Frisch auf dem Buchmarkt: Februar 2021

Dieser Bücherbummel fühlt sich wieder besser an. Ich habe eine unbändige Lust die unterschiedlichsten Geschichten und Themen zu entdecken, zu denen in diesem Monat Bücher erschienen sind. Die Begeisterungsfähigkeit und die Neugier sind zurück, was wohl auch daran liegt, dass ich erst kürzlich ein großartiges Buch beendet habe und gerade noch eines lese, das mich auf seine ganz besondere Art zu packen weiß. Solche Perlen erhoffe ich natürlich auch bei den Neuerscheinungen des Februars zu entdecken.

Bei den gefundenen Büchern geht es um die Möglichkeit herauszufinden was passiert wäre, wenn man manche Entscheidungen anders getroffen hätte, das Couchsurfen in Saudi Arabien, einen Rückblick in die Achtziger Jahre, einen Rückblick in die Siebziger Jahre, die Überprüfung einer Wahrsagerei, die Geschichte eines Geschwisterpaares in Tadschikistan, die Verschiebung von Ansichten, wenn plötzlich das Wohl des eigenen Kindes auf dem Spiel steht, die Flucht einer Frau mit ihren Kindern, eine App, die körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und Handlungsempfehlungen gibt, den Abschied eines Mannes von seinem Vater, den Weg einer Frau von Ghana nach England um schließlich in Berlin zu landen und einen Science-Fiction-Thriller über die Zukunft der Ernährung.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

01.02.2021: Die Mitternachtsbibliothek [Werbung] von Matt Haig: Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können.
Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?
Matt Haig ist ein zauberhafter Roman darüber gelungen, dass uns all die Entscheidungen, die wir bereuen, doch erst zu dem Menschen machen, der wir sind. Eine Hymne auf das Leben – auch auf das, das zwickt, das uns verzweifeln lässt und das doch das einzige ist, das zu uns gehört.

01.02.2021: Couchsurfing in Saudi-Arabien – Meine Reise durch ein Land zwischen Mittelalter und Zukunft [Werbung] von Stephan Orth: Als Saudi-Arabien erstmals Touristen einreisen lässt, packt Bestsellerautor Stephan Orth sofort den Rucksack. Von Couch zu Couch erkundet er das Königreich und erhält Einblicke in eine verschlossene Gesellschaft, wie sie bisher keinem westlichen Besucher möglich waren. Er wird Zeuge eines radikalen Wandels, sieht Frauen Auto fahren und tanzt mit Zehntausenden beim Wüsten-Rave. Doch jenseits der Glitzerwelt gelten drakonische Strafen, und an der Grenze zum Jemen sind die Bomben nicht zu überhören. Stephan Orth berichtet von seiner bisher aufregendsten Reise.

11.02.2021: Sweet Dreams: Rücksturz in die Achtziger [Werbung] von Frank Goosen: Als die Achtziger ausbrechen, ist Frank Goosen dreizehn, als sie enden, vierundzwanzig. Dazwischen: Schulterpolster, Synthiepop – und jede Menge Veränderung im Ruhrgebiet. Kultur statt Kohle lautet die Devise: Während Zechen und Hochöfen stillgelegt werden, erobert Schimanski die Fernsehbildschirme und Starlight Express die Rollschuhbahnen. Beste Voraussetzungen also, um erwachsen zu werden! In seinen neuen Stories und Glossen nimmt Frank Goosen uns mit in diese legendäre Zeit des kulturellen Wandels. Denn während man sich im Ruhrgebiet zu neuen musikalischen und modischen Höhen aufschwingt, fängt auch für ihn das Leben erst richtig an: Mit fulminantem Witz und viel Selbstironie berichtet er von merkwürdigen Ritualen beim Trio-Konzert und von der Jagd nach dem perfekten Mixtape für Claudia, Kerstin und Frauke. Er erklärt, wieso die Achtziger für ihn vor allem nach Videotheken rochen und wie Billy Crystal ihm einmal eine Beziehung ruinierte. Eine so persönliche wie vergnügliche Zeitreise – für die, die dabei waren, und für alle anderen.

11.02.2021: Die Kinder hören Pink Floyd [Werbung] von Alexander Gorkow: Die 70er-Jahre. Eine Vorstadt. Das Westdeutschland der letzten Baulücken, der verstockten Altnazis, der gepflegten Gärten. Die Kriegsgräuel sind beiseitegeschoben, zum Essen geht es in den Balkan Grill, die Einbauküche daheim überzeugt durch optimale Raumnutzung. Für den 10-jährigen Jungen aber ist es eine Welt der Magie, der geheimen Kräfte, des Kampfs des Bösen gegen das Gute. Der Leitstern des Jungen in diesem Kampf ist die große Schwester – das Kind Nr. 1 der Familie. Sie ist herzkrank und sehr lebenshungrig. Mit trockenem Humor und großer Aufsässigkeit stemmt sie sich gegen alle Bedrohungen, nicht zuletzt mithilfe der vergötterten Band Pink Floyd aus dem fernen London, den Kämpfern gegen das Establishment, deren Songs alles zum Glänzen bringen.

12.02.2021: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin [Werbung] von Delphine de Vigan: Mathilde lebt mit ihren drei Söhnen in einer kleinen Wohnung in Paris. Seit dem Tod ihres Mannes kümmert sie sich allein um sie und ist stolz auf das Resultat. Die Jungen sind selbstständig und kommen im Leben gut zurecht. Das kann Mathilde von sich nicht mehr behaupten. Bis vor einiger Zeit ist sie ihrem Beruf mit großer Begeisterung nachgegangen. Doch seit Monaten verschlechtert sich ihre Arbeitssituation zusehends. Liegt es wirklich daran, dass sie ihrem Chef in einer Besprechung offen widersprochen hat? Wird sie deshalb von allen wichtigen Sitzungen ausgeschlossen? Und landen deshalb nur noch belanglose Aufgaben auf ihrem Tisch? Verzweifelt und mit den Kräften am Ende sucht sie eine Wahrsagerin auf. Die prophezeit ihr eine besondere Begegnung für den 20. Mai. Mathilde beginnt zu hoffen. Doch worauf? Auf das befreiende Gespräch mit ihrem Chef? Auf die Rückkehr ihrer alten Stärke? Oder auf die Begegnung mit einem ganz besonderen Mann? Der Tag der Prophezeiung bricht an …

15.02.2021: Im Strom der Steine [Werbung] von Wladimir Medwedew: Eine der spannendsten Stimmen der russischen Gegenwartsliteratur. Wladimir Medwedew erzählt die packende Geschichte eines Geschwisterpaares im zentralasiatischen Tadschikistan Anfang der 1990er Jahre. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetmacht gerät das Land in den Strudel von Bürgerkrieg und regionalen Machtkämpfen. Der Vater von Sarina und Andrej, ein tadschikischer Arzt, wird ermordet. Auch seine russische Frau und seine Kinder werden bedroht und daraufhin von Onkel und Großvater in ihr Heimatdorf im Pamir geholt. Doch der Vater hatte dort noch eine zweite Frau, eine Tadschikin. Und die Auseinandersetzungen zwischen den Familien könnten nicht größer sein. Ein atemberaubender, vielschichtiger Gesellschafts- und Familienroman – mit dem sich Wladimir Medwedew an die Spitze der russischen Gegenwartsliteratur geschrieben hat.

16.02.2021: Siegerin [Werbung] von Sarid, Yishai, Ruth Achlama: Wie lernt man zu töten, ohne daran zu zerbrechen? Als Psychologin berät Abigail seit Jahren erfolgreich das israelische Militär, wie es Soldaten besser auf Einsätze vorbereitet. Doch dann wird ihr einziger Sohn Schauli einberufen, und sie muss sich entscheiden: Was wiegt schwerer, das Wohl ihres Landes oder das ihres Kindes?

18.02.2021: Niemand hat Angst vor Leuten, die lächeln [Werbung] von Véronique Ovaldé: An einem Junitag packt Gloria eilig die Koffer, dazu ein paar Plüschtiere und die Beretta ihrer großen Liebe, holt ihre Töchter, die fünfzehnjährige Stella und die sechsjährige Loulou, von der Schule ab und verlässt das sonnige Städtchen an der Côte d’Azur. Der überstürzte Aufbruch – getarnt als Reise zum Ferienhaus der Familie im Elsass, ein einsames Idyll inmitten von Wäldern und Seen – ist nichts anderes als eine lang vorbereitete Flucht. Gloria ist überzeugt: Um sich und ihre Töchter zu schützen, muss sie jede Verbindung zu ihrer Vergangenheit kappen. Wie weit wird sie gehen, um ihre Töchter vor der Bedrohung zu retten? Véronique Ovaldé verbindet eine thrillerhafte Handlung und knisternde Atmosphäre zu einem spannungsgeladenen Frauenporträt, das mit zahlreichen Volten und Wendungen überrascht. Die französische Erfolgsautorin erweist sich einmal mehr als brillante Stilistin und virtuose Fallenstellerin.

19.02.2021: Das Ting [Werbung] von Artur Dziuk (TB): Vier junge Visionäre gründen in Berlin ein Start-Up und entwickeln zusammen eine App: das sogenannte Ting, das körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und auf dieser Grundlage Handlungsempfehlungen gibt. Das Prinzip Ting überzeugt – die App schlägt ein wie eine Bombe. Getrieben vom Erfolg entwickelt Mitgründer Linus die Möglichkeiten immer weiter, sein eigenes Leben und das der User mithilfe des Ting zu optimieren. Doch um neue Investoren für die Firma zu gewinnen, sind er und sein Team bald gezwungen, sich auf ein gefährliches Spiel einzulassen: Sie verpflichten sich vertraglich, künftig unter allen Umständen jeder Empfehlung des Ting zu gehorchen – mit verheerenden Folgen.

20.02.2021: Die kanadische Nacht [Werbung] von Jörg Magenau: Ein tief berührendes Buch über Abschiede und den Trost des Neubeginns. In seinem ersten Roman blickt Jörg Magenau auf das Leben eines Mannes, der erzählend zu sich selbst reist. Aus einer inneren Enge in ein weites, wildes Land. In Kanada liegt der Vater im Sterben. Die Nachricht trifft seinen Sohn in einer Krise. Hinter ihm liegt ein gescheitertes Buchprojekt. Seit Jahrzehnten hat er den fernen Vater nicht gesehen, nun überquert er Atlantik und Rocky Mountains, um ihn hoffentlich noch lebend anzutreffen. Doch was ist überhaupt ein Leben? Was weiß man von einem fremd gebliebenen Vater, von der Liebe der anderen und der eigenen? Und wie schreibt man darüber? Die Fahrt durch die kanadische Nacht führt den Erzähler immer tiefer in die eigene Herkunft und hinaus ins Offene. Als er den Vater erreicht, geht etwas zu Ende, aber etwas Neues beginnt auch: die Suche nach dem, was trotz aller Vergänglichkeit bleibt.

24.02.2021: Adas Raum [Werbung] von Sharon Dodua Otoo: Sharon Dodua Otoos Mut und ihre Lust zu erzählen, ihre Neugier, die Gegenwart zu verstehen, machen atemlos. In ihrer Welt hängt alles am seidenen Faden, es droht zu fallen, und doch bleibt es auf wundersame Weise in der Schwebe. So wie Ada, um die sich Otoos erster Roman dreht. Ada ist nicht eine, sondern viele Frauen: In Schleifen bewegt sie sich von Ghana nach England, um schließlich in Berlin zu landen. Sie ist aber auch alle Frauen, denn die Schleifen transportieren sie von einem Jahrhundert zum nächsten. So erlebt sie das Elend, aber auch das Glück, Frau zu sein, sie ist Opfer, leistet Widerstand und kämpft für ihre Unabhängigkeit. Mit einer bildreichen Sprache und unendlicher Imagination, mit Empathie und Humor zeichnet Sharon Dodua Otoo in ihrem Roman »Adas Raum« ein überraschendes Bild davon, was es bedeutet, Frau zu sein.

24.02.2021: Exit this City [Werbung] von Lisa-Marie Reuter: Climate Fiction aus Deutschland: »Exit This City« ist ein Science-Fiction-Thriller über die Zukunft der Ernährung. Deutschland im Jahr 2158: Auf den Reisplantagen des verarmten Agrarlands braut sich eine Rebellion zusammen. Genmanipulierte Bienen sollen die Felderträge steigern, doch ihr Stich ist tödlich. Tausende Menschen wurden mit dem Gift infiziert, alle starben – bis auf die charismatische Veeru, die seitdem wie eine Göttin verehrt wird. Die Plantagenarbeiter folgen ihr auf einem Feldzug gegen die Landbesitzer. Ihr Ziel ist die Europazentrale des skrupellosen Konzerns FinalFood Inc. Doch Veerus wahre Absichten bleiben dunkel, und vieles deutet darauf hin, dass sie insgeheim ihre eigenen Pläne verfolgt. Am anderen Ende der Welt irrt Marti ohne Erinnerung durch Delhi. Er ist allein und er wird verfolgt. Als ein radioaktiv verseuchter Staubsturm Kurs auf die Millionenmetroploe hält, gibt es für die Bevölkerung nur noch eines: Raus aus der Stadt! Doch Marti kann erst fliehen, wenn er weiß, warum es die unbekannten Feinde auf ihn abgesehen haben. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn mitten hinein in die Machenschaften eines Konzerns, der in Deutschland ein skrupelloses Spiel um Macht und Einfluss spielt.

erLESENer Juni 2020

Im Lesemonat Juni war ich mutterseelenallein auf der Welt, fand internationale Sehenswürdigkeiten in Deuschland, langweilte mich beim lesen anstatt draußen zu sein, gewann die 10. Hungerspiele und hatte ein wundervolles Déjà-vu mit einer Geschichte.

 Bücherwelten – irgendwo zwischen Fantasie und Wirklichkeit.

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Mein Name ist Monster von Katie Hale
Eigentlich eine Endzeitgeschichte mit Potenzial, die aber irgendwann eine abstruse unglaubwürdige Wendung nimmt. Schade.

Hiergeblieben . 55 fantastische Reiseziele in Deutschland von Jens van Rooij
Das Buch macht gleich Lust die Fototasche zu packen und auf die Reise zu gehen.

Fräulein Draußen von Kathrin Heckmann
So richtig warm wurde ich mit diesem Buch nicht, aber den Blog von Fräulein Draußen kann ich inzwischen empfehlen.

Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange von Suzanne Collins
Wider erwarten eine gut gemachte Rückkehr in die Welt Panems zu einem jungen ‚Präsident‘ Snow und Hungerspielen, die fast noch in den Kinderschuhen stecken. Macht Lust darauf, auch die Trilogie nochmal zu lesen.

Der Freund von Sigrid Nunez
Im vergangenen Monat erst als Hörbuch genossen und jetzt auch als Buch geliebt. Für mich ein Lesehighlight!

Die Tribute von Panem X . Das Lied von Vogel und Schlange – Suzanne Collins

„Die Tribute von Panem“ waren für mich immer etwas Besonderes. Als zwischen 2009 und 2011 die Bücher in deutscher Übersetzung erschienen, waren meine Tochter und ich gleichermaßen von dem Klappentext und den ersten Leserstimmen dazu begeistert und setzten den ersten Teil der Reihe bei Lovelybooks auf unsere Wunschlisten. Und weil wir beide gern lesen, kam es, wie es kommen musste: Wir schenkten uns gegenseitig „Tödliche Spiele“, das erste Buch der Panem-Trilogie, zu Weihnachten. Die Lacher waren auf unserer Seite, aber wir machten das Beste aus der Situation. Eines der beiden Bücher wurde gegen den zweiten Teil umgetauscht und es wurde, wie seinerzeit schon bei Harry Potter, ein gemeinschaftliches Leseprojekt daraus. Wir waren begeistert. Mit dieser Reihe stellte ich fest, dass ich sehr gerne Dystopien lese, wodurch ich zu einigen Klassikern dieses Genres gelangte, aber auch neuere Bücher und Reihen fand. Selbst die Panem-Verfilmung mochte ich gern, auch wenn sie natürlich aus vorgenannten Gründen nicht an das herankommt, was ich mit den Büchern verbinde.

Dass nun ein neues Buch die Panem-Reihe ergänzen sollte, nahm ich einerseits freudig auf, andererseits aber auch sehr skeptisch. Was sollte dieses neue Buch noch für die Geschichte bringen, die meines Erachtens rund auserzählt war? War ein junger Präsident Snow, der spätere verachtenswerte Feind von Katniss und somit auch von mir als mitfiebernder Leserin, tatsächlich so interessant, dass ich ihn näher kennen lernen wollte? Und wie sollte dieses Buch es schaffen, die sicherlich überhöhten Erwartungen von mir eingefleischtem Panem-Fan nicht zu enttäuschen? Dinge, die für mich eigentlich gegen das Buch sprachen. Aber… die Neugier ließ mich einfach nicht los und weil ich gerade ein Guthaben bei Audible übrig hatte, entschied ich mich dafür, diese Geschichte als Hörbuch zu erfahren – auch weil ich es bei Nichtgefallen umtauschen konnte. Aber das war erfreulicherweise nicht nötig, denn die etwa 16 Stunden wurden hervorragend von Uve Teschner eingesprochen und auch die Geschichte wusste mich zu begeistern.

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„Die Tribute von Panem X“ versetzt, wie der Titel schon verrät, in die Welt von Panem zu der Zeit der 10. Hungerspiele. ‚Präsident‘ Snow ist mit seinen 18 Jahren noch jung und lebt mit seiner Großmutter und seiner Cousine in eher ärmlichen Verhältnissen, weil sie durch den Krieg alles verloren haben. In der Hoffnung ein Stipendium zu erlangen, für ihn die einzige Möglichkeit studieren zu können, wird Coriolanus Snow Mentor bei den Hungerspielen. Ausgerechnet die relativ chancenlose Sängerin Lucy Gray aus dem unbeliebten Distrikt 12 wird ihm zugeteilt. Aber er wäre nicht Snow, wenn er nicht versuchen würde, seine Tributin mit allen Mitteln am Leben zu erhalten. Viel mehr mag ich an dieser Stelle gar nicht verraten, als das ich tatsächlich relativ schnell in die Geschichte reinfand und den Wechsel zwischen spannenden und etwas ruhigeren Abschnitten sehr genoss.

Nach den vielen Jahren Abwesenheit aus Panem fühlt es sich tatsächlich ein wenig so an, als kehrt man zurück an einen geliebten Ort, so paradox dies bei einer dystopischen Welt erscheinen mag. Aber recht bildhaft hatte ich beim Lesen noch die Trilogie im Kopf und erschloss mir mit diesem Buch die Vorgeschichte. Erlebte eine eher stümperhafte aber nichtsdestotrotz grausame Anfangsversion der Hungerspiele und erlas mir kleine Puzzlestücke, die wunderbar die Trilogie ergänzen und noch ein wenig runder machen.

Selbst mit dem ungeliebten Snow schaffte ich es zeitweise mitzufiebern und wundere mich noch jetzt über die Sympathie, die ich ihm entgegen bringen konnte. Aber ich wusste natürlich auch zu welchem Menschen er sich entwickeln würde und blieb ihm gegenüber beim Lesen skeptisch. Natürlich fand ich früh Indizien für seine Verabscheuungswürdigkeit, weil ich sie finden wollte und fühlte mich beinahe beruhigt, als ich sie unübersehbar bestätigt sah. Aber dieser Snow ist kein fader Schwarzweißcharakter und immer wieder gab es auch Überraschungen, die neben  Suzanne Collins gewohnt atmosphärischer Schreibweise dafür sorgten, dass ich dranblieb. Darüber hinaus gibt es noch eine niedliche Liebesgeschichte und übertrieben viele Liedtexte, die leider mit der Zeit ermüdend waren. Doch im Großen und Ganzen ist dieses Buch auf jeden Fall lesenswert und hat mich überwiegend gut unterhalten.

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Suzanne Collins
Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange
Sprecher: Uve Teschner
Spieldauer: 16 Stunden 34 Minuten
Ungekürztes Hörbuch
Preis: 9,95 € oder 1 Audible-Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 19.05.2020
Sprache: Deutsch
Anbieter: Oetinger Media

Das Vermächtnis der Ältesten . Scythe 3 – Neal Shusterman

Zunächst vorab: Bei diesem Hörbuch handelt es sich um den dritten und abschließenden Teil der Reihe „Scythe“. Die Handlung geht nahtlos weiter, weshalb es sich empfiehlt, diese Jugendbücher in der richtigen Reihenfolge zu hören, ganz wunderbar vertont mit Torsten Michaelis, bzw. zu lesen. Wer diese Reihe noch nicht kennt, dem kann ich sie empfehlen, auch wenn mir der dritte Teil nicht so gut gefallen hat, wie die vorherigen Bücher (Teil 1, Teil 2).

02_Scythe 3 - Das Vermächtnis der Ältesten

Neal Shusterman hat mit dieser Trilogie eine ganz eigene Welt erschaffen, die ich abschreckend fand, die mich aber auch begeistern konnte. Alles ist gut durchdacht, so dass man sich beinahe wünscht, dass so ein Supercomputer wie der Thunderhead auch in unserer realen Welt das Ruder übernimmt. Mit seiner unendlichen Weisheit führt er die Geschicke der Menschheit, damit Wohlstand herrscht, es keine Kriege und Krankheiten mehr gibt und selbst der Tod besiegt ist. Allerdings müssen aus Platzgründen die Menschen kontrolliert sterben. Das ist die Aufgabe der Scythe, die über Leben und Tod entscheiden und bestenfalls ehrenwerter Gesinnung sind. Leider sind sie das nicht alle und auch der Thunderhead geht irgendwann wider Erwarten seltsame Wege.

In den ersten beiden Teilen gibt es viele kluge Ideen rund um die Themen Gesellschaft, Leben und Tod, die zum Nachdenken und weiterspinnen anregen. Die anfängliche Utopie wächst sich dabei nach und nach immer mehr zu einer Dystopie aus und kommt dabei teilweise recht philosophisch und erwachsen daher. Das machte sie für mich zu einem echten Highlight, so dass ich dem dritten Teil gespannt entgegen fieberte. Dieser konnte mich jedoch nicht mehr so recht überzeugen.

Ich hatte den Eindruck, dass der Autor hier zu viel gewollt hat und zugunsten actionreicher Handlung Abstriche hinsichtlich des Tiefgangs der Geschichte gemacht hat. Auch wurden viele neue Charaktere eingeführt, die zum Teil jedoch eher blass blieben, so dass ich beim Hören immer mal wieder überlegen musste, um wen es sich bei der angesprochenen Person überhaupt handelte. Letztlich führt das ganze zu einem Ende, mit dem ich so nicht gerechnet hätte, das mich allerdings auch nicht so beeindrucken kann, wie ich es nach dem Lesen der beiden vorherigen Bücher erwartet hätte. Der Autor bleibt hier weit hinter seinen Möglichkeiten. Auch gibt es einen Handlungsstrang mit den beiden Hauptprotagonisten, der auf mich den Eindruck macht, als hätte Neil Shusterman ihn hier mehr oder weniger unterdrückt und nicht mehr weiter ausgearbeitet. Hier scheint noch genug Stoff für eine neue Buchreihe brach zu liegen, andererseits fehlt hier aber einfach auch ein Teil der Geschichte mit den liebgewonnenen Protagonisten, die in diesem Buch etwas ins Hintertreffen gelangen.

Gewünscht hätte ich mir für diesen dritten Band, dass der Autor sich beim Erzählen und beim Strukturieren mehr Zeit gelassen hätte. Alles wirkt ein wenig gehetzt, als hätte man unbedingt zum Ende kommen wollen. Schade, dies ist für mich kein so richtig gelungener Abschluss nach den beiden großartigen vorherigen Teilen.

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Scythe – Das Vermächtnis der Ältesten (Scythe 3)
Neal Shusterman
Sprecher: Torsten Michaelis
Spieldauer: 18 Std. und 9 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 27.11.2019
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

Scherbenpark – Alina Bronsky

„Scherbenpark“ war in der Sparte „Jugendbuch“ (Kritikerjury) zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 sowie für den Aspekte-Literaturpreis nominiert. Der Roman erschien als Theaterstück und wurde bereits mit Jasna Fritzi Bauer in der Hauptrolle verfilmt. Doch eigentlich wollte ich das Buch unbedingt lesen, weil sich Christine Westermann lobend darüber äußerte und mich bereits „Baba Dunjas letzte Liebe“ beeindrucken konnte. Als erst in diesem Jahr ein neues Buch von Alina Bronsky erschien, erinnerte ich mich wieder daran, dass sich immer noch ihr Debütroman „Scherbenpark“ unter meinen ungelesenen eBooks befand und es endlich mal Zeit wurde, dieses Buch zu lesen.

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Die Autorin selbst ist auf der asiatischen Seite des Uralgebirges sowie in Marburg und Darmstadt aufgewachsen. Ihr Vater ist jüdischer Abstammung und wanderte mit der Familie Anfang der 1990er Jahre als Kontingentflüchtling nach Deutschland aus. In „Scherbenpark“ nimmt Alina Bronsky den Leser mit in diese Welt und zeigt anhand der siebzehnjährigen Sascha wie es laufen kann, wenn es nicht gut läuft. Sascha ist aus Moskau nach Deutschland gekommen und lebt mit ihren zwei jüngeren Geschwistern im Scherbenpark – einem Hochhaus-Ghetto, in dem eigene Gesetze herrschen. Aber sie besucht auch das katholische Elite-Gymnasium, das Sascha wegen ihrer Hochbegabung und ihrer prekären Lebenssituation angenommen hat, mitsamt den behüteten und ausstaffierten Mitschülerinnen, die keinen Schimmer von Algebra haben, aber ein volles Freizeit­programm. Sascha ist eine Pendlerin zwischen zwei Welten und in keiner davon zu Hause.

Ihre Geschichte beginnt Sascha mit zwei Vorsätzen: Sie will ihrer Mutter ein Buch schreiben, und sie will Vadim töten. Ganz allmählich erfährt der Leser, was sie zu diesen Vorhaben gebracht hat. Selbstbewusst und geradeheraus, beiläufig und trocken kommentiert sie ihre Umgebung, das verzweifelte Streben nach Glück, Freiheit und Wohlstand, das Scheitern ringsum und das eigene Aufbegehren. Was es mit Vadim auf sich hat, warum Sascha ohne Mutter, aber mit ihrer Großtante lebt, wie die Familie  durch ein Verbrechen erschüttert und zugleich berühmt wurde, und was es bedeutet, in ein Dreiecksverhältnis mit einem Journalisten und seinem sechzehnjährigen Sohn zu geraten – all das erzählt sie mit Herz, Witz und einer Energie, die mitreißt. Gleichzeitig spürt man die grenzenlose Wut, die neben einer gewissen Trotzigkeit auch die verzweifelte Suche nach einem Umgang mit den Geschehnissen zeigt.

Ein gefühlvoller, aber nicht gefühlsduseliger Roman über eine starke Protagonistin. Empfehlenswert!

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Alina Bronsky
Scherbenpark
Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-462-04150-7
Preis: 9,99 € | Österreich: 10,30 €
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Erschienen: 24.09.2009

erLESENer Oktober

Im Lesemonat Oktober ließ ich mich von Erebos terrorisieren, tauchte nach Norwegen ab, übte mich im therapeutischen Lesen und löste einen Fall bei den Amischen.

Bücherwelten – mit der richtigen Buchstabendosis für jede Stimmungslage…

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Erebos 2 von Ursula Poznanski
Eine spannende Fortsetzung der Geschichte rund um das an die moderne Technik angepasste Computerspiel mit den gefährlichen Auswirkungen in der Realität. Leichte Schwächen, aber dennoch lesenswert.

Heimatland von Kronprinzessin Mette-Marit (Hrsg.), Geir Gulliksen (Hrsg.)
Unterschiedliche Facetten Norwegens von bekannten norwegischen Literaten in Worte gefasst. Macht Lust aufs Reisen und mehr von Norwegern lesen.

Licht in der Nacht der Seele von Martin Duda
Ein literarisches Antidepressivum, das vor allem durch das Verständis des Autors für die Auswirkungen der Depression und die therapeutische Wirkung des Lesens beeindruckt.

Die Zahlen der Toten von Linda Castillo
Ein gelungenes Thriller-Debüt, das mir tatsächlich Lust darauf macht, mehr von dieser Reihe rund um Kate Burkholder und die Amischen zu lesen.

Erebos 2 – Ursula Poznanski

Vor knapp 7 Jahren las ich „Erebos[Werbung] von Ursula Poznanski voller Begeisterung und wurde es seitdem auch nicht müde, das Buch immer wieder computer- oder spielbegeisterten Lesern zu empfehlen. Mich hat damals die spannende Geschichte rund um das geheimnisvolle Spiel, das ein bedrohliches Eigenleben entwickelt und seine Mitspieler dazu bringt Aufgaben im realen Umfeld auszuführen, gepackt. Einerseits wünsche ich mir natürlich von Büchern, die mich derart begeistern konnten, dass sie fortgesetzt werden, aber andererseits fürchte ich doch auch immer, dass eine Fortsetzung zu einer Entzauberung führt, wenn sie eben nicht so gut gelungen ist, wie das Einstiegsbuch. Allerdings hatte ich bei diesem Buch eher nicht mit einer Fortsetzung der Geschichte gerechnet, weil die Handlung eigentlich zu einem abgeschlossenen Ende fand. Umso überraschter war ich, dass Ursula Poznanski gut 10 Jahre nach dem Erscheinen dieses Buches „Erebos 2“ veröffentlichte.

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Da „Erebos“ mit zu meinen Lesehighlights unter den Jugendbüchern gehört, konnte ich nicht widerstehen und musste einfach erfahren, wie die Geschichte weiter geht. Vorab stellte sich mir allerdings die Frage, ob ich nach der langen Zeit vielleicht doch „Erebos“ noch einmal lesen sollte, da ich mich an genauere Einzelheiten nicht mehr erinnern konnte. Ich entschied mich dazu, es nicht zu tun. Leider – wie ich jetzt im nachhinein feststellen kann. Denn das, was im ersten Buch geschah, wird zwar manchmal grob aufgegriffen und sporadisch erklärt, aber es hätte mir besser gefallen, wenn ich mich an mehr Details hätte erinnern können. Dennoch ist es für das Verständnis nicht erforderlich, dass man für „Erebos 2“ unbedingt das Vorgängerbuch gelesen haben muss. Da es sich jedoch lohnt, empfehle ich das Lesen in der richtigen Reihenfolge – und dann zu entscheiden, ob man die schwächere Fortsetzung „Erebos 2“ tatsächlich noch lesen möchte.

Das Spiel Erebos wird im ersten Buch noch im Geheimen auf DVDs herumgereicht, macht seine Mitspieler regelrecht süchtig, bringt sie dazu, oft nicht ganz ungefährliche Aufgaben in der Realität zu erledigen und gewährt ihnen im Gegenzug dafür spezielle Belohnungen: Ein Wunsch eines Spielers wird von einem anderen – vom Spiel dazu gezwungenen – Spieler ausgeführt. Die Spieler wie Räder in einer großen Maschine ineinandergreifen lassen, damit die Maschine dann am Ende etwas zerstören kann, oder jemanden. Das ist – rund 10 Jahre später – auch bei „Erebos 2“ der Fall. Aber ebenso wie die Technologie im Laufe der Jahre, hat sich auch auch die Künstliche Intelligenz des Spiels weiter entwickelt und nutzt nicht mehr nur den Computer, sondern auch das Smartphone, Navigationssysteme, Überwachungskameras und vieles mehr um seine dem Leser bis zum Schluss unergründlichen Ziele zu erreichen.

Und es sucht sich seine Spieler selbst, um die richtigen Leute zu rekrutieren – und zu beinflussen. Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn nach all den Jahren wiedergefunden. Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können.

„Jetzt den Datenstick in den Slot. Oder … doch nicht? Er zögerte. Auf dem Stick konnten alle möglichen Viren drauf sein – gleichzeitig war ihm klar, wie albern der Gedanke war. Er hatte ja schon ein Programm auf dem Rechner, das den Computer nach Belieben ein- und ausschalten konnte. Sein Handy telefonierte selbstständig und mit Dereks eigener Stimme … viel schlimmer konnte es nicht mehr werden.“ (S. 142)

Es ist spannend diesem taktierenden Spiel zu folgen. Man fragt sich, was es im Schilde führt und warum es seine dauerüberwachten und unter Druck gesetzten Mitspieler zwingt so zu agieren, wie sie es letztlich tun. Gut dreiviertel des Buches las ich gern, beziehungsweise mit leichtem Gruseln vor der sich hier verselbständigenden Technik, und fühlte mich gut unterhalten. Geradezu fieberhaft las ich dem Ende entgegen und war neugierig auf die Auflösung des Ganzen. Doch was sich Ursula Poznanski als Hintergrund und eigentlichen Verwendungszweck des Spiels ausgedacht hat, konnte mich leider gar nicht überzeugen. Ohne hier spoilern zu wollen kann ich nur verraten, dass der Zweck für mich nicht immer die Mittel heiligt und einfach nur abstrus und an jeglicher Glaubwürdigkeit vorbei konstruiert ist. Das empfinde ich als umso problematischer, da die große Stärke dieses Jugendromans für mich darin liegt, sich nah an der derzeitigen Technik zu orientieren und man sich beim Lesen fragt, ob so eine manipulative Nervensäge wie das Spiel Erebos nicht unter Umständen doch möglich wäre. Unweigerlich überlegt man auch, ob man seinen Smartphone-Apps nicht doch mehr Rechte einräumt, als gut für einen sein können. Und tatsächlich fühlte es sich auch ein wenig eigenartig an, wenn das eigene Handy Benachrichtungstöne von sich gab, während beim Lesen des Buches gerade einer der Protagonisten mittels Smartphone-Nachrichten von Erebos massiv bedrängt wurde.

Ob ich das Buch empfehlen kann? Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich nötig ist. Denn wer schon in den letzten 10 Jahren Erebos verfallen ist, der kann sich vermutlich „Erebos 2“ nur schwerlich entziehen, selbst wenn das Ende versemmelt ist.

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Ursula Poznanski
Erebos 2
ePub, 512 Seiten, ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7320-1371-5
Preis: 14,99 € (D) inkl. MwSt.
Verlag: Loewe
Erschienen am 14.08.2019

erLESENer Juni

Im Lesemonat Juni suchte ich vergeblich den Hannibal-Lecter-Nachfolger, lernte vieles über den Thunderhead, lachte über das kommunistische Känguru, zweifelte an der Zurechnungsfähigkeit des menschlichen Gehirns und tauchte beim Lesen mit nur einem Atemzug in die Tiefe ab.

Bücherwelten – komisch, eigenartig und erfrischend…

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Cari Mora von Thomas Harris
Ein optisch und haptisch gut gemachtes Buch mit enttäuschendem Inhalt.

Der Zorn der Gerechten . Scythe 2 . von Neal Shusterman
Klug, vielschichtig und philosophisch strickt Neal Shusterman seine Jugendbuchdystopie, die von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und einen atemlos und nachdenklich zurücklässt, auch im zweiten Teil weiter.

Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling
Kurzweilige und unterhaltsame Szenen aus dem Zusammenleben von Marc-Uwe Kling mit dem kommunistischen nirvanabegeisterten Känguru.

Unser verrücktes Gehirn von Dean Burnett
Dean Burnett wählt anschauliche Beispiele und Bilder aus dem Alltagsleben, schreibt witzig, salopp, eloquent und mit (Selbst-)Ironie über die kleinen und größeren Fehlbarkeiten des Gehirns, ohne dass die wissenschaftliche Seriosität darunter Schaden nähme. Hervorragend!

In die Tiefe von Anna von Boetticher
Die Autorin und Apnoetaucherin versteht es ihre Eindrücke und Erlebnisse so authentisch und mitreißend zu erzählen, dass man beim Lesen auch immer ein wenig mit in der Unterwasserwelt versinkt. Sehr interessant und inspirierend!

Der Zorn der Gerechten . Scythe 2 – Neal Shusterman

Zunächst vorab: Bei diesem Hörbuch handelt es sich um den hervorragenden zweiten Teil der aus insgesamt drei Teilen bestehenden Reihe „Scythe“. Die Handlung geht nahtlos weiter, weshalb es sich empfiehlt, diese Jugendbücher in der richtigen Reihenfolge zu hören, bzw. zu lesen. Wer diese Reihe noch nicht kennt, der lese bitte diesen Beitrag nicht mehr weiter, sondern schaue vorab hier nach, um sich nicht zu spoilern.

23_Scythe2 - Der Zorn der Gerechten

Citra lebt als Junior-Scythe bei Scythe Curie und versteht es, ihrer Aufgabe auf ihre ganz eigene unkonventionelle Weise gerecht zu werden. Rowan versucht mit ganz anderen Methoden Einfluss auf die Scythe zu nehmen, stößt allerdings bald an seine Grenzen. Mehr denn je ist das Scythetum im Umbruch und die alte Ordnung gerät zunehmend ins Wanken.

In diesem Teil erhält der Thunderhead eine Stimme und man erfährt vieles über die Beweggründe seines Handelns und Nichthandelns. Aber je mehr man über diesen „Supercomputer mit Bewusstsein“ erfährt, desto mehr kommen einem auch Zweifel an der Unfehlbarkeit dieser die Welt leitenden Instanz. Hatte ich beim Vorgängerbuch noch eher das Gefühl in einer Utopie gelandet zu sein, ist der dystopische Anteil nun unbestritten. Je mehr ich über den Thunderhead erfahre, desto greifbarer wird auch die Gefahr, die von ihm ausgeht.

Klug, vielschichtig und philosophisch strickt Neal Shusterman sein Zukunftsszenario, das von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und einen atemlos und nachdenklich zurücklässt, auch im zweiten Teil weiter. Es gibt unvorhersehbare Wendungen, aber die Handlung bleibt logisch und unter den geschilderten Bedingungen nachvollziehbar. Das Buch endet auf eine Art, die es mir unmöglich macht, die Fortsetzung nicht erfahren zu wollen. Da der dritte Teil im englischen Original „The Toll“ erst im November 2019 erscheint, werde ich mich leider noch ein wenig länger gedulden müssen, bis das Hörbuch in deutscher Übersetzung erhältlich sein wird. Aber es wird das Warten wert sein, wenn es ebenso hervorragend wie die beiden Vorgänger mit Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner und Ilka Teichmüller vertont wird. Ich freue mich darauf.

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Scythe – Der Zorn der Gerechten (Scythe 2)
Neal Shusterman
Sprecher: Torsten Michaelis, Marian Funk, Uve Teschner, Ilka Teichmüller
Spieldauer: 14 Std. und 34 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 9,95 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 18.04.2018
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

Dry – Neal + Jarrod Shusterman

Erst vor kurzem wurde ich auf Neal Shusterman aufmerksam und habe mir bereits begeistert „Scythe – Die Hüter des Todes“ als Hörbuch angehört. Es stand gleich für mich fest, dass ich von diesem Autor unbedingt mehr lesen wollte und wurde darum sofort hellhörig, als ich erfuhr, dass er gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod ein neues Buch veröffentlicht hat, in dem es um ein Katastrophenszenario geht, das in Zeiten, in denen die Meldungen über den Klimawandel nichts Gutes verheißen, gar nicht so weit weg zu sein scheint. Es geht um akuten Wassermangel.

Neal und Jarrod Shusterman widmen ihren Jugendroman „all jenen, die sich anstrengen, die katastrophalen Folgen des Klimawandels rückgängig zu machen“ und zeigen auf beängstigende Weise, wie schnell jegliche Form von Zivilisation auf der Strecke bleibt, wenn Menschen von heute auf morgen gezwungen werden, um den nächsten Schluck Wasser zu kämpfen.

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Eigentlich müsste dieser Roman einen Warnaufdruck erhalten: Das Lesen dieses Buches macht unglaublich durstig und kann den Konsum von unzähligen Litern Tees oder sonstwie gearteten Durstlöschern verursachen. Ich hatte zumindest noch nie bei einem Roman das Bedürfnis so viel trinken zu müssen. Aber zurück zum Buch:

Der nationale Katastrophenschutz erklärt den Süden Kaliforniens zum Katastrophengebiet, die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht und auch vor dem abgestandenen Wasser in alten Tanks und gechlorten Schwimmbecken ekelt sich längst niemand mehr. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr, denn es geht nur noch ums Überleben.

Erzählt wird der Roman aus unterschiedlichen Ich-Perspektiven, in der Hauptsache jedoch von fünf Jugendlichen, die über Umwege zueinander finden und deren Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten. Doch leider sind die lesbaren Erzählstimmen nicht individuell, sondern wirken eher wie aus einem Guss. Aber man kommt dennoch den Geschehnissen sehr nah und erlebt in meist kurzen flüssig erzählten Kapiteln auf schlüssige und nachvollziehbare Weise die unterschiedlichen Beweggründe und Herangehensweisen der Jugendlichen an die unterschiedlichen Problematiken.

Gepackt und nicht mehr losgelassen hat mich dieses Horrorszenario von der ersten Seite an. Das Gefühl von Durst ist unangenehm bekannt und das Wissen darum, dass ein Mensch nur wenige Tage ohne Wasser überleben kann, macht diese Geschichte so spannend und den Druck auf die Protagonisten so nachvollziehbar. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie sie reagieren, welche Maßnahmen sie ergreifen oder einst vorbeugend ergriffen haben, und man fragt sich unweigerlich, welche menschlichen Abgründe sich in einem auftun würden, wenn einen ein akuter Wassernotstand unmittelbar selbst beträfe. Die Autoren schwingen zwar nicht die hocherhobene Klimawandel-Warnleuchte, aber als Leser hört man sie doch, wenn auch sehr leise.

Das Ende des Buches erschien mir ein wenig zu schnell erzählt und übereilt abgehandelt, so dass ich mir insgeheim gewünscht habe, dass sich beispielsweise ein Herr Schätzing im Stil von „Der Schwarm“ oder ein Herr Elsberg im Stil von „Blackout“ ausführlicher diesem Thema angenommen und es weiter gesponnen hätte. Aber ich denke auch, dass es vermutlich den Rahmen dieses Jugendbuches, das ich sehr gerne las, gesprengt hätte. „Dry“ ist ein Buch zum eintauchen, sich unterhalten lassen und sich vor allzu Menschlichem zu gruseln. Aber es ist vielleicht auch ein Buch zum Nachdenken und Weiterdenken. Denn was wäre, wenn tatsächlich irgendwann auch unsere Wasserhähne einfach trocken blieben?

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Neal + Jarrod Shusterman
Dry
Übersetzt von: Pauline Kurbasik, Kristian Lutze
Broschiert, 448 Seiten
ISBN: 978-3737356381
Preis: 15,00 € [D]
Verlag: FISCHER Sauerländer
Erschienen: 22.05.2019

Das eBook wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.