umgeSCHAUt im April 2021

📚 Ich habe immer noch nichts von T.C. Boyle gelesen, dabei stolpere ich immer wieder über seine Bücher mit spannenden Thematiken. „Sprich mit mir“ mit seiner Vermenschlichung des Schimpansen und der Verschimpansigung des Menschen reizt mich auch.

📚 An „Dave“ habe ich über mehrere Wochen gelesen, bevor ich es endlich abgebrochen habe. Die Sprache hat mich über alle Maßen gequält, obwohl mich die Thematik eigentlich interessierte.

📚 „Die Kinder hören Pink Floyd“ fand ich großartig, muss aber Herrn Tingler doch widersprechen. Auch ich kann mich daran erinnern, dass in den 1970er Jahren Schnellkochtöpfe in deutschen Küchen explodierten, insbesondere im Bekanntenkreis meiner Familie. Das war sicherlich nicht nur metaphorisch gemeint.

📚 „Adas Raum“ klingt nach einer bunten interessanten Themenmischung. Das Buch werde ich im Auge behalten.

📚 „Schicksalsschläge sind manchmal Jobs, die gemacht werden müssen.“ meint Kristina Vogel. Ich finde ihre Kraft inspirierend.

📚 Von Benedict Wells habe ich gerade erst vor kurzem „Vom Ende der Einsamkeit“ als Hörbuch genossen. Ich fand es großartig und bin beeindruckt von seinem Talent.

Und das sind die Links zu den Sendungen, die noch eine ganze Zeit lang in den Mediatheken verfügbar sind:

06.04.2021: Literaturclub: Nicola Steiner, Elke Heidenreich, Philipp Tingler und – als Gast – die Nationalrätin Jacqueline Badran diskutieren über «Sprich mit mir» von T. C. Boyle, «Dave» von Raphaela Edelbauer, «Die Kinder hören Pink Floyd» von Alexander Gorkow sowie «Vom Aufstehen» von Helga Schubert.

08.04.2021: lesenswert: Im Debütroman „Adas Raum“ von Sharon Dodua Otoo heißen alle Frauen Ada, leben aber zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten. – Der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch erforscht unser wohl vielseitigstes Körperteil: „Hände – Eine Kulturgeschichte“.

09.04.2021: Das Literarische Quartett: Lesen stärkt die Seele, wusste schon Voltaire. In der Frühjahrs-Ausgabe lädt Thea Dorn zum spannenden Talk mit Dörte Hansen, Marko Martin und Moritz von Uslar. Wie immer aktuelle Bücher im Gepäck.

15.04.2021: Fröhlich lesen: Was treibt Menschen an, immer wieder – auch trotz Rückschläge – weiterzumachen? Dieser Frage geht Susanne Fröhlich dieses Mal nach. Dazu hat sie Kristina Vogel und Kati Naumann als Gäste eingeladen.

22.04.2021: lesenswert: Der junge Bestsellerautor Benedict Wells stellt seinen neuen Roman vor: „Hard Land“ ist eine Zeitreise in die 80er Jahre und erzählt vom Erwachsenwerden. Das erfolgreiche SWR3 Moderatorenduo Sascha Zeus und Michael Wirbitzky ist zu Gast in „Unser Leben in vier Büchern“.

25.04.2021: Druckfrisch: Denis Scheck spricht mit Benedict Wells über seine Faszination für die Popkultur der 1980er Jahre. Und mit Helga Schubert über Schwierigkeiten mit dem vierten Gebot, das Dagewesensein im Osten und sorgfältige Selbstmörder.

Foto der Woche – 20/2021

Als inoffizielle selbsternannte Rosinenschnecken-Sommelière musste ich in dieser Woche feststellen, dass die Bäckerei H*******e neuerdings nicht nur am Geschmack spart, sondern der Rosinenschnecke offensichtlich auch weniger Umdrehungen als üblich gegönnt hat. Aber der Kaffee reißt’s raus…

Frisch auf dem Buchmarkt: Mai 2021

Auch in diesem Monat gibt es bei den Verlagen Neues zu entdecken. Unter anderem geht es um eine Gruppe Archäologen, die einen Sommer lang in einem Wald in Nothumberland wie in der Eisenzeit leben will; gesellschaftliche und persönliche Krisen, die durch das Ändern der Denkmuster gemeistert werden können; eine Feministin, Muslimin, Einwandererin und aussichtsreichste Kandidatin für die Regierungsspitze kurz vor der nächsten Bundestagswahl; die Geschichte der ungewöhnlichen Liebe und herausragenden intellektuellen Beziehung von Irvin D. und Marilyn Yalom; Erfahrungen von Angehörigen und Freunden psychisch Kranker; eine Familie, die sich ein Jahr „Wir-Zeit“ nimmt und die Welt bereist; wie wir uns im Wechselspiel mit unserer Umwelt wirklich verstehen können; die Bedeutung und Wichtigkeit des offenen Gesprächs, wenn es ums Älterwerden geht; eine Freundschaft zwischen Männern, die durch traumatische Erlebnisse in einem Eliteinternat unauflöslich aneinander gebunden sind; um Shenzener Techies, die inzwischen das Silicon Valley in den Schatten stellen; um Albert, der sich fragt ob er sein Leben beenden soll, bevor es die tödliche Krankheit tut und um einen Elitesoldaten, der nach seinem letzten Einsatz das Haus nicht mehr verlässt.

Aber schaut selbst – vielleicht ist ja auch für euch etwas Interessantes dabei:

03.05.2021: Geisterwand [Werbung] von Sarah Moss: Eine einzige Tochter. Ihr dominanter Vater. Ein Wald in Northumberland, in dem eine Gruppe Archäologen einen Sommer lang leben will wie in der Eisenzeit … Uralte Rituale, die seltsame Anziehungskraft ferner Zeiten und Lebensweisen verschränken sich in diesem brillanten Roman auf wahrhaft atemberaubende Weise mit sehr heutigem Missbrauch. Geisterwand komprimiert große und dringliche Themen – die Gefahren eines nostalgischen Nationalismus, Gewalt gegen Frauen und Kinder, was verloren, was gewonnen wird, wenn der Mensch nicht mehr als Knecht der Natur lebt – in einer rasiermesserscharf geschliffenen Spannungserzählung.

03.05.2021: Raus aus der ewigen Dauerkrise [Werbung] von Maren Urner: Psychologie als Gesellschaftspolitik: Wir müssen unser Denken und unsere Denkmuster ändern, um die Krisen unserer Zeit zu meistern, fordert Maren Urner, Professorin für Medien-Psychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln. Nach ihrem Bestseller „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ präsentiert die Kognitions- und Neurowissenschaftlerin Maren Urner in ihrem neuen Buch Methoden, die uns helfen, gesellschaftliche und persönliche Krisen zu meistern, indem wir unsere Denkmuster ändern und unser Denken neu ausrichten. Krisen haben Konjunktur – unser Alltag ist vielfach geprägt von persönlichen Herausforderungen (Privates und Berufliches unter einen Hut bringen, Gutes tun, immer up to date sein …) und gesellschaftlichen Problemen (Klima-Krise, Corona-Krise, Finanz-Krise, Wirtschafts-Krise, Rechtspopulismus). Wie treffen wir hier die richtigen Entscheidungen? Wir kriegen wir es hin, Gutes zu tun und uns dabei gut zu fühlen? Die gewohnten Rezepte und Denkmuster sind überholt und funktionieren in Zeiten wie diesen nicht mehr, sagt Maren Urner. Folgen wir unseren biologischen Mustern wie Sicherheitsstreben, Kosten-Nutzen-Analysen und Lager-Denken, ist der Misserfolg vorprogrammiert. Diesem „statischen“ Denken setzt Maren Urner ein Modell des „dynamischen“ Denkens entgegen, das sie aus neuen Erkenntnissen der neurowissenschaftlichen und psychologischen Forschung entwickelt. Es braucht Neugier, Mut und Verstehen, um unsere Denkmuster zu ändern und die Herausforderungen und Probleme kreativ und lösungsorientiert angehen zu können – das ist der einzige Weg aus der Dauer-Krise. Er führt zu einem nachhaltigen Leben, das von Kooperation, Sinnstiftung und positiven Beziehungen bestimmt ist, so Maren Urner.

06.05.2021: Die Kandidatin [Werbung] von Constantin Schreiber: Ein Land am Abgrund. Eine Gesellschaft zwischen Hoffnung und Hass. Und eine muslimische Frau auf dem Weg zur Macht. Deutschland in ungefähr dreißig Jahren, kurz vor der nächsten Bundestagswahl. Die aussichtsreichste Kandidatin für den Posten an der Regierungsspitze ist Sabah Hussein. Feministin, Muslimin, Einwandererin, Mitglied der Ökologischen Partei. Aber nicht alle wollen sie gewinnen sehen und arbeiten mit allen Mitteln daran, Sabah Husseins Wahl zu vereiteln, während die Gesellschaft immer weiter auseinander bricht. Der Bestsellerautor, Grimme-Preisträger und Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber legt nach seinen erfolgreichen Sachbüchern mit Die Kandidatin einen rasanten und dramatischen Roman vor, nach dessen Lektüre man anders in die Zukunft schaut.

10.05.2021: Unzertrennlich über den Tod und das Leben [Werbung] von Irvin D. Yalom und Marylin Yalom: Irvin D. Yalom, einer der angesehensten Psychotherapeuten Amerikas, wird am 13. Juni 2021 neunzig Jahre alt. Er gilt als Klassiker der existentiellen Psychotherapie, seine Lehrbücher und Romane erscheinen weltweit und erreichen Millionen. Seine Frau Marilyn Yalom, eine renommierte Kulturwissenschaftlerin und Autorin, starb im letzten Herbst nach 65jähriger Ehe. Als klar war, dass ihre Krankheit zum Tode führen würde, begannen beide ein Buch zu schreiben – das am Ende Irvin D. Yalom alleine fertigstellen musste. Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe und herausragenden intellektuellen Beziehung. Ein großes Alterswerk, das alle existentiellen Themen berührt, die uns angehen.

12.05.2021: Wahnsinnig nah [Werbung] vom Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V.: Wenn ein Partner, ein Kind oder ein Elternteil psychisch krank wird, helfen Angehörige und Freunde gerne. Aber wie? Und wie viel Hilfe tut gut – dem Betroffenen und einem selbst? Was ist mit den eigenen Ängsten, Sorgen und vielleicht auch Scham- und Schuldgefühlen? In diesem Buch bieten Erfahrungen anderer Angehöriger Entlastung. Experten erklären, was Diagnosen bedeuten – und was nicht –, welche Behandlungsangebote es gibt und wie man im Gespräch bleibt. Denn wer gut informiert ist, kann leichter Grenzen setzen, Vorurteilen gelassener begegnen und sich selbst notwendige Hilfe holen.

17.05.2021: Wir-Zeit: Eine Familie auf der Reise zu sich selbst [Werbung] von Susanne Dyrchs: Als der Alltag droht, sie aufzufressen, macht sich eine Familie das größte Geschenk: ein Jahr Wir-Zeit. Familie Dyrchs ist eine ganz normale Familie in der Großstadt: Susanne und Chris sowie zwei sensationelle Kinder, die sie nur leider viel zu selten sehen. Sie wollen alles richtig machen und alles schaffen und doch kommen sie, wie so viele Familien, ins Straucheln: Dieses ständige Nicht-Genügen – als Eltern, als Partner, als Berufstätige … Sie fragen sich immer mehr: Wie können wir Familie heutzutage glücklich und zufriedenstellend (er)leben? Die beiden beschließen, den Alltag hinter sich zu lassen und eine „Wir-Zeit“ zu nehmen: Sie wagen das ganz große Abenteuer und bereisen ein Jahr lang mit ihren Kindern die Welt. Sie lernen sich als Familie ganz neu kennen, finden heraus, welches Leben sie führen wollen – und machen nach der Rückkehr vieles anders als zuvor. Dieses Buch ist viel mehr als die Geschichte einer Reise. Es ist die Geschichte eines Zusammenwachsens als Familie – offen erzählt, voller Mut, Abenteuerlust und Liebe.

17.05.2021: Abendflüge [Werbung] von Helen Macdonald: Das lang erwartete Buch der Bestsellerautorin von „H wie Habicht” über den Menschen, die Natur und unseren Platz in der Welt. Helen Macdonald sieht in der Natur, was anderen verborgen bleibt. In ihrem lange erwarteten neuen Buch nimmt sie uns mit zu den Abendflügen der Mauersegler, erzählt von wilden Tieren, Mythen und Märchen, und führt in versteckte Lebensräume, die heute im Verschwinden begriffen sind. Über die Entfremdung von der Natur wird überall gesprochen. Doch was bedeutet das wirklich? Helen Macdonald zeigt, dass wir uns selbst nur im Wechselspiel mit unserer Umwelt wirklich verstehen können – und was wir verlieren, wenn wir unseren Platz auf dem Planeten nicht radikal überdenken. Ein persönliches und zugleich bewegend politisches Buch, das uns ermutigt, die Natur und das Leben mit neuen Augen zu sehen.

17.05.2021: Das Buch über das Älterwerden: (für Leute, die nicht darüber sprechen wollen) [Werbung] von Lucy Pollock: Wir werden immer älter. Doch wie können wir unsere gewonnene Lebenszeit oder die unserer Angehörigen so glücklich und gut wie möglich gestalten? Mit Humor, Güte und Menschlichkeit, aber auch mit unbeirrbarer Aufrichtigkeit teilt die renommierte Geriatrikerin Dr. Lucy Pollock in diesem Buch ihre medizinischen wie menschlichen Erfahrungen. Zudem hat sie eine Hoffnung machende Botschaft, denn sie sagt: Es gibt für alles eine Lösung, man muss nur darüber reden. Die Bedeutung des offenen Gesprächs untermauert sie mit berührenden Fallbeispielen und macht so den Lesern Mut, auch heikle Themen anzusprechen.
›Das Buch über das Älterwerden‹ ist ein praktisches Buch voller Wärme, Witz und Geschichten aus dem wirklichen Leben, geschrieben von einer Ärztin, die sich während ihrer gesamten Laufbahn um Menschen kümmerte, die medizinisch herausfordernde Probleme haben und die Antworten auf Fragen brauchen, wie sie sich uns allen mit zunehmendem Alter stellen. – Wie spreche ich schwierige Themen an? – Wie bringe ich Ärzte dazu, zuzuhören? – Ist es okay, wenn meine Mutter sieben verschiedene Medikamente einnimmt? – Sollte mein Vater noch Auto fahren, und wenn nicht, wer kann ihn aufhalten? – Woran erkenne ich ein gutes Pflegeheim?

17.05.2021: English Monsters [Werbung] von James Scudamore: „Mit wunderschönem erzählerischen Bogen – James Scudamores Roman ist düster und zärtlich zugleich.“ (The Guardian). Das Porträt einer Freundschaft zwischen Männern, die durch traumatische Erlebnisse in einem Eliteinternat unauflöslich aneinander gebunden sind. Als der zehnjährige Max auf ein Internat kommt, endet abrupt seine idyllische Kindheit. Die magische Freiheit auf dem Bauernhof seines Großvaters und das unstete Leben mit seinen überwiegend abwesenden Eltern weichen einer reglementierten Welt voller willkürlicher Strafen. Gleichzeitig erfährt Max auch Geborgenheit in der Gemeinschaft seiner Klassenkameraden. Jahre später wird ein dunkles Geheimnis ihrer Schultage aufgedeckt und führt die inzwischen erwachsenen Männer wieder zusammen. Wer wusste was, und wann? Und wer wird Gerechtigkeit walten lassen, unabhängig davon, welche Konsequenzen es für alle hat?

17.05.2021: Shenzhen – Zukunft Made in China: Zwischen Kreativität und Kontrolle – die junge Megacity, die unsere Welt verändert [Werbung] von Frank Sieren: Wer wissen möchte, wie wir und vor allem unsere Kinder bald schon leben, welche Technologien sie und die Welt prägen werden, muss durch Shenzhen streifen. Die 20-Millionen-Metropole in Südchina gehört zu den innovativsten Städten der Welt. Eine Megacity, die quasi aus dem Nichts entstand, wo Nachhaltigkeit und moderne Lebensqualität selbstverständlich sind, aber eben auch Gesichtserkennung und der gläserne Mensch. Die Cloud in Shenzhen weiß alles. Die Shenzhener Techies stellen inzwischen das Silicon Valley in den Schatten, ihre Start-ups zählen zu den wertvollsten der Welt. Shenzhen zieht immer mehr junge Talente aus aller Welt an, die nachts in eine ausgelassene Subkultur eintauchen können. Eine Stadt mit Modellcharakter und doch voller Ambivalenzen. Frank Sieren zeigt, wie man dort lebt, wohnt und arbeitet und was wir von dort zu erwarten haben.

21.05.2021: Genau richtig: Die kurze Geschichte einer langen Nacht [Werbung] von Jostein Gaarder (Jetzt als Taschenbuch): Was ist das Wichtigste im Leben? Und was genau richtig? Albert hat eine schlimme Diagnose von seiner Ärztin und ehemaligen Geliebten erhalten. Während seine Frau Eirin auf einem Kongress ist, fährt er allein in die einsame Ferienhütte an einem Waldsee: Soll er sein Leben selbst beenden, bevor es die tödliche Krankheit tut? Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, schreibt er in das Hüttenbuch. Er erzählt, wie er Eirin kennenlernte und wie sie als junge Verliebte in das Märchenhaus einbrachen, das sie später gekauft haben. Wie seine Ehe zu kriseln begann, welche Rolle Sohn und Enkelin für ihn spielen und von seiner Begeisterung für die Astrophysik. Es wird eine lange Nacht, bis irgendwann ein Boot ruderlos auf dem See treibt und ein Fremder erscheint.

31.05.2021: Schicksal [Werbung] von Zeruya Shalev: Atara ist zum zweiten Mal verheiratet, mit ihrer großen Liebe, doch neuerdings scheint Alex sich immer weiter von ihr zu entfernen. Noch größere Sorgen macht ihr der gemeinsame Sohn, ein Elitesoldat, der nach dem letzten Einsatz kaum mehr das Haus verlässt. Vielleicht um ihre Familie besser zu verstehen, vielleicht um ihr zu entkommen, sucht Atara Rachel auf, die erste Frau ihres Vaters, das große Tabu in Ataras Kindheit … Die Idealistin Rachel scheint die Vergangenheit zu verkörpern – sie kämpfte mit dem Vater in der Untergrundmiliz gegen die Engländer und für einen israelischen Staat. Doch die Begegnung der beiden Frauen mündet in eine Katastrophe in der Gegenwart … Meisterlich erzählt Zeruya Shalev eine große Geschichte von Liebe und Verantwortung.

Das Auge des Leoparden – Henning Mankell

Und wieder konnte ich einen echten Schatz inmitten meines Stapels ungelesener Bücher entdecken. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie dieses Buch vor vielen Jahren zu mir gelangte. Die Stadtbibliothek veranstaltete damals einen ihrer regelmäßigen sogenannten „Bücherbummel“, wo man ausrangierte und gespendete Bücher für ganz kleines Geld erwerben konnte. Dort war ich gemeinsam mit meiner Mutter unterwegs, die dieses Buch aus dem riesigen Bücherangebot fischte und mir wärmstens ans Herz legte. Tatsächlich nahm ich es mit leichtem Widerwillen mit, denn Henning Mankell war meines Wissens nach ein Krimi-Autor und Krimis lese ich einfach nicht so gerne. Aber mit dem Hinweis, dass „Das Auge des Leoparden“ eines seiner hervorragenden Afrika-Bücher und keineswegs ein Krimi sei, hatte sie mich doch noch überzeugen können. Allerdings war es das dann auch erstmal, denn das Buch wurde bestimmt 10 Jahre gut in meinem Bücherregal abgelagert, bevor ich es wieder zur Hand nahm – als einen Kandidaten für meine BUCHweltreise, der mich nach Sambia führen sollte.

Doch zunächst nimmt dieser Roman mit nach Schweden zu Hans Olofson, der 1969 eigentlich nur eine kurze Reise nach Afrika machen wollte, dann aber neunzehn Jahre dort blieb. Statt in Uppsala sein Jurastudium zu beenden, übernimmt er in Lusaka die Hühnerfarm einer weißen Engländerin, deren Mann im Busch verschollen ist. Dabei verfolgt er ehrgeizige Reformpläne: Er will neue Häuser für die Schwarzen bauen, ihnen höhere Löhne bezahlen und ihren Kindern eine Schule einrichten. Doch bald mehren sich die Zeichen, dass sich die Zustände wohl nicht so rasch in seinem Sinne ändern lassen. Seine weißen Nachbarn werden massakriert, sein Schäferhund brutal getötet. Und der Mann, den er für seinen einzigen schwarzen Freund hält, rät ihm, für immer wegzugehen.

Schon als Kind träumte Henning Mankell davon, den Afrikanischen Kontinent zu bereisen, 1972 erfüllte er sich erstmals diesen Wunsch und fand in Afrika seine wahre Heimat. Ab­wech­selnd lebte er in seinem Heimatland Schweden und seiner Wahlheimat Afrika. Erstmals erschien dieser Roman 1990 in Schweden und es ist 1988 als der Protagonist dabei ist, Sambia wieder zu verlassen. Viel Zeit ist seit dem vergangen und doch hatte ich beim Lesen nicht den Eindruck, ein in die Jahre gekommenes Buch in Händen zu halten. Gelegentlich fragte ich mich beim Lesen überrascht und wohl auch ein wenig schockiert, ob manches nicht vielleicht zu rassistisch geschildert und vielleicht sogar diskriminierend sein könnte.

Doch tatsächlich bin ich es einfach nicht gewöhnt, manches in dieser Deutlichkeit ausformuliert zu lesen. Mit fortschreitendem Lesen habe ich jedoch immer mehr die feine Beobachtungsgabe des Autors schätzen gelernt, dem es gelingt das Dilemma der Kolonialisierung und der späteren Ent-Kolonialisierung – Sambia wurde 1964 vom Vereinigten Königreich unabhängig – zu schildern. Die Denkweise der Schwarzen und der Weißen wird nicht als gut oder schlecht, besser oder schlechter beurteilt. Doch die Andersartigkeit und in manchen Punkten auch die Unvereinbarkeit in diesem Land wird deutlich, unabhängig davon, ob Gutes oder Schlechtes im Schilde geführt wird und welche Beweggründe hinter dem Handeln auch stecken mögen.

„Aber der schwarze Kontinent als Ganzes wird immer ungreifbarer, je mehr er zu verstehen glaubt. Er spürt, dass Afrika im Grunde kein Ganzes ist, jedenfalls nichts, was er mit seinen angestammten Vorstellungen begreifen oder sich zu eigen machen könnte. Hier gibt es keine einfachen Losungsworte. Hier sprechen hölzerne Götter und Ahnen ebenso deutlich wie die Lebenden. Die Wahrheit der Europäer verliert in der Savanne ihre Gültigkeit.“

(S. 185)

Insgesamt ein großartiger Roman, der viel Stoff zum Nachdenken bietet und auch den ein oder anderen Denkanstoß für unsere heutige Zeit mitbringt. Mit der auktorialen Erzählweise konnte ich mich anfangs nicht so recht anfreunden und auch der Protagonist ist niemand, der einem auf Anhieb sympathisch ist. Dennoch schafft es Mankell, dass man mit der verkorksten Figur mit fiebert und dessen Angst und Einsamkeit, aber auch Ziel- und Haltlosigkeit beim Lesen eindringlich spüren kann. „Das Auge des Leoparden“ ist mein erstes, wird aber sicherlich nicht das letzte Afrika-Buch bleiben, das ich von diesem Autor gelesen habe.

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Henning Mankell
Das Auge des Leoparden
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
Original: Leopardens Öga, Ordfront Förlag in Stockholm
Gebunden mit Schutzumschlag, 384 Seiten
ISBN: 978-3552052963
Preis: 21,50 € [D]
Verlag: Paul Zsolnay Verlag
Erschienen: 10.02.2004

abc.etüden: Sollbruchschnittstelle

Die Wunde war gut verheilt und die Funktionstests waren positiv verlaufen. Wenn man es nicht wusste, konnte man den an der rechten Schläfe gleich unter der Haut liegenden Kontakt nicht mal erkennen, geschweige denn hätte man vermutet, was sich dort verbarg. Und das war auch gut so. Sie hatte nicht die Nerven für Diskussionen, die sich damit befassten, ob mit Brainhacking die Grenze zum Ich überschritten wurde und man damit seine Individualität oder sogar die Freiheit aufgab.

Sie führte den flachen Stecker ganz nah an ihre rechte Schläfe, wo ein leichter Magnetismus dafür sorgte, dass er sein Ziel fand und die nötige Verbindung herstellte. Eine sehr sachte kurze Vibration wurde spürbar. Das Signal dafür, dass die Verbindung zu ihrem Smartphone hergestellt wurde, wo jetzt auch die App aufploppte, in der sie zwischen den unterschiedlichen Programmen wählen konnte.

Heute würde sie mit dem rechtsdrehenden Denk-Korsett starten, das maßgeschneiderte Impulse an ihre Gehirnzellen senden würde um dort Fehlstellungen zu finden, auf dem Monitor sichtbar zu machen und schließlich zu korrigieren. Das linksdrehende wäre dann beim nächsten Mal dran und schließlich wäre nur noch das beidseitig drehende für die dauerhafte Nutzung vorgesehen. Schädliche alte Denkmuster würden so nach und nach ausfindig gemacht und einfach durch hilfreiche neue ersetzt. Auch Erinnerungstrümmer der Vergangenheit konnten problemlos durch schöne Erinnerungen ersetzt werden. So versprach zumindest der Werbeflyer, der sich schon kurz nachdem sie den Start-Button betätigt hatte verflüssigte und zu dampfen begann, bevor er sich in Luft auflöste.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Korsett, rechtsdrehend, dampfen.

Müssen literarische Texte angepasst werden?

Wieviel Rücksicht muss Literatur auf die Bedürfnisse heutiger Leserinnen und Leser nehmen? Dürfen oder sollten die betreffenden Werke nachträglich umgeschrieben werden? Muss der klassische Kanon neubewertet werden? Über diese Fragen diskutieren Prof. Ernst Osterkamp, Dr. Christiane Raabe, Ijoma Mangold, Ulrike von Stenglin und Juergen Boos:

„Ich weiß nicht, ob vor lauter Freundlichkeit, wir nicht auch ein bisschen was an Schärfe, Witz und Geistesgegenwärtigkeit verlieren.“

Ijoma Mangold

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells

Vor einiger Zeit kam man an diesem Buch einfach nicht vorbei. Überall wurde es hoch gelobt und führte lange die Bestsellerlisten an. Und doch zog mich damals nichts zu der Geschichte hin, obwohl ich von Benedict Wells bereits „Spinner“ gelesen hatte und auch mochte. Als ich neulich bei Spotify auf der Suche nach einem neuen Hörbuch war, fiel mir erneut „Vom Ende der Einsamkeit“ ins Auge. Ich wollte eigentlich nur mal kurz reinhören, aber daraus wurde schnell mehr. Inzwischen kann ich den Hype nachvollziehen, denn es war auch für mich ein echtes Highlight.

Der Roman beginnt, als Jules mit Mitte vierzig nach einem schweren Motorradunfall im Krankenhaus aufwacht. Mühevoll und langsam erinnert er sich an seine Vergangenheit. Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg. Während Liz sich in Drogen- und Sexabenteuer stürzt und Marty sich in seiner Computerwelt verkriecht, zieht sich der einst so selbstbewusste Ich-Erzähler Jules immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet. „Vom Ende der Einsamkeit“ ist eine tragische Liebesgeschichte, aber auch eine berührende Familiengeschichte über den Umgang mit Verlust und Einsamkeit, über Protagonisten, die ihren Weg im Leben suchen.

“Das Gegengift zu Einsamkeit ist nicht das wahllose Zusammensein mit irgendwelchen Leuten. Das Gegengift zu Einsamkeit ist Geborgenheit.”

Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

Obwohl es in diesem Buch um Verlust, Tod und Krankheit geht, hatte ich doch den Eindruck, ein Wohlfühlbuch zu genießen, in das man sich entspannt hineinfallen lassen und stundenlang darin schmökern kann. Denn Benedict Wells gelingt es sofort, mich beim Hören in den Bann zu ziehen. Doch immer, wenn es gut läuft und man sich mit den Protagonisten in trügerischer Sicherheit wiegt, schlägt das Schicksal wieder zu. Dennoch bleibt die Geschichte überraschenderweise unterhaltsam und leicht zu lesen, weil es dem Autor auf einfühlsame Weise gelingt, seine Figuren trotz trauriger Thematik mit leisem Optimismus und menschlicher Wärme zu zeichnen.

Gelesen wird dieses Hörbuch von Robert Stadlober, dessen Stimme hervorragend zu dem Ich-Erzähler passt. Außerdem versteht er sich auf die Kunst, mit Betonung, der Klangfarbe seiner Stimme und gut verständlichem Dialekt wohl dosierte Akzente zu setzen, die dem Hörbuch Lebendigkeit verleihen. Wenn man nicht unbedingt Wert darauf legt das Buch selbst zu lesen und dabei bemerkenswerte Sätze markieren möchte, von denen es in „Am Ende der Einsamkeit“ einige zu entdecken gibt, dem kann ich das Hörbuch wärmstens empfehlen.

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Benedict Wells
Vom Ende der Einsamkeit
Ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Robert Stadlober
Spieldauer: 7 Std. und 32 Min.
Erscheinungsdatum: 12.10.2018
Verlag: Diogenes

erLESENer April 2021

Im Lesemonat April spielte ich durch, wie mein Leben anders verlaufen wäre, wenn ich andere Entscheidungen getroffen hätte; las und hörte mich mit Pink Floyd zu mehr, als nur die dunkle Seite des Mondes; durchlebte mit der dänischen Dichterin Tove Ditlevsen ihre Kindheit und Jugend bis hin zu ihrer vielschichtigen Abhängigkeit als Erwachsene; reiste mit Christopher Many acht Jahre mit dem Land Rover durch die Welt und war enttäuscht von meinem zunehmenden Desinteresse Dave gegenüber.

Bücherwelten – irgendwo zwischen Verzauberung und Entzauberung.

Die Mitternachtsbibliothek von Matt Haig: Eine tolle Romanidee, die jedoch oberflächlich und schlecht umgesetzt wurde. Immerhin gut als Hörbuch mit Annette Frier vertont.

Pink Floyd – Alle Songs – Die Geschichten hinter den Tracks von Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin: Ein echtes Highlight, nicht zuletzt weil ich mir zu dem Geschriebenen immer auch gleich die Songs meiner Lieblingsband angehört habe. Ein Genuss!

Die Kopenhagen-Trilogie von Tove Ditlevsen: Kindheit, Jugend und Abhängigkeit waren für mich unterschiedlich gut, aber nichtsdestotrotz echte Highlights. Von der Autorin möchte ich gern mehr lesen.

Hinter dem Horizont Links von Christopher Many: 8 Jahre mit dem Land Rover um die Welt erzählt mir zu viel Kritisches über Meinung und Ansichten des Weltreisenden und es kommt zu wenig vom Reiz und Besonderheiten der Reise heraus. Die Jahre spätere vierjährige Reise mit dem Motorrad „Hinter dem Horizont Rechts“ gefällt mir bei weitem besser.

Dave von Raphaela Edelbauer: Weder die Charaktere noch die kaum vorhandene Handlung konnten mich dazu bewegen mich bis zum Schluss durch die unverhältnismäßig gestelzte und überkomplizierte Sprache zu quälen. Das Buch war für mich ein Fehlgriff.