsten eher locker und unterhaltsam.

Ein ums andere Mal wurde es mir jedoch zu pathetisch, ja sogar unerträglich, wenn der Autor sein Wort direkt an das jeweilige Land „Ach, Iran….“ oder eine Stadt „Oh, Nowosibirsk…“ richtet, weil er sich dieses oder jenes wünscht. Glücklicherweise macht er es nach dem Kapitel über den Iran jedoch nicht mehr allzu häufig, da ich sonst das Buch vermutlich abgebrochen hätte. Auch fand ich teilweise die Vorurteile, die Jan Kammann im Gepäck hatte, erschreckend, war jedoch einigermaßen beruhigt, dass er diese durch seine Reisen abbauen konnte.

Beim Aufklappen des Buches findet man vorne eine skizzierte Weltkarte mit seinen Reisezielen und hinten einige Fotos von den Reiseführern der Schüler. In der Mitte des Buches ist ein 24 Seiten umfassender Bildteil mit zahlreichen Fotografien und Bildbeschreibungen – eine bereichernde Ergänzung des Buches, das einen Einblick in die Vielfalt in manchen deutschen Klassenzimmern gibt und von der Unterschiedlichkeit der Kulturen berichtet, die es kennen zulernen gilt, wenn man sie besser verstehen möchte. Ich denke, Jan Kammann hat sein Sabbatjahr auf die bestmögliche Weise investiert und könnte mir vorstellen, dass dies auch seinen Schülern zugute kommt.

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Jan Kammann
Ein deutsches Klassenzimmer
Klappenbroschur, 304 Seiten
ISBN: 978-3-89029-500-8
€ 18,00 [D], € 18,50 [A]
Verlag: Malik
Erschienen: 04.09.2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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Thalamus – Ursula Poznanski

Seitdem ich vor einigen Jahren begeistert „Erebos“ las, greife ich zwischendurch immer mal wieder gern zu den Jugendbüchern von Ursula Poznanski, die mich vor allem auch mit der Eleria-Trilogie besonders begeistern konnte. Als die Autorin kürzlich aus ihrem neuen Buch „Thalamus“ bei Lovelybooks vorlas, war ich gleich interessiert.

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Der siebzehnjährige Timo ist auf dem Weg zu seiner Freundin, als er mit dem Motorscooter  schwer verunglückt. Er ist monatelang ans Bett gefesselt und kann weder sprechen noch laufen und ist auch sonst von seiner Motorik her stark eingeschränkt. In einer abgeschiedenen Rehaklinik mitten im Wald soll er sich von seinen Knochenbrüchen und dem Schädelhirntrauma erholen. Doch in der Klinik, in der Jugendliche und Erwachsene untergebracht sind, geschehen merkwürdige Dinge. Unter anderem ist sein Zimmernachbar, der tagsüber im Koma liegt, nachts aggressiv unterwegs und auch Timo schlafwandelt und entdeckt allmählich Fähigkeiten an sich, die ihm neu sind. Und mehr sollte man von der Handlung vorab gar nicht wissen, um diese spannende Geschichte nach und nach selbst für sich entdecken zu können.

Timo ist ein sympathischer Charakter, mit dem man mitfühlen kann und den ich zu gern aus seiner Sprachlosigkeit befreit hätte. Aber gerade diese spezielle Situation macht auch Timos Lage nachvollziehbar und lässt einen als Leser manchmal ein wenig zappelig werden, weil man selbst Ideen hätte, wie Timo sich verständlich machen könnte. So baut sich zwar Spannung auf, aber es wirkt manches in der Klinik auch ein wenig unrealistisch – Timo erhält relativ wenig Therapien und wird mehr oder weniger sich selbst überlassen. Aber da es sich um ein Jugendbuch handelt, konnte ich gut darüber hinwegsehen und bin dennoch immer wieder gern in die Geschichte eingetaucht, zumal ich auch unbedingt wissen wollte, wie sich die mysteriösen Vorgänge in der Rehaklinik erklären lassen.

Als schließlich eine Auflösung des Rätsels folgte, löste das bei mir ein „Wow!“ aus und das unbestimmte Gefühl, über das angesprochene Thema schon mal ganz am Rande irgendwo etwas gehört zu haben. Und tatsächlich brachte Google dann auch die Erleuchtung, ließ mich staunen und froh darüber sein, dass die Autorin Medizinisches ’nur‘ in eine phantasievolle leicht verständliche Richtung weiter gesponnen hatte. Glücklicherweise geschieht dies auf eine unrealistische Weise, die einen jedoch nichtsdestotrotz ein wenig gruseln und sich Gedanken darüber machen lässt, wie toll und gleichzeitig übel es wäre, wenn das tatsächlich ginge. Davon hätte ich gern mehr gelesen, bin mir jedoch bewusst, dass dies vermutlich die Grenzen des Jugendbuchs sprengen würde.

Nichtsdestotrotzso hat Ursula Poznanski  wieder einmal ein interessantes Thema aufgegriffen und in eine spannende Geschichte eingewoben, so dass ich mich gut unterhalten fühlte und „Thalamus“ weiter empfehlen kann.

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Ursula Poznanski
Thalamus
Taschenbuch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-7855-8614-3
16,95 € (D) | 17,50 € (A)
Verlag: Loewe
Erschienen: 13.08.2018

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#lesemittwoch

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52 Week Photography Challenge: Show Half

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Week 45 – Vision: Show Half
Tell a complete story by only showing half of it.


52 Week Photography Challenge 2018 has been created by photographers who participated in past year’s challenges to push themselves and you even further in your photographic journey.

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