Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 – Mein Fazit

Meine Eindrücke der vorangegangenen Tage der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachlesen: Dienstag und Mittwoch | Donnerstag Freitag | Samstag und Sonntag .

Mein Fazit: Anstrengend war’s. Und schön war’s. Wie es halt so ist, wenn man sich fast sechs Tage am Stück beinahe rund um die Uhr mit einer Thematik, oder in meinem Fall einem geliebten Hobby beschäftigt. Eigentlich ist es zu viel, und doch kann man nicht genug bekommen. Es wurde viel geboten und ich habe mir vieles angeschaut. Da es meine erste Buchmesse war, kann ich nicht Vergangenem oder gar Verlorenem hinterher trauern. Für mich bot diese digitale Form eine Möglichkeit, überhaupt an einer Buchmesse teilzunehmen und mir dabei die Rahmenbedingungen schaffen zu können, dass sie mich gesundheitlich nicht allzu sehr in meine Schranken weist. Ich hatte die Chance dabei zu sein und habe sie genutzt. Und ich fand es großartig und habe es gefeiert.

Tatsächlich hatte ich im Vorfeld etwas Sorge, ob die Macher dieser Buchmesse technisch hinbekommen, was sie sich vorgenommen haben. Aber diese Sorge war unbegründet. Mir sind nur kleine eher unwesentliche Dinge aufgefallen und selbst meine heimische Technik lief insgesamt reibungslos.

Das Live-Format hat für mich hingegen keinen Mehrwert gehabt, auch wenn ich verstehe, dass dies ein wenig den Messe-Charakter transportieren sollte. Aber ohne Publikum und ohne die Möglichkeit, dass die Zuschauer in irgendeiner Form darauf reagieren können, beispielsweise im Chat oder mit Likes, bleibt es fremd und fern. Fast schon hätte ich mir Applaus vom Band eingespielt gewünscht, um das fehlende Publikum zu simulieren – aber auch nur fast.

Gut finde ich hingegen, dass vieles aufgezeichnet wurde und im nachhinein noch bei YouTube oder in den Mediatheken der teilnehmenden Sendeanstalten angeschaut werden kann. Dabei habe ich jedoch einen entsprechenden Hinweis auf den Internetseiten der Buchmesse vermisst. Denn die digitale Buchmesse hat gegenüber der regulären Buchmesse den Vorteil, dass das Internet auch nach Messeschluss zugänglich ist und mit den Informationen und natürlich auch der Werbung rund ums Buch interessierte Menschen auch weit darüber hinaus erreicht werden können. Ganz nebenbei hätte es meinen Terminkalender etwas entzerren können und mir die Gelegenheit gegeben, mich zunächst vorrangig um die tatsächlich zeitlich begrenzt verfügbaren Beiträge im digitalen Veranstaltungskalender der Aussteller kümmern zu können. Diesen hatte ich leider erst relativ spät entdeckt, konnte darin jedoch viel Sehens- und Lesenswertes finden, für das die Zeit dann nicht mehr reichte. Aber das ist wohl eher ein Luxusproblem und es spricht für die Buchmesse, wenn ihr Angebot so vielfältig und interessant ist, dass man sich kaum entscheiden kann, was man sehen möchte und worauf man letztlich schweren Herzens verzichtet.

Auch wenn es mir richtig Lust darauf gemacht hat, einmal live und höchstpersönlich die Frankfurter Buchmesse vor Ort zu besuchen, hat sich bei mir der Eindruck, dass ich dafür gesundheitlich nicht fit genug bin, noch verstärkt. Aber ich bin dankbar, dass ich in diesem Jahr dennoch unter diesen besonderen Umständen dabei sein konnte. Vielen Dank an alle, die dieses Event möglich gemacht haben!

Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Samstag + Sonntag)

Meine Eindrücke der vorangegangenen Tage der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachlesen: Dienstag und Mittwoch | Donnerstag | Freitag .

~ Samstag, 17.10.2020 ~

Natürlich ist mein Google-Kalender auch für heute mit zahlreichen Terminen der Buchmesse gespickt. Zu viele sind es und das ganze ist sehr unübersichtlich, denn die kurzen, manchmal nur wenige Minuten dauernden Sende-Sequenzen als Termin abzuspeichert ist – zumindest das BOOKfest digital betreffend – einfach nicht sinnvoll. Alle naselang meldet mein Handy vibrierend neue Termine. Es nervt schon nach kurzer Zeit. Aber ich wusste ja auch im Vorfeld nicht, was mich erwarten würde und habe euphorisch und vor allem blauäugig meinen Terminkalender zugespamt. Fest stand für heute nur, dass mein 53. Geburtstag sein würde und dass ich ihn nicht digital und keinesfalls vor dem Computer feiern würde. Für eventuelle Pausen wollte ich aber doch gerüstet sein. Sicher ist sicher….

Und so schaue ich mir von 9:30 bis 9:40 Uhr die Eröffnung des BOOKFEST digital mit Katrin Seibold, Jürgen Boos und Petra Kappler an, um erstmal grob zu erfahren, worum es sich hierbei handelt.

Fast bedaure ich es, nicht live dabei sein zu können, hege aber die Hoffnung mir das BOOKFEST später als Aufzeichnung des Livestreams bei YouTube noch anschauen zu können. Denn nun geht es für meinen Herzbuben und mich erstmal in den Nachbarort, wo wir uns genüsslich ein Frühstück servieren lassen. Mittags schaue ich doch nochmal kurz in den Livestream und entdecke Ilke von BuchGeschichten und auch den geschätzten Kaffeehaussitzer, die Bücher vorstellen und für den Buchblogaward nominiert sind. Ich schalte ein wenig zwischen den beiden BOOKFEST-Streams hin- und her, aber es ist mir insgesamt zu chaotisch, zu stressig. Schließlich lasse ich es sein. Mir bleibt sowieso nicht viel Zeit, da ich Gäste bekomme und wir zu sechst bei Kaffee und Kuchen ein wenig plaudern und meinen Geburtstag feiern wollen. Es bleibt heute keine Zeit für die digitale Buchmesse – und es ist wunderbar die Zeit offline mit Menschen zu verbringen, die ich nicht allzu oft im Jahr sehe. Aber es ist auch anstrengend für mich und so beende ich den Tag, indem ich abends im Bett noch ein paar Seiten lese. So ganz ohne Buch geht es bei mir eben meist doch nicht.

Am nächsten Morgen schaue ich gleich gespannt nach, ob ich von den verpassten Sendungen nachträglich noch etwas anschauen kann. Und tatsächlich werde ich fündig. Die beiden Streams, von denen jeder einzelne fast 12 Stunden dauert, gibt es bei YouTube. Ich hätte mir gewünscht, dass sie thematisch gesplittet worden wären, da mich nicht alles interessiert und die begehrten Themenblöcke dann leichter gefunden hätten werden können. Aber dem ist nunmal leider nicht so. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins…. und doch verspüre ich nicht so richtig die Lust, mich durch diese ellenlangen Videos zu wühlen. Denn Sprungmarken zu den Zeitpunkten, die beim Wechsel zum jeweils neuen Thema hätten gesetzt werden können, gibt es leider auch nicht.

Studio 1: Kids, Travel, Food, German Stories, Gastländer, German Bestsellers, International, Adventure, Focus: USA, Exclusiv: Margaret Atwood, Guest of Honour 2021: Canada, Europe is Fun, Arts project Istanbul/Berlin.

Studio 2: Fantastic women, Female activists, Food, Publishing heroes, Focus Asia, Focus Asia/Spain, International, Crime, Focus Brazil/Chile/Nicaragua/Argentina, German times, Fantastic colors, Focus Indonesia, Focus India/Taiwan.


Lieber schaue ich mir nachträglich noch die „Streiterinnen“ an, ein Format, das mich schon in den vergangenen Tagen begeistern konnte:

STREITERINNEN! – Leben wiedervereint?! Mit Greta Taubert „Guten Morgen, du Schöner – Begegnungen mit ostdeutschen Männern“ und Valeria Schönian “Ostbewusstsein – Warum Nachwendekinder für den Osten streiten“ Moderation: Hadija Haruna-Oelker [17.10.2020, 14:00 — 14:30]
30 Jahre Wiedervereinigung. Ziehen sich die Grenzen in unsere Gesellschaft weiter fort? Wie hat sich die Rolle der Frau verändert? Rassismus und Extremismus – vor allem ein ostdeutsches Phänomen? Der Ostmann sächselt, wählt AfD und pöbelt tumb durch Deutschlands Straßen. Zeit, mit einem vorurteilsgeprägten Bild aufzuräumen und über Deutsch-deutsche Rollenbilder nachzudenken. Die ostdeutsche Journalistin Greta Taubert zieht in den Kampf gegen aktuelle Klischees. Wenige Tage vor der Wiedervereinigung kam Valerie Schönian in Sachsen-Anhalt zur Welt. Sie wurde geboren in einem Staat, der kurz darauf nicht mehr existierte. Lange dachte sie, „Ost/West“ spiele keine Rolle mehr, doch je länger der Mauerfall zurückliegt, desto ostdeutscher fühlt sie sich. Woher kommt das neue Ost-Bewusstsein, warum halten sich alte Klischees so hartnäckig, und was sagt das über die Deutsche Einheit aus?! Taubert und Schönian – zwei ostdeutsche Autorinnen, die bewusst machen, welche Hürden es noch zu überwinden gilt!


Ich hatte mich doch eigentlich sehr aufs Gastland Kanada gefreut, aber diese Beteiligung an der Buchmesse wurde um ein Jahr verschoben. Vereinzelte Beiträge dazu gibt es dennoch. Und so schaue ich mir nachträglich an:

ARTE „Es wird Zeit!“ – Vielfalt der kanadischen Literatur. Ein neuer Ton [17.10.2020, 15:30 – 16:00]
Moderation: Bianca Hauda. Gäste: Hans Jürgen Balmes (Fischer Verlag), Annabelle Assaf (Übersetzerin)

-> Leider wurde dieser Beitrag nicht geschnitten und fängt erst nach 6 Minuten an. Aber ‚vorspulen‘ lohnt sich. Sehr interessant, aber viel zu kurz. Ich möchte mich mit diesem Land unbedingt eingehender beschäftigen. Wie schön, dass in der Videobeschreibung die Literaturempfehlungen der Gäste genannt werden: Esi Edugyan: Washington Black – Joshua Whitehead: Making Love With a Land – Werke der kanadischen Autorin Tanya Tagaq – Anne Carson: Autobiographie von Rot.

~ Sonntag, 18.10.2020 ~

Der letzte Messetag hat angefangen. Ich möchte davon so viel wie möglich mitbekommen, auch weil ich nicht weiß, was auch nach Abschluss der Buchmesse noch verfügbar sein wird. Aber ich freue mich allmählich auch auf die Zeit, wenn dieses Spektakel beendet sein wird und ich mich wieder anderen Dingen widmen kann.

Johann Lafer: „Essen gegen Arthrose“ [18.10.2020, 10:00 – 10:30]
Was verbindet eine Ernährungsmedizinerin, einen Schmerzspezialisten und einen Sternekoch? Die Frage, wie man Arthrose heilen und Schmerzen besiegen kann – ohne Schmerzmittel, chirurgische Eingriffe und künstliche Gelenke. In seinem vielleicht persönlichsten Buch erzählt Johann Lafer wie es ihm gelang, durch die Ernährungsumstellung seine Knieschmerzen loszuwerden.

-> Nach einem Rezept von Johann Lafer habe ich mal Rosmarin-Pannacotta als Dessert gemacht. Das war ziemlich genial und mich würde seine vegane Küche interessieren. Davon, dass Ernährung Medizin sein kann, haben mich schon die Ernährungs-Docs überzeugen können, die mir insgesamt sympathischer sind als Liebscher und Bracht.


STERN CRIME Talk – Verbrechen der Vergangenheit [18.10.2020, 12:30 – 13:30]
Kriminalfälle aus dem letzten Jahrhundert faszinieren uns, egal ob sie tatsächlich passiert oder der Fantasie eines Krimiautors entsprungen sind. Oliver Hilmes entführt seine LeserInnen ins Berlin der 1930er Jahre, während Alex Beer ihre Kommissare im Wien der 1920er Jahre ermitteln lässt – mal handelt es sich um einen wahren, aber nie aufgeklärten Kriminalfall, mal um reine Fiktion. Giuseppe Di Grazia (Redaktionsleiter STERN CRIME) begibt sich im Gespräch mit den beiden AutorInnen auf historische Spurensuche: Wie recherchieren sie den historischen Hintergrund möglichst authentisch? Was verraten die Verbrechen über den Zeitgeist und die Gesellschaft, in der sie verübt wurden? Dies und sehr viel mehr geben die beiden im Talk auf der ARD-Bühne preis.

> Interessant, wie manche Geschichten entstehen.


STREITERINNEN! – Leben nachhaltig?! – Jana Braumüller und Nina Lorenzen „Fashion Changers – Wie wir mit fairer Mode die Welt verändern können“ und Kathrin Hartmann „Grüner wird´s nicht – Warum wir mit der ökologischen Krise völlig falsch umgehen“ [18.10.2020, 14:00 -14:30]
Schluss mit Ausreden, falschen Versprechen, „Greenwashing“ und „Fast Fashion“! Zeit für Konsum – aber mit Botschaft und Verantwortung! Langweilige „Jute-Latzhosen-Öko-Klischees“ gehören der Vergangenheit an. Es gibt ihn, den“ grünen Lifestyle“ – einfach umsetzbar und dazu noch modern und stylish! Dafür engagieren sich die Fashion-Ratgeberinnen Jana Braumüller und Nina Lorenzen – für faire Mode! Und klären auf: Mogelpackungen/ „Greenwashing – wie erkennen? „Fair-Fashion“ bezahlbar? Kathrin Hartmann, die unbestechliche Kritikerin aller Falschspielenden unter selbsternannten Umweltbewegten, wirft einen Blick auf diejenigen, die im Kampf gegen die Klimakrise bremsen. Sie klagt an – nicht nur die üblichen Verdächtigen: Energiekonzerne, Auto- und Landwirtschaftsindustrie, sondern auch linke und soziale Bewegungen, Klimaschützer und diverse Umweltverbände… Braumüller, Lorenzen und Hartmann – drei Autorinnen, die „Greenwashing“ aufdecken, für Nachhaltigkeit einstehen und für einen umweltgerechten Handel kämpfen!


ARTE „Es wird Zeit!“ – Die kanadische Künstlerin Emily Carr – Malerin, Autorin, Aktivistin für die First Nations [18.10.2020, 15:30 – 16:00]
Moderation: Bianca Hauda Gäste: Peter Graf (Herausgeber), Marion Hertle (Übersetzerin)

-> Der eigentliche Beitrag beginnt nach etwa einer Minute. Dranbleiben, bzw. vorspulen lohnt sich. Ich bin begeistert – von der Künstlerin, die mich zu einer kreativen Idee zur Bearbeitung einer meiner Steine inspiriert, von der Hörprobe und von dem Verlag, dessen Name Programm ist.


Und bei den Veranstaltungen finde ich außerdem noch:

Das Universum des Michael Tsokos; Michael Tsokos und Tim Bergmann erkunden die Berliner Rechtsmedizin und sprechen über Fred Abels neuesten Fall “Zerrissen”
Autorenveranstaltung von Droemer Knaur GmbH & Co. KG [17.10.2020, 18:00 – 18:45 Uhr]

-> Sehr interessant, aber auch gruselig zu sehen, welches Messer für wofür verwendet wird und dass Schöpfkellen nicht nur zum Servieren von Suppe gut sind.


Der gläserne Leser – Wie Tracking-Dienste Leser von E-Books lesen und analysieren
Vortrag | Präsentation von dfv Mediengruppe

-> Technisch ist dieser Beitrag stellenweise nicht so gelungen, aber dennoch sehr interessant. Mir fehlt hier jedoch der Hinweis auf die anderen eReader- und eBook-Anbieter, die es außer Amazon noch gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese großzügig auf Daten verzichten, die sie so leicht bekommen können. Gut, dass mein eReader keine Videokamera und kein Micro hat. Ich bilde mir ein, dass mir so doch noch ein wenig Privatsphäre bleibt, zumindest während ich meine eBooks im Flugmodus lese. Bei der Gelegenheit wird mir auch deutlich, was mit den Mulitmedialen Inhalten gemeint ist, deren Öffnen ich zustimmen muss, wenn ich gewisse eBook-Rezensionsexemplare auf meinem Reader lesen möchte. Man bezahlt halt vermeintlich kostenlose Inhalte immer mit seinen Daten.


Was kostet mein Buch? Diskussion von Selfpublisher-Verband e.V.
[18.10.2020 | 15:00 – 16:00 Uhr]

-> Mein erstes Mal mit Zoom. Ich installiere nichts, registriere mich nicht, es klappt aber mit dem Zutritt dennoch. Als ich jedoch höre, dass auch auf YouTube gestreamt wird, wechsle ich dorthin, weil mir die Plattform besser bekannt ist – und erfahre Interessantes von Buchautorinnen, die ihre Bücher ohne Verlag – also selbst – veröffentlichen.


Und danach schaue ich mich weiter um, sehe mir Schreibratgebervideos an, erfahre Wissenswertes über das Marketing für Buchautor:innen, bekomme Tipps für Buchcovergestaltung und vieles mehr. Nur schade, dass viele der Beiträge mit dem Ende der Buchmesse nicht mehr auf den Websites verfügbar sein werden. Dennoch mache ich gegen 19 Uhr Schluss. Und so endet die Special Edition der Frankfurter Buchmesse für mich recht unspektakulär und lässt mich etwas müde, aber voller interessanter Eindrücke und Informationen zurück.

Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Freitag)

Meine Eindrücke der vorangegangenen Tage der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachlesen: Dienstag und Mittwoch | Donnerstag .

~ Freitag, 16.10.2020 ~

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/grjasnowa-olga-blaues-sofa-fbm-16-10-2020-102.html

Olga Grjasnowa: Der verlorene Sohn – Aufbau Verlag [16.10.2020, 10:20 – 10:40]
Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen, und Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin – und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglichkeiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.“ Olga Grjasnowa ist eine vielbeachtete Stimme ihrer Generation.“ NDR

-> Ich stoße an die Grenzen meiner Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit und kann der Autorin kaum folgen, weil sie für meine Wahrnehmungsverhältnisse zu schnell und undeutlich spricht. Ich bin ein wenig enttäuscht, aber ich habe über ihre vorherigen Bücher bereits viel Lobendes gehört. Die Leseproben werden für mich vielleicht hilfreicher sein.


Best of Druckfrisch …mit Denis Scheck [16.10.2020,11:00 – 11:30]
Seit 12 Jahren ist das ARD-Literaturmagazin „Druckfrisch“ eine zuverlässige Orientierungshilfe im Bücherdschungel. Unverwechselbar das temporeiche Reportage-Format, in dem Denis Scheck auch in Zeiten von Corona Buchempfehlungen und deutsche wie internationale Autor*innen im Gespräch präsentiert. Schecks zupackende Kritik der Spiegel-Bestseller ist mittlerweile der Aufreger der Sendung – was ihm nicht gefällt, landet prompt in der Tonne.

-> Heute ist der dritte Tag, an dem Denis Scheck über Julia Engelmann herzieht. Mich begeistert sie auch nicht, aber langsam nervt es. Und tatsächlich erhält man in dieser Sendung kaum neue Buchtipps, wenn man sich Best of Druckfrisch an den beiden vorangegangenen Tagen bereits angeschaut hat. Schade!


Aber im Anschluss folgt wieder etwas Interessanteres – hoffe ich zumindest:

„Der Chauffeur“ Autor Heinrich Steinfest im Gespräch mit Denis Scheck [16.10.2020, 11:30 – 12:00]
In der Welt des Chauffeurs Paul Klee herrschen Übersicht und Präzision. Aber das Leben hält keine Garantie für unendliche Ordnung bereit: Nach einem schweren Autounfall und einer nicht minder schweren Fehlentscheidung beschließt er, ein kleines Hotel nach seinen Vorstellungen zu führen. Das Glück will es, dass er sich in die Maklerin Inoue verliebt. Sie planen ein gemeinsames Haus, von den Zimmern bis zur Bar, von den Sesseln bis zum Frühstück. Aber Klees ideale Welt zerbricht ein zweites Mal – und er entschließt sich zu einem für ihn überraschenden Schritt. Heinrich Steinfest wurde 1961 geboren. Er erfand den einarmigen Detektiv Cheng und wurde mehrfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, erhielt zahlreiche Preise. Außerdem wurde er für den Österreichischen Buchpreis nominiert.

-> Hm. Dieses Buch klang besser, als Denis Scheck es in Kurzform vorstellte.


„Zieht euch warm an, es wird heiß! – Den Klimawandel verstehen und aus der Krise für die Welt von morgen lernen“ Autor und Meteorologe Sven Plöger im Gespräch mit Thomas Ranft [16.10.2020, 12:00 – 12:30]
Trockenheit, Waldschäden und Waldbrände, dann wieder Platzregen mit Hagel und Sturmböen – auch Corona kann nicht verdecken, dass sich das Klima immer schneller verändert. Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, müsste die Einsparung an CO2-Emissionen jedes Jahr so groß sein wie durch den Shutdown. Genau das aber wäre möglich! Dazu müssen wir die Gier, die im jetzigen System steckt, in den Umbau der Wirtschaft lenken. Damit der Wohlstand bleibt, muss der Green Deal kommen. Der Diplom-Meteorologe Sven Plöger zeigt verständlich, wie unser Klimasystem funktioniert, wie man skeptischen Stimmen begegnet und dass die aktuelle Krise eine echte Chance ist, Weichen für unsere Zukunft zu stellen. Mit Praxisteil: Reden Sie nicht nur übers Wetter – verändern Sie das Klima! Sven Plöger sagt seit 1999 in Funk und Fernsehen das Wetter voraus. 2010 erhielt er in Bremerhaven die Auszeichnung „Bester Wettermoderator im Deutschen Fernsehen“. Der Diplom-Meteorologe hält regelmäßig Vorträge. 2020 erhielt er den NatureLife-Umweltpreis und stürmte mit seinem neuen Buch „Zieht Euch warm an“ auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste.

-> In 15 Jahren klimaneutral? Weltweit? Ich sage es ungern, aber ich sehe schwarz.

Danach ist erstmal eine kleine Pause angesagt, in der mein Herzbube uns das heutige Messe-Essen zubereitet. Es gibt Wildschweinbratwurst mit Schmörkes und Gemüse. Lecker!


LITPROM LiBeraturpreis 2020 [16.10.2020, 13:00 – 13:30]
Der LiBeraturpreis 2020 geht an Lina Atfah aus Syrien für ihren Lyrikband „Das Buch von der fehlenden Ankunft“. Auf der ARD-Buchmessebühne spricht sie mit einem ihrer Übersetzer, dem Lyriker Jan Wagner. „Ich fand mich wieder, als die Liebe mich wiederfand und als Deutschland mich als Autorin und nicht nur als Flüchtling empfing.» @linaatfah im Interview mit der @nzz

-> Beeindruckend, welche Arbeit die Übersetzer beim Übersetzen von Lyrik leisten und wieviel Fingerspitzengefühl sie besitzen müssen, um nah genug am Original zu bleiben. Fast bedaure ich es, dass ich festgestellt habe, dass ich mich seit einiger Zeit auf Lyrik kaum mehr einlassen kann. Das war schon anders bei mir.


„Lebenswerk“ Autorin Alice Schwarzer im Gespräch mit Cécile Schortmann
[16.10.2020,13:30 – 14:00]
Rückblick, Bilanz, Ausblick. – Alice Schwarzer berichtet über die großen Themen ihres Lebens und ihrer Arbeit, durch die sie über Jahrzehnte ein ganzes Land geprägt hat und noch prägt: Ihre Kämpfe gegen Gewalt an Frauen und Kindern, gegen die Männerjustiz, das Abtreibungsverbot, Sexismus, Pornografie und Prostitution – und für eine »Vermenschlichung der Geschlechter« sowie die Aufhebung der Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern sind legendär. Motto: »Die Hälfte der Welt für die Frauen – die Hälfte des Hauses für die Männer!«

-> Ich bin dankbar für die ‚unbequemen‘ Frauen, wie Frau Schwarzer wohl eine ist, die für mehr Rechte gekämpft haben und nicht müde wurden, auf Missstände hinzuweisen. Sie konnten einiges bewirken. Ich könnte mir vorstellen, dass Frau Schwarzer in ihrem Lebenswerk viel Interessantes zu berichten weiß.


STREITERINNEN! – Leben selbstbestimmt?! – Mit Emma Becker “La Maison” und Susan Arndt „Sexismus – Geschichte einer Unterdrückung.“
[16.10.2020, 14:00 – 14:30]
Selbstbestimmtheit in Form von Prostitution? Was genau macht Sexismus aus? Und was für eine Rolle spielen dabei Machtverhältnisse? Emma Becker arbeitete zwei Jahre lang als Prostituierte. Sie nennt sich Justine. Und Justine hat Spaß am Sex! Ihre Kolleginnen sind sehr unterschiedlich, aber alle haben etwas gemeinsam: Sie fühlen sich in „La Maison“ zu Hause. Die französische Autorin Emma Becker hat eine selbstbewusste Sicht auf Prostitution und bricht mit herkömmlichen Erwartungen. Sie spricht von der Macht der Frauen im Milieu. Aber ist das vielleicht trotzdem eine Form von Sexismus?
Die Professorin Susan Arndt untersucht, wie er sich äußert – der Sexismus als Herrschafts- und Machtsystem. Alltäglicher Sexismus – oft übersehen und bei Hinweis oft als „zu moralisch“ oder „politisch hyperaktiv“ abgetan oder ganz geleugnet. Eine Frage des Mutes, sich dazu zu äußern? Becker und Arndt – zwei Autorinnen mit unterschiedlichen Perspektiven und einem gemeinsamen Ziel: Tabus zur Sprache bringen!

-> Puh, um als Sexarbeiterin mein Geld zu verdienen bin ich inzwischen zu alt, zu krank und sicherlich nicht willens genug. Irgendwie kann ich nicht glauben, dass das tatsächlich nur eine Arbeit ist, die nicht doch irgendwas mit der Seele macht. Vielleicht ist das alles aber auch eine Frage des Charakters und mein Denken und meine Moral sind spießig und kleinkariert. Der alltägliche Sexismus ist mir hingegen bekannt, wenn auch glücklicherweise nur im kleinen.


Manchmal klappt das Timing perfekt: Der Postbote kommt genau in der 30-Minuten-Pause, sodass ich in Ruhe in dem umfangreichen Teepaket stöbern kann, das ich mir ein bis zwei Mal im Jahr bestelle, und von dem heute eines angekommen ist. Schon allein das Öffnen des Pakets ist herrlich und der Duft lädt zum tiefen Inhalieren und Augen-dabei-schließen ein. Ich freue mich schon darauf, die zahlreichen Teesorten – dieses Mal grüne Tees in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen – nach und nach auszuprobieren.


„Das Buch eines Sommers – Werde, der du bist“ Autor Bas Kast im Gespräch mit Thomas Ranft [16.10.2020, 15:00 – 15:30]
Im Sommer seines Lebens hat Nicolas einen Traum. Er will Schriftsteller werden wie sein Onkel. Dann kommt das Leben dazwischen und die Firma seines Vaters, Verantwortung, Termine und lauter Zwänge. Als sein Onkel stirbt, verliert Nicolas den einzigen Menschen, der an ihn geglaubt hat. Doch überraschend findet er am unwahrscheinlichsten Ort den Schlüssel, der ihm hilft, zu dem zu werden, der er wirklich ist. Bas Kast, geboren1973, studierte Psychologie und Biologie, arbeitet als Wissenschaftsjournalist und ist unter anderem Autor des Bestsellers »Der Ernährungskompass« aus dem Jahr 2018.

-> Den Ernährungskompass mochte ich sehr. Irgendwie bin ich neugierig auf das neue Buch dieses Autors. Aber wenn er seinen Roman als Wohlfühlroman bezeichnet, macht mir das eher Angst.

Bevor ich bis 19 Uhr Pause mache, schaue ich nach, ob bereits einige Videos zum Verlinken online sind. Dabei stoße ich auf diesen Beitrag, der einen interessanten Einblick auf das Messegeschehen gibt:

Bis 19 Uhr bin ich danach erstmal mit Bildschirmfremdem beschäftigt und backe unter anderem einen Kuchen für morgen. Heute bleibt keine Zeit für Sport. Den Beitrag, der um 19 Uhr starten sollte, finde ich nirgendwo und weiß auch nicht mehr, wo er stattfinden sollte. Irgendwann komme ich unter dem Menüpunkt „Veranstaltungen und Aussteller“ bei den digitalen Veranstaltungen aus und freue mich über das, was ich dort finde. Bei BoD entdecke ich einen Schreibworkshop mit J. Vellguth und einen Schreibworkshop mit Adriana Popescu. Ich brüte derzeit eine Schreibidee intensiver aus und kann Input in dieser Richtung gut gebrauchen. Aber anschauen werde ich mir beides zu einem späteren Zeitpunkt. Es gibt noch so vieles mehr zu entdecken, dass ich hoffe, dass die dortigen Inhalte und Verlinkungen noch eine Weile verfügbar sind, damit ich mich in aller Ruhe umschauen kann.

Um 20 Uhr geht es dann planmäßig weiter:

ARD-Buchmessennacht
16.10.202020:00 — 23:00
Beste Unterhaltung, relevante Themen, hochwertige Literatur mit internationaler Ausstrahlung – dafür steht die ARD-Buchmessennacht. Der aktuelle Buchpreisträger ist ebenso zu Gast wie die Großkritikerin Elke Heidenreich oder der israelische Friedenspreisträger David Grossman. Es geht um Rassismus, um Amerika vor der Wahl und die Verteidigung der Demokratie auch in Deutschland. Jan Böhmermann plaudert aus seinem Twittertagebuch „Gefolgt von niemandem, dem du folgst“ und Jan Weiler erzählt hinreißende Geschichten davon, wie es ist, wenn aus Pubertieren junge Erwachsene werden, und man selbst zu belächelten „Ältern“ wird. 13 herausragende Titel dieser Buchmesse, Schlag auf Schlag moderiert von Catherine Mundt und Alf Mentzer. Mit Richard David Precht, Ahmad Mansour, Max Czollek, Bas Kast, Stefanie Sargnagel, Klaus Brinkbäumer, Susanne Fröhlich, Elke Heidenreich, Zoë Beck, Alexa Hennig von Lange und Jan Weiler mit Episoden. Außerdem per Zuschaltung den Buchpreisträger, Jan Böhmermann und David Grossman.

-> Um 21 Uhr breche ich ab. Ich bin müde und habe keine Lust meinen Abend noch länger vor dem Computer zu verbringen. ⭐🌙

Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Donnerstag)

Meinen Dienstag und Mittwoch mit der digitalen Ausgabe der Frankfurter Buchmesse könnt ihr hier nachverfolgen.

~ Donnerstag, 15.10.2020 ~

Heute startet die Buchmesse für mich bereits vor Beginn des eigentlichen Programms. Denn viele Verlage haben auf ihren eigenen Internetseiten ihr eigenes Messeprogramm veröffentlicht und bieten darin Sehens- und Lesenswertes rund ums Buch und ihr Verlagsprogramm an. So stöbere ich im Vorfeld ein wenig beim mare Verlag, dessen Messestand ich sicherlich auch auf einer Buchmesse mit physischen Ausstellern besucht hätte. Ein Herzensverlag halt, so wie Diogenes, Delius Klasing und Malik auch.


Um 11 Uhr geht es los mit:

Best of Druckfrisch …mit Denis Scheck [15.10.2020, 11:00 – 11:30]
Seit 12 Jahren ist das ARD-Literaturmagazin „Druckfrisch“ eine zuverlässige Orientierungshilfe im Bücherdschungel. Unverwechselbar das temporeiche Reportage-Format, in dem Denis Scheck auch in Zeiten von Corona Buchempfehlungen und deutsche wie internationale Autor*innen im Gespräch präsentiert. Schecks zupackende Kritik der Spiegel-Bestseller ist mittlerweile der Aufreger der Sendung – was ihm nicht gefällt, landet prompt in der Tonne.

-> „Die Wunderkammer der deutschen Sprache“ gefällt mir. Ein kleiner Schatz wundersamer Wortschöpfungen tut sich da auf. Das macht Lust darin querzulesen und sich darin unterhaltsam zu verlieren. Auch die Bücher von Wolfram Eilenberger machen mich neugierig, damit möchte ich mich dringend etwas näher beschäftigen. 1793 wartet noch angelesen auf meinem SuB. Ich weiß nicht mehr, warum ich es unterbrochen habe, aber ich freue mich darauf, es weiterzulesen. Außerdem weist Denis Scheck auf Bücher hin, die er bereits am Vortag vorgestellt hat und es waren auch Titel dabei, zu denen bereits die Autoren interviewt wurden. Herausgekommen ist bei dieser Ausgabe eine schöne Mischung von Gestrigem und Neuem.


„60 Kilo Sonnenschein“ Autor Hallgrimur Helgason im Gespräch mit Denis Scheck
[15.10.2020, 11:30 — 12:00]
Der große Roman von einem der originellsten isländischen Autoren ist die Geschichte von Gestur, einem unehelichen Bauernsohn aus dem fiktiven Dorf Segulfjörður. Während er bei immer neuen Ziehvätern heranwächst und schließlich selbst Vater wird, erwacht das moderne Island. Große Fischfänger steuern den Hafen an, bringen Exotisches und Fremdes aus dem Umland und der weiten Welt. Mit den Waren kommen auch neue Werte, neue Moden und Gefühle ins kalte und tief verschneite Segulfjörður. Humorvoll, turbulent und mit unvergesslichen Figuren erzählt Helgason vom Weg Islands in die Moderne. Hallgrímur Helgason, geboren 1959 in Reykjavík, feierte seinen Durchbruch mit „101 Reykjavík“. Es folgten die Bestseller „Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen“ (2011) und „Eine Frau bei 1000°“. Helgason ist einer der erfolgreichsten Autoren Islands.

-> Ein schönes Interview mit einem sympathischen Autor, das gut zu verstehen ist, auch wenn es komplett in Englisch ohne Übersetzung geführt wird. Dieses Buch war mir bereits beim Durchblättern der Herbst-Verlagsvorschau aufgefallen. Nach diesem Interview verspüre ich den besonders dringenden Wunsch es zu lesen.


Mein Terminkalender gewährt mir im Anschluss eine längere Pause, die ich für Hausarbeit nutze – so zumindest der Plan. Aber ich schaue sicherheitshalber vorher noch nach, was auf dem blauen Sofa los ist und ob mich nicht doch etwas interessiert. Das Ergebnis ist: Die Hausarbeit ist erstmal aufgeschoben und ich schaue mir stattdessen an:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/noltze-blaues-sofa-fbm-15-10-2020-100.html

Holger Noltze: World Wide Wunderkammer. Ästhetische Erfahrung in der digitalen Revolution – Edition Körber [15.10.2020, 12:00 — 12:20]
Digitalisierung war für Opernhäuser und Konzertsäle, Theater und Museen lange allenfalls ein Marketingthema. Dass sich für die Zauberorte des Analogen auch digitale Wunderkammern öffnen könnten – kaum vorstellbar. Holger Noltze vermisst dieses neue Terrain und prüft seine Entdeckungen auf ihren Mehrwert für die ästhetische Erfahrung der Zukunft. Langsam erst – manchmal von der Not getrieben, manchmal von Abenteuerlust – entdecken Opern- und Konzerthäuser die eigenständigen Qualitäten des Streaming, entwickeln Museen digitale Sammlungen, die Schaulust und Kunstverstand ansprechen. Es ist höchste Zeit, so Noltze, dass die Kulturinstitutionen sich auf ihre Kernkompetenzen der Kuratierung und qualitativen Unterscheidung besinnen. Dann können sie die Möglichkeiten des Web zur Vertiefung und Differenzierung nutzen, um den Hunger auf ästhetische Entdeckungen jenseits des Erwarteten und Erwartbaren zu wecken. Dafür braucht es neben überzeugenden Erlösmodellen vor allem kluge Lenkung, Fantasie, Komplexitätstoleranz – und die Bereitschaft, ins Unbekannte aufzubrechen.

-> Das Live-Erlebnis von Musik lässt sich für mich nicht durch digitalen Genuss ersetzen. Aber ich denke, es kann eine Ergänzung des bisherigen Angebots sein. Wenn ich nicht die Möglichkeit gehabt hätte, mir Rammstein live vor Ort anzusehen, hätte ich vielleicht sogar für einen digitalen Mitschnitt bezahlt, um ‚dabei‘ zu sein. Aber diese Band ist nicht nur von der Live-Qualität hochwertig, sondern hat auch fürs Auge eine unvergessliche Show zu bieten. Hier entstehen insgesamt durch die Digitalisierung vielleicht zusätzliche Märkte und Erlebnisformen, aber ein Ersatz sind sie nicht.


Man könnte mir Prokrastination vorwerfen und läge damit sicherlich richtig, denn ich schaue erstmal im Programm nach, ob es nicht vielleicht außerdem noch etwas Außerplanmäßiges für mich anzuschauen gibt, das mich vor der anstehenden Hausarbeit bewahren könnte. Aber Fehlanzeige. Ich muss also doch etwas tun, bevor es um 13.00 Uhr weiter geht. Aber als es so weit ist, geht es nicht weiter. Der Beitrag, zu dem mich mein Kalender führen sollte, ist verschwunden und es steht etwas Anderes auf dem Plan.

Die Enttäuschung währt aber nicht zu lange, denn jetzt gibt es erstmal Mittagessen. Mein Herzbube hat sich mal wieder selbst übertroffen und serviert Hähnchencurry mit Naan-Brot. Das Essen, das mir während der digitalen Frankfurter Buchmesse geboten wird, ist wirklich hervorragend 🙂

Gut gesättigt und mit wunderbar gestreichelten Geschmacksnerven geht es danach weiter im Buchmesse-Programm:


STREITERINNEN! – Leben gegen Diskriminierung?! – Mit Olivia Wenzel “1000 Serpentinen Angst“ und Melisa Erkurt “Generation haram – Warum Schule lernen muss, allen eine Stimme zu geben“ [15.10.2020, 14:00 – 15:00]
Herrscht Diskriminierung, Rassismus und Schubladendenken mehr denn je im Alltag? Welche Auswirkungen hat dieses Verhalten für die Betroffenen? Und wo fängt Diskriminierung an? »Ich habe mehr Privilegien, als je eine Person in meiner Familie hatte. Und trotzdem bin ich am Arsch. Ich werde von mehr Leuten gehasst, als meine Großmutter es sich vorstellen kann.« Olivia Wenzel berichtet über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft zugewiesen werden. Jetzt sind die Verlierer dran! Die Journalistin und Lehrerin Melisa Erkurt gibt denen eine Stimme, die im System Schule nicht gehört werden. Die meisten ihrer Schüler*innen würden nie ausreichend gut Deutsch sprechen, um ihr vorgezeichnetes Schicksal zu durchbrechen, so Erkurt. Nicht sie müssten sich ändern, sondern das System Schule müsse neue Wege gehen! Wenzel und Erkurt – zwei Autorinnen, die sich gegen vorgezeichnete Schicksale und Diskriminierung zu Wehr setzen!

-> Eine interessante Gesprächsrunde, die Einblicke in die Problematiken, vor die Schüler und Lehrer heutzutage gestellt sein können, liefert. Insgesamt wird hier auch eine Themenwelt berührt, mit der ich mich bislang kaum beschäftigt habe. Wohl ein Luxus, den ich mir durch die Geburt als blonde Frau mit weißer Haut in Deutschland leisten kann. Nichtsdestotrotz eine fesselnde inspirierende Runde, die in mir den Wunsch weckt, mich näher mit den hier angesprochenen Themen zu beschäftigen.

-> Gerne würde ich zum Abschluss der Runde applaudieren oder zumindest mein Gefallen mit einem Daumen hoch oder einem Herzchen bestätigen. Diese kleinste Form der Anerkennung fehlt mir. Vielleicht bin ich aber auch zu kleingeistig und messe dem zu viel Bedeutung zu.


Während die vorherige Sendung noch lief, startete bereits der Beitrag mit Bernhard Schlink, den ich in aller Seelenruhe verpasse, weil ich davon ausgehe, ihn mir bequem später als Aufzeichnung ansehen zu können.

-> Doch das funktioniert leider nicht. Ich bin etwas enttäuscht und habe erstmal wieder Pause. In der Zwischenzeit schaue ich mir in allen Live-Bereichen an, was heute noch gesendet wird und entscheide mich als nächstes für:


ARTE „Es wird Zeit!“ – Generation Greta und die Politkultur der jungen Generation
[15.10.202015:30 – 16:30]
Moderation: Aline Abboud. Gäste: Esra Karakaya (youtube Creator, Berlin), Madita Hampe (Redaktionskollektiv Rubikon), Klaus Hurrelmann „Generation Greta“, Wolfgang Bergmann (ARTE Deutschland, Geschäftsführer)

-> Ich erinnere mich an die Zeiten, als ich selbst zu einer jungen Generation gehörte, und an das, was mir damals Sorgen bereitete. ‚No Future‘ pinnte man sich damals schonmal gern an die Jeansjacke und hatte insgeheim Angst davor, dass es so sein könnte. Die Themen waren zum Teil ähnlich wie heute, aber manches ist eben doch ganz anders. Die Sprache kommt auch auf Luisa Neubauer und Friedrich Merz bei Markus Lanz. Das habe ich nicht mitbekommen, schaue es mir aber im nachhinein noch hier an. 👍

Dann ist der Beitrag von Bernhard Schlink plötzlich doch verfügbar und ich sehe ihn mir zum Abschluss dieses Buchmessetages an:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/schlink-blaues-sofa-fbm-15-10-2020-100.html

Bernhard Schlink: Abschiedsfarben. Erzählungen – Diogenes [15.10.2020, 14:20 – 14:40] Nach Liebesfluchten und Sommerlügen der dritte große Erzählband von Bernhard Schlink – ein literarisches Ereignis. Geschichten, die überraschen, verstören und beglücken. Geschichten von Menschen in verschiedenen Lebensphasen, ihren Hoffnungen und Verstrickungen. Über das Gelingen und Scheitern der Liebe, Vertrauen und Verrat, bedrohliche und bewältigte Erinnerungen.

-> Damit endet dann auch mein heutiges Programm und Zeit es ist endlich Zeit für ein wenig Sport: Zu absolvieren ist ein kurzes aber knackiges Bauchtraining und danach eine halbe Stunde Trampolin. Später gönne ich mir dann noch ein Entspannungsbad. Und noch später würde ich gern ein wenig lesen, bin mir aber nicht sicher, ob dafür heute die Konzentration noch ausreichen wird. Wir werden sehen…


Fazit: Da ich heute mehrere längere Pausen hatte, konnte ich fern vom Rechner doch einiges mehr schaffen, als gestern. So sehr ich die Gesprächsrunden und auch die Interviews mit den Autoren genossen habe, so sehr strengen sie mich allerdings auch an. Einerseits freue ich mich auf die Beiträge, die noch im Google-Kalender eingetragen auf mich warten, andererseits freue ich mich auf die Zeit nach der Buchmesse, die von weniger Bildschirmzeit geprägt sein wird.

Da ich einige Newsletter von Verlagen, Buchhandlungen und Buchcommunities abonniert habe, bekomme ich am Rande mit, dass auch dort vieles im Zeichen der Buchmesse steht. Es gibt Aktionen, Verlosungen, Videos mit Autoren und Autorinnen. Schöne Ideen sind dabei und eigentlich würde ich mir gern alles anschauen oder sogar mitmachen und mich intensiver damit auseinander setzen. Tatsächlich habe ich mir aber vorgenommen, mich auf das Live-Programm der Buchmesse zu konzentrieren und empfinde bereits dieses Angebot als reichhaltig und ansprechend. Mir fehlt ein wenig Zeit, aber überraschenderweise auch die Lust mich darüber hinaus noch mehr mit Büchern zu beschäftigen. Abgesehen davon, nach einem bildschirmlastigen Tag auch tatsächlich vor dem Einschlafen noch ein wenig in einem Buch zu lesen.

Allerdings hebe ich mir doch noch etwas für einen späteresn Zeitpunkt auf:

Die Frankfurter Buchmesse . Special Edition 2020 (Dienstag + Mittwoch)

Die erste digitale Buchmesse ist in Frankfurt gestartet – und es ist für mich zudem noch die erste Buchmesse, an der ich überhaupt teilnehme. Ich hatte mich im Vorfeld registriert und meinen Google Kalender mit vielen Terminen gefüllt, die ich auf keinen Fall verpassen wollte. Das hilft mir enorm dabei, die Planung der Buchmesse-Tage mit meiner privaten Planung und der nötigen Selbstfürsorge in Einklang zu bringen. Außerdem gelange ich über den Kalender immer gleich zu der richtigen Plattform, um mir den jeweiligen Beitrag anzuschauen.

Nebenher habe ich versucht den Ablauf und meine Eindrücke ein wenig zu protokollieren und zu den jeweiligen Veranstaltungen zu verlinken sofern möglich, damit ihr im nachhinein zumindest bei ‚meiner Version‘ der Buchmesse dabei sein könnt, falls ihr es nicht zu den regulären Terminen geschafft habt. Einige der Beiträge werden nämlich noch eine zeit lang online verfügbar sein, andere verschwinden hingegen kurz nach Messeschluss, aber dazu in den kommenden Tagen mehr.


~ Dienstag, 13.10.2020 ~

Eher zufällig finde ich in meinem YouTube-Feed eine erste Aufzeichnung, die die Buchmesse betrifft. Das hätte ich fast verpasst, was schade gewesen wäre. Ich giere nach Informationen, die die Buchmesse betreffen.


Der Google Kalender, den ich eigentlich ansonsten kaum benutze, funktioniert einwandfrei und erinnert mich rechtzeitig daran, dass es nun endlich los geht. Als erstes schaue ich mir aus dem Fachbereich folgendes an:

Digitalevents! Denn Sie wissen nicht, was Sie tun … [13.10.2020, 14:00 -15:00]
Corona hat vieles im Verlags- und Handelsumfeld ins Digitale gezwungen, von Lesungen bis ganzen Messen. Welche Learnings gibt es aus dem ersten halben Jahr Digitalevents, welche Möglichkeiten und Perspektiven ergeben sich daraus langfristig für Verlage und Handel? Einblicke und Expertengespräch. Mit Steffen Meier, Jan Theofel, Isa Theobald, Ralf Schiering, Doris Beckmann.

-> Ein sehr interessantes Gespräch, das mir Komplexität und Wertigkeit von Online-Events bewusst gemacht hat. Ich sehe das ganze nun mit anderen Augen.


Abends schaue ich dann über YouTube:

-> Sehr feierlich, eine Eröffnungsfeier halt. Ich bin dankbar für die Mühe und Gedanken, die sich die Köpfe dieser Messe gemacht haben und bin gespannt auf das, was dabei herausgekommen ist. Memo an mich: Eröffnungsfeiern nicht abends gemütlich auf der Couch anschauen – die Schwerkraft zerrt zu sehr an den Augenlidern.


~ Mittwoch, 14.10.2020 ~

Um 10.00 Uhr schaue ich mir gespannt den ersten Beitrag der ARD-Buchmessebühne vor dem PC am Schreibtisch an.

NDR Kultur BücherLeben extra – Gespenster unserer Zeit. Neue Bücher im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse [14.10.2020, 10:00 – 11:00]
Was für ein Jahr, was für eine Buchmesse! Kleiner und digitaler soll sie infolge des gespenstischen Coronageschehens werden – aber sie soll stattfinden. Einzelne Verlage werden in Frankfurt präsent sein, manche Autorinnen und Autoren ebenfalls und auf jeden Fall auch die NDR Kultur-Literaturredaktion. Auf der großen ARD-Bühne begrüßen wir Verena Keßler und Ijoma Mangold zum Gespräch über ihre neuen Bücher. Der renommierte Kritiker beschreibt in „Der innere Stammtisch“, wie die verrückte Gegenwart auf ihn wirkt. Und die Hamburger Autorin Verena Keßler erzählt in ihrem Debüt „Die Gespenster von Demmin“ von der düsteren Vergangenheit einer Kleinstadt: Ihr und der Gegenwart muss man sich stellen.

-> Eine schwere Geschichte mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt. „Die Gespenster von Demmin“ ist das erste Buch dieser Buchmesse, das ich gerne lesen möchte. Ijoma Mangold finde ich sympathisch und mag ihm zuhören, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich seinen Ausführungen schriftlich ein ganzes Buch lang folgen kann. Ich muss mal in die Leseprobe hineinschauen – denke ich noch gerade, als er auch schon eine Kostprobe aus seinem Buch „Der innere Stammtisch“ vorliest. Ich liebe es und bin schockiert darüber, dass ich auch dieses Buch unbedingt lesen möchte. Wenn das so weiter geht…


So interessant der Beitrag auch ist, bin ich doch dankbar dafür, dass er fünf Minuten früher als im Kalender eingetragen endet. So bleibt mir gerade genügend Zeit zur Toilette zu gehen, bevor um 11.00 Uhr „Best of druckfrisch“ beginnt:

Best of Druckfrisch …mit Denis Scheck [14.10.2020, 11:00 – 11:30]
Seit 12 Jahren ist das ARD-Literaturmagazin „Druckfrisch“ eine zuverlässige Orientierungshilfe im Bücherdschungel. Unverwechselbar das temporeiche Reportage-Format, in dem Denis Scheck auch in Zeiten von Corona Buchempfehlungen und deutsche wie internationale Autor*innen im Gespräch präsentiert. Schecks zupackende Kritik der Spiegel-Bestseller ist mittlerweile der Aufreger der Sendung – was ihm nicht gefällt, landet prompt in der Tonne.

-> Es ist mir fast zu viel, was er im Schnelldurchlauf vorstellt, aber interessieren konnte mich „Der Chauffeur“ von Heinrich Steinfest und das Hörbuch „Ein Mann des Meeres“ in dem André Wiersig sein Schwimmen durch die Ocean’s Seven erzählt.


Dann wird es zeitlich unpassend. Denn ein Beitrag vom Blauen Sofa hat bereits angefangen. Leicht gestresst wechsle ich das Browserfenster und lande inmitten des folgenden Beitrages:

Anna Mayr: Die Elenden. Warum unsere Gesellschaft Arbeitslose verachtet und sie trotzdem braucht – Hanser Berlin [14.10.2020, 11:20 – 11:40]
Faul. Ungebildet. Desinteressiert. Selber schuld. Als Kind von zwei Langzeitarbeitslosen weiß Anna Mayr, wie falsch solche Vorurteile sind. Das schützte sie nicht davor, dass ein Leben auf Hartz IV ein Leben mit Geldsorgen ist und dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Früher schämte sie sich, dass ihre Eltern keine Jobs haben. Heute weiß sie, dass unsere Gesellschaft Menschen wie sie braucht: als drohendes Bild des Elends, damit alle anderen wissen, dass sie das Richtige tun, nämlich arbeiten. In ihrem kämpferischen, thesenstarken Buch zeigt Mayr, warum wir die Geschichte der Arbeit neu denken müssen: als Geschichte der Arbeitslosigkeit. Und wie eine Welt aussehen könnte, in der wir die Elenden nicht mehr brauchen, um unseren Leben Sinn zu geben.

-> Ich habe zu viel verpasst und gebe auf. Entdecke aber in einer späteren Pause, dass in der ZDFmediathek die Beiträge nachträglich noch angeschaut werden können. Und das mache ich dann auch: https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/mayr-anna-blaues-sofa-fbm-14-10-2020-100.html . Richtig überzeugen kann mich die Autorin nicht, was allerdings an Begrifflichkeiten liegt und Definitionen, die sich von meinen zu unterscheiden scheinen. Manches wirkt willkürlich festgesetzt und aus dem Bauch heraus behauptet. Mir fehlen schlüssige Erklärungen und Schlussfolgerungen. Das kommt vielleicht im Buch besser heraus als in dem kurzen Interview, hoffe ich zumindest für die Autorin und ihre Leser, zu denen ich wohl eher nicht gehören werde.


Aber zu dem regulären Sendezeitpunkt schalte ich erstmal um zu einem Beitrag, der sich mit dem vorherigen überschneidet, damit ich zumindest diesen von hier Anfang an sehen kann:

„Johnny Ohneland“ Autorin Judith Zander im Gespräch mit Denis Scheck
[14.10.2020, 11:30 — 12:00]
Judith Zander erzählt im Selbstgespräch von Joana Wolkenzin. Sie weiß früh, dass sie anders ist. Sie liest stundenlang, verliebt sie sich in Jungs und Mädchen. Dann gibt sie sich den Namen Johnny. Aber bringt er auch neues Glück? Als die Mutter über Nacht die Familie verlässt, macht Johnny sich auf die Suche nach einem Leben, das ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Dabei ist sie oft einsam und immer wieder kompliziert verliebt in Menschen, die sich wie sie zwischen den Geschlechtern aufhalten. Die erste richtige Liebesgeschichte mit einem Studenten aus Luxemburg endet abrupt, als er seine Abreise und den Wunsch, mit einem echten Jungen zusammen zu sein, ankündigt. Judith Zander, geboren 1980 in Anklam, lebt heute in Jüterbog. Für ihre Werke wurde sie u.a. mit dem 3sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs und mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet. Ihr Roman „Dinge, die wir heute sagten“ stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

-> Das erste Buch von Judith Zander wartet noch auf meinem SuB und auch ihr neues Buch klingt lesenswert. Die ostdeutsche Thematik und damit auch der Teil der deutschen Geschichte, den ich nicht selbst sondern nur aus der westlichen Sicht kennenlernte, interessiert mich und doch ist und bleibt vieles für mich unvorstellbar. Gewünscht hätte ich mir, auch eine Passage aus ihren Buch vorgelesen zu bekommen, um einen besseren Eindruck von ihrer Art des Schreibens zu erhalten. Dennoch ist der Beitrag sehr ansprechend und ich freue mich darauf die Schreibweise der Autorin kennen zu lernen.

-> Zwischendurch kommt der Herzbube vom Einkaufen zurück und hat feinste Schokolade zum Schlemmen auf der digitalen Buchmesse mitgebracht. Ich freue mich. Es wird uns ein Fest sein, sie zu genießen.


Gleich im Anschluss geht es noch weiter ostwärts mit:

„Immer wieder Ostwärts – Oder wie man in der Transsibirischen Eisenbahn duscht, ohne seekrank zu werden“ Autorin Julia Finkernagel im Gespräch mit Marion Kuchenny [14.10.2020, 12:00 – 12:30]
In ihrem neuen Buch geht es zunächst ins Baltikum, wo Finkernagel auf deutsche Geschichte, gelebte Utopie und starke Frauen trifft. Zwischen Waldbrand und Weinbrand ist sie in Montenegro unterwegs und schließlich frostwärts mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau zum Baikalsee. Mit an Bord: das Moskauer Sinfonieorchester, Wodka und Kaviar. Auf ihrer Reise findet Finkernagel heraus, dass in Montenegro Nichtraucher leider draußen bleiben müssen und erklärt, wie man am Baikalsee einen Drink „auf Eis“ nimmt. Die studierte Kommunikationsdesignerin und ehemalige Managerin überredete vor zehn Jahren ihren Chef am Frankfurter Flughafen zu einem Sabbatjahr und brach auf zu einer Rucksackreise nach Südostasien, Skandinavien und Nordamerika und kehrte nie mehr ins Büro zurück. Seit 2008 zieht sie regelmäßig ostwärts. Über 40 Filme für verschiedene Formate bei ARTE, MDR, HR und KIKA sind dabei entstanden.

-> Eine sympathische Autorin, der ich endlos zuhören könnte und deren Buch ich unbedingt lesen möchte. Nur mein neuer Nachbar, der an seiner Bohrmaschine wirklich alles zu geben scheint, nervt etwas.

-> Zwischendurch entdecke ich den Knesebeck Verlag, in dem dieses Buch erschienen ist und mir fällt auch gleich noch ein weiteres Buch auf, das mein Interesse weckt. Diesen Verlag werde ich im Auge behalten und versuche mir zu merken, dass es im Dezember in der ARD-Mediathek einen Film dazu geben wird.

-> Danach habe ich 10 Minuten Pause bis zur nächsten Sendung, die beim blauen Sofa sein wird. Ich vertrete mir die Beine und räume ein wenig in der Wohnung auf. Muss ja auch sein.


https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/precht-blaues-sofa-fbm-14-10-2020-100.html

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens – Goldmann
[14.10.2020, 12:40 — 13:00]
Während die drohende Klimakatastrophe und der enorme Ressourcenverbrauch der Menschheit den Planeten zerstört, machen sich Informatiker und Ingenieure daran, die Entwicklung einer Künstlichen Intelligenz voranzutreiben, die alles das können soll, was wir Menschen auch können – nur vielfach „optimierter“. Ausgehend von völlig falschen Annahmen soll den Maschinen sogar eine menschenähnliche Moral einprogrammiert werden. Richard David Precht macht uns eindringlich klar, dass das nicht möglich ist. Denn unser Leben besteht nicht aus der Abfolge vorausberechneter Schritte. Wir sind viel mehr als das.

-> Ich möchte gerne mal wieder etwas von Richard David Precht lesen. Gerne auch sein Essay „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“. Gehirnfutter, das mir schmeckt. Apropos Hunger…

-> Eine für den Anschluss auf der ARD-Buchmessebühne gebuchte Veranstaltung ist ausgefallen. Das verschafft mir 20 Minuten Pause. Zeit fürs Mittagessen. Mit Liebe und Können hervorragend gekocht vom Herzbuben. Es gibt Hähnchen-Ananas-Spieß mit Tomatenreis. Feinstes Messe-Essen! Ich bin ein Glückskind 🙂


Nach dem Essen geht es weiter im Programm:

Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2020 im Gespräch mit Cécile Schortmann [14.10.2020, 13:30 – 14:00]
Cécile Schortman interviewt die Gewinnerin Anne Weber im Anschluss an die Preisverleihung auf der ARD-Buchmessebühne in der Festhalle.

-> Mir hat die Geschichte hinter dem Buch besser gefallen, als das, was die Autorin vorträgt. Ich kann mich auf das Gehörte nicht so recht einlassen. Manchmal ist das halt so.

Danach habe ich wieder 30 Minuten Pause.


„Respekt geht anders – Betrachtungen über unser zerstrittenes Land“ Autorin Gabriele Krone-Schmalz im Gespräch mit Marion Kuchenny [14.10.2020, 14:30 – 15:00]
Deutschland ist im Kampfmodus. Die Welt steht vor großen Herausforderungen und bietet damit Stoff genug für erregte Debatten. Doch statt anständig zu streiten, werden diejenigen verunglimpft, die anderer Meinung sind – wahlweise als „links-grün Versiffte“, als „Volksverräter“, als „Nazis“ und „Rassisten“ oder auch schlicht als „alte weiße Männer“. Und Probleme werden zunehmend im Zustand der hysterischen Hyperventilation diskutiert. Gabriele Krone-Schmalz, langjährige Russland-Korrespondentin der ARD, Moderatorin von ARD-Kulturweltspiegel und Professorin für TV und Journalistik, wirft in ihrem neuen Buch einen besorgten Blick auf unser zerstrittenes Land und plädiert für mehr Respekt gegenüber Andersdenkenden.

-> Kürzlich habe ich mich erst gefragt, was aus Frau Krone-Schmalz eigentlich geworden ist, von der ich in den 1990er Jahren einige Russland-Bücher gelesen hatte. Nun geht es um Respekt und Streitkultur in ihrem neuen Buch. Ihre Ausführungen finde ich nachvollziehbar und interessant. Darüber würde ich gern auch etwas lesen.


Im Programm geht es anschließend auf dem blauen Sofa weiter:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/klitschko-kiel-blaues-sofa-fbm-14-10-2020-100.html

Wladimir Klitschko + Tatjana Kiel: F.A.C.E. the Challenge Entdecke die Willenskraft in dir! – Ariston [14.10.2020, 15:00 — 15:20]
Herausforderungen erfolgreich meistern! F.A.C.E., das ist Focus, Agility, Coordination und Endurance – Konzentration, Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer. Um diese vier Kernkompetenzen dreht sich die Erfolgsphilosophie des ehemaligen Boxweltmeisters und Managementtrainers Wladimir Klitschko. Er hat daraus eine Vier-Stufen-Methode entwickelt, die uns befähigt, konsequent unser Ziel zu erreichen. Jeder Schritt in diesem Prozess besteht aus der Aktivierung des körperlichen und geistigen Potenzials – mit der Willenskraft als Dreh- und Angelpunkt und als Schlüssel zum Erfolg.

-> Es geht ums Mentalcoaching und damit das funktionieren kann, muss man dem Coach vertrauen und sich von seiner Methode angesprochen fühlen. Ich denke, dass Wladimir Klitschko seine Anhänger findet, aber mich kann er mit diesem Beitrag nicht so recht erreichen.


Und weiter geht’s mit:

https://www.zdf.de/kultur/das-blaue-sofa/bank-zsuzsa-blaues-sofa-fbm-14-10-2020-102.html

Zsuzsa Bánk: Sterben im Sommer – S. Fischer Verlag [14.10.2020, 15:20 — 15:40]
Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In „Sterben im Sommer“.

-> Um dieses Buch schleiche ich schon seit dem Erscheinungsdatum herum, traue mir aber die Thematik immer noch nicht zu. Jetzt, nach dem gerade erst vollendeten ersten Trauerjahr habe ich noch nicht den nötigen Abstand um dieses Buch lesen zu können, ohne dass es mich trauriger macht, als mir derzeit gut täte.

-> Danach ist erstmal Pause bis 17:30 Uhr. Zeit für ein bisschen Sport. Heute HIT-Krafttraining für Rücken und Bizeps und danach eine halbe Stunde Trampolintraining. Auch wenn ich besonders im ersten Teil jammere und manchmal auch ein wenig vor mich hin fluche, tut es gut nach einem Tag vor dem Bildschirm.


Eröffnung Weltempfang: Europa – Kulturen verbinden [14.10.2020, 17:30 — 18:30]
Der Weltempfang, ein Gemeinschaftsprojekt der Frankfurter Buchmesse und des Auswärtigen Amts, ist traditionell der Ort für offenen Austausch und politischen Dialog. Die wichtigsten Köpfe aus Politik, Kultur und Wirtschaft diskutieren Themen, über die gesprochen werden muss. In diesem Jahr ist das Programm online verfügbar. Die Eröffnung findet mit einem Podium zum Schwerpunktthema „Europa – Kulturen verbinden“ auf der ARD-Bühne statt. Mit Giuliano da Empoli, Gert Scobel, Geert Mak, Priya Basil, Juergen Boos.


Fazit: Ein gelungener Auftakt der digitalen Buchmesse mit vielen interessanten Gästen. Die Technik hat gut funktioniert. Beim Wechsel zwischen den Veranstaltern, beziehungsweise Browserfenstern hilft gelegentliches Aktualisieren des jeweiligen Fensterinhalts (F5 bzw. STRG + F5) weiter.

Es macht mir Spaß live dabei zu sein, aber ich finde es auch erfreulich, dass ich mir bei Überschneidungen von Sendungen auf der ARD-Buchmessebühne und dem Blauen Sofa nicht unnötig Stress machen muss. Denn die verpassten Sendungen finde ich größtenteils bei YouTube hessischerrundfunk oder in der ZDFmediathek.

Insgesamt ein schöner Tag, auch wenn die Menge an durchgeplanter Bildschirmzeit anstrengend war. Aber das liegt ja an mir selbst und an den vielen Themengebieten, die mich interessieren.

Frisch auf dem Buchmarkt: Oktober 2020

Im Oktober gibt es in den Bücherwelten viele Neuerscheinungen zu entdecken – und das ohne die digitale Frankfurter Buchmesse inspirierend zu Rate gezogen zu haben. Da findet sich also sicherlich noch mehr 😉

Mein Interesse liegt in diesem Monat bei Streaming-Diensten, dem Horror von Smart-Homes, der skandalträchtigen Geschichte des Christentums, dem 40jährigen Jubiläum von Greenpeace, einer Familiengeschichte in den Wäldern Kanadas, einer Tierärztin und Artenschützerin in den Dschungeln der Welt, der Alpendurchquerung einer Regisseurin, Gehirnforschern im Gespräch, globaler Überwachung, prägenden Erfahrungen aus der Kindheit, einer lustigen Dystopie, einer Farm in Südafrika um 1883, indigenen Gemeinschaften in Kanada, einem Bauernsohn in Island und Jesus Christus in der Nacht vor seinem Tod. Aber schaut selbst:

01.10.2020: Streamland . Wie Netflix, Amazon Prime & Co. unsere Demokratie bedrohen [Werbung] von Prof. Dr. Marcus Kleiner: Was der Streaming-Boom für unsere Demokratie bedeutet und warum er das Zeug dazu hat, sie in ihren Grundfesten zu erschüttern. Noch vor wenigen Jahren waren Streaming-Dienste ein Nischenmarkt, heute dominieren sie die Medienlandschaft. Die Öffentlich-Rechtlichen sind angezählt, die Privaten kränkeln. Denn niemand hat dem so bestechend auf unsere Bedürfnisse abgestimmten Angebot von Netflix, Amazon Prime und Co. noch etwas entgegenzusetzen. So nimmt der Siegeszug der Streaming-Dienste kein Ende – Netflix und Co. werden zu neuen Leitmedien. Dabei tauschen wir Zuschauer abwechslungsreiche Inhalte gegen Angebote ein, die von Algorithmen gesteuert werden und uns nur noch das vorschlagen, was Klicks verspricht. Prompt sehen wir nur noch, was wir sehen sollen. Und während die Anbieter so ihre Profite steigern, versinken wir in unserer Filterblase. Welche Wirkung aber haben die Algorithmen der Streaming-Dienste? Kann unsere Gesellschaft das aushalten, wenn wir nur noch einen Ausschnitt der Wirklichkeit wahrnehmen? Wenn sich die Medienlandschaft unumkehrbar verändert, weil wir zu passiven Konsumenten werden? Der führende Medienwissenschaftler Prof. Marcus S. Kleiner zeigt, warum der Streaming-Boom das Zeug dazu hat, unsere Demokratie zu erschüttern – und wie wir eine aufgeklärte Konsumentenhaltung entwickeln. Damit Netflix, Amazon Prime & Co. den Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht gefährden.

01.10.2020: Der Skandal der Skandale . Die geheime Geschichte des Christentums [Werbung] von Dr. Manfred Lütz: Die skandalträchtige Geschichte des Christentums – erzählt wie ein Krimi. Das Christentum ist heute in den Köpfen vieler Menschen vor allem verbunden mit dem Wissen um Kreuzzüge, Inquisition, Hexenverfolgung und den Missbrauchsskandalen der letzten Jahre. Viele Christen schämen sich gar für die eigene Religionsgeschichte. Doch was ist wirklich dran an all diesen Skandalen? Dieser Frage geht Manfred Lütz in seinem fulminanten Buch nach und erzählt damit die spektakuläre Geschichte des Christentums auf den Grundlagen der aktuellen Forschung noch einmal neu. Wie konnte eine kleine jüdische Sekte im römischen Reich zur Weltreligion werden? Was steckte wirklich hinter den Kreuzzügen? Wie steht es heute um das Zölibat, die Frauen in der Kirche, die Sexualmoral und die Unfehlbarkeit des Papstes? Der Bestseller von einem der meistgelesenen Sachbuchautoren unserer Zeit, jetzt im Taschenbuch.

01.10.2020: Die Stimme [Werbung] von S. K. Tremayne: Wenn das »Smart Home« zum Horror-Haus wird: »Die Stimme« ist ein raffiniert-gruseliger Psychothriller über eine Sprach-Assistentin mit erschreckendem Wissen und Fähigkeiten. »Ich weiß, was du getan hast.« Jo ist schockiert, als die digitale Home Assistentin Electra sie ohne Aufforderung anspricht. Unmöglich kann eine harmlose Software vom Furchtbarsten wissen, das Jo jemals passiert ist! Doch Electra weiß nicht nur Dinge – sie tut auch Dinge, zu denen sie nicht in der Lage sein sollte: Freunde und Eltern erhalten Textnachrichten mit wüsten Beschimpfungen, Jos Bankkonto wird leergeräumt, die Kreditkarte überzogen … Zum ersten Mal seit Jahren muss Jo wieder an ihren Vater denken, der unter heftigen schizophrenen Schüben litt und sich schließlich das Leben nahm. Kann es sein, dass sie sich die Stimme nur eingebildet hat? Doch Electra ist noch lange nicht fertig mit Jo … Bestseller-Autor S. K. Tremayne ist ein Meister im Erzeugen subtilen Grusels. Mit dem Psychothriller »Die Stimme« holt er das Grauen ins digitale Zuhause.

02.10.2020: Mut. Wie Greenpeace die Welt verändert [Werbung] hat von Delius Klasing (Herausgeber): Greenpeace hat unsere Gesellschaft verändert wie keine andere Nichtregierungsorganisation. Waldsterben, Atomkraft, Umweltverschmutzung – kaum ein Problem unseres Planeten wurde nicht von ihren Kampagnen thematisiert und bekämpft. Die Autoren des umfangreichen Magazins „MUT. Wie Greenpeace die Welt verändert hat.“ feiern das Jubiläum der Umweltschutzorganisation mit einer ausführlichen Analyse. Experten und prominente Publizisten, Mitbegründer und Aktivisten kommen zu Wort und erklären, wie Greenpeace die Welt in den letzten vier Jahrzehnten bewusster und grüner gemacht hat. Was ist Greenpeace? Die wichtigste Umweltorganisation der Welt im Porträt. Der große Faktencheck: Hat Greenpeace die Ziele der letzten 40 Jahre erreicht? Von Treibhauseffekt bis Plastik im Meer: Die Auswirkungen der Greenpeace-Aktionen verständlich erklärt mit über 100 starken Bildern und Infografiken, Essays und Interviews von prominenten Autoren zum Greenpeace-Jubiläum. CO2-neutral auf nachhaltig erzeugtem Papier und im cradle-to-cradle-Verfahren gedruckt. Vierzig Jahre nach der Gründung von Greenpeace werfen wir einen Blick auf die Erfolge und Aktionen der weltbekannten Umweltschutzorganisation. Die Kapitel Feuer, Wasser, Luft und Erde widmen sich Greenpeace-Projekten rund um den Klimawandel, den Schutz der Meere, die Gefahren von CO2, die Folgen der Massentierhaltung und vieles mehr. Was haben die Aktivistinnen und Aktivisten in vierzig Jahren erreicht und welche neuen Aktionen stehen jetzt an? Ein starkes Plädoyer für die Notwendigkeit von Umweltschutz und gemeinsamer Verantwortung!

05.10.2020: Das Flüstern der Bäume [Werbung] von Michael Christie: Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas. Jacinda Greenwood weiß nichts über ihre väterliche Familie, deren Namen sie trägt. Sie arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island, doch die Namensgleichheit, so glaubt sie, ist reiner Zufall. Bis eines Tages ihr Ex-Verlobter vor ihr steht. Im Gepäck hat er das Tagebuch ihrer Großmutter. Jahresring für Jahresring enthüllt sich für Jacinda endlich ihre Familiengeschichte. Seit Generationen verbindet alle Greenwoods eines: der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, Unfälle und Entscheidungen, Opfer und Fehler. Die Folgen all dessen bestimmen nicht nur Jacindas Schicksal, sondern auch die Zukunft unserer Wälder … Michael Christies grandiose Familiensaga ist großes Kino: farbenprächtig, mitreißend, bewegend!

05.10.2020: Abenteuer Artenschutz [Werbung] von Hannah Emde: Tierärztin und Artenschützerin aus Leidenschaft. Sie ist in den Dschungeln der Welt zu Hause: Hannah Emde, 28, setzt sich als Tierärztin für den Erhalt der Arten ein. Sie arbeitet mit dem extrem seltenen Nebelparder auf Borneo, mit bunten Riesenpapageien in Guatemala, mit Orang-Utans oder mit einer vier Meter langen Würgeschlange. Überall auf der Welt engagiert sie sich, um Tiere vor dem Aussterben zu schützen, dabei haben es ihr die Regenwälder besonders angetan. Sie berichtet mitreißend von der Schönheit des Dschungels und vermittelt eindringlich, warum Exoten wie der Lemur auf Madagaskar und der Bullenhai in Costa Rica gefährdet sind. Und was jeder Einzelne von uns hier und jetzt dafür tun kann, um ihren Lebensraum zu bewahren. Mit Tipps, was jeder von uns hier und jetzt für den Artenschutz tun kann

05.10.2020: Alpensolo [Werbung] von Ana Zirner: Sechzig Tage und Nächte unter freiem Himmel. Berge bedeuten für Ana Zirner Freiheit. Doch der engagierten Regisseurin bleibt zu selten Zeit für ihre Passion. Deshalb beschließt sie, allen Ballast abzustreifen und allein von Ost nach West die Alpen zu überqueren. Nur mit einem 35-Liter-Rucksack bepackt, begibt sie sich auf ihre selbst gelegte Route: knapp 2000 Kilometer vom slowenischen Ljubljana über Österreich, Italien und die Schweiz bis ins französische Grenoble. Packend und mit starker Stimme erzählt sie vom Glück, unter dem Sternenhimmel zu biwakieren. Wie sie beim Bergsteigen ihr Bewusstsein schärft und der Natur mit Respekt begegnet. Dass ihr die Berge in ihrer ruhenden Weisheit einen Platz zuweisen. Und was sie von den Menschen, die dort wohnen, über Mitgefühl und Demut lernt.

06.10.2020: Brainstorming . 300 Fragen ans Gehirn [Werbung] von Barbara Schmutz: 17 führende internationale Gehirnforscher im Gespräch. Was ist ein Geistesblitz? Wie kommt es zu falschen Erinnerungen? Sitzt das Bauchgefühl im Kopf? Was passiert beim Tagträumen? Können wir bewusst vergessen? Gibt es im Gehirn Raum für eine Seele? Gespräche mit 17 führenden internationalen Gehirnforscherinnen und Gehirnforschern zu Bewusstsein und künstlicher Intelligenz, Traum und Schlaf, Sucht und Drogen, Lernen und Gedächtnis und zur Zusammenarbeit zwischen Gehirn und Darm.

07.10.2020: Der dunkle Spiegel . Edward Snowden und die globale Überwachungsindustrie [Werbung] von Barton Gellman: »Verax« – unter diesem Namen kontaktierte ein geheimnisvoller Informant Barton Gellman. Der Journalist konnte nicht ahnen, dass sich dahinter Edward Snowden verbarg – und der größte Überwachungsskandal aller Zeiten.
Jetzt legt der dreifache Pulitzer-Preisträger die definitive Gesamtdarstellung der globalen Überwachung vor. »Der dunkle Spiegel« ist alles zusammen: Spionage-Thriller, Insider-Bericht, investigative Reportage – und ein einzigartiges Zeugnis der unersetzlichen Rolle des Journalismus. Wie in einem Krimi erzählt Gellman von Snowdens Leak bis zum heutigen Überwachungskapitalismus des Silicon Valley die ganze Geschichte. Gegen den Widerstand von Geheimdiensten der ganzen Welt gelingt es ihm, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Als sein Rechner vor seinen eigenen Augen gehackt wird, ist ihm klar: Hier sind Mächte am Werk, die kaum zu kontrollieren sind. Doch wer spioniert uns aus und warum? Sein Buch ist die Antwort auf diese Fragen.

08.10.2020: Muttermale und Vaters Spuren [Werbung] von Maren Lamers: Wie wir unser Leben gestalten, ist geprägt von unseren Erfahrungen in der Kindheit. Wir entwickeln mächtige Grundannahmen über uns selbst, das Leben und andere Menschen: eine Art innerer Landkarte, mit der wir als Erwachsene durch Lebensphasen und Krisen navigieren. Maren Lammers lädt Leser*innen ein, einen intensiveren Blick auf diese Landkarte zu werfen, die eigenen Erfahrungen zu ordnen und zu einem besseren Verständnis alter und zukünftiger Reiserouten zu kommen. Oft sind nur vor diesem Hintergrund kleine und größere Veränderungen in der Gegenwart möglich. Die Autorin informiert über die Auswirkungen verschiedener Erziehungsstile, über Resilienz und die Rolle von Genen. Viele Übungen und Arbeitsblätter erleichtern die Biografiearbeit vor dem Hintergrund einer psychischen Erkrankung, familiären Konflikten und der eigenen Elternschaft.

12.10.2020: QualityLand 2.0 [Werbung] von Marc-Uwe Kling: Schwer was los in QualityLand, dem besten aller möglichen Länder. Jeder Monat ist der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung, ein Billionär möchte Präsident werden, und dann ist da noch die Sache mit dem Dritten Weltkrieg. Peter Arbeitsloser darf derweil endlich als Maschinentherapeut arbeiten und versucht, die Beziehungsprobleme von Haushaltsgeräten zu lösen. Kiki Unbekannt schnüffelt in ihrer eigenen Vergangenheit herum und bekommt Stress mit einem ferngesteuerten Killer. Außerdem benehmen sich alle Drohnen in letzter Zeit ziemlich sonderbar … Marc-Uwe Klings lustige Dystopie um Menschen und Maschinen in einer Big-Data-Welt geht in die zweite Runde! Ein Roman voller kluger Einfälle, skurriler Figuren und verblüffender Plot-Twists.

12.10.2020: Die Geschichte einer afrikanischen Farm [Werbung] von Olive Schreiner: Ein bewegendes Meisterwerk über weibliche Emanzipation und Selbstbestimmung in der kolonialen Männerwelt. «The Story of an African Farm» gilt als das südafrikanische «Wuthering Heights». Der autobiografisch inspirierte Roman der deutsch- und englischstämmigen Autorin, erschienen 1883, schildert das Schicksal einer eigenwilligen Heldin namens Lyndall. Schon als junges Mädchen lernt sie die Bigotterie und Ignoranz der Menschen kennen und erfährt, wie beschränkt die Lebensperspektiven für ihresgleichen sind. Doch dank einer großen inneren Stärke verteidigt sie in der Farmerswelt der südafrikanischen Karoo ihre Unabhängigkeit und verliert dabei das Ziel nie aus den Augen: weibliche Selbstbestimmung bis zuletzt. Schreiners Erzählkunst fasziniert nicht nur durch ihren einfühlsamen Ton und ihre große künstlerische Sensibilität, sondern widmet sich auch emanzipatorischen Themen wie Sexualität, voreheliche Schwangerschaft sowie die unrühmliche Rolle des Christentums bei der Bevormundung des «schwachen Geschlechts». Das Buch, seinerzeit ein Welterfolg, erscheint anlässlich des 100. Todestags der Feministin und Menschenrechtlerin am 11.12.2020 nun in einer Neuübersetzung.

12.10.2020: Unter der Mitternachssonne [Werbung] von Paul Seesequasis: Das beeindruckende Porträt von acht indigenen Gemeinschaften in Kanada. Paul Seesequasis, Journalist und Autor, gibt mit seinem ungewöhnlichen und spektakulären Social-Media-Projekt der »vergessenen Generation« der First Nations, Metis und Inuit ein Gesicht. Er erzählt anhand verschwunden geglaubter Fotos von Zusammenhalt, gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamen Widerstand. Dazu sammelte er über drei Jahre hinweg die eindrücklichsten Archivbilder und die Geschichten der Menschen hinter den Porträts. Damit stößt er die Tür zu einer verborgenen Wahrheit auf und bringt eine andere, eine neue Seite der Geschichte von Kanadas indigener Bevölkerung ans Licht.

14.10.2020: 60 Kilo Sonnenschein [Werbung] von Hallgrímur Helgason: Ausgezeichnet mit dem Isländischen Literaturpreis für den besten Roman des Jahres. Das Erwachen der Moderne im tiefen Schnee Islands. Der große Roman von einem der originellsten Autoren des Landes. So schräg und humorvoll, wie man es von Hallgrímur Helgason kennt, so literarisch und episch wie nie. 60 Kilo Sonnenschein ist die Geschichte von Gestur, einem unehelichen Bauernsohn aus dem fiktiven isländischen Dorf Segulfjörður. Während er bei immer neuen Ziehvätern heranwächst, schließlich selbst Vater wird, erwacht auch das moderne Island. Große Fischfänger steuern eines Tages den Hafen an, bringen Exotisches und Fremdes aus dem Umland und der weiten Welt. Mit den Waren kommen auch neue Werte, neue Moden und Gefühle ins kalte und tief verschneite Segulfjörður. Humorvoll, turbulent und mit unvergesslichen Figuren erzählt Hallgrímur Helgason vom Weg Islands in die Moderne.

28.10.2020: Die Passion [Werbung] von Amélie Nothomb: »Ich wusste schon immer, dass sie mich zum Tode verurteilen würden«, so beginnt Amélie Nothombs neues Buch. Hier spricht Jesus Christus in der Nacht vor seinem Tod. Mutterseelenallein in seiner Zelle, vertraut er uns seine geheimsten Gedanken an, seine Zweifel, seinen Groll. Leidenschaftlich fühlt sich Amélie Nothomb in die Leidensgeschichte Jesu ein. Hier wird Jesus tatsächlich Mensch.

Welche Neuerscheinungen interessieren euch im Oktober besonders?

Die (digitale) Frankfurter Buchmesse 2020

Zuletzt war ich vor einigen Jahren auf einer Spielemesse und davor auf einer Motorradmesse. Vor allem letztere lieferte mir unvergessliche Wow-Momente und blieb mir als unvergesslich in Erinnerung, nicht zuletzt weil ich mich aus gesundheitlichen Gründen dazu entschieden habe, das Motorradfahren aufzugeben. Aber neben anderen Hobbies blieb mir immer noch das Lesen. Und doch habe ich nie den Weg zu einer der großen Buchmessen auf mich genommen. Zu weit, zu viele Menschen. Und natürlich die Befürchtung, dass es gesundheitlich zu anstrengend für mich sein könnte und ich einige Tage dafür brauchen würde, um mich von diesem Event zu erholen. Manchmal ist mir dieser Preis zu hoch.

Die Sorge um die allgemeine Gesundheit sorgt nun dafür, dass pandemiebedingt in diesem Jahr bei der Frankfurter Buchmesse einiges anders läuft – und ich plötzlich und unerwartet bei vielem dabei sein kann. Zwar nicht live vor Ort, dafür aber virtuell. Vom 14. bis 18. Oktober können Buchfans auf der Homepage sowie bei zahlreichen Medienpartnern ein umfangreiches und vielseitiges digitales Programm mit Lesungen, Autorengesprächen und Diskussionen verfolgen, sowie Neuerscheinungen von Verlagen entdecken. Das digitale Live-Programm ist kostenlos und weltweit zu empfangen. Das Privatpublikum ist einfach dabei, Fachbesucher registrieren sich und legen einen MyBookFair-Account an. Die Mail mit dem Link, mit dem ich meine eMail-Adresse bestätigen musste, ist zwar im Spam-Ordner gelandet, aber ansonsten funktionierte die Registrierung unkompliziert und reibungslos.

Angeboten wird ein kuratiertes Fachprogramm mit Top-Speakern und wertvollen Brancheninsights (MyBookFair-Account erforderlich) sowie ein buntes Unterhaltungsprogramm mit internationalen Stars und Autor*innen im Livestream (ohne Registrierung). Die Termine für das Live-Programm der ARD-Buchmessebühne, Weltempfang, Das Blaue Sofa und das Fachprogramm können größtenteils mit einem Klick im Kalender gespeichert werden (online: Google, Outlook, Microsoft Kalender | Apple Kalender | ics-Datei als download). Ein hilfreicher Service, der bei dem vielfältigen Angebot hilft den Überblick zu wahren. Daneben gibt es am Freitag, den 16. Oktober 2020 die ARD Buchmessenacht, die überregional über alle Kulturprogramme in Deutschland live ausgestrahlt wird.

Auch wenn es die klassische Hallenausstellung in gewohnter Form nicht geben wird, steht Frankfurt dennoch ganz im Zeichen der Buchmesse. Interessierte Besucher können Tickets für die Veranstaltungen auf der ARD-Buchmessenbühne erwerben. Für die kostenfreien Events im Rahmen des BOOKFEST city ist eine Vorab-Registrierung erforderlich. Parallel zur Frankfurter Buchmesse finden zudem in der Stadt Frankfurt zahlreiche kulturelle Veranstaltungen im Rahmen von Open Books statt. An den Plänen von OPEN BOOKS ändert sich in diesem Jahr nichts, im Gegenteil, durch neue Kooperationen wird das Programm weiter ausgebaut. Bereits zum 11. Mal findet das städtische Lesefest mit knapp 100 Live-Veranstaltungen rund um den Römer und an weiteren Orten in Frankfurt statt. Der Eintritt ist frei.

Ich harre gespannt der Dinge, die mich buchmessetechnisch in der kommenden Woche ganz gemütlich bei Kaffee oder Tee, vor allem aber in Wohlfühlatmosphäre erreichen mögen und freue mich besonders auf die Beiträge die das diesjährige Gastland Kanada betreffen. Was sind eure Highlights?

-> Zur digitalen Frankfurter Buchmesse

Abreißen, loslassen 2021 – Diogenes Kalender

Was für ein Jahr! 2020 ist und war bisher in jeder Weise außergewöhnlich. Und auch wenn ich in diesem Jahr vieles gelernt habe und trotz vieler Einschränkungen, Beschränkungen und Ängste auch einiges Gutes genießen durfte, steht mir doch der Sinn danach, es möglichst bald abzuschließen und hinter mich zu bringen. Einfach dieses Jahr ad acta legen und ein frisches neues Jahr beginnen, blank und unschuldig und voller Hoffnung auf ein entspannteres Miteinander, das auch wieder mehr menschliche Nähe zulässt.

Dieser Grundstimmung ist es wohl auch zu verdanken, dass ich mich schon so zeitig damit beschäftigt habe, welche Kalender ich im kommenden Jahr um mich haben möchte. Zum einen hat sich fest ein obligatorischer Tischkalender gleich oberhalb der Tastatur auf dem Schreibtisch etabliert, der mir in puristischer Form die anstehenden Termine der Woche immer gut sichtbar präsentiert. Zum anderen mag ich in der Nähe des Monitors etwas haben, auf das ich zwischendurch blicken kann und das mir einen inspirierenden Spruch, überraschende, tiefgründige, humorvolle, wegweisende, freche, anregende und Mut machende Gedanken von interessanten Persönlichkeiten zeigt. Das alles verspricht mir der Tagesabreißkalender „Abreißen, loslassen 2021“ aus dem Diogenes Verlag. Und beim ersten durchblättern kann ich mich davon überzeugen, dass auch genau das enthalten ist.

Die Zitate stammen unter anderem von bekannten Schriftstellern, Philosophen, Wissenschaftlern, Abenteurern und Menschen, die ich nicht alle namentlich kenne, aber der Kalender enthält sogar Bemerkenswertes von Namenlosen. Natürlich ist unter den 365 Zitaten nicht alles gleich ansprechend, aber sicherlich ist vieles enthalten, das zum kurzen Innehalten und Nachdenken anregt. Vereinzelt sind auch englischsprachige Zitate abgedruckt und auch eines in französischer Sprache habe ich beim ersten durchblättern entdecken können. Hierfür werde ich wohl beizeiten den Google-Übersetzer bemühen müssen, weil mein Schulfranzösisch einfach schon viel zu sehr eingerostet ist.

Ausgestattet ist der Kalender im hinteren Teil mit einem massiven Pappstück, aus dem sich eine Ausstanzung herausdrücken lässt, damit der Kalender aufgestellt werden kann. Ich habe mich jedoch dazu entschieden ihn an dem ebenfalls eingeprägten Loch mittels eines Nagels an der Wand zu befestigen. Die Kalenderseiten kommen in dem schnörkellosen, aber ansprechenden Design des Diogenes Verlags daher, die Zitate sind einfarbig aber mit täglich wechselnden Hintergrundfarben hinterlegt. Die Rückseiten sind nicht bedruckt, so dass ich die ‚abgerissenen und losgelassenen‘ Kalenderseiten in gewohnter Manier als Notizzettel verwenden kann, sofern ich sie nicht aufbewahren möchte.

Alles in allem ein gelungenes Werk, das sich sicherlich auch zum verschenken eignet, sofern man es nicht selbst behalten möchte. Ich kann es kaum abwarten 2020 so schnell wie möglich loszulassen und freue mich darauf, diesen Kalender endlich in Betrieb zu nehmen.

-> Zur Leseprobe [Werbung]

Abreißen, loslassen 2021
Diogenes Kalender
11,1 x 4,3 x 18 cm
365 Seiten
ISBN: 978-3-257-51086-7
Preis: € (D) 16.00 / sFr 21.00* / € (A) 16.00 * unverb. Preisempfehlung
Verlag: Diogenes
Erschienen: 22.07.2020

Der Kalender wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Frisch auf dem Buchmarkt: September 2020

Ein weiterer Monat mit vielen Neuerscheinungen, die so interessant sind, dass ich den innigen Wunsch habe, viel mehr zu lesen, als ich es derzeit mache. Lesen ist und bleibt ein Hobby für mich, das einfach nicht langweilig wird. Auch wenn diese Liste nicht den Anschein macht, aber ich habe sie bereits ein wenig ausgedünnt – doch die Betonung liegt wohl auf ‚wenig‘. Übrig geblieben ist eine Mischung aus Fremdem, Fremdländischem, Flucht, Heimkehr, Gewalt, Verbrechen, Glück, Abenteuer, Leben, Tod und viel Nachdenklichem. Aber schaut selbst:

01.09.2020: Der undankbare Flüchtling [Werbung] von Dina Nayeri: Mit zehn Jahren kam Dina Nayeri aus dem Iran als Asylsuchende in die USA, sie studierte in Harvard und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Vorzeigemigrantin. In einem Streit mit ihrem Bruder, der um das Thema Assimilation kreiste, wurde ihr klar, welches Muster jeder Flüchtlingsbiografie zugrunde liegt: Egal, wo man herkommt, egal, wer man war, was man kann, die Erwartung von außen ist dieselbe: Schätze dich glücklich, dass wir dich aufgenommen haben. Opfere deine frühere Identität. Werde jemand, der unseren Ansprüchen genügt. Spannend wie in einem Episodenfilm verknüpft Dina Nayeri ihre eigene wendungsreiche Geschichte mit der von anderen Migranten. Sie erzählt von deren Schicksalen und stellt dringende, provokante Fragen nach Identität, Dankbarkeit, Würde und Verantwortung. Sie unterzieht die Rolle des Westens einer kritischen Betrachtung und gibt der Diskussion über Migranten und Migration neue Impulse. Ihr Ziel: dass der Westen seine grundlegenden Prämissen über Migration überdenkt.

01.09.2020: Das Geburtstagsfest [Werbung] von Judith W. Taschler: Zu seinem 50. Geburtstag wollen die drei Kinder von Kim Mey ihren Vater mit einem besonderen Gast auf der Familien-Geburtstagsfeier überraschen: Ohne sein Wissen haben sie Tevi Gardiner eingeladen, jene Frau, mit der Kim als Kind aus Kambodscha geflohen ist. Und die er seit 25 Jahren nicht mehr gesehen hat. Doch statt sich wie erwartet zu freuen, reagiert Kim seltsam abweisend. Auch Ines, die Mutter der drei, begegnet Tevi unterkühlt. Was Kim und Ines jahrzehntelang verschwiegen haben, verschafft sich nun unaufhaltsam Gehör: die wahren Begleitumstände jener dramatischen Flucht aus Kambodscha und das schreckliche Ende einer großen Liebe. So lässt eine scheinbar harmlose Überraschung ein Geburtstagsfest in einem Familien-Drama enden … »Das Geburtstagsfest«, das schmerzhaft-empathische Familien-Drama der renommierten Spiegel-Bestseller-Autorin und Glauser-Preisträgerin Judith W. Taschler, kreist um Familien-Beziehungen und Lebenslügen, die große Liebe und um Flucht und Heimkehr. Mehrstimmig und virtuos erzählt, erschafft die Innsbruckerin Judith W. Taschler in ihrer unverwechselbar klaren Sprache »Figuren, die dem Leser unter die Haut gehen und lange in Erinnerung bleiben« (Petra). Judith W. Taschler beleuchtet die großen Wendepunkte im Leben, raffiniert und psychologisch dicht erzählt, voller Mitgefühl für ihre Figuren, ohne je dabei kitschig zu werden.

07.09.2020: Der verlorene Sohn [Werbung] von Olga Grjasnowa: Akhulgo, Nordkaukasus, 1839: Jamalludin wächst als Sohn eines mächtigen Imams auf. Seit Jahrzehnten tobt der Kaukasische Krieg, und sein Vater wird von der russischen Armee immer mehr bedrängt. Schließlich muss er seinen Sohn als Geisel geben, um die Verhandlungen mit dem Feind aufzunehmen, und Jamalludin wird an den Hof des Zaren nach St. Petersburg gebracht. Bald schon ist der Junge hin – und hergerissen zwischen der Sehnsucht nach seiner Familie und den verlockenden Möglichkeiten, die sich ihm in der prächtigen Welt des Zaren bieten. Olga Grjasnowa erzählt sprachmächtig von einem Kind, das zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen steht und seine Identität finden muss. Und von der verheerenden Wirkung eines Krieges, in dem es keine Sieger geben kann.

07.09.2020: Alle Hunde sterben [Werbung] von Cemile Sahin: „Die Entschiedenheit, Klarheit, Härte und Sicherheit im Ton von Cemile Sahin ist eine Wucht.“ Julia Encke, FAS. In neun Episoden erzählt Cemile Sahin von neun Menschen, die ihr Exil in einem Hochhaus im Westen der Türkei finden. Sie alle haben Folter, Gewalt und Verschleppung durch Einheiten der türkischen Armee und der Polizei erlebt. Darunter: Eine Mutter, die ihren toten Sohn auf einen Pick-up lädt. Ein Mann, der seine schlafende Tochter draußen ins Gebüsch legt, bevor er sein Haus anzündet. Eine Frau, die angekettet in einer Hundehütte gehalten wird. Während sie von ihrer Flucht berichten, holt sie der systematische Terror des türkischen Militärs wieder ein. ALLE HUNDE STERBEN ist eine Chronik über ein Land, geprägt von Militarismus und Nationalismus ― entschieden, klar, furios erzählt. „Realität funktioniert in diesem Land nur über Gewalt, sagt Cemile Sahin. Hilft es, die Gewalt darstellbar zu machen? Nein, sagt sie; sie versucht es trotzdem. Und genauer hat es noch kaum jemand geschafft.“ Klaus Theweleit

08.09.2020: Beinahe Alaska [Werbung] von Arezu Weitholz: Eine Fotografin, 45, kein Partner, keine Kinder, keine Eltern mehr, geht auf eine Expeditionskreuzfahrt von Grönland nach Alaska. Sie ist froh, dass ihr Beruf es ihr erlaubt, »dauernd nach vorn zu sehen«. Doch natürlich melden sich die nicht zu Ende gedachten Gedanken und offenen Fragen, irgendwo zwischen der Enge an Bord unter nicht ausnahmslos angenehmen Mitreisenden (wie Schriftsteller, die Buchclub-Schreibkurse geben, oder Influencer mit fragwürdigen Tischmanieren) und den kühlen Weiten der Arktis. Der Blick der Erzählerin auf die anderen, die Natur und sich selbst ist so hintergründig-witzig wie warmherzig-entlarvend. Als das Schiff vor der vereisten Bellotstraße kehrtmachen muss, mit neuem Kurs auf Neufundland, begreift sie nach und nach, dass der Trick manchmal gerade im Beinahe-Ankommen besteht, auf Reisen wie im Leben.

09.09.2020: Sterben im Sommer [Werbung] von Zsusza Bank: Seinen letzten Sommer verbringt der Vater am Balaton, in Ungarn, der alten Heimat. Noch einmal sitzt er in seinem Paradiesgarten unter der Akazie, noch einmal steigt er zum Schwimmen in den See. Aber die Rückreise erfolgt im Rettungshubschrauber und Krankenwagen, das Ziel eine Klinik in Frankfurt am Main, wo nichts mehr gegen den Krebs unternommen werden kann. Es sind die heißesten Tage des Sommers, und die Tochter setzt sich ans Krankenbett. Mit Dankbarkeit erinnert sie sich an die gemeinsamen Jahre, mit Verzweiflung denkt sie an das Kommende. Sie registriert, was verloren geht und was gerettet werden kann, was zu tun und was zu schaffen ist. Wie verändert sich jetzt das Gefüge der Familie, und wie verändert sie sich selbst? Was geschieht mit uns im Jahr des Abschieds und was im Jahr danach? In »Sterben im Sommer« erzählt Zsuzsa Bánk davon.

14.09.2020: Alt genug, um glücklich zu sein . Wie unser Leben mit jedem Jahr besser wird [Werbung] von Florian Langenscheidt: Wie verändert sich die Liebe im Alter? Macht uns das Alter zu besseren Menschen? Stimmt es, dass wir Krisen mit zunehmenden Jahren besser bewältigen? Was können die Jungen von den Alten lernen? Und warum tut es auch im Alter gut, mal etwas Verrücktes zu wagen? In 24 Streifzügen durch Wissenschaft und Philosophie erkunden Bestsellerautor und Glücksforscher Florian Langenscheidt und André Schulz die wichtigsten Themen, die uns auf dem Weg ins Alter begleiten, und fördern manch Überraschendes zutage. Inspirierende Erkenntnisse, die dazu einladen, der zweiten Lebenshälfte mit einer guten Portion Optimismus zu begegnen – voller Freude auf das, was uns erwartet!

14.09.2020: Afropäisch . Eine Reise durch das schwarze Europa [Werbung] von Johny Pitts: »Und wo kommst du eigentlich her?« Viele schwarze Europäer kennen diese Frage, denn in den Köpfen mancher ist das noch immer ein Gegensatz – schwarz sein und Europäer sein. Dabei gibt es längst eine gelebte afropäische Kultur. Um sie zu erkunden, bereist Johny Pitts die Metropolen des Kontinents. In Paris folgt er den Spuren James Baldwins, in Berlin trifft er ghanaische Rastafarians, in Moskau besucht er die einstige Patrice-Lumumba-Universität. Nicht nur in französischen Banlieues und Favelas am Rande Lissabons wird deutlich, dass Europas multikulturelle Gegenwart nach wie vor von seiner kolonialen Vergangenheit gezeichnet ist. Rassismus und Armut sind Teil des Alltags vieler schwarzer Europäer. Meisterhaft verknüpft Pitts Reportage und literarischen Essay zu einem zeitgenössischen Porträt eines Weltteils auf der Suche nach seiner postkolonialen Identität. Pitts erzählt von afropäischen Schriftstellern wie Dumas dem Älteren und Puschkin, von Musikern, Aktivisten, Restaurantbesitzern oder einfachen Arbeitern. Er zeigt, wie sehr sie die Gesellschaften und die Kultur dieses Kontinents geprägt haben und prägen. Ein so einfühlsames wie aktuelles Buch, das den Blick auf Europa verändert.

18.09.2020: Der Fetzen [Werbung] von Philippe Lançon (jetzt als Taschenbuch): Der ergreifende Roman über den Anschlag auf Charlie Hebdo. Gemeinsam mit seinen Kollegen sitzt Philippe Lançon an diesem Morgen im Januar im Konferenzraum der Redaktion von Charlie Hebdo, als zwei maskierte Attentäter das Gebäude stürmen. Kurz darauf sind die meisten seiner Freunde tot, ihm selbst wird der Unterkiefer zerschossen. Es folgen 17 Gesichtsoperationen und eine lange Zeit, in der sich Philippe Lançon sein Leben neu erkämpft. ›Der Fetzen‹ ist die literarische Aufarbeitung dieses Traumas und ein eindringliches Plädoyer für Meinungsfreiheit.

22.09.2020: Das Meer der Libellen [Werbung] von Yvonne Adhiambo Owuor: Auf der Insel Pate, vor der Küste Kenias, lebt die eigensinnige Ayaana mit ihrer Mutter Munira. Als ein Matrose namens Muhidin in ihr Leben tritt, findet Ayaana etwas, wonach sie sich immer gesehnt hat: einen Vater. Doch als Ayaana erwachsen wird, muss sie mit einschneidenden Ereignissen zurechtkommen, die nicht nur sie selbst, sondern auch das Leben auf Pate tiefgreifend verändern: Fremde mit zweifelhafter Vergangenheit tauchen auf, religiöse Extremisten suchen Zuflucht auf der Insel, China streckt seine Fühler nach Afrika aus und mit einem Tsunami fordert die Natur ihren Tribut. So beschließt Ayaana, in der Ferne ihr Glück zu suchen und ein Studium in China zu beginnen. Sie begibt sich auf eine gefährliche Schiffsreise, die letztlich vor allem eines ist – eine Reise zu sich selbst. Nach ihrem gefeierten Debütroman ›Der Ort, an dem die Reise endet‹ legt Yvonne Adhiambo Owuor einen kraftvoll erzählten Roman über eine junge Frau vor, die darum kämpft, ihren Platz in der Welt zu finden – eine ergreifende Geschichte über Schicksal, Tod, Liebe und Verlust.

23.09.2020: Das Buch eines Sommers . Werde der du bist [Werbung] von Bas Kast: Im Sommer seines Lebens hat Nicolas einen Traum. Er will Schriftsteller werden wie sein Onkel. Dann kommt das Leben dazwischen und die Firma seines Vaters, Verantwortung, Termine und lauter Zwänge. Als sein Onkel stirbt, verliert Nicolas den einzigen Menschen, der an ihn geglaubt hat. Doch überraschend findet er am unwahrscheinlichsten Ort den Schlüssel, der ihm hilft, zu dem zu werden, der er wirklich ist.

23.09.2020: Schwarzrock [Werbung] von Brian Moore: Père Laforgue kommt als Jesuit in die Neue Welt, um unter Lebensgefahr »Wilde« zu missionieren. Doch je länger er deren Leben teilt, desto mehr beginnt er sie zu begreifen. Die gemeinsame Fahrt den Fluss hinauf gen Norden, durch Feindesland, dem Winterlager entgegen, wird zur Bewährungsprobe. Mit genau recherchierten Details lässt Brian Moore das frühe 17. Jahrhundert plastisch werden. Ein atemlos spannender Abenteuerroman, basierend auf Augenzeugenberichten.

28.09.2020: Die Erwählten . Tödliche Bestimmung [Werbung] von Veronica Roth: Mit ihrer dystopischen Trilogie »Die Bestimmung« hat Veronica Roth Bestseller-Geschichte geschrieben. Jetzt ist sie zurück, besser und stärker als jemals zuvor – mit ihrem ersten Fantasy-Roman für Erwachsene! Das Besondere: Der spektakuläre Urban-Fantasy-Zweiteiler beginnt, wo andere Romane enden – mit dem Sieg der Helden über den mächtigen dunklen Feind. Doch dieses Happy End ist nur vorübergehend. Zehn Jahre später stehen die Erwählten ihrem größten Gegner erneut gegenüber, und er treibt ein abgrundtief böses Spiel mit ihnen … Außergewöhnlich, neu und atemberaubend spannend kehrt Veronica Roth zurück zu ihren Wurzeln und einer urbanen Welt mit einer starken Heldin, die bereit ist, alles für ihre Freunde und ihre Liebe zu riskieren. »Nach der Bestseller-Jugendbuchreihe ›Die Bestimmung‹ legt Roth nun ihr fantastisches Erwachsenendebüt vor und betrachtet darin eine Gruppe junger Auserwählter, die die Welt retten müssen und unter dem Gewicht dieser Verantwortung und der damit einhergehenden psychischen und sozialen Belastung zu zerbrechen drohen.«Publishers Weekly (16. Januar 2020)

28.09.2020: Was dir bleibt [Werbung] von Jocelyne Saucier: Gladys ist 76 Jahre alt. Eines Tages besteigt sie ohne jede Ankündigung den Northlander-Zug, um spurlos aus ihrem kanadischen Dorf zu verschwinden. Die Nachbarn und Freundinnen sind besorgt, was mag sie dazu bewogen haben, ihr gut eingerichtetes Leben aufzugeben? Bald wird klar: Gladys reist über Tausende von Kilometern und in Dutzenden Zügen durch die Weiten Nordkanadas. Sie kehrt zurück an die Orte ihrer Kindheit und spricht auf ihrem Weg mit unzähligen Menschen. Doch was genau führt sie im Schilde, und vor allem: Aus welchem Grund hat sie ihre hilfsbedürftige Tochter Lisana zurückgelassen? Was verbindet uns miteinander? Wie viel Nähe gestehen wir den anderen zu, wo beginnt unsere eigene Freiheit? Was dir bleibt ist ein Roman von unbändiger Lebenskraft. Eine bewegende Geschichte, die durch die Wälder Kanadas führt und tief unter die Haut geht.

30.09.2020: Identität 1142 . 23 Quarantäne-Kurzkrimis [Werbung] herausgegeben von Sebastian Fitzek: Die Pandemie-Zwangspause nutzen und gemeinsam ein Buch schreiben! Sebastian Fitzek, Tausende Thriller-Fans und namhafte deutschsprachige Bestseller-AutorInnen unterstützen mit spannenden Kurzgeschichten den Buchhandel in Zeiten der Corona-Krise. Unter dem Motto #wirschreibenzuhause hat Bestseller-Autor Sebastian Fitzek Ende März 2020 seine Instagram-Follower zu einem interaktiven Schreibwettbewerb aufgerufen. 1142 begeisterte Fans machten sich an die Arbeit und sandten ihre Thriller-Storys ein, die sich um das Thema “Identität” drehen, um das Motiv “Rache” und um den Fund eines Handys mit bedrohlichen Bildern darauf – Nervenkitzel pur! Eine Jury aus AutorInnen, Agenten und VerlagsmitarbeiterInnen wählte die dreizehn packendsten Geschichten aus, die nun in der Thriller-Anthologie „Identität 1142“ erscheinen. Zusätzlich steuerten zehn der erfolgreichsten deutschsprachigen BestsellerautorInnen eigene spannende Kurzgeschichten bei: Wulf Dorn, Andreas Gruber, Romy Hausmann, Daniel Holbe, Vincent Kliesch, Charlotte Link, Ursula Poznanski, Frank Schätzing und Michael Tsokos – sowie natürlich Sebastian Fitzek selbst. Entstanden ist ein Charity-Projekt der ganz besonderen Art: Sämtliche Gewinne aus dem Verkauf der Kurzgeschichten-Anthologie kommen über das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels e.V. dem Buchhandel zugute!