Frisch auf dem Buchmarkt: Januar 2021

Eigenartig fühlte sich dieses Mal mein Bummel durch die Verlagsvorschauen des Frühjahrs an. Für viele Themen und Geschichten bin ich derzeit einfach nicht offen. Wenn ich die Worte Dystopie, Pandemie oder Virus lese, bin ich sofort raus. Von Politik habe ich die Nase voll, allzu Kritisches will ich gerade nicht auch noch hinterfragen müssen und selbst Blutrünstiges kann mich derzeit nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Aber allzu Fantasievolles und die lustige heile Herzschmerwelt sowie Trümmerbeziehungen reizen mich halt auch nicht und so blätterte ich mich dieses Mal nörgelig und mäkelig durch die virtuellen Bücherwelten. Ein eigenartiges Gefühl für jemanden, der sich sonst kaum zu bremsen weiß und immer über alle Maßen fündig wird. Nicht, dass ich nicht sowieso schon eine Bücherwunschliste hätte, die aus allen Nähten platzt…

Im nachhinein konnte ich kaum glauben, dass ich doch noch einige (12!) ansprechende Neuerscheinungen für den Januar entdeckt habe. Dabei geht es um den heiligen Fettstoffwechsel, um Reisegeschichten, einen Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie, eine Fotojournalistin, die von den gefährlichsten Orten unserer Welt berichtet, um mystisches Wissen, eine künstliche Intelligenz mit dem Namen Dave, den Arabischen Frühling, um die Folgen einer Hirnblutung, um einen Affen, der nicht nur einen Cheeseburger bestellen kann, einen 14jährigen Jungen, der in Malawi ein Windrad baut, einen mysteriösen Brief, in dem Dinge stehen, die eigentlich niemand über Heloise wissen kann und Geschichten, die heilsam, tröstlich und unterstützend sein können.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

04.01.2021: Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels [Werbung] von Marion Kiechle und Julie Gorkow: Ernährung ist der Schlüssel für einen gesunden Fettstoffwechsel. Je nach Lebensphase spielen die Hormone einen großen Einfluss. Die richtigen Lebensmittel können in all diesen Lebensphasen den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Dazu kommen im Laufe des Lebens stoffwechsel-induzierte Erkrankungen, die mit der richtigen Ernährung ebenfalls behandelt werden können. Die Frauenärztin Dr. Marion Kiechle kennt aus der Praxis und aus ihrer Uni-Tätigkeit all diese Phasen und Erkrankungen genau, die Journalistin Julie Gorkow erklärt die Zusammenhänge verständlich. Damit dieses Wissen über den Fettstoffwechsel sofort anwendbar wird, ergänzt ein ausführlicher Rezept-Teil den Ratgeber.

11.01.2021: The Travel Episodes: Von Abenteuern in der Ferne und vor der Haustür [Werbung] von Johannes Klaus: Ein Glück, dass gute Reisegeschichten niemals langweilig werden! Denn auch im fünften Band der erfolgreichen Reihe „The Travel Episodes“ werden gemeinsam mit Johannes Klaus die spannendsten, aufregendsten und mitreißendsten Storys aus allen Ecken der Welt gekürt. Sie entführen uns in den afrikanischen Busch, in die eisige Wildnis Grönlands und die rote Weite Australiens. Sie erzählen von einem Segelabenteuer im südlichen Ozean, beschreiben das große Nichts in Kasachstan und zeigen, wie eine neue Generation in Bangladesch das Reisen für sich entdeckt. Das Buch für Fernsüchtige!

14.01.2021: Der Mann im roten Rock [Werbung] von Julian Barnes: Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische. Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller. Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent. Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

18.01.2021: Menschlichkeit in Zeiten der Angst [Werbung] von Julia Leeb: Die Fotojournalistin Julia Leeb berichtet von den gefährlichsten Orten unserer Welt. Hautnah erfährt sie, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, sei es bei den Kämpfen der Nubier im Sudan, bei den Warlords im Kongo, im Krieg in Libyen, während der Revolution in Ägypten oder in der abgeschotteten Diktatur in Nordkorea. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr: Als sie mit ihren Recherchen der Wahrheit zu nahe kommt, soll sie kaltblütig umgebracht werden. Ein anderes Mal wird sie verschleppt, um sie als Zeugin zum Schweigen zu bringen. Dennoch schildert sie in ihren Reportagen über die Vergessenen unserer Welt auch immer wieder Begegnungen voller Schönheit und Hoffnung. Es sind vor allem Frauen, die durch ihren Mut und ihre Zuversicht den Weg aus Gewalt und Unterdrückung zu Frieden und wahrer Menschlichkeit weisen.

19.01.2021: The Mystical Year: Zwölf magische Monate voller Mythen und Bräuche [Werbung] von Allison Davies: Dieses liebevoll gestaltete Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich ein wenig Magie in ihrem Leben wünschen. Jeder Monat und jede Jahreszeit bergen ihr eigenes Potenzial, das es zu entdecken gilt. Wir lernen besondere Ereignisse, überlieferte Weisheiten, heidnische Sagen und traditionelle Feste kennen und erfahren von magischen Eigenschaften bestimmter Kräuter, Tiere, Steine oder Tarotkarten – und von vielem mehr. Jährlich wiederkehrende Sternenkonstellationen spielen ebenso eine Rolle wie der Einfluss des Mondes. Themenseiten, Tipps und Übungen runden diesen Leitfaden für alle mit einer mystischen Ader ab. Von der Weisheit der amerikanischen Ureinwohner bis zu den Geschichten der Griechischen Sagenwelt, heidnischer Erzählungen und römischer Traditionen existiert ein Reichtum an Wissen aus vielen Kulturen. Feiern Sie den Frühling und Sommer als Zeit der Erneuerung mit Flora, der römischen Göttin der Blumen, begehen Sie an Litha, einem der solaren Feste des Wicca-Glaubens, die Sommersonnenwende, und wenn die Nächte länger werden, helfen selbst gemachte, duftende Kräutergirlanden, böse Geister abzuwenden. Für jeden Monat finden sich in diesem Buch der jeweilige Vollmondname oder Wicca-Jahreskreis sowie eine Zusammenstellung mystischer Traditionen, die den Wechsel der Natur feiern. Mystisches Wissen für alle, die durch eine Rückbesinnung auf überlieferte Weisheiten über den Zyklus der Jahreszeiten neue Kräfte aktivieren und sich mehr mit der Natur verbinden möchten!

23.01.2021: Dave [Werbung] von Raphaela Edelbauer: Was braucht es, um eine Maschine mit menschlichem Bewusstsein auszustatten? Den Programmierer Syz interessiert nichts so sehr wie die Beantwortung dieser Frage. Doch als er hinter die Kulissen des Labors blickt, gerät sein bedingungsloser Glaube an die Technik ins Wanken. Welchem Zweck dient DAVE wirklich und wer wird von ihm profitieren? In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Geschlafen und gegessen wird hauptsächlich, um schnellstmöglich wieder in die Datenströme des Computers abzutauchen. Das Ziel des gesamten Labors ist nichts Geringeres als die Programmierung der ersten generellen Künstlichen Intelligenz, ausgestattet mit einer Höchstleistung an Rechenkraft und menschlichem Bewusstsein: DAVE. Dann allerdings bringen zwei Ereignisse Syz‘ geregeltes Leben ins Wanken. Erstens, Syz verliebt sich in eine junge Ärztin, und zweitens, DAVE droht ein Totalausfall. Der Strudel, in den Syz in der Folge gerät, katapultiert den Programmierer in unmittelbare Nähe der Machtzentrale. Während das Labor in blinder Technikgläubigkeit weiterhin auf die Verwirklichung der Künstlichen Superintelligenz hinarbeitet, taucht Syz tief in die Geschichte des Labors ein und versucht herauszufinden, wessen Interessen DAVE am Ende eigentlich dient. Nach dem großen Erfolg von »Das flüssige Land« legt Raphaela Edelbauer einen einzigartigen Roman über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Künstlichen Intelligenz vor.

25.01.2021: Die Republik der Träumer [Werbung] von Alaa al-Aswani: Hoffnung, Aufbegehren, Scheinheiligkeit und Unterdrückung – Der große Roman über die ägyptische Revolution zum 10. Jahrestag des Arabischen Frühlings. Kairo, 25. Januar 2011, 25.000 Menschen demonstrieren gegen Mubarak. Sie träumen von der großen Veränderung, doch während in der euphorischen Menge Liebesbeziehungen aufblühen, wird der Bürgerrechtler Khaled vor den Augen aller ermordet. Seine Freundin Dania will ihren Widerstand nicht aufgeben – und sei es gegen den eigenen Vater, den bigotten Geheimdienstchef, der islamische Werte predigt und heimlich Pornos schaut. Al-Aswanis Figuren verkörpern in diesem mitreißenden Buch, das in Ägypten verboten wurde, alle Facetten der Revolution, die für jede von ihnen einen Wendepunkt in ihrem Schicksal bedeutet. Ein unvergessliches Porträt der modernen ägyptischen Gesellschaft.

25.01.2021: Königin außer Dienst [Werbung] von Martine Bijl: Martine ist erfolgreich, berühmt, steht mitten im Leben, als an einem Herbstmorgen „ein Ballon hinter ihren Augen platzt“. Eine Hirnblutung verändert das Leben der Autorin schlagartig.
Bevor sie vier Jahre später an den Folgen der Krankheit stirbt, schreibt Martine Bijl ein Buch, das einzigartige, berührende und schmerzlich ehrliche Einblicke erlaubt. In eindringlichen, ja poetischen Bildern, mit bewundernswerter Kraft und Selbstironie schildert Martine Bijl, wie es ist, „im Kopf Angst zu haben, und nicht zu verstehen, warum und wovor“. Ein Buch, das scheinbar Unmögliches möglich macht, das uns Menschen, deren Wahrnehmung getrübt ist, besser verstehen lässt. Ein Buch, das Mut macht.

25.01.2021: Sprich mit mir [Werbung] von T.C. Boyle: Wer ist menschlicher? Der Mensch oder der Affe? Die Weltpremiere von T.C. Boyles neuem Roman. Sam, der Schimpanse, den Professor Schemerhorn in eine TV-Show bringt, kann in der Gebärdensprache nicht nur einen Cheeseburger bestellen, sondern auch seinen Namen sagen. Wie ein Kind wächst er umsorgt von Wissenschaftlern auf. Als die schüchterne Aimee dazu stößt, entspinnt sich eine einzigartige Beziehung: Sam erwidert ihre Gefühle und entwickelt sich regelrecht zu einem Individuum. Als jedoch die Vision Schemerhorns, der an das Menschliche im Tier glaubt, keine Schule macht, wird er für Tierexperimente von einer anderen Universität beschlagnahmt. Aimee ist am Boden zerstört und fasst einen verrückten Plan. T.C. Boyle geht ebenso komisch wie mitfühlend der Frage nach, ob uns Tiere ähnlicher sind, als wir vermuten.

25.01.2021: Der Junge, der den Wind einfing [Werbung] von William Kamkwanba: William wächst auf einer Farm in Malawi auf, einem der ärmsten Länder der Welt. Nur kurz kann er zur Schule gehen. Dennoch baut er mit 14 Jahren ein Windrad, mit dem er Strom erzeugen kann. So erfüllt sich der wissbegierige Junge trotz vieler Hindernisse einen Traum und verändert damit das Leben seiner Familie und der Menschen in seinem Dorf. Diese wahre Geschichte ist die Vorlage für den erfolgreichen Netflix-Film. Eine moderne Heldensaga, die zum Staunen anregt und Mut macht.

27.01.2021: Leichenblume [Werbung] von Annette Mette Hancock: Die Kopenhagener Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan steckt in einer heiklen Jobkrise, als sie einen mysteriösen Brief erhält: von einer gesuchten Mörderin. Darin stehen Dinge über Heloise, die eigentlich niemand wissen kann. Beunruhigt beginnt Heloise, auf eigene Faust zu recherchieren. Die Absenderin ist seit einem brutalen Mord vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Was will sie nun ausgerechnet von Heloise, und woher hat sie die Informationen über sie? Zur gleichen Zeit erhält auch Kommissar Erik Schäfer einen neuen Hinweis auf die Gesuchte. Alle Spuren scheinen zu Heloise Kaldan zu führen. Ist ihr Leben in Gefahr? Und können der Polizist und die Journalistin einander vertrauen? Der erste Fall der Erfolgs-Reihe um Heloise Kaldan und Erik Schäfer. Ausgezeichnet mit dem dänischen Krimi-Preis.

27.01.2021: Lesen und Genesen . Geschichten, die Mut machen [Werbung] – ausgewählt von Ursula Baumhauer: »Ein Gesunder ist kein Umgang für einen Kranken« (Robert Gernhardt). Gute Geschichten dagegen helfen immer. Dieser Band versammelt ein breites Spektrum: Geschichten, die heilsam, tröstlich, unterstützend sind. Texte, die nachdenklich stimmen. Und solche, die unterhalten und die Langeweile vertreiben. Geschichten für Körper und Geist, von Cees Noteboom, Dorris Dörrie, Robert Gernhardt, Bernhard Schlink, W. Somerset Maugham, Jeffrey Eugenides, Richard David Precht, Khalil Gibran, F. Scott Fitzgerald und vielen mehr.

erLESENer Dezember 2020

Im Lesemonat Dezember kämpfte ich mich durch inflationär verwendete englische Begriffe in einem deutschsprachigen Buch, verletzte das Briefgeheimnis und ließ mir von Irvin D. Yalom unter anderem erzählen, wie sich die Gruppentherapie in den vergangenen Jahrzehnten allmählich etablierte.

Bücherwelten – lebensnah, wenn die gelebte Realität zu fiktional wirkt

Erzähl dein Leben neu von Rebecca Vogels: Storytelling nicht im nachhinein, sondern das Leben so zu führen, dass sich eine schöne Geschichte darüber erzählen lässt. Nicht so oberflächlich, wie es sich anhört, aber trotz einiger guter Ansätze ein eher durchwachsenes Buch.

Mitten im Sprung von Stephanie Palm und Roswitha Perniok: Der Briefroman zweier Frauen, die sich nach 40 Jahren wieder treffen und sich Vieles zu berichten haben. Viele schöne Denkanstöße auch in Bezug aufs Älter werden.

Wie man wird, was man ist von Irvin D. Yalom: Die bezaubernde kleine Geschenkausgabe mit den Memoiren des von mir sehr geschätzten Schriftstellers und Psychotherapeuten. Großartig!

Erzähl dein Leben neu – Rebecca Vogels

„Wenn ich meine eigene Story erzähle, geht es nicht um mich. Es geht darum, eine Verbindung herzustellen. In dem Moment, in dem ich meine Story – wie auch hier in diesem Buch – erzähle, gehört sie mir nicht mehr. Sie ist draußen in der Welt und hat ihr eigenes Leben. Jeder, der meine Geschichte liest, bringt seine eigene Perspektive mit. Jeder liest hier ein anderes Buch.“

(S. 244)

Nachdem ich im November einen sehr speziellen Teil meines Lebens zu Papier gebracht hatte, stand ich vor dem Problem, dass ich nicht wusste, was ich mit dem dabei entstandenen Manuskript anfangen sollte. So, wie ich es heruntergeschrieben hatte, wollte ich es nicht lassen. Aber ich hatte auch noch keine passende Idee, in welche Richtung ich es überarbeiten könnte. Da kam es mir ganz recht, dass ich auf „Erzähl dein Leben neu – Wie Storytelling dir zeigt, wer du wirklich bist“ von Rebecca Vogels aufmerksam wurde. Von diesem Buch erhoffte ich mir wertvolle Erkenntnisse bezüglich der einzelnen Stationen innerhalb meines Manuskripts und Inspirationen dazu, wie ich meine Geschichte griffiger erzählen könnte.

Denn der Klappentext hatte mich neugierig gemacht: „Was ist deine Story? Und wie würde die Geschichte deines Lebens aussehen, wenn du selbst ihre Autorin oder ihr Autor wärst? Rebecca Vogels ist Expertin für Storytelling. Sie hat entdeckt, wie wir diese Methode für uns anwenden können, um herauszufinden, was uns wirklich antreibt, um einen positiven Blick auf die Höhen, Tiefen und Chancen unseres Lebens zu bekommen und es mit diesem Wissen bewusst zu gestalten. Anhand ihres eigenen Beispiels zeigt sie, wie viel Spaß es machen kann, die eigene Story zu leben. Und das kann jeder lernen!“

Um es vorweg zu nehmen: Dieses Buch hat meine Erwartungen zwar nicht erfüllt und mich stellenweise sogar genervt, aber richtig schlecht fand ich es dennoch nicht.

Denn bei genauer Betrachtung bin ich einfach nicht amerikanophil genug, um mit der gleichen Begeisterung wie die Autorin manchen amerikanischen Verhaltensweisen gegenüber zu stehen. Die 1984 in Bonn geborene Rebecca Vogels schöpft hierbei vielfach aus der Zeit, in der sie in Amerika gelebt und gearbeitet hat. Dabei versucht sie das klassische Storytelling, das die Kinder dort bereits von Klein auf verinnerlicht haben, auf unseren Kulturkreis zu übertragen. Sie schießt allerdings für meine Begriffe über das Ziel hinaus und vermittelt den Eindruck, dass das Leben jedes Einzelnen eine einzige große Geschichte sei und es nur darum geht, diese möglichst unterhaltsam in mundgerechten Häppchen serviert unter die Leute zu bringen.

Doch die Autorin kann auch anders. Wenn sie darüber schreibt, welche Chancen und Möglichkeiten in der Beschäftigung mit den eigenen Lebensgeschichten oder des Schreibens darüber liegen, bekomme ich ein wenig von dem, das ich mir von dem Buch erhofft habe. Es lädt ein, die eigenen Lebensgeschichten und Geschichtchen unter anderen Aspekten zu anzuschauen und manchmal auch Veränderungen in der Betrachtungsweise durch kleine Umformulierungen zu bewirken. So führt beispielsweise die Aussage „Ich bin gescheitert“ zu einer ganz anderen Story als „Ich orientiere mich neu.“.

„Was mich schon immer am Schreiben fasziniert hat, ist das Paradoxon, dass man Abstand zu seinem Leben bekommt, indem man sich mit ihm beschäftigt. Indem ich über die Details in meinem Leben schreibe, schaffe ich Distanz. Und diese Distanz kann uns helfen, klarer zu sehen und Dinge zu planen.“

(S. 89)

Es gibt in diesem Buch einige Sätze, über die sich genaueres Nachdenken lohnt und die es wert sind sie im Gedächtnis zu behalten. Rebecca Vogels Ansatz, das Leben so zu gestalten, dass man später hübsche Geschichten darüber erzählen kann, fühlt sich für mich zunächst etwas zu sperrig an, aber beim genaueren Hinsehen hat diese Herangehensweise natürlich auch ihre Berechtigung. Denn wenn es das Leben besser macht, dann kann die öffentliche Selbstdarstellung eben auch ein Mittel zum Zweck sein.

Meist als überflüssig empfinde ich hingegen die als „Take Aways“ betitelten Zusammenfassungen, die am Ende jedes Kapitels folgen, egal wie kurz diese teilweise auch sind. Hier wird akribisch eine erzwungene Struktur des Buches eingehalten, die dem Leser keinen Mehrwert bietet, sondern ihn zum stupiden Wiederkäuen zwingt. Manche Idee, wie beispielsweise der Lunch-Talk zur eigenen Horizonterweiterung oder das Magic-Moments-Journal als Sammelstelle schöner Augenblicke, gefällt mir hingegen zwar inhaltlich gut, fügt sich aber nicht in ein rundes Gesamtbild dieses Buches ein.

Möglicherweise bin ich etwas zu empfindlich, aber ich mag es nicht, wenn in deutschsprachigen Büchern englische Begriffe inflationär verwendet werden. Wenn Rebecca Vogels dann auch noch schreibt „Und ist das nicht exciting?“ bin ich darüber wirklich nicht amused. Insgesamt empfinde ich dieses Buch eher als gut gemeint und weiß einige schöne Anregungen zu schätzen, halte die Umsetzung aber für nicht so gut gelungen.

Dennoch hat „Erzähl dein Leben neu“ etwas mit mir gemacht. Ich mag mich mit den schwierigen Zeiten meiner Vergangenheit unter positiven Gesichtspunkten betrachtet neu auseinandersetzen und werde mein Manuskript noch einmal neu lesen, um es vielleicht sogar anders zu interpretieren.

„Wir sind die Autoren unseres Lebens. Und wir können unser Leben so planen wie eine Geschichte: Wie wollen wir durchs Leben gehen? Wer soll dabei sein? Was soll in unserer Geschichte vorkommen? Wie wollen wir auf die Krisenzeiten in unserem Leben zurückblicken? Wir können unsere ganz persönliche Geschichte planen.“

(S. 265)

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Rebecca Vogels
Erzähl dein leben neu: Wie Storytelling dir zeigt, wer du wirklich bist
Broschiert, 290 Seiten
ISBN: 978-3426214800
Preis: EUR 14,99 € [DE]
Verlag: Knaur HC
Erschienen: 02.11.2020

erLESENer November 2020

Im Lesemonat November habe ich mit einem Hells-Angel in einer Gefängniszelle gehockt und ihm beim Verrichten seiner Notdurft zugeschaut, wurde Fan von Laura Malina Seiler und habe angefangen Struktur in mein Planungschaos zu bringen.

Bücherwelten – verwickeln und entwickeln Persönlichkeiten.

Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise von Jean-Paul Dubois: Ein Roman über einen Gebäudemanager, der mit einem Hells-Angels-Biker in einer Gefängniszelle landet und auf sein Leben zurückblickt. Ganz nett.

Mögest du glücklich sein von Laura Malina Seiler: Ein positiv gestimmter Ratgeber, der einem auf sympathische Weise zurück ins Gedächtnis ruft, an welchen Stellschrauben man drehen kann, um für mehr Selbstliebe und Selbstakzeptanz zu sorgen und so seiner Selbstverwirklichung und einem zufriedeneren glücklicheren Leben näher zu kommen. Hilfreich!

Die Bullet-Journal-Methode von Ryder Carroll: Zeigt die strukturellen Gestaltungsmöglichkeiten auf, die sich bei dieser individuellen Terminplanung, Zielesetzung und Tagebuchgestaltung anbieten und definiert auch die dahinter liegenden Vorteile und psychologischen Effekte. Hervorragend!

Die Bullet-Journal-Methode – Ryder Carroll

Vor einigen Jahren machte der Hype um die Bullet-Journals auch vor mir nicht halt. Ich fand es ansprechend und praktisch, sich seinen ganz auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenen Terminplaner selbst erstellen zu können und gleichzeitig noch so viel Platz wie nötig für die Notizen einbauen zu können. Ich bewunderte dabei die zahlreichen Beispiele und Vorlagen von Nutzern, die mit ihren Zeichen- und Gestaltungsfähigkeiten kleine Kunstwerke aus ihren Bullet-Journals machen und dabei ihren Tag, ihre Termine, ihre Pläne, ihre Ziele und ihre Notizen darin einweben. Vieles davon finde ich sehr ansprechend, aber meine eigenen Versuche damit endeten eher kläglich. Kalligrafisch betrachtet sind meine Schreibkünste eine Katastrophe und auch das Zeichnen von Hand liegt mir nicht wirklich. So wurde mein 2016 begonnenes Bullet-Journal zu einem eher schmucklosen Notizbuch, das zwar auf meinem Schreibtisch immer noch seinen Platz hat, aber fast gänzlich seine Funktion verloren hat (sogar das umschließende Gummiband ist mit den Jahren ausgeleiert, was sicherlich nicht an der ständigen Benutzung lag). Schließlich habe ich mein „Glück“ mit dem digitalen Notizbuch „Evernote“ gefunden und zur Koordination der Termine meines Herzbuben und mir reicht ein einfacher Tischkalender mit seiner Wochenübersicht.

Buchcover "Die Bullet-Journal-Methode" von Ryder Carroll

Aber bei mir ist derzeit privat einiges im Wandel. Zum einen habe ich wertvolle Impulse aus dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung bekommen und gestalte meinen Tagesablauf so, dass sich gewisse Themen und Aufgabenstellungen in einer gewissen Regelmäßigkeit wiederholen. Dabei geht es darum, den Umgang mit eigenen Lebensthemen zu lernen, aber auch darum, bereits vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten weiter auszubauen und regelmäßig anzuwenden. Einen Lehrplan gibt es hierfür nicht, aber ich habe für mich in den vergangenen Monaten Vorstellungen entwickelt wie und in welchem täglichen oder auch wöchentlichen Zeitaufwand ich das umsetzen möchte – und habe es auch bereits gemacht. Dabei ist etliches in Bewegung gekommen und es sind einige Ideen entstanden, die festgehalten als Lose-Blatt-Sammlung meinen Schreibtisch zumüllen. Es ist bei mir also der Bedarf entstanden meine Gegenwart zu ordnen, um damit meine Zukunft besser gestalten zu können. In dieser Situation kam es mir ganz gelegen, als ich bei Spotify das ungekürzte Hörbuch „Die Bullet-Journal-Methode“ von Ryder Carroll, hervorragend gesprochen von Julian Mehne, entdeckte. Ich erhoffte mir durch dieses Buch Inspirationen dazu, wie ich mein kleines Notizen- und Planungsdurcheinander sinnvoller organisieren kann.

Und genau das bekam ich auch. Viele von den strukturellen Gestaltungsmöglichkeiten kannte ich natürlich schon durch die zahlreichen YouTube-Videos und Internetseiten, die ich zum Thema BuJo bereits in den vergangenen Jahren angeschaut hatte. Aber Ryder Carroll zeigt, wie viel mehr ein Bullet-Journal zu bieten haben kann und dass einem natürlich frei steht, seine Kreativität und Kunstfertigkeiten darin auszuleben, aber dass es darum eigentlich nicht geht. Vielmehr zeigt dieses Buch, worin die eigentlichen Stärken des BuJo liegen und welche psychologischen Effekte mit den unterschiedlichen Arten der Bestückung eines Bullet-Journals erzielt werden können. Was das Festhalten bestimmter Einzelheiten im Nachhinein für den Rückblick in die Vergangenheit bedeuten kann, aber auch wie sich bestimmte Aufgaben und Ziele durch gezielte Methoden im Bullet-Journal besser greifen und verwirklichen lassen. Diese Begründungen für das Warum und Weshalb sind nicht nur hilfreich, sondern manches Mal auch Augen öffnend und sehr inspirierend, so dass man es kaum abwarten kann, das Gehörte gleich umzusetzen.

Dabei gibt Ryder Carroll jedoch nicht dogmatisch Problemlösungen vor, sondern stellt immer wieder auch den großen Vorteil des Bullet-Journals heraus. Es ist flexibel für jeden Einzelnen für seine ganz besonderen Bedürfnisse gestaltbar und kann jederzeit an die Umstände des Lebens angepasst werden. Alles kann und nichts muss. Es gibt kein richtig oder falsch, nur etwas, das für einen funktioniert oder eben nicht funktioniert. So wächst das BuJo mit seinen Anforderungen oder nimmt phasenweise auch einfach mal weniger Seiten in Anspruch.

Mich hat dieses Hörbuch genau zur richtigen Zeit gefunden, aber wie es nun mal so ist, reicht mir das Hören nicht aus bei guten Büchern. Deshalb habe ich es mir in gebrauchter Version nachgekauft. Einzelne Kapitel möchte ich gern noch einmal ganz in Ruhe selbst lesen, verinnerlichen und umsetzen. Und tatsächlich ist das Buch hübsch gestaltet, verfügt sogar über zwei (!) Lesebändchen und ist mit einigen wenigen Skizzen versehen. Aber auch hier wird deutlich, dass es beim Bullet-Journaling ebenso wenig wie bei bei diesem Buch, vorrangig um die optische Gestaltung geht – sie ist und bleibt halt ein hübscher Nebeneffekt.

Das kommt mir sehr entgegen, entspannt mich und hat mich auf Ideen gebracht. Ich habe nicht nur meine ganz eigene Art der Einträge für das BuJo entwickelt, die schmucklos aber für mich durchaus effektiv sind, sondern ich habe mir dabei auch die Freiheit genommen, mich von dem dafür üblicherweise verwendeten klassischen Notizbuch zu verabschieden. Derzeit bewährt sich für mich ein schwarzes Ringbuch in DIN-A5-Größe mit einem Register von A bis Z und den normalen im Schreibwarenhandel erhältlichen karierten DIN-A5-Ringbucheinlagen. Damit ist die Flexibilität gewährleistet, die ich derzeit brauche und da ich es nur zu Hause verwende, reicht diese preiswerte Lösung auch aus. Zugegeben: Schön ist anders. Aber es funktioniert – und wenn ich tatsächlich mal Lust auf Gestaltung habe, bemühe ich Photoshop und Libre Office und drucke mir halt etwas Schönes aus, das ich dann in meinem Bullet-Ringbuch abheften und ausfüllen kann 🙂

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Ryder Carrol
Die Bullet-Journal-Methode
Verstehe deine Vergangenheit – ordne deine Gegenwart – gestalte deine Zukunft
Original: The Bullet Journal Method. Track the Past, Order the Present, Design the Future
Aus dem Englischen von Viola Krauß
ISBN: 978-3499633409
Preis: EUR 20,00 € [DE]
Verlag: Rowohlt
Erschienen: 06.11.2018

Mögest du glücklich sein – Laura Malina Seiler

Ich kannte sie bereits durch den YouTube-Kanal Gedankentanken, der später in Greator umbenannt wurde. Immer mal wieder schaue ich mir Videos dieses Kanals an, um positive Gedanken aufzutanken und mich mit Themen der persönlichen Weiterentwicklung zu beschäftigen. Im März gab es dann die Life School bei Greator. Eine großartige Idee, wie ich finde. Denn es gibt noch ein Leben außerhalb von Algebra und binomischen Formeln und genau das kommt bei dem, was in der Schule üblicherweise gelehrt wird, oft zu kurz. Auch wenn ich längst nicht mehr zu dieser Zielgruppe gehöre, „drückte“ ich nochmal gern die virtuelle Schulbank und hörte mir an, was die Persönlichkeits-Coaches zu sagen hatten. Dabei fiel mir Laura Malina Seiler zum ersten Mal bewusst auf, auch weil meine Tochter den Namen bereits mehrfach begeistert erwähnt hatte.

Das hatte mich neugierig gemacht und als meine Tochter mir schließlich das Buch „Mögest du glücklich sein“ von Laura Malina Seiler empfahl, folgte ich ihrem Tipp:

Ich muss zugeben, dass ich zunächst ein wenig skeptisch war. Ratgeber hatte ich in meinem Leben eigentlich bereits genug gelesen, dachte ich zumindest. Gleichzeitig hatte ich aufgrund der Unterüberschrift auch ein wenig Angst davor, dass dieses Buch für mich persönlich zu sehr in eine spirituelle oder vielleicht sogar religiöse Richtung gehen könnte. So etwas stößt mich schnell ab. Aber andererseits gab ich auch etwas um den Rat meiner Tochter und wollte es mit diesem Buch einfach einmal probieren.

Bei Audible hatte ich noch ein Guthaben übrig, für das ich noch keine Verwendung hatte. Also entschied ich mich dazu, dieses Buch als Hörbuch zu hören. Nebenbei. Beim Putzen, beim Aufräumen oder bei irgendwelchen anderen Tätigkeiten, so wie ich es mit Hörbüchern halt immer mache. So war zumindest der Plan. Aber das Hörbuch zog mich schon nach kurzer Zeit immer mehr in seinen Bann. Schließlich nahm ich mir ganz bewusst die Zeit und hörte Laura Malina Seiler, die das Hörbuch selbst eingesprochen hatte, intensiv und konzentriert bei dem zu, was sie zum Thema Glücklich werden und Glücklich sein und der damit verbundenen Persönlichkeitsentwicklung empfiehlt. Es war für mich keine neue Thematik, aber ich hatte beim Hören nicht das Gefühl, dass ich das alles schon einmal gehört oder gelesen hatte, obwohl es bei manchem sicherlich zutreffend gewesen wäre. Vielmehr stieg in mir die Erkenntnis auf, dass ich das doch eigentlich alles wusste, mich gleichzeitig aber fragte, warum ich vieles von dem wieder dem Vergessen preisgegeben oder sogar wieder dem Unbewussten überlassen hatte.

Gleichzeitig stellte ich allerdings auch fest, dass das Hörbuch nicht das beste Medium war, um die Inhalte dieses Buches zu erfahren. Laura Malina Seiler hat das Hörbuch zwar gut eingesprochen und man merkt, dass sie für ihre Themen brennt, aber es handelt sich hierbei um eines der Bücher, dessen Inhalte man sacken lassen muss, bei dem man manche Sätze auch einfach nochmal lesen oder sich die Zeit nehmen muss, um mit den Inhalten zu arbeiten und ganz in Ruhe darüber nachzudenken, in welchem Bezug sie zu einem selbst stehen. Deshalb landete nach der Beendigung dieses Hörbuchs das Taschenbuch [Werbung] gleich auf meiner Wunschliste. Ich möchte es mir beizeiten nachkaufen, um mich noch einmal ganz in Ruhe den einzelnen Themen zu widmen. Mit einem Hörbuch bekomme ich persönlich so etwas nicht hin, aber das obliegt sicherlich auch dem ganz individuellen Geschmack.

Laura Malina Seiler erwähnt in dem Buch auch mehrfach ihren Podcast. Das machte mich neugierig, so dass ich gleich nach beenden des Buches über Spotify dort hineinhörte: happy, holy & confident. Dein Podcast fürs Herz und den Verstand. Und weil ich in gewisser Weise ein Monk bin, begann ich damit nicht mit der jüngsten, sondern mit der allerersten Podcastfolge. Die Autorin teilt in ihrem Podcast wertvollen Coaching Input, macht kraftvolle Meditationen und Übungen, gibt Step-by-Step Anleitungen, veröffentlicht PowerTalks und führt inspirierende Interviews. Nachfolgend ging ich dazu über, mir jeden Morgen eine Folge anzuhören. Das war und ist für mich inspirierend und unglaublich bereichernd. Eine sehr positive Art in den Tag zu starten. Immerhin nahm ich mir jetzt beim Podcast die Zeit, auf einzelne Themen und Fragestellungen für mich Antworten zu finden und sie für mich intensiv zu bearbeiten.

Das machte etwas mit mir. Allmählich wurde mir deutlich, was mir wichtig ist und welche Ziele ich anstreben kann, auch wenn ich gerade im Zusammenhang mit meiner Erkrankung aufpassen muss, dass ich mich nicht übernehme. Manches Mal fühlte es sich für mich so an, dass ich mit dem Stempel der Schwerbehinderung und der Verrentung als Arbeitsunfähige in einer Sackgasse gelandet war. Als gäbe es für mich keine nennenswerten Ziele mehr – wenn man mal davon absieht, dass ich bemüht darum bin, meine Erkrankung auf einem Level zu halten, mit dem ich leben kann und zu Lebensfreude fähig bin. Auch wenn das schon eine ganze Menge ist, habe ich doch auch noch andere Dinge gefunden, die mir wichtig sind und in die ich wohldosiert allmählich mehr Energie stecken kann und möchte. Um es mal mit Laura Malina Seiler’s Worten zu sagen: „Das war für mich in den vergangenen Monaten ein echter Gamechanger!“

Danke für den Tipp, meine liebe Tochter ❤️

-> Zur Hörprobe [Werbung]

Laura Malina Seiler
Mögest du glücklich sein – Entdecke dein Höheres Selbst und verbinde dich mit deiner inneren Kraft 
Ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Laura Malina Seiler
Spieldauer: 6 Std. und 27 Min.
Erscheinungsdatum: 04.05.2018
Verlag: Laura Seiler Life Coaching

erLESENer September 2020

Im Lesemonat September verschanzte ich mich vor dem Virus, holte mir die Welt auf den Teller und ernährte ich mich vorbildlich, hasste den Englischlehrer und ließ mich gänzlich von dem schönen Schein der Literatur einlullen.

Bücherwelten – manchmal steckt mehr dahinter, als es auf den ersten Blick scheint.

Wuhan Diary . Tagebuch aus einer gesperrten Stadt von Fang Fang: Eine andere Sichtweise und ein anderes Erleben im Umgang mit dem Virus – in dem Land, wo alles anfing. Fang Fang gibt ihrer Wut und Trauer Raum in ihren Beiträgen.

Der Ernährungskompass von Bas Kast: Gerade wenn ich zu ausgedehnt im Genussmodus bin, ist ein Buch wie der Ernährungskompass hilfreich bei der Kurskorrektur. Ein Buch zum immer mal wieder reinschauen.

Meine dunkle Vanessa von Kate Elizabeth Russel: Die Geschichte eines Missbrauchs einer 15jährigen von ihrem 30 Jahre älteren Lehrer. Keine leichte Kost, aber lesenswert.

Die rechtschaffenen Mörder von Ingo Schulze: Das Wie diese Geschichte erzählt wird und sich dem Leser erschließt, ist beeindruckender, als die erzählte Geschichte selbst. Dennoch war dies eine besondere Lese-, beziehungsweise Hörerfahrung für mich.

Die Welt auf dem Teller . Inspirationen aus der Küche von Doris Dörrie: Das Buch schafft oft eine Wohlfühlatmosphäre aufgrund der schönen Erinnerungen, in die es einen versetzt, aber manches hätte ich gern ausführlicher gelesen.

Der Ernährungskompass – Bas Kast

Als ich vor kurzem Bas Kast in einer Talkshow über seinen vor einigen Jahren erschienenen Ernährungskompass sprechen hörte, fand ich das sehr sympathisch und informativ. Längst war mir sein Buch positiv aufgefallen und ich hatte bislang nur Gutes darüber gehört. Aber ich bin auch sehr interessiert am Thema Ernährung und halte mich für recht gut informiert. So habe ich nicht erwartet, dass ich anhand dieses Buches allzu viel Neues erfahren könnte. Doch gelegentlich brauche ich einfach einen sanften oder unsanften Stupser, der mich wieder auf die richtige Spur bringt, wenn ich schlechte Gewohnheiten zu sehr schleifen gelassen und allein Geschmacksknospen und ungesunde Gelüste meine Ernährung bestimmen gelassen habe.

Da kam mir dieses Buch genau recht. Denn Bas Kast hat wissenschaftliche Ergebnisse genauer unter die Lupe genommen und miteinander verglichen um daraus Konsequenzen zu ziehen. Die Ergebnisse offenbaren, wie sich das Leben zum Besseren wenden kann, indem man seine Ernährung umstellt. Manche Krankheit kann im Frühstadium durch eine passende Ernährung, ergänzt um die richtigen Vitamine, gelindert, wenn nicht sogar verbessert werden. Das menschliche Altern kann zwar nicht aufgehalten, aber unter Umständen verlangsamt werden. Doch es sind nicht diese fast schon reißerischen Versprechen, die einen zur gesunden, beziehungsweise gesünderen Ernährung bekehren, sondern vielmehr finde ich die kleinen umsetzbaren Tipps so ansprechend, die eine für den menschlichen Organismus bessere Kartoffel- oder Reissorte empfehlen und auch nicht vor der Kochmethode halt machen. Ich habe vieles in dem Ernährungskompass markiert, von dem ich einiges zwar bereits wusste, es mir aber nochmal unmissverständlich und möglichst unvergesslich in Erinnerung rufen wollte. Anderes, ein geringerer Teil, war tatsächlich neu für mich.

Wohltuend empfand ich es, die Informationen anhand von Studien belegt zu wissen, da ich mit meinen mittlerweile fast 53 Lebenjahren bereits die ein oder andere Phase durchlebt habe, in der gewisse Ernährungsformen als das Non-Plus-Ultra galten und sich inzwischen als unhaltbar oder sogar grundverkehrt herausgestellt haben. Es lohnt sich, das eigene Wissen immer wieder zu überprüfen und auf den aktuellen Stand zu bringen. Ich erinnere mich daran, dass ich vor einigen Jahren stark verunsichert war und aufgrund der zahlreichen kursierenden Ernährungsmythen gar nichts mehr glauben konnte und wollte. Ganz allmählich fand sich jedoch ein Weg durch diesen Dschungel unterschiedlicher Aussagen diverser Quellen, so dass ich denke zu wissen, wie gesunde Ernährung funktioniert. Bas Kast hat für mich mit seinem Ernährungskompass genau dieses mühsam zusammengesammelte Wissen bestätigt und noch um das ein oder andere ergänzt, ohne dabei zu dogmatisch zu werden. Eine Bestätigung, die sich gut anfühlt.

Aber zu wissen, wie es geht, heißt ja leider nicht zwingend, dass man das auch 1 : 1 so umsetzt – zumindest bei mir ist das so. Gerade wenn ich zu ausgedehnt im Genussmodus bin, ist ein Buch wie der Ernährungskompass hilfreich bei der Kurskorrektur. Ein Buch zum immer mal wieder reinschauen.

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Bas Kast
Der Ernährungskompass
Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung
Hardcover mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-570-10319-7
Preis: € (D) 20,00
Verlag: C. Bertelsmann
Erschienen: 05.03.2018

Schreiben über mich selbst – Hanns-Josef Ortheil

Mein ganz persönliches Thema ist immer noch das autobiografische Schreiben, das mir dabei hilft mich zu erinnern und meine ganz subjektiven Erinnerungen in Dateien zu konservieren, um mich von der Sorge des Verblassens von Erinnerungen oder womöglich des Vergessens zu befreien. Was als eine Form der Trauerarbeit begann, hat sich zu etwas Schönem weiter entwickelt. Zu dem Schwelgen in Erinnerungen und der Erkenntnis, dass ich doch mehr erlebt und zu erzählen habe, als ich manchmal meine. Es ist ein kleines Archiv von ganz privaten Lebenstexten entstanden, die nur für mich bestimmt sind und von denen ich mir nicht einmal sicher bin, ob ich sie später einmal vererben oder doch lieber verschlüsselt dem Nirwana übergeben möchte.

Nachdem ich bereits „Schreiben dicht am Leben“ von Hanns-Josef Ortheil gelesen hatte, wollte ich mehr Schreibinspirationen von diesem Autor zum autobiografischen Schreiben erhalten und kaufte mir auch „Schreiben über mich selbst“ aus der Duden-Reihe „Kreatives Schreiben“. Der Klappentext meint über dieses Buch: „Ein Schreibverführer neuen Typs: die literarische Schreibwerkstatt als Meisterkurs. Kein Lehrbuch mit Geboten und Regeln, sondern ein breites Spektrum kreativer Ansätze zum Ausprobieren! Dieser Band verführt zum Schreiben über sich selbst. Es gilt, Kindheitserinnerungen, Selbstbeobachtungen, prägende Erlebnisse und Lebensabschnitte bis hin zu längeren autobiografischen Texten über Herkunft und Familie niederzuschreiben.“

Enthalten sind in diesem Buch Ausführungen zum autobiografischen Schreiben neben zahlreichen Herangehensweisen, Beispielen und Schreibübungen. Sie erreichen mich, sind inspirierend und machen Lust darauf, sie gleich auszuprobieren. Gleichzeitig bemerke ich inzwischen an mir eine zunehmende Offenheit, Bereitschaft und Freude daran, nebenbei auch fiktive Texte zu verfassen. Es ist fast so, als hätte ich mich erst ein wenig frei schreiben müssen, um fantasieren zu können. Ein gutes Gefühl.

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Hanns-Josef Ortheil
Schreiben über mich selbst
Spielformen des autobiografischen Schreibens
Gebunden mit Lesebändchen, 160 Seiten
ISBN: 978-3-411-75437-3
Preis: € (D) 14,95
Verlag: Duden
Erschienen: 07.10.2013

erLESENer Juli

Im Lesemonat Juli füllte ich Notizbücher, beobachtete die Liebesgeschichte von Paul und Susan aus sicherer Entfernung, philosophierte übers Fotografieren und landete im Gulag.

Bücherwelten – eben noch verträumt oder mit dem Hobby beschäftigt und dann auch schon inmitten einem der großen Verbrechen in der Weltgeschichte.

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Schreiben dicht am Leben von Hanns-Josef Ortheil
Es geht ums Notieren und um Notate, um darum, was sie können und wozu sie literarisch werden können. Eine nette inspirierende Lektüre zu meiner momentanen Notierlaune.

Die einzige Geschichte von Julian Barnes
Eine Liebesgeschichte zwischen einem 19jährigen und einer 48jährigen, die in den 1960erJahren beginnt und bis zum Ende erzählt wird. Beeindruckend und nahe gehend durch die intensive und lebenskluge Erzählsweise mit Ausflügen ins Philosophische.

Über Fotografie von Susan Sontag
Essays, die sich mit meinem Hobby „Fotografie“ beschäftigen und mir neue Sichtweisen auf dieses Thema eröffnen konnten. Insgesamt ein interessanter Ausflug in die Geschichte und die Philosophie der Fotografie.

Klara vergessen von Isabelle Autissier
Ein Generationenroman, der einen in die Zeit Stalins mitnimmt, als Menschen willkürlich inhaftiert und in Gulags verschleppt wurden. Erschütternd und doch durch die Naturbeschreibungen und das Zwischenmenschliche wunderbar und mit Wohlfühlmomenten erzählt.