Licht in der Nacht der Seele – Martin Duda

Erst kürzlich wurde ich auf die „Bibliotherapie“ aufmerksam, die zu den künstlerischen Therapieformen, (wie beispielsweise auch Musik- und Tanztherapie) gehört. Hierbei setzt man auf die Heilkraft der Sprache, die beim Lesen von beruhigender und aufbauender Literatur und beim Schreiben und Gestalten eigener literarischer Texte Heilungsprozesse unterstützen, Probleme lösen und die Persönlichkeitsentwicklung fördern kann. Bei der Suche nach weiterführender Literatur, stieß ich unter anderem auf „Licht in der Nacht der Seele – Wie Lesen bei Depressionen hilft“ von Martin Duda. Das Buch bezeichnet sich selbst als Literarisches Antidepressivum, was auf mich zunächst befremdlich wirkt, da es enorme Erwartungen weckt. Aber es machte mich auch neugierig.

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Der Text auf der Klappe dieses broschierten Buches erläutert:

„In der Literatur ist die Depression ein immer wiederkehrendes Thema. Viele Dichter und Schriftsteller kennen das Phänomen aus eigenem Erleben. Sie haben – anders als die Wissenschaftler oder die Mediziner einen unmittelbaren und ganzheitlichen Zugang gerade auch zu den Schattenseiten menschlicher Erfahrungen. Dieser Zugang ermöglicht ihnen und damit auch den Lesern eine andere, breitere Sicht auf die Depression. Zugleich haben viele literarische Werke für depressive Menschen eine heilsame und therapeutische Wirkung. Wenn der Lebenssinn zu einer dringenden Frage wird und die Gründe zum Leben verloren gehen, kann uns gute Literatur bei der Suche nach ihnen begleiten und ein wenig Licht in die geheimnisvolle Dunkelheit der Depression bringen.“

Lesen ist für viele Menschen, so auch für mich, ein Hilfsmittel erster Wahl, um Zeiten der Muße, der Ruhe und der Entspannung für sich zu entdecken und in ihnen einzutauchen. Ein gutes Buch hat das Vermögen und die Macht, mich aus dem Alltag zu entführen, aber auch die quälenden Phasen depressiver Langeweile, die immer mehr handlungsunfähig macht und zunehmend lähmt, in eine gute Zeit der Muße zu verwandeln, wenn ich rechtzeitig zu diesem Hilfsmittel greife. Beim Lesen dieses Buches fühlte ich mich außerdem an eine Zeit erinnert, als ich tatsächlich bei Dichtern, Schriftstellern, Musikern und Malern regelrecht auf der Suche nach gemeinsamen Empfindungen und Darstellungen war, in denen ich mich und mein durch die Bipolare Störung (manisch depressive Erkrankung) verändertes Erleben wiederfinden konnte. Ich sammelte diese Fragmente, weil die Künstler in der Lage waren das auszudrücken, wofür mir die Worte und auch sonstige Ausdrucksmöglichkeiten fehlten. Das brachte mir Linderung, weil ich mich verstanden fühlte und ich manches dadurch erst als Teil der Krankheit identifizieren und begreifen konnte.

Geholfen hätte es mir auch, wenn mir zu dieser Zeit, in der ich erst noch den Umgang mit der Depression lernen musste, „Licht in der Nacht der Seele“ in die Hände gefallen wäre. Martin Duda, der sich seit vielen Jahren mit der heilsamen Wirkung des Lesens befasst, bietet mit ausgewählten Texten der Weltliteratur und praktischen Buchtipps Hilfe zur Selbsthilfe an. Denn therapeutisch lesen bedeutet, langsam und mit dem Herzen zu lesen und den Text zu verinnerlichen. Es geht darum,

[…] den traurigen und gesenkten Blick des depressiven Menschen wieder nach oben zu richten, ihn selbst als Mensch aufzurichten und ihn hinaus nach draußen in die Welt, da wo das Leben ist, zu schicken. Gewissermaßen gilt es, nicht nur seine äußeren Sinne, seine Augen und Ohren, sondern vor allem sein Herz zu öffnen und ihn zum Leben und zum Wertvollen im Leben wieder hinzuführen. (S. 41)

Der Autor zeigt, wie die Lektüre dazu beitragen kann, der Ausweglosigkeit der Depression zu entkommen und den Weg zurück ins Leben zu finden. Doch es ist hier keine konkrete Auflistung von Tipps zu erwarten, die abgearbeitet werden könnten. Eher wird das Lesen als ein unterstützendes Mittel empfunden, das unter Umständen einbezogen werden kann. Tatsächlich sind es auch nicht die unterschiedlich gearteten kurzen Texte und Gedichte, die er zitiert und beispielhaft angibt, die ich an diesem Buch als hilfreich empfinde. Manches ist großartig, aber nicht alles spricht mich an und für Lyrik bin ich nicht immer empfänglich. Vielmehr schafft es der Autor durch seine Ausführungen und Erläuterungen das Wesen, die Ursachen und Auswirkungen der Depression so zu benennen und auf den Punkt zu bringen, dass ich mich mitsamt der krankheitsbedingten Problematiken verstanden und ernst genommen fühle. Daher kann ich die Lektüre dieses Buches auch denjenigen empfehlen, die versuchen möchten zu verstehen, wie die Depression das Leben eines Menschen vereinnahmt und was sie unter Umständen aus ihm macht. Selten habe ich mich so verstanden und angenommen gefühlt, was wohltuend und tatsächlich ein wenig wie ein literarisches Antidepressivum auf mich wirkt. Eine Empfehlung für Interessierte und Betroffene.

„Kein Buch vermag zwar die unmittelbare Begegnung mit einem anderen Menschen zu ersetzen, geschweige denn all das, was sich in der Begegnung mit ihm und in der Beziehung zu ihm ereignet und darin wirkt. Aber die Literatur kann nicht nur Wege zum depressiven Menschen ebenen und wie eine Verbindungsbrücke fungieren, sondern auf die heilsamen Kräfte, die nur in der Beziehung der Menschen untereinander entstehen, aufmerksam machen. Ob in großen Werken der klassischen Literatur oder in einfachen Liebesromanen – überall geht es um Themen wie Beziehungen, Trennungen, Verluste und um die Einsamkeit, aber auch um rettende Auswege wie Liebe, Freundschaft, Zuneigung und Mitgefühl. Bücher mit diesen Motiven können zur Reflexion anregen und für die Not eines einsamen Menschen sensibilisieren, aber auch Lösungen und Schritte aus der Einsamkeit aufzeigen.“ (S. 96)

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Martin Duda
Licht in der Nacht der Seele
Wie Lesen bei Depressionen hilft
Klappenbroschur, 160 Seiten
ISBN: 978-3-8436-1059-9
Preis: 16,00 € (D) inkl. MwSt.
Verlag: Patmos
Erschienen am 04.06.2018

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Heimatland – I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit & Geir Gulliksen (HRSG.)

Bei der Frankfurter Buchmesse war ich bisher zwar noch nicht, aber ich verfolge dennoch alljährlich interessiert das Drumherum. In diesem Jahr ist Norwegen das Ehrengastland und deshalb wurde ich auch gleich hellhörig, als ich erfuhr dass die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit, auf deren Liebe zu Büchern und ihren Einsatz im Literaturzug ich erst im vergangenen Jahr aufmerksam wurde, gemeinsam mit Geir Gulliksen das Buch „Heimatland“ herausgegeben hat. Von der Landschaft Norwegens bin ich begeistert, weiß von diesem Land aber genaugenommen sehr wenig. Durch dieses Buch erhoffte ich Interessantes zu erfahren und dabei gleichzeitig einen kleinen Eindruck von norwegischer Literatur zu bekommen – und einen weiteren weißen Fleck im Rahmen meiner BUCHweltreise mit Inhalten zu füllen.

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Als Vorwort beginnt „Heimatland“ mit dem Gespräch zwischen I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit und Geir Gulliksen. Darin unterhalten sie sich über Literatur und darüber, wie norwegisch sie eigentlich sind. Zur Verwirklichung dieses Buchprojekts waren sich die beiden Herausgeber gleich einig, dass sie Autoren und Autorinnen dazu einladen wollten, über das Norwegische zu schreiben und darüber, was das Norwegische für sie heißt. Auch um den Zusammenhang von Sprache, Literatur und das Leben sollte es gehen.

In „Heimatland“ kommen deshalb zwölf literarische Stimmen aus Norwegen zu Wort: Tomas Espedal, Vigdis Hjorth, Ole Robert Sunde, Marit Eikemo, Siri Hustvedt, Wencke Mühleisen, Demian Vitanza, Karl Ove Knausgård, Helga Flatland, Agnes Ravatn, Maria Navarro Skaranger und Dag Solstad. Jedem Text vorangestellt ist ein schwarzweiß Portrait des jeweiligen Autors. Die Buchgestaltung ist luftig und lässt den Texten, die so unterschiedlich sind wie das, worüber sie berichten, genug Freiraum.

Mal geht es um Geschichtliches und Spätfolgen der Kolonialzeit, um das Leben norwegischer Auswanderer in Amerika, man erfährt einiges über Leben und Wirken des Schriftstellers Knut Hamsun, erlebt Tradition und Moderne, die Veränderlichkeit der Sprache, schwierige Witterungsverhältnisse und traumhaft schöne Landschaft. Aber hier wird nicht nur die Heimat der Schriftsteller geliebt und beleuchtet, sondern auch kritisch betrachtet. So entsteht eine Mixtur unterschiedlicher Themen, Geschichten und Momentaufnahmen, fern von der Glorifizierung des Begriffs Heimat, dafür aber authentisch und lebensnah wirkend.

Neben sachlichen Texten sind im Buch einige Geschichten enthalten, die mit ihren ganz eigenen besonderen Stimmen erzählt werden. Das Gelesene berührt und hallt nach, selbst wenn das Norwegische nur leise im Hintergrund durchklingt. Hier beeindruckt die Fähigkeit der Schriftsteller über die nahen Beziehungen der Menschen zu schreiben und macht Lust darauf, mehr von dem jeweiligen Autor oder der Autorin zu entdecken.

Für mich war das Lesen dieses Buches ein echter Gewinn, da es mir Seiten von Norwegen zeigen konnte, die mir unbekannt waren. Auch der unmittelbare Bezug zur Literatur und den bekannten norwegischen Literaten hat mir gut gefallen und mich auf den Geschmack gebracht. Lediglich das Vorwort hätte mir als Nachwort besser gefallen, da die Herausgeber darin teilweise auf die Inhalte der Texte eingehen und ich das nicht lesen mag, ohne selbst die Texte zu kennen. Allerdings nehmen sie dabei auch nichts vorweg, aber mir fehlte als Leserin halt der Bezug. Dafür konnte ich mit dem Vorwort umso mehr anfangen, als ich es nach Beendigung des Buches einfach nochmal las. So schloss sich für mich der Kreis und das Buch fand für mich zu einem gelungenen vielfältigen Ganzen, das mir auf sympathische Weise einige Facetten Norwegens zeigen konnte – einem Land, von dem ich gerne mehr erfahren und es selbst einmal besuchen möchte.

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I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit (Hrsg.), Geir Gulliksen (Hrsg.)
Heimatland
… und andere Geschichten aus Norwegen
Aus dem Norwegischen von Paul Berf, Ulrich Sonnenberg, Ina Kronenberger, Uli Aumüller, Gabriele Haefs, Elke Ranzinger, Hinrich Schmidt-Henkel
Original: Hjemlandet | Verlag: Aschehoug
Hardcover mit Schutzumschlag, 328 Seiten, 12 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-630-87608-5
20,00 [D] inkl. MwSt. | € 20,60 [A] | CHF 28,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Luchterhand
Erschienen am 30. September 2019

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

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Frisch auf dem Buchmarkt – Oktober 2019

Ich habe – wie sollte es auch anders sein – in den Verlagsvorschauen einige Neuerscheinungen für den Monat Oktober entdeckt, die mein Interesse wecken konnten. Unter anderem ist das neue Buch von Michael Martin dabei, der mir durch seine  Beiträge für den Podcast WELTWACH bereits bekannt ist. Von der Klassischen Musik für jeden Tag und von Schecks Kanon würde ich mich gern inspirieren lassen, um Vorschläge aus diesen Büchern vielleicht in mein Lese- und Hörleben zu holen. Greta Silver, über die ich vor einiger Zeit durch ihren YouTube-Kanal stolperte, könnte ich mir vorstellen an jemanden zu verschenken, dem das Buch gut tun könnte. Mit den Neurosen und Narzissenkindern würde ich mich gern beschäftigen, um meinen immer mal wieder aufsteigenden Durst nach psychologischen und zwischenmenschlichen Themen zu stillen. Nachttiger könnte hinsichtlich meiner BUCHweltreise ein Abenteuer in einem fremden Land zu einer anderen Zeit sein. Ingenium scheint ein spannendes Jugendbuch sein und Fuchs 8 klingt hinsichtlich des therapeutischen Lesens (Bibliotherapie), ein Thema, beziehungsweise eine Therapieform, auf die ich erst kürzlich aufmerksam wurde, nach einer interessanten Bilderbucherfahrung. Ob eines der Bücher tatsächlich bei mir einziehen wird, weiß ich derzeit noch nicht – aber vielleicht ist ja auch für euch etwas Lesenswertes dabei:
756680_72dpi_xl14.10.2019: INGENIUM – Du kannst nicht entkommen [Werbung] von Janet Clark: Matt, Jeanie und Luke sind alles andere als normale Teenager: Sie alle leiden unter einer Gen-Anomalie, die sie zu Freaks macht – meinen sie. Dass ihre besonderen Talente sie auf der anderen Seite auch zu Superhelden im wahren Leben machen können, erfahren sie erst, als sie sich kennenlernen und durch ihre Mitschülerin Develine in das Abenteuer ihres Lebens verwickelt werden. Dabei geht es um nichts weniger als den hochgefährlichen Eingriff in die Entwicklung der Menschheit und den Bruch aller ethischen und gesetzlichen Grenzen.

41bbwcogJhL._SX309_BO1,204,203,200_14.10.2019: Das Wesen der Wüste: Wie der Sand in die Wüste kommt und weshalb die Dünen singen ─ Die Entdeckung einer faszinierenden Welt [Werbung] von Michael Martin: Großer Bildteil – die Wüste hautnah erleben in über 60 eindrucksvollen Farbfotos. Unendliche Weite, einzigartige Schönheit, nahezu unberührte Natur – seit mehr als 35 Jahren bereist der Abenteurer, Fotograf und Geograf Michael Martin die Wüsten der Erde und entdeckt immer wieder neue Seiten dieses faszinierenden Lebensraums. Atemberaubende Dünen und karge Gebirgslandschaften oder die überraschend breite Palette an menschlichem, tierischem und pflanzlichem Leben sind nur einige der vielen Facetten, die den Reiz der Wüste ausmachen. Sind Oasen tatsächlich nur ein paar Dattelpalmen rund um eine Wasserstelle? Weshalb ertrinken mehr Menschen in der Wüste als darin verdursten? Und warum gäbe es ohne die Sahara keinen Amazonas-Regenwald? Michael Martin schöpft aus seinem reichen Erfahrungsschatz und seinem umfassenden Wissen und lässt uns eintauchen in eine Welt voller Wunder und Geheimnisse. In der Stille, der Einsamkeit und der Reduktion dieser Welt erkennt er ein Gegenkonzept zu unserem reizüberfluteten Leben.

51-QS27tk8L._SX313_BO1,204,203,200_14.10.2019: Für mich soll es Neurosen regnen – Mein Leben mit Zwangsstörungen [Werbung] von Peter Wittkamp: Peter Wittkamp ist ein lustiger Mensch. Er schrieb bereits Gags für Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf und ist seit Jahren Hauptautor der »heute show online«. Außerdem verhalf er den Berliner Verkehrsbetrieben mit der Kampagne #weilwirdichlieben zu einem ganz neuen Image. Doch es gibt etwas, dass nur sehr wenige Menschen über ihn wissen: Er leidet seit mehr als 20 Jahren unter Zwangsstörungen. Und zwar deutlich heftiger, als »noch kurz mal schauen, ob der Herd wirklich aus ist«. Und da er selbst nun mal nicht ganz unwitzig ist, gerät das neben den wissenschaftlichen Fakten, die in einem solchen Buch nicht fehlen dürfen, bisweilen sehr humorvoll, ohne das Thema der Lächerlichkeit preiszugeben.

produkt-1000408214.10.2019: Schecks Kanon: Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur [Werbung] von Denis Scheck: Kann ein Kinderbuch zum Kanon der Weltliteratur zählen? Unbedingt, sagt der Literaturkritiker Denis Scheck. Zum Beispiel Astrid Lindgrens „Karlsson vom Dach“, das am Anfang vieler Leserbiografien steht. Und darf der Klassenclown der Gegenwartsliteratur Michel Houllebecq mit der Aufnahme in einen Kanon geadelt werden? Ja, natürlich. Denn er ist auf dem Gebiet der Politik, was Jules Verne für die Technik war: ein Visionär. Mit seiner Auswahl der 100 wichtigsten Werke präsentiert Denis Scheck einen zeitgemäßen Kanon, der auf Genre- oder Sprachgrenzen schlicht pfeift. Von Ovid bis Tolkien, von Simone de Beauvoir bis Shakespeare, von W. G. Sebald bis J.K. Rowling: Charmant, wortgewandt und klug erklärt er, was man gelesen haben muss – und warum.

41wnuFTPctL._SX311_BO1,204,203,200_14.10.2019: Nachttiger [Werbung] von Yangsze Choo: Britisch-Malaya in den 1930er-Jahren. Zwischen Dschungel und Kolonialvillen lauert eine tödliche Gefahr. Der chinesische Houseboy Ren ist in geheimem Auftrag unterwegs: Er soll den amputierten Finger seines Herrn finden, um ihn mit dem Toten zu bestatten. Nur so kann dessen Seele Ruhe finden. Neunundvierzig Tage bleiben Ren für seine Mission, die ihn zu einem britischen Arzt und zu der Tänzerin Ji Lin führt. Doch die Suche ist gefährlich: Ren und Ji Lin geraten in eine Welt von Aberglaube, Liebe und Verrat. Und in eine Serie mysteriöser Todesfälle.

51gNbR+rRML._SX312_BO1,204,203,200_23.10.2019: Ein Jahr voller Wunder – Klassische Musik für jeden Tag [Werbung] von Clemency Burton-Hill: Klassische Musik kann Wunder vollbringen. Sie inspiriert zum Genießen, schafft Raum für Emotionen und Schönheit. Das Einzige, was man dazu braucht, sind offene Ohren und ein offener Geist. Die renommierte Musikerin und beliebte Moderatorin Clemency Burton-Hill schafft mit ihrer vielfältigen Musikauswahl und ihren kurzen, prägnanten Texten über Werk und Autor einen unvergleichbaren und persönlichen Zugang zu zeitlos schöner Musik.

9783548060798_cover25.10.2019: Wie Brausepulver auf der Zunge – Glücklich sein ist keine Frage des Alters [Werbung] von Greta Silver: „Lebensfreude ist eine Entscheidung – wir sind nicht hilflos den Lebensumständen ausgeliefert.“ „Lebensfreude pur“ ist das ansteckende Motto von Greta Silver und ihr Buch eine hinreißende Liebeserklärung an das Älterwerden. Mit 70 Jahren fühlt sie sich in der Blütezeit ihres Lebens. Und sie möchte keinen Tag jünger sein, denn das Leben wird immer leichtfüßiger, spannender, kreativer. Die Themenpalette von Greta Silver ist breit: Aus eigener Erfahrung spricht sie über Mut, Angst, Träume, Verletzungen, Selbstvertrauen, Einsamkeit, Reisen, darüber, wie großartig es ist, alt zu sein, und vieles mehr. Auf inspirierende und mitreißende Art gibt sie Anstöße, wie es gelingen kann, dem Leben eine neue Blickrichtung zu geben und sich ungeahnte Perspektiven zu eröffnen.

Fuchs 8 von George Saunders28.10.2019: Fuchs 8 [Werbung] von George Saunders: Fuchs 8 war immer schon neugierig und ein bisschen anders als die anderen Füchse seiner Gruppe. So hat er die menschliche Sprache gelernt, weil er sich gern in den Büschen vor den Häusern versteckte und zuhörte, wenn die Menschen ihren Kindern Gutenachtgeschichten vorlasen. Die Macht der Worte und Geschichten befeuert seine Neugier auf diese Wesen, bis Gefahr am Horizont auftaucht: Der Bau eines riesigen Einkaufszentrums zerstört den Wald, in dem die Füchse leben, und sie finden kaum noch Nahrung. Dem stets belächelten Tagträumer Fuchs 8 bleibt nur eines: Er beschließt, seine Fuchsfamilie zu retten, und macht sich auf den Weg zu den Menschen.

Narzissenkinder von Monika Celik28.10.2019: Narzissenkinder – Wenn Töchter unter narzisstischen Müttern leiden [Werbung] von Monika Celik: Das Leben mit einem narzisstischen Elternteil kann für betroffene Kinder zur Hölle werden. Sie werden ständig manipuliert und sabotiert, belogen, sich selbst überlassen. Sie erleben Angst, Grenzüberschreitungen jeder Art und Verdrehungen der Realitäten, sodass sie ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen. Als selbst Betroffene zeigt Monika Celik das ganze Spektrum möglicher narzisstischer Verhaltensweisen auf. Mit vielen Beispielen und Zitaten anderer erwachsener Kinder belegt sie die dramatische Beziehung zwischen narzisstischen Müttern und ihren Töchtern. Betroffene Leserinnen finden sich in diesen Beispielen wieder und erhalten durch zusätzliche Sachinformationen Lösungsansätze für ihr eigenes Leben.

War für euch bei meiner Auflistung etwas dabei? Welches Buch gehört eurer Meinung nach unbedingt noch mit auf diese Liste?

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Erebos 2 – Ursula Poznanski

Vor knapp 7 Jahren las ich „Erebos[Werbung] von Ursula Poznanski voller Begeisterung und wurde es seitdem auch nicht müde, das Buch immer wieder computer- oder spielbegeisterten Lesern zu empfehlen. Mich hat damals die spannende Geschichte rund um das geheimnisvolle Spiel, das ein bedrohliches Eigenleben entwickelt und seine Mitspieler dazu bringt Aufgaben im realen Umfeld auszuführen, gepackt. Einerseits wünsche ich mir natürlich von Büchern, die mich derart begeistern konnten, dass sie fortgesetzt werden, aber andererseits fürchte ich doch auch immer, dass eine Fortsetzung zu einer Entzauberung führt, wenn sie eben nicht so gut gelungen ist, wie das Einstiegsbuch. Allerdings hatte ich bei diesem Buch eher nicht mit einer Fortsetzung der Geschichte gerechnet, weil die Handlung eigentlich zu einem abgeschlossenen Ende fand. Umso überraschter war ich, dass Ursula Poznanski gut 10 Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches „Erebos 2“ veröffentlichte.

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Da „Erebos“ mit zu meinen Lesehighlights unter den Jugendbüchern gehört, konnte ich nicht widerstehen und musste einfach erfahren, wie die Geschichte weiter geht. Vorab stellte sich mir allerdings die Frage, ob ich nach der langen Zeit vielleicht doch „Erebos“ noch einmal lesen sollte, da ich mich an genauere Einzelheiten nicht mehr erinnern konnte. Ich entschied mich dazu, es nicht zu tun. Leider – wie ich jetzt im nachhinein feststellen kann. Denn das, was im ersten Buch geschah, wird zwar manchmal grob aufgegriffen und sporadisch erklärt, aber es hätte mir besser gefallen, wenn ich mich an mehr Details hätte erinnern können. Dennoch ist es für das Verständnis nicht erforderlich, dass man für „Erebos 2“ unbedingt das Vorgängerbuch gelesen haben muss. Da es sich jedoch lohnt, empfehle ich das Lesen in der richtigen Reihenfolge – und dann zu entscheiden, ob man die schwächere Fortsetzung „Erebos 2“ tatsächlich noch lesen möchte.

Das Spiel Erebos wird im ersten Buch noch im Geheimen auf DVDs herumgereicht, macht seine Mitspieler regelrecht süchtig, bringt sie dazu, oft nicht ganz ungefährliche Aufgaben in der Realität zu erledigen und gewährt ihnen im Gegenzug dafür spezielle Belohnungen: Ein Wunsch eines Spielers wird von einem anderen – vom Spiel dazu gezwungenen – Spieler ausgeführt. Die Spieler wie Räder in einer großen Maschine ineinandergreifen lassen, damit die Maschine dann am Ende etwas zerstören kann, oder jemanden. Das ist – rund 10 Jahre später – auch bei „Erebos 2“ der Fall. Aber ebenso wie die Technologie im Laufe der Jahre, hat sich auch auch die Künstliche Intelligenz des Spiels weiter entwickelt und nutzt nicht mehr nur den Computer, sondern auch das Smartphone, Navigationssysteme, Überwachungskameras und vieles mehr um seine dem Leser bis zum Schluss unergründlichen Ziele zu erreichen.

Und es sucht sich seine Spieler selbst, um die richtigen Leute zu rekrutieren – und zu beinflussen. Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn nach all den Jahren wiedergefunden. Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können.

„Jetzt den Datenstick in den Slot. Oder … doch nicht? Er zögerte. Auf dem Stick konnten alle möglichen Viren drauf sein – gleichzeitig war ihm klar, wie albern der Gedanke war. Er hatte ja schon ein Programm auf dem Rechner, das den Computer nach Belieben ein- und ausschalten konnte. Sein Handy telefonierte selbstständig und mit Dereks eigener Stimme … viel schlimmer konnte es nicht mehr werden.“ (S. 142)

Es ist spannend diesem taktierenden Spiel zu folgen. Man fragt sich, was es im Schilde führt und warum es seine dauerüberwachten und unter Druck gesetzten Mitspieler zwingt so zu agieren, wie sie es letztlich tun. Gut dreiviertel des Buches las ich gern, beziehungsweise mit leichtem Gruseln vor der sich hier verselbständigenden Technik, und fühlte mich gut unterhalten. Geradezu fieberhaft las ich dem Ende entgegen und war neugierig auf die Auflösung des Ganzen. Doch was sich Ursula Poznanski als Hintergrund und eigentlichen Verwendungszweck des Spiels ausgedacht hat, konnte mich leider gar nicht überzeugen. Ohne hier spoilern zu wollen kann ich nur verraten, dass der Zweck für mich nicht immer die Mittel heiligt und einfach nur abstrus und an jeglicher Glaubwürdigkeit vorbei konstruiert ist. Das empfinde ich als umso problematischer, da die große Stärke dieses Jugendromans für mich darin liegt, sich nah an der derzeitigen Technik zu orientieren und man sich beim Lesen fragt, ob so eine manipulative Nervensäge wie das Spiel Erebos nicht unter Umständen doch möglich wäre. Unweigerlich überlegt man auch, ob man seinen Smartphone-Apps nicht doch mehr Rechte einräumt, als gut für einen sein können. Und tatsächlich fühlte es sich auch ein wenig eigenartig an, wenn das eigene Handy Benachrichtungstöne von sich gab, während beim Lesen des Buches gerade einer der Protagonisten mittels Smartphone-Nachrichten von Erebos massiv bedrängt wurde.

Ob ich das Buch empfehlen kann? Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich nötig ist. Denn wer schon in den letzten 10 Jahren Erebos verfallen ist, der kann sich vermutlich „Erebos 2“ nur schwerlich entziehen, selbst wenn das Ende versemmelt ist.

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Ursula Poznanski
Erebos 2
ePub, 512 Seiten, ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7320-1371-5
Preis: 14,99 € (D) inkl. MwSt.
Verlag: Loewe
Erschienen am 14.08.2019

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Document Your Life – September 2019

Document Your Life

 

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erLESENer September

Im Lesemonat September lauschte ich den Stimmen des Waldes, erfuhr warum es den Dompfaffen an den Kragen ging, kämpfte mit Adelaida ums Überleben, war weltweit dem Tod auf der Spur und las ohne jegliche Ehrfurcht in der heiligen Khorabel.

Großartige Bücherwelten – gleich um die Ecke oder um zig Ecken entfernt, mal geradeaus und mal um die Ecke gedacht…

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Das geheime Band zwischen Mensch und Natur von Peter Wohlleben: Das Buch schärft das Bewusstsein für die Probleme des Waldes und der Waldbewirtschaftung. Gleichzeitig schafft es eine lebendige Atmosphäre, in der man Erstaunliches über die Natur entdecken kann und die Lust darauf macht, sich auf der Stelle in den nächsten Wald zu begeben um diesen mit all seinen Sinnen und dem frisch erworbenen Wissen neu zu erfahren. Ein Buch, das nachwirkt.

Der Federmann von Max Bentow: Widerlich gut von Axel Milberg vertont, bringt mich das Gehörte bis an die Grenze dessen, was ich ertragen kann oder mag. Aber dennoch konnte ich von dem Hörbuch nicht ablassen und musste es bis zum Schluss weiter hören. Hat mir gefallen!

Nacht in Caracas von Karina Sainz Borgo: Ein intensives literarisches Debüt über das Schicksal einer jungen Frau und ein virtuoses Portrait eines untergehenden Landes. Auch wenn mich das Ende dieses Buches nicht vollends überzeugen konnte, ist es unbedingt empfehlenswert!

Wo die Toten tanzen von Caitlin Doughty: Kein Buch, das sich einfach so weglesen lässt. Zu oft vergleicht man mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen und wird mit dem Tod in einem Rahmen konfrontiert, der teilweise nur schwierig vorstellbar ist. Gleichzeitig entmystifiziert das Buch dieses Thema ein wenig und ist ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen. Eine Empfehlung!

Miroloi von Karen Köhler: Sprachintensive und gefühlvolle Schilderungen aus der Sicht einer sechzehnjährigen namenlosen Frau, die auf einer streng religiösen frauenfeindlichen fiktiven Mittelmeerinsel allmählich erwacht und um ihre Freiheit kämpft. Für mich ein Highlight!

 

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#bücherschrankschatz – Oktober 2019

#bücherschrankschatzViele öffentliche Bücherschränke werden ja bereits liebevoll bestückt und gepflegt, aber andere können ein wenig Unterstützung brauchen und da soll die Mitmachaktion #bücherschrankschatz einfach ein wenig helfen. -> Mach doch auch mit!



Ein unspektakulärer Besuch beim Bücherschrank. Das Wetter ist grau und ebenso fad, wie das Erscheinungsbild dieses Schrankes. Keine guten alten Bekannten, deren Titel einem bereits mit einem Blick das Herz erwärmen und einen manchmal sogar schwärmen lassen. Viel Unbekanntes, Abgegriffenes, Ungeliebtes, Aussortieres. Soweit der erste Blick. Aber auf den zweiten, beziehungsweise dritten Blick ist doch wieder Schönes zu finden, von dem ich denke, dass sich der ein oder andere darüber freuen wird. Gerne stelle ich ein Buch dazu, dass ich vor etlichen Jahren sehr gerne las:

2019_10_#bücherschrankschatz

Wer sind wir? Woher kommen wir? Als sich der 12-jährige Hans-Thomas mit seinem Vater aufmacht, seine Mutter Anita zu suchen, gelangt er auf mysteriöse Weise in den Besitz eines winzigen Buches. Es birgt ein großes Geheimnis und gibt ihm Rätsel auf. Doch das Sichwundern über die Welt und die unglaublichen Dinge, die darin möglich sind, stehen am Anfang eines jeden Philosophierens. Dies ist die Geschichte einer gleich dreifachen Reise: einer wirklichen nach Griechenland, einer phantastischen auf eine Insel, wo auf geheimnisvolle Weise ein Kartenspiel zum Leben erwacht, und einer gedanklichen in die Philosophie. Jede für sich wäre abenteuerlich genug – zu einer raffinierten Romanhandlung verwoben, werden sie zu einem Leseerlebnis der besonderen Art.

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Jostein Gaarder
Das Kartengeheimnis
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Taschenbuch, 352 Seiten, ab 13 Jahren
ISBN: 978-3-423-62077-2
Preis: EUR 10,95 € [DE], EUR 11,30 € [A]
Verlag: dtv, Reihe Hanser
Erschienen am 01.04.1998

Wie sieht der öffentliche Bücherschrank bei euch aus? Kennt oder unterstützt ihr bereits einen öffentlichen Bücherschrank und wenn ja, welches gute Buch stellt ihr im Oktober dort unter? 

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