Foto der Woche – 09/2021

Das Wetter war einfach herrlich und ich war ein wenig berauscht von den zahlreichen Krokussen und Maiglöckchen, die wir beim Waldspaziergang entdecken konnten. Für das Fotoprojekt 52Frames ging es in dieser Woche darum, Details zu fotografieren. Dementsprechend hatte ich nur mein Makro-Objektiv dabei und ging so nah wie möglich an alle Motive heran. Weil ich kein Stativ dabei hatte und es leicht windig war, sind viele verwackelte Bilder dabei herausgekommen. Aber auch einige wenige, wie ich sie mir gewünscht habe, wie zum Beispiel von einer Hummel in einem lilafarbenen Krokus, von der man nicht nur den Pollen in ihrem „Pelz“ sondern auch die Flügelzeichnung detailliert erkennen konnte.

Wenn ich so fotografierend fast schon durch den Wald krieche, bin ich einzig auf schöne oder ungewöhnliche Motive fokussiert. Irgendwann hat mein Herzbube mich dabei abgelichtet und sich dann gewundert, warum ich lauthals lachen musste, nachdem er mir das Foto geschickt hatte. Denn hier hatte der Tunnelblick gleich doppelt zugeschlagen und keiner von uns beiden hatte beim Fotografieren die unschönen Details bemerkt, die gleich neben der Blume irgendwann ihren Platz gefunden haben mussten.

Die Kinder hören Pink Floyd – Alexander Gorkow

Wie sagt man heute so bezeichnend: „Ich bin so ein Opfer!“. Und genau das trifft es auch. Ich lese den Namen einer meiner langjährigen Lieblingsbands in Regenbogenfarben auf einem schwarzen Buch und weiß nicht nur sofort, auf welches Plattencover das eine Anspielung sein könnte, sondern auch, dass ich dieses Buch lesen muss. Unbedingt! Denn ich fühle mich ein wenig ausgehungert nach der Musik der 1965 gegründeten Band Pink Floyd, die ich in den 1980er Jahren live in Dortmund und in Köln auf der Bühne erleben durfte. Die mich rund 20, vielleicht sogar 30 Jahre meines Lebens intensiv begleitet hat und doch irgendwann immer mehr in den Hintergrund gerückt ist. Von dem Buch weiß ich vorab nur, dass es einen in die 1970er Jahre mitnimmt und hoffe, dass in dem Roman ganz viel von meiner Lieblingsmusik enthalten ist. Glücklicherweise werden meine Erwartungen sogar noch übertroffen.

Denn der 1966 in Düsseldorf geborene Autor Alexander Gorkow ist nicht nur etwa mein Jahrgang, sondern nimmt mich in seinem autobiografischen Roman mit in ein Leben in den 1970er Jahren, wie ich es zu Teilen ähnlich selbst erinnere. Eine Kindheit mit Altnazis, der ZDF-Hitparade, mit Heino als Feindbild, dem Balkan-Grill, dem Traum von der Einbauküche, gänzlich fehlender Political Correctness und viel politischem Erwachsenengerede, mit dem ich als 10jährige ebenso wenig anfangen konnte, wie der gleichaltrige Ich-Erzähler dieses Buches. Im Gegensatz zu mir stottert dieser zwar und eifert seiner herzkranken älteren Schwester, zu der er ein besonderes Verhältnis hat, nach, aber mich verbindet mit beiden die gemeinsame Liebe zu der Musik von Pink Floyd. Und von der steckt ganz viel in diesem Buch.

Der Zehnjährige beschreibt den Klang der Lieder, sodass sie mir beim Lesen gleich im Ohr klingen. Er zitiert Textstellen daraus oder bezieht sich auf diese und schildert anschaulich das Aussehen der Plattencover. Die Liebe seiner jugendlichen Schwester zu dieser Band ist auch seine geworden. Er erklärt sich die Welt mit ihren nicht immer ernst gemeinten und teilweise auch entnervten aufmüpfigen Äußerungen, mit Pink Floyds Liedtexten und seiner überbordenden Fantasie. Denn so psychedelisch die Musik dieser Band ist, so sind es teilweise auch die kindlichen Gedanken des Jungen. In seiner Welt und seiner Logik als Zehnjähriger sind sie erklärbar und nachvollziehbar. Das Buch wirft einen liebevollen Blick auf die unterschiedlichen Charaktere mit all ihren Ecken und Kanten und schafft es mich zu berühren. Ich fühle mich beim Lesen ein wenig an meine Zeit in dem Alter erinnert und mir fallen eigene abstruse Kindheitsideen und Erklärungsversuche unvorstellbar erscheinender Vorgänge ein. Gelegentlich bringt es mich sogar zum Lachen. Aber es ist kein spöttisches Lachen, sondern ein warmes Lachen, das aus lebendiger Erinnerung gespeist wird und dem Verständnis, dass man selbst manches in dem Alter einfach nicht besser wusste.

Irgendwann springt in dem Buch der Zeitraffer an und man rast regelrecht bis in die jetzige Zeit. Es werden noch einige Meilensteine im Älterwerden des Protagonisten erwähnt und natürlich auch einige aus der Historie von Pink Floyd. Das wirkt insgesamt jedoch etwas gehetzt, was ich beim Lesen bedauernswert finde. Und doch ist auch dies eine nachvollziehbare Vorgehensweise, weil irgendwann die Kindheit vorbei und die Band selbst einfach Geschichte ist. Aber es ist eben auch kein Buch in dem minutiös alle Einzelheiten zu Pink Floyd aufgeführt werden. Es ist die Geschichte eines Jungen, den Pink Floyd über lange Strecken durch sein Leben begleitet hat – und es auch bei ihm als Erwachsenen immer mal wieder tun wird, weil mit dieser Band für immer unvergessliche Erinnerungen für ihn verbunden sein werden.

Und für mich wird es jetzt Zeit bei Spotify endlich eine Pink-Floyd-Playlist anzulegen. Denn nachdem ich mich in den 2000er Jahren von meiner Plattensammlung getrennt habe, scheine ich mir auch nicht mehr alle Alben als CDs zugelegt zu haben. Die Zeiten ändern sich, aber eins bleibt: Ich habe den Anfang von „Have A Cigar“ im Ohr und starte dem völlig zuwider handelnd mit dem 1977 erschienen Album „Animals“, gespannt darauf, ob mich die Remastered Version von 2011 noch packen kann. Spätestens als die Hunde bellen und danach die Gitarre einsetzt, bekomme ich eine erste Gänsehaut. Alles gut.

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Alexander Gorkow
Die Kinder hören Pink Floyd
Gebundene Ausgabe, 192 Seiten
ISBN: 978-3-462-05298-5
Preis: 20,00 € [D]
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 11.02.2021

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Quecksilber – Amélie Nothomb

Irgendwann hatte ich mir mal einen Schwung gebrauchter Taschenbücher von Amélie Nothomb zugelegt, weil mich ihre französisch beschwingte und oft ebenso skurrile wie ernsthafte Schreibweise schon mehrfach begeistern konnte. Darauf hoffte ich natürlich auch, als ich kürzlich eher wahllos ihren knapp 176 Seiten starken Roman „Quecksilber“ aus diesem Bücherstapel herauszog. Und konnte mich darüber freuen, dass ich mit diesem Buch ein weiteres Highlight der Autorin für mich entdecken durfte.

Amélie Nothomb nimmt die Leser mit in das Jahr 1923 auf die fiktive Insel Mortes-Frontières. Dort lebt der 76jährige Kapitän Loncours mit seiner 22jährigen Ziehtochter Hazel, seitdem diese vor fünf Jahren bei einem Bombenangriff nicht nur ihre Familie verlor, sondern seitdem auch mit ihrem entstellten Gesicht zurecht kommen muss. Die Fenster des Hauses sind so hoch angebracht, dass sie dort nicht hinaussehen, sich jedoch vor allem nicht in den Fensterscheiben selbst sehen kann. Im ganzen Haus gibt es weder Spiegel noch irgendwelche reflektierenden Flächen. Als Hazel schließlich erkrankt, holt der Kapitän die Krankenschwester Francoise auf die Insel, die hinter ein fürchterliches Geheimnis kommt.

Im Klappentext wird dieses Buch als phantastischer philosophischer Thriller über Freundschaft, Liebe und deren Grenzen bezeichnet. Und tatsächlich folgt man hier einer spannenden Geschichte mit unterschiedlichen Wendungen, die auch einen Blick auf die Stellung der Frau zu dieser Zeit blicken lässt und die Figuren neben anderem über Schönheit und den Wert von Schönheit philosophieren lässt. Schnell erfährt man mehr über die Komplexität der Charaktere, denen man in gekonnten Dialogen folgt, in denen sie in Wortgefechten ihre Beweggründe und ihr Innerstes offenbaren. Der Schlagabtausch treibt einen durchs Buch und verursacht gelegentlich auch Empörung beim Lesen. Es folgt ein Ende, das zu einem leicht skurrilen Abschluss der Geschichte führt und mich als nicht nur zufriedene, sondern auch begeisterte Leserin eines weiteren Romans von Amélie Nothomb zurückgelassen hätte.

Dann jedoch folgt eine Anmerkung der Autorin, in der sie offenbart, dass sie nach dem ersten Schluss die Notwendigkeit verspürte, noch einen anderen aufzuschreiben und sich letzten Endes nicht für einen entscheiden konnte. Also präsentiert sie ihren Lesern danach einfach zusätzlich einen anderen Ausgang der Geschichte. Und so offenbart sich dieses kurze schnelle Buch als eine Art Wundertüte, die auf relativ wenigen Seiten doch so viel Überraschendes zu bieten hat.

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Amélie Nothomb
Quecksilber
Aus dem Französischen von Wolfgang Krege
Original: Mercure | Éditions Albin Michel S.A., Paris
Taschenbuch, 176 Seiten
ISBN: 978-3257233827
Preis: 12,00 € [D]
Verlag: Diogenes
Erschienen: 27.02.2004

Foto der Woche – 08/2021

Erst am Dienstag habe ich noch für das Fotoprojekt 52 Frames meinen Herzbuben im Schnee in Szene gesetzt und war dann in den nächsten Tagen immer mal wieder so gut es ging damit beschäftigt den Balkon auf Vordermann zu bringen. Denn die Meteorologen hatten für das Wochenende feinstes Draußen-Lese-Wetter angekündigt. Mein Balkon ist hingegen wenig einladend. Die Wildvögel haben besonders während des Schnees dankbar und noch zahlreicher als sonst mein Futterangebot angenommen. Aber mein Balkon sah danach aus…

Inzwischen sind die Hinterlassenschaften und Futterreste alle wieder beseitigt und der Balkon hat erste Schrubb-Aktionen einigermaßen überlebt. Abgesehen davon, dass ich neben dem Dreck auch gleich die Bodenfarbe mit wegputzte, die ich erst im vergangenen Jahr aufgetragen hatte, nachdem die nach 3 Jahren schon maroden Holzfliesen weg mussten. Hier fehlt mir noch eine vernünftige Lösung, die gerne auch schöner aussehen darf, als die graue Betonfarbe, mit der mein Mietwohnungsbalkon standardmäßig daher kommt.

Aber am Samstagmittag war es dann endlich zum ersten Mal so weit. Feinste Mittagssonne mit Temperaturen um die 16 Grad erhellte meinen ledierten Balkon und ich konnte nicht umhin mir mein aktuelles Buch zu nehmen, um dort meine erste Draußen-Lesestunde in diesem Jahr zu verbringen. Zwar mit Strickjacke und Heißgetränk bewaffnet, aber es war trotzdem großartig.

Tiger – Polly Clark

Polly Clark begann sich während ihrer Arbeit als Wärterin im Edinburgher Zoo für den vom Aussterben bedrohten Sibirischen Tiger zu interessieren. Für die Recherchen zu ihrem Roman „Tiger“ reiste sie in die russische Taiga, wo sie im tiefsten Winter bei Temperaturen von -35° C lernte, wie man die Spur eines Tigers verfolgt. Das machte mich neugierig und ich war gespannt darauf, mehr über diese Spezies zu erfahren.

Der Roman „Tiger“ von Polly Clark besteht aus drei großen Handlungssträngen, in die man als Leser unvermittelt hineingeworfen wird und über lange Lesestrecken hinweg keinen anderen Zusammenhang erkennen kann, als das in ihnen als verbindendes Element Tiger vorkommen.

Der erste Teil handelt von der dreiunddreißigjährigen englischen Primatenforscherin Frieda, die durch ihre Drogenabhängigkeit ihren Arbeitsplatz verliert. Als sie nach einiger Zeit in einem kleinen Zoo in Devon unterkommt, ist sie plötzlich für die Tiger verantwortlich. Für sie waren Tiger bislang nichts als wilde Tiere, roh und aggressiv. Doch nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich sie zu lieben. Außerdem trifft sie dort auf Gabriel, einen widerlichen Unsympathen, der aus mir unerfindlichen Gründen Gefühle in ihr hervorruft. Und genau das wäre eigentlich für mich der Zeitpunkt gewesen die Augen entnervt zu verdrehen und das Buch abzubrechen, weil mich diese Geschichten vom unnahbaren Badboy einfach schon seit langem nicht mehr reizen. Aber Polly Clark ist es durch den Prolog und im Laufe dieses ersten Teils bereits gelungen mich durch ihre bildhaften Naturbeschreibungen und das gekonnte Erzeugen von Stimmungen und Spannungen im Zusammenhang mit den Tigern so für dieses Buch einzunehmen, dass ich es unmöglich aus der Hand legen konnte. Und das war gut so.

Denn mit diesen Raubkatzen habe ich mich bisher nicht genauer beschäftigt und so gibt es neben der fesselnden Atmosphäre für mich viel Interessantes über diese Tiere, aber auch über die russische Taiga zu erfahren. Tatsächlich bin ich allerdings auch froh, als der erste Teil des Buches abrupt endet und mich von der unsympathischen Frieda, deren Geschichte mich nicht packen kann und deren Handeln ich als verantwortungslos und übel konstruiert empfinde, befreit. Der zweite Teil spielt nicht mehr in Großbritannien, sondern in der russischen Taiga und nimmt mit zu Tomas in ein Tigerschutz-Reservat und im dritten Teil lernen wir dort Edit kennen, die dem indigenen Volk der Udehe entstammt und sich mit ihrer Tochter Sina für ein abgeschiedenes sehr naturnahes Leben im Wald entscheidet. Zum Ende setzt sich schließlich alles zu einem großen Ganzen zusammen – man erfährt die Zusammenhänge und was die einzelnen Protagonisten miteinander verbindet.

Die Art, wie diese Geschichte erzählt ist, wirkt dabei insgesamt etwas holprig und nimmt in fast schon zu viele menschliche Abgründe mit, die ich in diesem Buch nicht unbedingt gebraucht hätte. Denn wenn Polly Clark die Natur beschreibt und die Leser mit auf die Pirsch nimmt um an der atemberaubenden Schönheit und Gefährlichkeit der ausgewachsenen Tiger teilhaben zu lassen, ist das so beeindruckend und atmosphärisch, als wäre man in unmittelbarer Nähe dieser majestätischen Tiere. Dabei lässt sie die Leser sogar an einigen Stellen wohldosiert und überaus gelungen die Welt aus den Augen des Tigers erleben. Das geschieht sehr eindrucksvoll und ohne dabei in kitschige Vermenschlichung zu verfallen. Auch gelingt es ihr, dass man die eindringlich geschilderte sibirische Kälte ebenso wie den Kampf ums Überleben in der unwirtlichen Umgebung fast schon am eigenen Leibe spüren kann.

„Tiger“ von Polly Clark ist ein intensives und packendes Leseerlebnis, wenn man die Geschichte rund um Frieda, die im vierten Teil des Buches nochmal aufgegriffen wird, ausblenden kann.

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Polly Clark
Tiger
Aus dem Englischen von Ursula C. Sturm
Original: Tiger | Riverrun/Quercus, London
Gebunden, 432 Seiten
ISBN: 978-3961610990
Preis: 22,00 € [D]
Verlag: Eisele
Erschienen: 02.11.2020

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

abc.etüden: Denkefieber

Sie kannte es schon. Immer fing es mit Appetitlosigkeit an, was unter normalen Umständen völlig untypisch für sie war, denn essen konnte sie eigentlich immer. Umso mehr freute sie sich, wenn das ausnahmsweise nicht so war. Dann verdrängte sie auch das Durstgefühl, das sich nicht einmal durch vermehrtes Trinken besänftigen ließ. Irgendwann fühlte sie sich überhitzt und ihre Haut war trocken und empfindlich. Sie brauchte längst kein Thermometer mehr um zu wissen, wenn das Fieber sie wieder einmal erwischt hatte.

Dann hieß es schnell zu reagieren. Sie musste sich aus dem Trubel des Alltagswahnsinns herausnehmen, sich Ruhe gönnen, den Geist durch Entspannungsrituale besänftigen und mit etwas Glück vielleicht sogar in die erholsame Dunkelheit eines tiefen Schlafes hinabsinken. Doch das musste unbedingt geschehen, bevor sich ihr Denken wie ein wilder Affe aufführte, der die kuriosesten Zusammenhänge herstellte und ihre Welt neu durchmischte. Ihre Empfindungen ließen sich dann nicht mehr blockieren oder gar besänftigen. Und der Schüttelfrost, der sie schließlich ergriff, wirbelte nicht nur ihre Gedankenwelt durcheinander, sondern entband sie auch von jeglicher Sinnhaftigkeit der ihr zur Verfügung stehenden Worte mitsamt der Strukturen, mit denen sie diese üblicherweise miteinander in Verbindung setzte.

In diesem Zustand der Verwirrung beschleunigte sich ihre Atemfrequenz und begleitet von heftiger Übelkeit blieb ihr keine andere Möglichkeit sich Erleichterung zu verschaffen, als dass sie seitenlanges übelstes Kauderwelsch kanalisiert über ihre Schreibhand mittels eines Kugelschreibers in ihr Notizbuch erbrach. Wellenartig verschaffte ihr dies Erleichterung, bis der Schreibfluss nach einer Weile allmählich schwächer wurde, schließlich abklang und sie erschöpft zurück ließ. Übrig blieben von alledem nur etliche vollgeschriebene Seiten und eine sanfte Schweißperle, die ihr beinahe unscheinbar von der Stirn tropfte, ein weiteres Wort ihrem Gedächtnis entriss und es für alle Zeiten unwiederbringlich mit sich nahm.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Affe, neu, blockieren.

Frisch auf dem Buchmarkt: Februar 2021

Dieser Bücherbummel fühlt sich wieder besser an. Ich habe eine unbändige Lust die unterschiedlichsten Geschichten und Themen zu entdecken, zu denen in diesem Monat Bücher erschienen sind. Die Begeisterungsfähigkeit und die Neugier sind zurück, was wohl auch daran liegt, dass ich erst kürzlich ein großartiges Buch beendet habe und gerade noch eines lese, das mich auf seine ganz besondere Art zu packen weiß. Solche Perlen erhoffe ich natürlich auch bei den Neuerscheinungen des Februars zu entdecken.

Bei den gefundenen Büchern geht es um die Möglichkeit herauszufinden was passiert wäre, wenn man manche Entscheidungen anders getroffen hätte, das Couchsurfen in Saudi Arabien, einen Rückblick in die Achtziger Jahre, einen Rückblick in die Siebziger Jahre, die Überprüfung einer Wahrsagerei, die Geschichte eines Geschwisterpaares in Tadschikistan, die Verschiebung von Ansichten, wenn plötzlich das Wohl des eigenen Kindes auf dem Spiel steht, die Flucht einer Frau mit ihren Kindern, eine App, die körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und Handlungsempfehlungen gibt, den Abschied eines Mannes von seinem Vater, den Weg einer Frau von Ghana nach England um schließlich in Berlin zu landen und einen Science-Fiction-Thriller über die Zukunft der Ernährung.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

01.02.2021: Die Mitternachtsbibliothek [Werbung] von Matt Haig: Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.
Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?
Matt Haig ist ein zauberhafter Roman darüber gelungen, dass uns all die Entscheidungen, die wir bereuen, doch erst zu dem Menschen machen, der wir sind. Eine Hymne auf das Leben – auch auf das, das zwickt, das uns verzweifeln lässt und das doch das einzige ist, das zu uns gehört.

01.02.2021: Couchsurfing in Saudi-Arabien – Meine Reise durch ein Land zwischen Mittelalter und Zukunft [Werbung] von Stephan Orth: Als Saudi-Arabien erstmals Touristen einreisen lässt, packt Bestsellerautor Stephan Orth sofort den Rucksack. Von Couch zu Couch erkundet er das Königreich und erhält Einblicke in eine verschlossene Gesellschaft, wie sie bisher keinem westlichen Besucher möglich waren. Er wird Zeuge eines radikalen Wandels, sieht Frauen Auto fahren und tanzt mit Zehntausenden beim Wüsten-Rave. Doch jenseits der Glitzerwelt gelten drakonische Strafen, und an der Grenze zum Jemen sind die Bomben nicht zu überhören. Stephan Orth berichtet von seiner bisher aufregendsten Reise.

11.02.2021: Sweet Dreams: Rücksturz in die Achtziger [Werbung] von Frank Goosen: Als die Achtziger ausbrechen, ist Frank Goosen dreizehn, als sie enden, vierundzwanzig. Dazwischen: Schulterpolster, Synthiepop – und jede Menge Veränderung im Ruhrgebiet. Kultur statt Kohle lautet die Devise: Während Zechen und Hochöfen stillgelegt werden, erobert Schimanski die Fernsehbildschirme und Starlight Express die Rollschuhbahnen. Beste Voraussetzungen also, um erwachsen zu werden! In seinen neuen Stories und Glossen nimmt Frank Goosen uns mit in diese legendäre Zeit des kulturellen Wandels. Denn während man sich im Ruhrgebiet zu neuen musikalischen und modischen Höhen aufschwingt, fängt auch für ihn das Leben erst richtig an: Mit fulminantem Witz und viel Selbstironie berichtet er von merkwürdigen Ritualen beim Trio-Konzert und von der Jagd nach dem perfekten Mixtape für Claudia, Kerstin und Frauke. Er erklärt, wieso die Achtziger für ihn vor allem nach Videotheken rochen und wie Billy Crystal ihm einmal eine Beziehung ruinierte. Eine so persönliche wie vergnügliche Zeitreise – für die, die dabei waren, und für alle anderen.

11.02.2021: Die Kinder hören Pink Floyd [Werbung] von Alexander Gorkow: Die 70er-Jahre. Eine Vorstadt. Das Westdeutschland der letzten Baulücken, der verstockten Altnazis, der gepflegten Gärten. Die Kriegsgräuel sind beiseitegeschoben, zum Essen geht es in den Balkan Grill, die Einbauküche daheim überzeugt durch optimale Raumnutzung. Für den 10-jährigen Jungen aber ist es eine Welt der Magie, der geheimen Kräfte, des Kampfs des Bösen gegen das Gute. Der Leitstern des Jungen in diesem Kampf ist die große Schwester – das Kind Nr. 1 der Familie. Sie ist herzkrank und sehr lebenshungrig. Mit trockenem Humor und großer Aufsässigkeit stemmt sie sich gegen alle Bedrohungen, nicht zuletzt mithilfe der vergötterten Band Pink Floyd aus dem fernen London, den Kämpfern gegen das Establishment, deren Songs alles zum Glänzen bringen.

12.02.2021: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin [Werbung] von Delphine de Vigan: Mathilde lebt mit ihren drei Söhnen in einer kleinen Wohnung in Paris. Seit dem Tod ihres Mannes kümmert sie sich allein um sie und ist stolz auf das Resultat. Die Jungen sind selbstständig und kommen im Leben gut zurecht. Das kann Mathilde von sich nicht mehr behaupten. Bis vor einiger Zeit ist sie ihrem Beruf mit großer Begeisterung nachgegangen. Doch seit Monaten verschlechtert sich ihre Arbeitssituation zusehends. Liegt es wirklich daran, dass sie ihrem Chef in einer Besprechung offen widersprochen hat? Wird sie deshalb von allen wichtigen Sitzungen ausgeschlossen? Und landen deshalb nur noch belanglose Aufgaben auf ihrem Tisch? Verzweifelt und mit den Kräften am Ende sucht sie eine Wahrsagerin auf. Die prophezeit ihr eine besondere Begegnung für den 20. Mai. Mathilde beginnt zu hoffen. Doch worauf? Auf das befreiende Gespräch mit ihrem Chef? Auf die Rückkehr ihrer alten Stärke? Oder auf die Begegnung mit einem ganz besonderen Mann? Der Tag der Prophezeiung bricht an …

15.02.2021: Im Strom der Steine [Werbung] von Wladimir Medwedew: Eine der spannendsten Stimmen der russischen Gegenwartsliteratur. Wladimir Medwedew erzählt die packende Geschichte eines Geschwisterpaares im zentralasiatischen Tadschikistan Anfang der 1990er Jahre. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetmacht gerät das Land in den Strudel von Bürgerkrieg und regionalen Machtkämpfen. Der Vater von Sarina und Andrej, ein tadschikischer Arzt, wird ermordet. Auch seine russische Frau und seine Kinder werden bedroht und daraufhin von Onkel und Großvater in ihr Heimatdorf im Pamir geholt. Doch der Vater hatte dort noch eine zweite Frau, eine Tadschikin. Und die Auseinandersetzungen zwischen den Familien könnten nicht größer sein. Ein atemberaubender, vielschichtiger Gesellschafts- und Familienroman – mit dem sich Wladimir Medwedew an die Spitze der russischen Gegenwartsliteratur geschrieben hat.

16.02.2021: Siegerin [Werbung] von Sarid, Yishai, Ruth Achlama: Wie lernt man zu töten, ohne daran zu zerbrechen? Als Psychologin berät Abigail seit Jahren erfolgreich das israelische Militär, wie es Soldaten besser auf Einsätze vorbereitet. Doch dann wird ihr einziger Sohn Schauli einberufen, und sie muss sich entscheiden: Was wiegt schwerer, das Wohl ihres Landes oder das ihres Kindes?

18.02.2021: Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln [Werbung] von Véronique Ovaldé: An einem Junitag packt Gloria eilig die Koffer, dazu ein paar Plüschtiere und die Beretta ihrer großen Liebe, holt ihre Töchter, die fünfzehnjährige Stella und die sechsjährige Loulou, von der Schule ab und verlässt das sonnige Städtchen an der Côte d’Azur. Der überstürzte Aufbruch – getarnt als Reise zum Ferienhaus der Familie im Elsass, ein einsames Idyll inmitten von Wäldern und Seen – ist nichts anderes als eine lang vorbereitete Flucht. Gloria ist überzeugt: Um sich und ihre Töchter zu schützen, muss sie jede Verbindung zu ihrer Vergangenheit kappen. Wie weit wird sie gehen, um ihre Töchter vor der Bedrohung zu retten? Véronique Ovaldé verbindet eine thrillerhafte Handlung und knisternde Atmosphäre zu einem spannungsgeladenen Frauenporträt, das mit zahlreichen Volten und Wendungen überrascht. Die französische Erfolgsautorin erweist sich einmal mehr als brillante Stilistin und virtuose Fallenstellerin.

19.02.2021: Das Ting [Werbung] von Artur Dziuk (TB): Vier junge Visionäre gründen in Berlin ein Start-Up und entwickeln zusammen eine App: das sogenannte Ting, das körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und auf dieser Grundlage Handlungsempfehlungen gibt. Das Prinzip Ting überzeugt – die App schlägt ein wie eine Bombe. Getrieben vom Erfolg entwickelt Mitgründer Linus die Möglichkeiten immer weiter, sein eigenes Leben und das der User mithilfe des Ting zu optimieren. Doch um neue Investoren für die Firma zu gewinnen, sind er und sein Team bald gezwungen, sich auf ein gefährliches Spiel einzulassen: Sie verpflichten sich vertraglich, künftig unter allen Umständen jeder Empfehlung des Ting zu gehorchen – mit verheerenden Folgen.

20.02.2021: Die kanadische Nacht [Werbung] von Jörg Magenau: Ein tief berührendes Buch über Abschiede und den Trost des Neubeginns. In seinem ersten Roman blickt Jörg Magenau auf das Leben eines Mannes, der erzählend zu sich selbst reist. Aus einer inneren Enge in ein weites, wildes Land. In Kanada liegt der Vater im Sterben. Die Nachricht trifft seinen Sohn in einer Krise. Hinter ihm liegt ein gescheitertes Buchprojekt. Seit Jahrzehnten hat er den fernen Vater nicht gesehen, nun überquert er Atlantik und Rocky Mountains, um ihn hoffentlich noch lebend anzutreffen. Doch was ist überhaupt ein Leben? Was weiß man von einem fremd gebliebenen Vater, von der Liebe der anderen und der eigenen? Und wie schreibt man darüber? Die Fahrt durch die kanadische Nacht führt den Erzähler immer tiefer in die eigene Herkunft und hinaus ins Offene. Als er den Vater erreicht, geht etwas zu Ende, aber etwas Neues beginnt auch: die Suche nach dem, was trotz aller Vergänglichkeit bleibt.

24.02.2021: Adas Raum [Werbung] von Sharon Dodua Otoo: Sharon Dodua Otoos Mut und ihre Lust zu erzählen, ihre Neugier, die Gegenwart zu verstehen, machen atemlos. In ihrer Welt hängt alles am seidenen Faden, es droht zu fallen, und doch bleibt es auf wundersame Weise in der Schwebe. So wie Ada, um die sich Otoos erster Roman dreht. Ada ist nicht eine, sondern viele Frauen: In Schleifen bewegt sie sich von Ghana nach England, um schließlich in Berlin zu landen. Sie ist aber auch alle Frauen, denn die Schleifen transportieren sie von einem Jahrhundert zum nächsten. So erlebt sie das Elend, aber auch das Glück, Frau zu sein, sie ist Opfer, leistet Widerstand und kämpft für ihre Unabhängigkeit. Mit einer bildreichen Sprache und unendlicher Imagination, mit Empathie und Humor zeichnet Sharon Dodua Otoo in ihrem Roman »Adas Raum« ein überraschendes Bild davon, was es bedeutet, Frau zu sein.

24.02.2021: Exit this City [Werbung] von Lisa-Marie Reuter: Climate Fiction aus Deutschland: »Exit This City« ist ein Science-Fiction-Thriller über die Zukunft der Ernährung. Deutschland im Jahr 2158: Auf den Reisplantagen des verarmten Agrarlands braut sich eine Rebellion zusammen. Genmanipulierte Bienen sollen die Felderträge steigern, doch ihr Stich ist tödlich. Tausende Menschen wurden mit dem Gift infiziert, alle starben – bis auf die charismatische Veeru, die seitdem wie eine Göttin verehrt wird. Die Plantagenarbeiter folgen ihr auf einem Feldzug gegen die Landbesitzer. Ihr Ziel ist die Europazentrale des skrupellosen Konzerns FinalFood Inc. Doch Veerus wahre Absichten bleiben dunkel, und vieles deutet darauf hin, dass sie insgeheim ihre eigenen Pläne verfolgt. Am anderen Ende der Welt irrt Marti ohne Erinnerung durch Delhi. Er ist allein und er wird verfolgt. Als ein radioaktiv verseuchter Staubsturm Kurs auf die Millionenmetroploe hält, gibt es für die Bevölkerung nur noch eines: Raus aus der Stadt! Doch Marti kann erst fliehen, wenn er weiß, warum es die unbekannten Feinde auf ihn abgesehen haben. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn mitten hinein in die Machenschaften eines Konzerns, der in Deutschland ein skrupelloses Spiel um Macht und Einfluss spielt.

Foto der Woche – 07/2021

Es muss mindestens 10 Jahre her sein, seit wir hier zuletzt in dieser Menge Schnee hatten. Nachdem sich das eisigkalte Schneegestöber erstmal gelegt hatte, haben in der vergangenen Woche viele ihre Schlitten oder sogar ihre Ski aus dem Keller geholt. So mancher kleine Hügel wurde plötzlich zum Berg und reichte aus um dort herunterzurutschen.

Der niederrheinische Wintersport ist dabei um einige Disziplinen reicher geworden. Seltsame Kombinationen konnte man beobachten. Trecker, die Skifahrer durch den Schnee ziehen, habe ich im Lokalfernsehen bestaunt. Rollerfahrer, die ein Kind auf einem Schlitten zogen, sah ich einmal beim zufälligen Blick aus dem Fenster. Und bei einem ausgedehnten Spaziergang in einem weitläufigen Waldstück konnte ich zum ersten Mal jemanden beim Skijöring beobachten. Die Kombination von Pferd und Mensch gefiel mir am besten, weil sie sich wunderbar in die friedliche Schneelandschaft einpasste.

Der Junge, der den Wind einfing – William Kamkwamba

Mehr, als dass diese Geschichte von einen wissbegierigen Jungen handelt, der in Malawi aufwächst und mit 14 Jahren ein Windrad baut, war mir im Vorfeld über dieses Buch nicht bekannt. Aber ich hatte große Lust darauf, wieder einmal etwas für meine BUCHweltreise zu lesen und so ging es dieses Mal für mich nach Malawi, in ein Land, das zwischen Mosambik, Sambia und Tansania liegt und über das ich nicht das Geringste wusste. Belohnt wurde ich mit einer wahren Geschichte, die mich tief berührte und auf vielen Ebenen ansprach.

William Kamkwamba wurde 1987 in Malawi geboren und wächst in einem der ärmsten Staaten der Welt auf. Malawi kämpft gegen Dürre, Hunger und AIDS, nicht jeder hat Zugang zu frischem Wasser oder gar Elektrizität. In vielen Dörfern herrscht der Glaube an Magie vor, während Bildung Mangelware bleibt. Wie viele andere malawische Kinder muss William schon früh die Schule verlassen und auf der Farm seiner Familie mithelfen, weil seine Eltern die Schulgebühren nicht bezahlen können.

Fasziniert von Naturwissenschaft und Technik eignet sich der Junge dank einer kleinen Bücherei von nun an selber Wissen an und beschließt, eine eigene Windturbine zu bauen. Gegen Widerstände und Spott errichtet er 2001 im Alter von 14 Jahren aus Schrott, Eukalyptusholz und Fahrradteilen ein Windrad, das Strom und Wasser in sein Dorf bringt. Seine besondere Geschichte findet rasch internationale Anerkennung, die ihm neue Türen öffnet. Sponsoren ermöglichen dem Autodidakt wieder die Schule zu besuchen, er studiert Umwelttechnik am Darmouth College, USA, und ist Sprecher auf mehreren TED Conferences. Heute pendelt er zwischen Malawi und den USA und arbeitet hauptberuflich mit dem Moving Windmills Project zusammen um das Moving Windmills Innovation Center in Kasungu (Malawi) zum Leben zu erwecken.

William Kamkwamba verfasste den 2009 erschienenen Bestseller über sein Leben gemeinsam mit dem freien Journalisten und Autor Bryan Mealer. Erzählt wird darin natürlich, wie es zu dem Bau des Windrads mitsamt technischen Kniffen und späteren Weiterentwicklungen kam, die sich aus dem Ausprobieren und aus Fehlern lernen ergeben. Aber dieses Buch ist so viel mehr als allein die Erfolgsgeschichte des technisch begabten Jungen. Denn diese aus der Ich-Perspektive William Kamkwambas eindringlich erzählte Geschichte bringt einem die Probleme des Landes so nah, dass man schmerzlich die Auswirkungen von Korruption, Aberglaube, Traditionen, mangelnder Bildung und Hungersnot miterlebt und mitfiebert. Und doch ist es keine Verbitterung über die Zustände, die aus diesem Buch spricht. Vielmehr ist es ein hoffnungsvolles Buch, das zeigt, dass man auch unter sehr schwierigen Umständen etwas erreichen kann. Ein tief berührendes Plädoyer dafür, dass jeder von uns die Welt zum Positiven verändern kann. Und eine Geschichte, die mir so nah ging, dass sie mich zu Tränen rührte, weil ich mich darüber gefreut habe, dass William schließlich doch wieder zur Schule gehen konnte. Zwar weiß man dies bereits, wenn man den Klappentext des Buches liest, aber diese Geschichte geht wirklich zu Herzen.

Verfilmt wurde das Buch von Chiwetel Ejiofor und erschien 2019 auf Netflix. Der Film lief auf dem Sundance Film Festival und wurde 2020 in der Kategorie Bester internationaler Film für den Oscar eingereicht. Nachdem ich vollends begeistert das Buch beendet hatte, schaute ich mir am nächsten Tag den Film (bei Netflix) an. Leider hat er mir nicht so gut wie das Buch gefallen. Manches wurde anders als im Buch dargestellt und ich vermisste insgesamt den Tiefgang der Geschichte. Immerhin hat dieser Film dafür gesorgt, dass das Buch vor kurzem neu veröffentlicht und ich endlich darauf aufmerksam wurde. Dafür bin ich dankbar, denn „Der Junge, der den Wind einfing“ ist für mich ein echtes Lesehighlight und eine Geschichte, die ich nicht so schnell vergessen werde.

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William Kamkwamba & Bryan Mealer
Der Junge, der den Wind einfing – Eine afrikanische Heldengeschichte
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Kretschmer
Original: The Boy who Harnessed the Wind | Harper Collins
Paperback, Klappenbroschur, 384 Seiten
Mit zahlreichen Fotos und Abbildungen
ISBN: 978-3-424-35111-8
Preis: 12,00 € [D]
Verlag: Diederichs
Erschienen: 25.01.2021

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.