erLESENer April 2020

Im Lesemonat April fuhr ich mit einem Anhalter und dem Wohnmobil quer durch Island, fand Leichen in einem alten baufälligen Krankenhaus, nutzte die Gentechnik zur Partnersuche und folgte beeindruckt den Spuren Rüdiger Nehbergs.

Bücherwelten – fiktiv ebenso mitreißend wie real und nachdenklich machend.

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Der Anhalter von Gerwin van der Werf
Die Geschichte eines Mannes, der mit allen Mitteln verzweifelt um seine Ehe kämpft und sich dabei verliert. Zuweilen etwas nervenaufreibend, aber dennoch gut gemacht.

Die ewigen Toten von Simon Beckett
Ein weiterer guter Thriller aus meiner Lieblingsreihe rund um den foresischen Anthropologen David Hunter.

The One . Finde dein perfektes Match von John Marrs
Ein unterhaltsamer Roman, der aufzeigt was passieren kann, wenn die DNA bestimmt, welcher Partner zu einem passt und welcher nicht.

Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen . Ein abenteuerliches Leben von Rüdiger Nehberg
Die Autobiografie von Rüdiger Nehberg, der bodenständig und mitreißend über sein beeindruckendes Leben schreibt. Für mich ein echtes Highlight!

Die ewigen Toten – Simon Beckett

Bei diesem Buch handelt es sich um den 6. Fall des forensischen Anthropologen Dr. David Hunter. Mehr brauche ich eigentlich nicht, um zu wissen, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Denn diese Thrillerreihe begeistert mich von Anfang an, so seltsam und makaber sie auch manchmal ist. Denn Dr. Hunter verbringt mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden und untersucht Verwesung und Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren. Und obwohl es widerlich und manchmal auch erschreckend sein kann, was auf ganz natürliche Weise mit dem menschlichen Körper nach dem Tod passiert, so interessant ist es gleichzeitig, dass ich die Bücher kaum aus der Hand legen kann, wenn ich sie erst begonnen habe. So erging es mir auch mit „Die ewigen Toten“.

Ob man dieses Buch auch lesen kann, wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt? Ich denke schon. Leider ist mein Gedächtnis nicht das Beste und ich tauche mit jedem Buch beinahe gänzlich neu in die Geschichte David Hunters ein. Das ärgert mich zwar, aber der Autor greift die Vorgeschichte seines Protagonisten zumindest so grob auf, dass man den Anschluss finden kann. Allerdings beginnt die Geschichte um Dr. Hunters ‚Dämonen‘ natürlich bereits in den vorher erschienen Büchern der Reihe. Wer sich also nicht spoilern möchte, liest die Bücher dann doch besser der Folge ihres Erscheinens nach.

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Dieses Mal ermittelt David Hunter in einem verlassenen Krankenhaus mit schrecklicher Vergangenheit. Das St. Jude, das Krankenhaus im Norden Londons, soll in Kürze abgerissen werden. Nur noch Fledermäuse verirren sich seit langem dorthin, doch dann wird auf dem staubigen Dachboden eine teilweise mumifizierte Leiche gefunden, die in eine Plastikhülle eingewickelt ist. Als beim Versuch, die Leiche zu bergen, der Boden des baufälligen Gebäudes einbricht, entdeckt der forensische Anthropologe ein fensterloses Krankenzimmer, das nicht auf den Plänen verzeichnet ist. Warum wusste niemand von der Existenz dieses Raumes? Und warum wurde der Eingang zugemauert, obwohl dort nach wie vor Krankenbetten stehen? Betten, in denen noch jemand liegt. Ein harter Fall für David Hunter, der zusätzlich noch mit den Schatten seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Je tiefer Hunter in die Vergangenheit des Krankenhauses eindringt, desto mehr düstere Geheimnisse kommen ans Licht. Und bald ist klar, dass das St. Jude noch lange nicht sein letztes Opfer gefordert hat.

Einen wirklich schaurigen Handlungsort hat sich der Autor dieses Mal ausgesucht, der wohl jeden Freund der sogenannten Lost Places erfreuen dürfte. Die atmosphärische Szenerie des alten baufälligen Krankenhauses kann man sich bildlich gut vorstellen und ist gleich darin gefangen. Der Dachbodenfund lässt einen gruseln, aber auch das, was den anderen Toten widerfahren sein muss, lässt einen beim lesen nicht kalt. Das Thrillerelement sorgt für den gewünschten thrill und treibt einen durch die Handlung, durchsetzt mit der aufschlussreichen Ermittlungsarbeit, die Dr. Hunter leistet und dem wissensdurstigen Leser auf interessante Weise erklärt. Kurzum: Ein Thriller dieser Reihe, wie ich ihn mag und wie ich ihn mir von Simon Beckett wünsche. Dass manches in der Geschichte für meinen Geschmack aber dennoch etwas zu konstruiert ist, kann ich verschmerzen. Denn das Gesamtpaket dieses Thrillers, den ich mir zum Teil auch ungekürzt und hervorragend von Johannes Steck vertont bei Spotify angehört habe, ist für einen Fan wie mich dennoch großartig.

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Simon Beckett
Die ewigen Toten (David Hunter 6)
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld
Gebunden, 480 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5002-3
Preis: 22,95 € (D)
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 12.02.2019

erLESENer Februar 2020

Im Lesemonat Februar erlernte ich die Kunst der kriminellen Achtsamkeit, stellte meine Kindheit und die Kindheit meiner Tochter in Punkto Ernährung auf den Prüfstand und kam nach und nach dem Tod von Mattias auf die Spur.

Bücherwelten, so stimmungsaufhellend, wissenserweiternd und perspektivenverrückend…

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Achtsam morden von Karsten Dusse
Ein makaberer und zugleich humorvoller Thriller rund um das Thema Achtsamkeit. Herrlich erfrischend und mal ganz etwas Anderes aus dem Genre.

Die Macht der ersten 1000 Tage von Dr. med. Matthias Riedl
Welchen Einfluss Evolution und Eltern haben, wie die Mechanismen der Prägung und artgerechte Ernährung funktionieren erklärt der Autor interessant und gut verständlich. Eigentlich für mich ein 5-Sterne-Buch, aber manches hätte ich mir ausführlicher gewünscht.

Nach Mattias von Peter Zantingh
Ein ungewöhnlicher Roman, der aus der Sicht verschiedener Personen erzählt, wie es dazu kam, dass Mattias aus deren Leben verschwand und in welchem Kontakt sie zu ihm standen. Ein leises Buch, das nachwirkt.

erLESENer Januar 2020

Im Lesemonat Januar suchte ich Paul auf Trinidad, erlebte, was nach dem Untergang Endoras geschah, kehrte mit Nina ins Dorf zurück und hielt mich an glücklichen Erinnerungen fest.

Bücherwelten – in diesem Monat leider überwiegend durchwachsen und eher durchschnittlich…

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Goldkind von Claire Adam
Ein stimmungsvoller Roman über Trinidad und die Frage, ob man das Leben eines Kindes für ein anderes opfern kann. Ein Buch, das nachdenklich macht.

Das Vermächtnis des Ältesten . Scythe 3 von Neil Shusterman
Nach den beiden hervorragenden Teilen der Trilogie ein leider nicht so gelungener Abschluss. Mir scheint, der Autor war noch voller guter Ideen, die er unbedingt in diesen dritten und letzten Teil packen wollte, das ganze aber nicht zu einem runden Ganzen verarbeiten konnte.

Die Wälder von Melanie Raabe
Ein handwerklich zwar gut gemachter Thriller, dem es allerdings an Glaubwürdigkeit mangelt. Schade, von der Autorin bin ich Besseres gewohnt.

Die Kunst der guten Erinnerung von Meik Wiking
Ein Buch über Glück, das dabei helfen soll Momente zu schaffen, an die man sich gern zurückerinnert. Nett gemacht, aber irgendwie doch mehr ein Erinnerungsstück des Autors, das mich nicht so recht begeistern konnte.

Die Wälder – Melanie Raabe

Melanie Raabe konnte mich bereits mit „Die Falle“ und „Die Wahrheit“ begeistern, umso gespannter war ich auf ihren neusten Thriller „Die Wälder“.

03_Die Wälder

Dieser spielt überwiegend in einem riesigen Waldgebiet, das man durchfahren muss, um zu dem Dorf zu kommen, in dem Nina und Tim ihre Kindheit verbracht haben. Als Nina, inzwischen erwachsen und Ärztin, die Nachricht erhält, dass ihr bester Freund Tim unerwartet gestorben ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Vor allem, als sie erfährt, dass er sie noch kurz vor seinem Tod mehrfach telefonisch zu erreichen versucht hat. Tim hat nicht nur eine geheimnisvolle Nachricht hinterlassen sondern auch einen Brief, in dem er ihr den Plan schildert, seine Schwester finden zu wollen. Diese verschwand in den schier endlosen Wäldern, die das Dorf, in dem sie aufgewachsen sind, umgeben. Nina macht sich auf den Weg, um Tims Plan umzusetzen.

Und bereits da büßt dieser Thriller seine Glaubwürdigkeit ein, denn für mich passte es von Anfang an nicht, dass die junge Ärztin sich aufgrund dieses Briefes, von dem der Leser erst recht spät im Buch Teile des Inhalts erfährt, in diese Gefahr und auf die rechtlichen Abwege begibt, die ihr Tims unausgegorener Plan vorgibt. Dadurch wird die Geschichte nicht so recht greifbar und bleibt zu lange derart geheimnisvoll, dass man beinahe die Lust zu lesen verlieren könnte, weil einen die Autorin zu lange hinhält. Auch die Angstmacherei bezüglich des finsteren mythenumwobenen Waldes und einem Bösewicht, der auch noch den Namen Wolff trägt, wirkt ein wenig übertrieben und an den Haaren herbeigezogen. Insgesamt passt das jedoch ein wenig zu der Geschichte von 4 heranwachsenden Freunden, die im Wechsel zu Ninas Erlebnissen erzählt wird.

Aber man verzeiht Melanie Raabe dies beim Lesen großzügig, denn insgesamt ist dieser Thriller handwerklich gut gemacht. Die Autorin baut eine Stimmung auf, die einen fast schon in diesen dunklen mystischen Wald einsaugt. Und auch wenn man sich lange Zeit fragt, was dieser ‚böse‘ Wolff eigentlich getan hat, um sich diesen Titel zu verdienen, versteht man doch recht schnell, dass es sich hierbei um einen üblen und ziemlich gefährlichen Zeitgenossen handelt. Überhaupt sind ihre Charaktere gut gezeichnet, so dass man sie sich gut vorstellen kann und mit ihnen gemeinsam in die beiden Erzählstränge eintaucht, die zunächst unabhängig voneinander erzählt, irgendwann jedoch gekonnt zusammengeführt werden. Dabei enden die kurzen Kapitel meist mit einem Cliffhanger, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.

So fühlte ich mich von diesem Thriller trotz einiger Kritikpunkte dennoch gut unterhalten, auch wenn ich von der Autorin bisher Besseres gewohnt war.

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Melanie Raabe
Die Wälder
Paperback, Klappenbroschur, 432 Seiten
ISBN: 978-3-442-75753-4
Preis: € 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: btb Verlag
Erschienen: 27. Dezember 2019

Das Leseexemplar wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Bösland – Bernhard Aichner

Eigentlich mag ich ja keine halben Sachen, aber als ich kürzlich bei Audible ein halbes Guthaben für einen Thriller ausgab, stöberte ich weiter in dem Genre und stieß auf Bösland von Bernhard Aichner – ein Autor, von dem ich bislang noch nichts gelesen hatte und den ich längst mal für mich entdecken wollte. Nach der Hörprobe stand für mich recht schnell fest, dass ich die andere Hälfte des Guthabens hierfür verwenden wollte, weil mich die Geschichte gleich fesseln konnte und ich neugierig darauf war, was es mit dem Bösland auf sich hatte.

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Ben hat einen Vater, der ihn schlägt und sich umbringt, als Ben zehn Jahre alt ist. Das prägt ihn, so dass er für seine Umwelt immer ein wenig seltsam erscheint. Als Ben mit seinem Freund Kux und Mathilda, dem Mädchen in das er heimlich verliebt ist, im Bösland spielt, wird Mathilda erschlagen. Daraufhin wird Ben, der am Tatort blutverschmiert gefunden wird und sein Gedächtnis bezüglich der Geschehnisse verloren hat, verhaftet. Er muss mit 13 Jahren in eine psychiatrische Klinik, wo er er jahrelang betreut wird und sich später ein unscheinbares Leben als Fotolaborant aufbaut. Knapp 30 Jahre nach den Ereignissen im Bösland entwickelt er ein Foto, auf dem er seinen alten Freund Kux wieder erkennt. Seine Therapeutin rät ihm, seinen Heimatort aufzusuchen und Kontakt mit Kux aufzunehmen. Ben folgt ihrem Rat und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse.

Die Sprecher haben gute Arbeit geleistet und den Charakteren Lebendigkeit und Authentizät eingehaucht. In kurzen Kapiteln jagt man regelrecht durch dieses Hörbuch und ein ums andere Mal wurde mein Badewasser kalt, weil ich beim Hören (und baden) kein Ende finden konnte, wenn ich gebannt der Geschichte lauschte. Ich fühlte mich gut unterhalten und wollte immer wissen wie es weiter geht.

Allzu überraschend ist die Handlung allerdings nicht und verläuft unerwartet oft genau so, wie ich es im Vorfeld vermutet hatte. Und doch nimmt man es diesem Thriller nicht allzu übel, weil er gut umgesetzt ist, die Charaktere gut ausgearbeitet und mit den richtigen Sprechern besetzt sind. Für besondere Spannung sorgt in dieser Geschichte auch der Psychokrieg, der zwischen zwei Personen entbrennt – ein ungleicher Kampf, bei dem man sich nicht sicher ist, wer ihn gewinnen kann. So bleibt doch immer ein wenig Unvorhersehbares übrig, das einen mitfiebern lässt.

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Bösland
Autor: Bernhard Aichner
Sprecher:  Hans Sigl, Johannes Steck, Martin Gruber, Beate Himmelstoß, Jule Ronstedt
Spieldauer: 6 Std. und 49 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Erscheinungsdatum: 01.10.2018
Sprache: Deutsch
Anbieter:  Der Hörverlag

erLESENer Oktober

Im Lesemonat Oktober ließ ich mich von Erebos terrorisieren, tauchte nach Norwegen ab, übte mich im therapeutischen Lesen und löste einen Fall bei den Amischen.

Bücherwelten – mit der richtigen Buchstabendosis für jede Stimmungslage…

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Erebos 2 von Ursula Poznanski
Eine spannende Fortsetzung der Geschichte rund um das an die moderne Technik angepasste Computerspiel mit den gefährlichen Auswirkungen in der Realität. Leichte Schwächen, aber dennoch lesenswert.

Heimatland von Kronprinzessin Mette-Marit (Hrsg.), Geir Gulliksen (Hrsg.)
Unterschiedliche Facetten Norwegens von bekannten norwegischen Literaten in Worte gefasst. Macht Lust aufs Reisen und mehr von Norwegern lesen.

Licht in der Nacht der Seele von Martin Duda
Ein literarisches Antidepressivum, das vor allem durch das Verständis des Autors für die Auswirkungen der Depression und die therapeutische Wirkung des Lesens beeindruckt.

Die Zahlen der Toten von Linda Castillo
Ein gelungenes Thriller-Debüt, das mir tatsächlich Lust darauf macht, mehr von dieser Reihe rund um Kate Burkholder und die Amischen zu lesen.

Die Zahlen der Toten – Linda Castillo

Gerade erst ist in diesem Jahr ist der nun schon zehnte Thriller rund um die Polizeichefin Kate Burkholder erschienen, die selbst bei den Amischen aufgewachsen ist, dann aber die Gemeinde verlassen hat, um bei den „Englischen“ Polizistin zu werden.  Da ich schon viel Positives über diese Reihe gehört habe, griff ich darum gleich zu, als ich das Hörbuch zu Linda Castillos erstem Thriller „Die Zahlen der Toten“ zum halben Preis bei Audible entdeckte.

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Der Klappentext verrät:

„Vor 16 Jahren erschütterte eine brutale Mordserie die ländliche Kleinstadt Painters Mill in Ohio. Kate Burkholder, ein junges Mädchen aus der Gemeinde der ‚Amish People‘, ist dem Killer damals entkommen. Heute ist sie die erste weibliche Polizeichefin von Painters Mill – und findet die schrecklich zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens, die ganz eindeutig die Handschrift des ‚Schlächters‘ trägt. Kate muss den Täter fassen, bevor er noch einmal zuschlägt – auch wenn sie dadurch ihre Familie verrät und ein dunkles Geheimnis aufdeckt, das ihr Leben zerstören kann.“

Eingesprochen wurde dieser Thriller von Tanja Geke, die mich zugegebenermaßen fast an meine Grenzen brachte. Sie schafft es, den Charakteren glaubhaft mit ihrer Stimme Leben, beziehungsweise Verzweiflung im Kampf ums Überleben einzuhauchen. Da es in diesem Thriller äußerst widerlich und abartig zugeht, ist das fast mehr, als ich ertragen kann. Aber eben nur fast, denn die Geschichte kann mich insgesamt packen und gut unterhalten, auch wenn beherzt in die ein oder andere Klischee-Kiste gegriffen wird. Aber es bleibt im Rahmen und wenn man Thriller mag und auch schon einige davon gelesen hat, ist es sicherlich schwierig mit Neuem und Umwälzendem in dem Bereich zu glänzen. Allzu vorhersehbar wird „Die Zahlen der Toten“ aber glücklicherweise dennoch nicht, so dass die Geschichte vom Anfang bis zum Ende spannend bleibt. Hinzu kommt, dass Linda Castillos Protagonistin ihre Wurzeln bei den Amischen hat, was diese zu einem interessanten Charakter macht, über den ich mehr wissen wollte.

Alles in allem ist dies ein gelungenes Thriller-Debüt, das mir tatsächlich Lust darauf macht, mehr von dieser Reihe zu lesen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich weiterhören oder doch lieber weiterlesen werde – letzteres wäre für meine Nerven wohl besser.

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Die Zahlen der Toten
Kate Burkholder 1
Autor: Linda Castillo
Sprecher: Tanja Geke
Serie: Kate Burkholder, Titel 1
Spieldauer: 13 Std. und 1 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Erscheinungsdatum: 21.12.2011
Sprache: Deutsch
Anbieter: Argon Verlag

erLESENer September

Im Lesemonat September lauschte ich den Stimmen des Waldes, erfuhr warum es den Dompfaffen an den Kragen ging, kämpfte mit Adelaida ums Überleben, war weltweit dem Tod auf der Spur und las ohne jegliche Ehrfurcht in der heiligen Khorabel.

Großartige Bücherwelten – gleich um die Ecke oder um zig Ecken entfernt, mal geradeaus und mal um die Ecke gedacht…

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Das geheime Band zwischen Mensch und Natur von Peter Wohlleben: Das Buch schärft das Bewusstsein für die Probleme des Waldes und der Waldbewirtschaftung. Gleichzeitig schafft es eine lebendige Atmosphäre, in der man Erstaunliches über die Natur entdecken kann und die Lust darauf macht, sich auf der Stelle in den nächsten Wald zu begeben um diesen mit all seinen Sinnen und dem frisch erworbenen Wissen neu zu erfahren. Ein Buch, das nachwirkt.

Der Federmann von Max Bentow: Widerlich gut von Axel Milberg vertont, bringt mich das Gehörte bis an die Grenze dessen, was ich ertragen kann oder mag. Aber dennoch konnte ich von dem Hörbuch nicht ablassen und musste es bis zum Schluss weiter hören. Hat mir gefallen!

Nacht in Caracas von Karina Sainz Borgo: Ein intensives literarisches Debüt über das Schicksal einer jungen Frau und ein virtuoses Portrait eines untergehenden Landes. Auch wenn mich das Ende dieses Buches nicht vollends überzeugen konnte, ist es unbedingt empfehlenswert!

Wo die Toten tanzen von Caitlin Doughty: Kein Buch, das sich einfach so weglesen lässt. Zu oft vergleicht man mit eigenen Erfahrungen und Vorstellungen und wird mit dem Tod in einem Rahmen konfrontiert, der teilweise nur schwierig vorstellbar ist. Gleichzeitig entmystifiziert das Buch dieses Thema ein wenig und ist ein Plädoyer dafür, dem Tod wieder mit mehr Würde zu begegnen. Eine Empfehlung!

Miroloi von Karen Köhler: Sprachintensive und gefühlvolle Schilderungen aus der Sicht einer sechzehnjährigen namenlosen Frau, die auf einer streng religiösen frauenfeindlichen fiktiven Mittelmeerinsel allmählich erwacht und um ihre Freiheit kämpft. Für mich ein Highlight!

 

Der Federmann – Max Bentow

Als ich kürzlich auf der Suche nach einem spannenden Hörbuch war, das mir die leidige Hausarbeit versüßen sollte, stieß ich eher zufällig auf „Der Federmann“, weil es bei Audible für ein halbes Guthaben im Angebot war. Von Max Bentow und seiner inzwischen bereits aus 7 Büchern bestehenden Reihe um den Berliner Kommissar Nils Trojan hatte ich schon öfter Positives gehört. Dementsprechend gespannt hörte ich mir die Hörprobe zu „Der Federmann“, dem Auftakt der Reihe, an. Sie hat mich gleich in ihren Bann gezogen, weil Axel Milberg dem Protagonisten mit seiner Stimme so atmosphärisch furchterregend einen unverwechselbaren Charakter verlieh, dass es mich einfach nur gruselte. Genau so etwas hatte ich gesucht und kaufte mir darum gleich das Hörbuch.

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„Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord – wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Trojan hofft, durch die kleine Tochter der Ermordeten einen Hinweis zu bekommen, doch dann verschwindet das Mädchen von einem Tag auf den anderen. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.“ (So weit der Klappentext.)

Und ja: Es ist widerlich und es bringt mich fast bis an die Grenze dessen, was ich lesen, beziehungsweise hören oder sehen kann. Denn der Täter bringt nicht nur Frauen mit langen blonden Haaren um, sondern er geht auch nicht gut mit Vögeln um. Vor allem letzteres bereitet mir hierbei die größeren Probleme, denn ersteres ist man ja bei Thrillern gewohnt und hegt diesbezüglich wohl auch eine gewisse Erwartungshaltung. Außerdem mache ich mir beim Hören unglaubliche Sorgen um die kleine Tochter einer der Ermordeten – fast mehr, als ich ertragen kann. Aber dennoch kann ich von dem Hörbuch nicht ablassen und muss es bis zum Schluss weiter hören.

So richtig gefallen will mir das Ende zwar nicht und auch das vorgelagerte Action-Gerangel hat für meinen Geschmack unnötige Überlänge, aber es war ein Vergnügen Axel Milberg dabei zuzuhören, wie er diesem Thriller nicht nur abgrundtief krankes Leben einhaucht. Und so konnte ich nicht umhin und habe bereits in das 2. Hörbuch der Reihe, „Die Puppenmacherin“, hineingehört – ebenfalls von Axel Milberg vertont – und werde es mir wohl demnächst ebenfalls zulegen, wenn mir mal wieder nach einem blutrünstigem Thriller zumute ist.

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Der Federmann – Kommissar Nils Trojan 1
Max Bentow
Sprecher: Axel Milberg
Spieldauer: 8 Std. und 28 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 6,47 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 25.07.2011
Sprache: Deutsch
Anbieter: Der Hörverlag