erLESENer Januar 2021

Im Lesemonat Januar begab ich mich an die ruppig raue aber nichtsdestotrotz wunderschöne englische Küste, verliebte mich erneut ins Kreativsein, irrte durch Wayward Pines, schaute Schriftstellerinnen bei ihrer Arbeit über die Schulter und dachte ein wenig über Corona nach.

Bücherwelten – manchmal mittendrin und manchmal nur dabei.

Offene See von Benjamin Myers: Ein eher ruhiger Roman mit lyrischen Elementen, der mit seiner blumigen poetischen Sprache mitnimmt in eine Welt voller Natur und Landschaftsbeschreibungen. Angenehm zu lesen.

Kreativität von Melanie Raabe: Ein lebendiges, unterhaltsames und unglaublich motivierendes Sachbuch, bei dem man noch beim Lesen das Bedürfnis verspürt sich unbedingt sofort auf seine ganz eigene Art und Weise kreativ austoben zu müssen.  

Psychose von Blake Crouch: Ein Thriller, dessen Verwirrspiel mir zu lange gedauert hat und dessen Ausgang mich überhaupt nicht begeistern konnte.

Schreibtisch mit Aussicht von Ilka Piepgras: 24 bedeutende Schriftstellerinnen erzählen von ihrem Schreiben auf ihre sehr persönliche Weise. Empfehlenswert!

Trotzdem von Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge: Die Autoren unterhalten sich darüber, was das Corona-Virus gesellschaftlich und politisch verursacht hat, noch bewirkt und wohl auf lange Sicht noch hervorbringen könnte. Interessant, aber kein Muss.

Psychose – Blake Crouch

Eigentlich höre ich inzwischen recht gern Hörbücher. Sie versüßen mir so manche unliebsame Tätigkeit im Haushalt, sind eine angenehme Handarbeitsbegleitung oder gestalten einen Weg interessanter, sofern er nicht gerade selbst das Ziel ist. Gelegentlich höre ich Hörbücher über meinen Spotify-Account, aber komfortabler finde ich die App von Audible. Da ich in letzter Zeit jedoch vermehrt Podcasts höre, haben sich dort wieder einige Guthaben gesammelt, so dass ich das Abo gestoppt habe und zum wiederholten Mal drei Monate pausiere. Das geht recht unkompliziert und so bleibe ich Audible dennoch treu, obwohl ich nicht in jedem Monat mein Guthaben für ein Hörbuch einsetze. Wenn ihr Audible einmal ausprobieren möchtet, gelangt ihr über diesen Link zum Probe-Abo [Werbung].

Viel Lobendes hatte ich über die Wayward-Pines-Thriller-Reihe von Blake Crouch gehört und so entschied ich mich, ein Audible-Guthaben für den ersten Teil „Psychose“ zu verwenden. Denn gesprochen wird es von dem wunderbaren Charles Rettinghaus und überhaupt sind Thriller für mich eigentlich wie geschaffen zum Hören, sind sie doch ein bisschen wie Fastfood, das schmackhaft sein kann und manchmal einfach sein muss. Selten habe ich bei ihnen das Bedürfnis, mir besondere Stellen zu markieren. Auch der Wunsch des ‚zurückzuspulens‘ entfällt meist, weil es kaum Sätze gibt, die ich mir nochmal auf der Zunge zergehen lassen möchte, um in Ruhe über sie nachdenken zu können. Dinge, die ich beim Hörbuchhören zweier Romane, die sich zu Lieblingsbüchern entwickelten, zuletzt schmerzlich vermisst hatte. Aber jetzt war wieder einmal die Zeit für einen Thriller gekommen, von dem ich mir spannende und gute Unterhaltung erhoffte.

Blake Crouch nimmt die Leser mit nach Wayward Pines, Idaho, eine idyllische Kleinstadt mitten im Nichts. Als Ethan Burke nach einem Verkehrsunfall im örtlichen Krankenhaus allmählich wieder zu sich kommt, sind seine Sachen verschwunden, alle um ihn herum verhalten sich äußerst merkwürdig und auf seine Fragen bekommt er nur ausweichende Antworten. Immer wieder hat er eigenartige Kopfschmerzen und in seinem Gedächtnis gibt es Lücken. Allmählich erinnert er sich, dass er ein Secret-Service-Agent ist und zwei Vermisste aufspüren soll. Doch er findet Anderes und als er Wayward Pines zu verlassen versucht, stößt er auf einen unüberwindbaren Zaun.

Aufgrund des Buchtitels entwickelt man beim Lesen Vermutungen darüber, was mit dem Protagonisten los sein könnte und stuft auch seine Verhaltensweisen und Empfindungen dementsprechend ein. Gleichzeitig versucht man den Funken Wahrheit an dieser Geschichte zu finden, weil man Ethan Burke mit der Zeit immer weniger glaubt. Zudem sind einige Schilderungen von Vorgängen, die außerhalb von Wayward-Pines stattfinden oder stattfanden rätselhaft. Das ganze ist ein Verwirrspiel, das dauert und sich für mich zu lange hingezogen hat. Irgendwann hatte mich dieser Thriller einfach verloren.

Der Protagonist ist nicht glaubwürdig und sein Handeln ist nicht immer nachvollziehbar. Natürlich erwartet man das auch nicht, wenn man ihm eine schwere psychische Erkrankung unterstellt. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt interessierte es mich auch einfach nicht mehr. Dennoch hörte ich der angenehmen Stimme des Hörbuchsprechers bis zum Schluss zu, war aber enttäuscht, als schließlich die Auflösung des ganzen erfolgte. Ich hätte mir wohl vorher einmal anschauen sollen, dass dieser Thriller bei Amazon unter anderem in Krimis über Übernatürliches, Thriller über Parapsychologie und Horror einsortiert ist. Nicht, dass ich diesen Bereichen gegenüber generell abgeneigt wäre, aber dieser Ausgang der Geschichte kam für mich völlig unerwartet und war partout nichts für mich. Ich kann mich den lobenden Stimmen, die ich über diese Reihe vernommen habe, also leider nicht anschließen und werde die Geschehnisse rund um Wayward Pines nicht weiter verfolgen.

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Blake Crouch
Psychose – Ein Wayward-Pines-Thriller (1)
Ungekürztes Hörbuch
Sprecher: Charles Rettinghaus
Spieldauer: 9 Std. und 25 Min.
Erscheinungsdatum: 16.09.2019
Verlag: Der Hörverlag

Frisch auf dem Buchmarkt: Januar 2021

Eigenartig fühlte sich dieses Mal mein Bummel durch die Verlagsvorschauen des Frühjahrs an. Für viele Themen und Geschichten bin ich derzeit einfach nicht offen. Wenn ich die Worte Dystopie, Pandemie oder Virus lese, bin ich sofort raus. Von Politik habe ich die Nase voll, allzu Kritisches will ich gerade nicht auch noch hinterfragen müssen und selbst Blutrünstiges kann mich derzeit nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Aber allzu Fantasievolles und die lustige heile Herzschmerwelt sowie Trümmerbeziehungen reizen mich halt auch nicht und so blätterte ich mich dieses Mal nörgelig und mäkelig durch die virtuellen Bücherwelten. Ein eigenartiges Gefühl für jemanden, der sich sonst kaum zu bremsen weiß und immer über alle Maßen fündig wird. Nicht, dass ich nicht sowieso schon eine Bücherwunschliste hätte, die aus allen Nähten platzt…

Im nachhinein konnte ich kaum glauben, dass ich doch noch einige (12!) ansprechende Neuerscheinungen für den Januar entdeckt habe. Dabei geht es um den heiligen Fettstoffwechsel, um Reisegeschichten, einen Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie, eine Fotojournalistin, die von den gefährlichsten Orten unserer Welt berichtet, um mystisches Wissen, eine künstliche Intelligenz mit dem Namen Dave, den Arabischen Frühling, um die Folgen einer Hirnblutung, um einen Affen, der nicht nur einen Cheeseburger bestellen kann, einen 14jährigen Jungen, der in Malawi ein Windrad baut, einen mysteriösen Brief, in dem Dinge stehen, die eigentlich niemand über Heloise wissen kann und Geschichten, die heilsam, tröstlich und unterstützend sein können.

Aber schaut selbst und lasst euch inspirieren:

04.01.2021: Die geheime Kraft des Fettstoffwechsels [Werbung] von Marion Kiechle und Julie Gorkow: Ernährung ist der Schlüssel für einen gesunden Fettstoffwechsel. Je nach Lebensphase spielen die Hormone einen großen Einfluss. Die richtigen Lebensmittel können in all diesen Lebensphasen den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Dazu kommen im Laufe des Lebens stoffwechsel-induzierte Erkrankungen, die mit der richtigen Ernährung ebenfalls behandelt werden können. Die Frauenärztin Dr. Marion Kiechle kennt aus der Praxis und aus ihrer Uni-Tätigkeit all diese Phasen und Erkrankungen genau, die Journalistin Julie Gorkow erklärt die Zusammenhänge verständlich. Damit dieses Wissen über den Fettstoffwechsel sofort anwendbar wird, ergänzt ein ausführlicher Rezept-Teil den Ratgeber.

11.01.2021: The Travel Episodes: Von Abenteuern in der Ferne und vor der Haustür [Werbung] von Johannes Klaus: Ein Glück, dass gute Reisegeschichten niemals langweilig werden! Denn auch im fünften Band der erfolgreichen Reihe „The Travel Episodes“ werden gemeinsam mit Johannes Klaus die spannendsten, aufregendsten und mitreißendsten Storys aus allen Ecken der Welt gekürt. Sie entführen uns in den afrikanischen Busch, in die eisige Wildnis Grönlands und die rote Weite Australiens. Sie erzählen von einem Segelabenteuer im südlichen Ozean, beschreiben das große Nichts in Kasachstan und zeigen, wie eine neue Generation in Bangladesch das Reisen für sich entdeckt. Das Buch für Fernsüchtige!

14.01.2021: Der Mann im roten Rock [Werbung] von Julian Barnes: Julian Barnes lässt uns teilhaben am Leben von Dr. Samuel Pozzi (1846–1918), dem damals bekannten Arzt, Pionier auf dem Gebiet der Gynäkologie und Freigeist, ein intellektueller Wissenschaftler, der seiner Zeit weit voraus war: So führte er Hygienevorschriften vor Operationen in Frankreich ein und übersetzte Darwin ins Französische. Julian Barnes zeichnet das Bild einer ganzen Epoche am Beispiel dieses charismatischen Mannes. Man kann Julian Barnes nur bewundern: Kenntnisreich, elegant und akribisch recherchiert, beschreibt er das privat turbulente Leben Dr. Pozzis und erzählt Kulturgeschichten über den Fin de Siècle und seine Protagonistinnen und Protagonisten: Maler, Politiker, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller. Dr. Pozzi reiste, um Erkenntnisse zu gewinnen, und stand für einen engen Austausch zwischen England und dem Kontinent. Julian Barnes beleuchtet diese fruchtbaren Beziehungen und schreibt zugleich ein spannendes Plädoyer, an der Idee Europas festzuhalten.

18.01.2021: Menschlichkeit in Zeiten der Angst [Werbung] von Julia Leeb: Die Fotojournalistin Julia Leeb berichtet von den gefährlichsten Orten unserer Welt. Hautnah erfährt sie, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten, sei es bei den Kämpfen der Nubier im Sudan, bei den Warlords im Kongo, im Krieg in Libyen, während der Revolution in Ägypten oder in der abgeschotteten Diktatur in Nordkorea. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr: Als sie mit ihren Recherchen der Wahrheit zu nahe kommt, soll sie kaltblütig umgebracht werden. Ein anderes Mal wird sie verschleppt, um sie als Zeugin zum Schweigen zu bringen. Dennoch schildert sie in ihren Reportagen über die Vergessenen unserer Welt auch immer wieder Begegnungen voller Schönheit und Hoffnung. Es sind vor allem Frauen, die durch ihren Mut und ihre Zuversicht den Weg aus Gewalt und Unterdrückung zu Frieden und wahrer Menschlichkeit weisen.

19.01.2021: The Mystical Year: Zwölf magische Monate voller Mythen und Bräuche [Werbung] von Allison Davies: Dieses liebevoll gestaltete Buch ist der perfekte Einstieg für alle, die sich ein wenig Magie in ihrem Leben wünschen. Jeder Monat und jede Jahreszeit bergen ihr eigenes Potenzial, das es zu entdecken gilt. Wir lernen besondere Ereignisse, überlieferte Weisheiten, heidnische Sagen und traditionelle Feste kennen und erfahren von magischen Eigenschaften bestimmter Kräuter, Tiere, Steine oder Tarotkarten – und von vielem mehr. Jährlich wiederkehrende Sternenkonstellationen spielen ebenso eine Rolle wie der Einfluss des Mondes. Themenseiten, Tipps und Übungen runden diesen Leitfaden für alle mit einer mystischen Ader ab. Von der Weisheit der amerikanischen Ureinwohner bis zu den Geschichten der Griechischen Sagenwelt, heidnischer Erzählungen und römischer Traditionen existiert ein Reichtum an Wissen aus vielen Kulturen. Feiern Sie den Frühling und Sommer als Zeit der Erneuerung mit Flora, der römischen Göttin der Blumen, begehen Sie an Litha, einem der solaren Feste des Wicca-Glaubens, die Sommersonnenwende, und wenn die Nächte länger werden, helfen selbst gemachte, duftende Kräutergirlanden, böse Geister abzuwenden. Für jeden Monat finden sich in diesem Buch der jeweilige Vollmondname oder Wicca-Jahreskreis sowie eine Zusammenstellung mystischer Traditionen, die den Wechsel der Natur feiern. Mystisches Wissen für alle, die durch eine Rückbesinnung auf überlieferte Weisheiten über den Zyklus der Jahreszeiten neue Kräfte aktivieren und sich mehr mit der Natur verbinden möchten!

23.01.2021: Dave [Werbung] von Raphaela Edelbauer: Was braucht es, um eine Maschine mit menschlichem Bewusstsein auszustatten? Den Programmierer Syz interessiert nichts so sehr wie die Beantwortung dieser Frage. Doch als er hinter die Kulissen des Labors blickt, gerät sein bedingungsloser Glaube an die Technik ins Wanken. Welchem Zweck dient DAVE wirklich und wer wird von ihm profitieren? In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Geschlafen und gegessen wird hauptsächlich, um schnellstmöglich wieder in die Datenströme des Computers abzutauchen. Das Ziel des gesamten Labors ist nichts Geringeres als die Programmierung der ersten generellen Künstlichen Intelligenz, ausgestattet mit einer Höchstleistung an Rechenkraft und menschlichem Bewusstsein: DAVE. Dann allerdings bringen zwei Ereignisse Syz‘ geregeltes Leben ins Wanken. Erstens, Syz verliebt sich in eine junge Ärztin, und zweitens, DAVE droht ein Totalausfall. Der Strudel, in den Syz in der Folge gerät, katapultiert den Programmierer in unmittelbare Nähe der Machtzentrale. Während das Labor in blinder Technikgläubigkeit weiterhin auf die Verwirklichung der Künstlichen Superintelligenz hinarbeitet, taucht Syz tief in die Geschichte des Labors ein und versucht herauszufinden, wessen Interessen DAVE am Ende eigentlich dient. Nach dem großen Erfolg von »Das flüssige Land« legt Raphaela Edelbauer einen einzigartigen Roman über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Künstlichen Intelligenz vor.

25.01.2021: Die Republik der Träumer [Werbung] von Alaa al-Aswani: Hoffnung, Aufbegehren, Scheinheiligkeit und Unterdrückung – Der große Roman über die ägyptische Revolution zum 10. Jahrestag des Arabischen Frühlings. Kairo, 25. Januar 2011, 25.000 Menschen demonstrieren gegen Mubarak. Sie träumen von der großen Veränderung, doch während in der euphorischen Menge Liebesbeziehungen aufblühen, wird der Bürgerrechtler Khaled vor den Augen aller ermordet. Seine Freundin Dania will ihren Widerstand nicht aufgeben – und sei es gegen den eigenen Vater, den bigotten Geheimdienstchef, der islamische Werte predigt und heimlich Pornos schaut. Al-Aswanis Figuren verkörpern in diesem mitreißenden Buch, das in Ägypten verboten wurde, alle Facetten der Revolution, die für jede von ihnen einen Wendepunkt in ihrem Schicksal bedeutet. Ein unvergessliches Porträt der modernen ägyptischen Gesellschaft.

25.01.2021: Königin außer Dienst [Werbung] von Martine Bijl: Martine ist erfolgreich, berühmt, steht mitten im Leben, als an einem Herbstmorgen „ein Ballon hinter ihren Augen platzt“. Eine Hirnblutung verändert das Leben der Autorin schlagartig.
Bevor sie vier Jahre später an den Folgen der Krankheit stirbt, schreibt Martine Bijl ein Buch, das einzigartige, berührende und schmerzlich ehrliche Einblicke erlaubt. In eindringlichen, ja poetischen Bildern, mit bewundernswerter Kraft und Selbstironie schildert Martine Bijl, wie es ist, „im Kopf Angst zu haben, und nicht zu verstehen, warum und wovor“. Ein Buch, das scheinbar Unmögliches möglich macht, das uns Menschen, deren Wahrnehmung getrübt ist, besser verstehen lässt. Ein Buch, das Mut macht.

25.01.2021: Sprich mit mir [Werbung] von T.C. Boyle: Wer ist menschlicher? Der Mensch oder der Affe? Die Weltpremiere von T.C. Boyles neuem Roman. Sam, der Schimpanse, den Professor Schemerhorn in eine TV-Show bringt, kann in der Gebärdensprache nicht nur einen Cheeseburger bestellen, sondern auch seinen Namen sagen. Wie ein Kind wächst er umsorgt von Wissenschaftlern auf. Als die schüchterne Aimee dazu stößt, entspinnt sich eine einzigartige Beziehung: Sam erwidert ihre Gefühle und entwickelt sich regelrecht zu einem Individuum. Als jedoch die Vision Schemerhorns, der an das Menschliche im Tier glaubt, keine Schule macht, wird er für Tierexperimente von einer anderen Universität beschlagnahmt. Aimee ist am Boden zerstört und fasst einen verrückten Plan. T.C. Boyle geht ebenso komisch wie mitfühlend der Frage nach, ob uns Tiere ähnlicher sind, als wir vermuten.

25.01.2021: Der Junge, der den Wind einfing [Werbung] von William Kamkwanba: William wächst auf einer Farm in Malawi auf, einem der ärmsten Länder der Welt. Nur kurz kann er zur Schule gehen. Dennoch baut er mit 14 Jahren ein Windrad, mit dem er Strom erzeugen kann. So erfüllt sich der wissbegierige Junge trotz vieler Hindernisse einen Traum und verändert damit das Leben seiner Familie und der Menschen in seinem Dorf. Diese wahre Geschichte ist die Vorlage für den erfolgreichen Netflix-Film. Eine moderne Heldensaga, die zum Staunen anregt und Mut macht.

27.01.2021: Leichenblume [Werbung] von Annette Mette Hancock: Die Kopenhagener Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan steckt in einer heiklen Jobkrise, als sie einen mysteriösen Brief erhält: von einer gesuchten Mörderin. Darin stehen Dinge über Heloise, die eigentlich niemand wissen kann. Beunruhigt beginnt Heloise, auf eigene Faust zu recherchieren. Die Absenderin ist seit einem brutalen Mord vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Was will sie nun ausgerechnet von Heloise, und woher hat sie die Informationen über sie? Zur gleichen Zeit erhält auch Kommissar Erik Schäfer einen neuen Hinweis auf die Gesuchte. Alle Spuren scheinen zu Heloise Kaldan zu führen. Ist ihr Leben in Gefahr? Und können der Polizist und die Journalistin einander vertrauen? Der erste Fall der Erfolgs-Reihe um Heloise Kaldan und Erik Schäfer. Ausgezeichnet mit dem dänischen Krimi-Preis.

27.01.2021: Lesen und Genesen . Geschichten, die Mut machen [Werbung] – ausgewählt von Ursula Baumhauer: »Ein Gesunder ist kein Umgang für einen Kranken« (Robert Gernhardt). Gute Geschichten dagegen helfen immer. Dieser Band versammelt ein breites Spektrum: Geschichten, die heilsam, tröstlich, unterstützend sind. Texte, die nachdenklich stimmen. Und solche, die unterhalten und die Langeweile vertreiben. Geschichten für Körper und Geist, von Cees Noteboom, Dorris Dörrie, Robert Gernhardt, Bernhard Schlink, W. Somerset Maugham, Jeffrey Eugenides, Richard David Precht, Khalil Gibran, F. Scott Fitzgerald und vielen mehr.

Frisch auf dem Buchmarkt: Dezember 2020

Nachdem ich in den vergangenen Monaten kaum wusste, was ich aus dem reichhaltigen Angebot der Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt auswählen sollte, um es euch vorzustellen, war es nun im Dezember ein wenig übersichtlicher. Ins Auge gefallen ist mir das eiskalte Spiel um Leben und Tod einer jungen Architektur-Studentin und eines schwerreichen Psychopathen, Hollebecq’s Ansichten zu gesellschaftlich Relevantem, die Unterhaltungen von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre, Annie Ernaux‘ Erinnerungen an ihren Vater, ein Pfarrer und seine ketzerische Leidenschaft Artefakte zu sammeln und die Fortsetzung des Thrillers rund um Cyrus Haven und Evie Cormac.

Aber schaut selbst:

01.12.2020: Der Bruder [Werbung] von John Katzenbach: Eine ahnungslose junge Frau, ein schwerreicher Psychopath – ein eiskaltes Spiel um Leben und Tod: Für die junge Architektur-Studentin Sloane Connolly ist es ein schwerer Schlag, als ihre exzentrische Mutter spurlos verschwindet. Sloane hat sonst niemanden, ist fast völlig isoliert aufgewachsen. Zur selben Zeit erhält sie über einen Anwalt ein merkwürdiges Angebot: Ein reicher Mäzen möchte, dass Sloane Denkmäler für sechs Personen, die in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben, entwirft. Allerdings sind alle sechs bereits verstorben, und das nicht an Altersschwäche. Sloane nimmt den Auftrag an, um sich von der Sorge um ihre Mutter abzulenken – und ahnt nicht, auf was für ein perfides Spiel sie sich einlässt …

03.12.2020: Ein bisschen schlechter: Neue Interventionen [Werbung] von Michel Houellebecq: »Obwohl ich kein ›engagierter Künstler‹ sein möchte, habe ich in diesen Texten versucht, meine Leser von der Gültigkeit meiner Standpunkte zu überzeugen. Dabei geht es selten um Politik, ab und an um Literatur, meist um ›gesellschaftlich Relevantes‹. Eine weitere Ausgabe wird es nicht geben. Ich verspreche nicht unbedingt, mit dem Denken aufzuhören, aber zumindest damit aufzuhören, meine Gedanken und Meinungen der Öffentlichkeit mitzuteilen, es sei denn, es besteht eine ernsthafte moralische Dringlichkeit.«
Gemäß seiner Aussage äußert sich Houellebecq u. a. zum französischen Staat, zu Donald Trump, zur Corona-Pandemie und stellt, präzise und provokant wie immer, seine Haltung dazu dar. Neben intellektuellen Texten stehen aber auch so persönliche Gespräche wie das mit seinem Freund Fréderic Beigbeder, in denen die Person Michel Houellebecq sichtbar wird.

09.12.2020: Alle sind so ernst geworden [Werbung] von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre: Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre unterhalten sich über: Badehosen, Glitzer, Äähm, Hochzeiten, LSD, Teufel, Gott, Madonna, Arbeit, Ibiza, Kochen, Rechnungen, Siri, Fotos, Mundharmonika, Geldscheine, Verliebtheit, Wiedersehen.

14.12.2020: Der Platz [Werbung] von Annie Ernaux – jetzt als Taschenbuch: Ihr Vater stirbt, und Annie Ernaux nimmt das zum Anlass, sein Leben zu erzählen: Um die Jahrhundertwende geboren, musste er früh von der Schule abgehen, war zunächst Bauer, dann, bis zum Todesjahr 1967, Besitzer eines kleinen Lebensmittelladens in der Normandie, die körperliche Arbeit ließ ihn hart werden gegen seine Familie. Das Leben des Vaters ist auch die Geschichte vom gesellschaftlichen Aufstieg der Eltern und der gleichzeitigen Angst, wieder in die Unterschicht abzurutschen, von der Gefahr, nicht zu bestehen. Dass seine Tochter eine höhere Schule besucht, macht ihn stolz, trotzdem entfernen sich beide voneinander.

14.12.2020: Der zweite Schlaf [Werbung] von Robert Harris – jetzt als Taschenbuch: England ist nach einer lange zurückliegenden Katastrophe in einem erbärmlichen Zustand. Der junge Priester Fairfax wird vom Bischof in ein Dorf entsandt, um dort die Beisetzung des mysteriös verstorbenen Pfarrers zu regeln. In der Umgebung finden sich besonders häufig jene verbotenen Artefakte aus vergangener Zeit – Münzen, Scherben, Plastikspielzeug –, die der Pfarrer akribisch gesammelt hat. Hat diese ketzerische Leidenschaft zu seinem Tod geführt? Robert Harris’ erster Roman »Vaterland« war ein Ereignis. Seine Berühmtheit wuchs mit historischen Politthrillern wie »Pompeji« und seiner groß angelegten Cicero-Trilogie (»Imperium«, »Titan«, »Dictator«). Ob nun Antike oder jüngere Neuzeit (»Intrige«, »Konklave«, »München«) – auch wenn in seinen Büchern faktenfeste und erfundene Historie sich mischen, so muss man den vordergründigen Mantel nicht weit lüpfen, und die hintergründige Aktualität scheint auf. Robert Harris schreibt letztlich immer über das Hier und Jetzt.

21.12.2020: Fürchte die Schatten [Werbung] – Cyrus Haven 2 – von Michael Robotham: Evie Cormacs Leben ist eine Lüge. Seit man sie aus den Fängen eines angeblichen Entführers rettete, verbirgt sie verzweifelt ihre wahre Identität und Geschichte. Denn wer immer die Wahrheit ahnte, musste sterben. Einer ist dennoch entschlossen, ihr zu helfen: Cyrus Haven, Psychologe, polizeilicher Berater und Evies engster Freund. Als er bei Ermittlungen zum Mord an einem Detective auf Hinweise zu ihrer Vergangenheit stößt, will er endlich Licht ins Dunkel bringen. Was er nicht ahnt ist, dass ausgerechnet er damit Evies Todfeinden einen entscheidenden Hinweis liefert. Und die Jagd auf sie beginnt von neuem.

Welche Neuerscheinungen interessieren euch im Dezember besonders?

erLESENer April 2020

Im Lesemonat April fuhr ich mit einem Anhalter und dem Wohnmobil quer durch Island, fand Leichen in einem alten baufälligen Krankenhaus, nutzte die Gentechnik zur Partnersuche und folgte beeindruckt den Spuren Rüdiger Nehbergs.

Bücherwelten – fiktiv ebenso mitreißend wie real und nachdenklich machend.

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Der Anhalter von Gerwin van der Werf
Die Geschichte eines Mannes, der mit allen Mitteln verzweifelt um seine Ehe kämpft und sich dabei verliert. Zuweilen etwas nervenaufreibend, aber dennoch gut gemacht.

Die ewigen Toten von Simon Beckett
Ein weiterer guter Thriller aus meiner Lieblingsreihe rund um den foresischen Anthropologen David Hunter.

The One . Finde dein perfektes Match von John Marrs
Ein unterhaltsamer Roman, der aufzeigt was passieren kann, wenn die DNA bestimmt, welcher Partner zu einem passt und welcher nicht.

Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen . Ein abenteuerliches Leben von Rüdiger Nehberg
Die Autobiografie von Rüdiger Nehberg, der bodenständig und mitreißend über sein beeindruckendes Leben schreibt. Für mich ein echtes Highlight!

Die ewigen Toten – Simon Beckett

Bei diesem Buch handelt es sich um den 6. Fall des forensischen Anthropologen Dr. David Hunter. Mehr brauche ich eigentlich nicht, um zu wissen, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Denn diese Thrillerreihe begeistert mich von Anfang an, so seltsam und makaber sie auch manchmal ist. Denn Dr. Hunter verbringt mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden und untersucht Verwesung und Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren. Und obwohl es widerlich und manchmal auch erschreckend sein kann, was auf ganz natürliche Weise mit dem menschlichen Körper nach dem Tod passiert, so interessant ist es gleichzeitig, dass ich die Bücher kaum aus der Hand legen kann, wenn ich sie erst begonnen habe. So erging es mir auch mit „Die ewigen Toten“.

Ob man dieses Buch auch lesen kann, wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt? Ich denke schon. Leider ist mein Gedächtnis nicht das Beste und ich tauche mit jedem Buch beinahe gänzlich neu in die Geschichte David Hunters ein. Das ärgert mich zwar, aber der Autor greift die Vorgeschichte seines Protagonisten zumindest so grob auf, dass man den Anschluss finden kann. Allerdings beginnt die Geschichte um Dr. Hunters ‚Dämonen‘ natürlich bereits in den vorher erschienen Büchern der Reihe. Wer sich also nicht spoilern möchte, liest die Bücher dann doch besser der Folge ihres Erscheinens nach.

14_Die ewigen Toten

Dieses Mal ermittelt David Hunter in einem verlassenen Krankenhaus mit schrecklicher Vergangenheit. Das St. Jude, das Krankenhaus im Norden Londons, soll in Kürze abgerissen werden. Nur noch Fledermäuse verirren sich seit langem dorthin, doch dann wird auf dem staubigen Dachboden eine teilweise mumifizierte Leiche gefunden, die in eine Plastikhülle eingewickelt ist. Als beim Versuch, die Leiche zu bergen, der Boden des baufälligen Gebäudes einbricht, entdeckt der forensische Anthropologe ein fensterloses Krankenzimmer, das nicht auf den Plänen verzeichnet ist. Warum wusste niemand von der Existenz dieses Raumes? Und warum wurde der Eingang zugemauert, obwohl dort nach wie vor Krankenbetten stehen? Betten, in denen noch jemand liegt. Ein harter Fall für David Hunter, der zusätzlich noch mit den Schatten seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Je tiefer Hunter in die Vergangenheit des Krankenhauses eindringt, desto mehr düstere Geheimnisse kommen ans Licht. Und bald ist klar, dass das St. Jude noch lange nicht sein letztes Opfer gefordert hat.

Einen wirklich schaurigen Handlungsort hat sich der Autor dieses Mal ausgesucht, der wohl jeden Freund der sogenannten Lost Places erfreuen dürfte. Die atmosphärische Szenerie des alten baufälligen Krankenhauses kann man sich bildlich gut vorstellen und ist gleich darin gefangen. Der Dachbodenfund lässt einen gruseln, aber auch das, was den anderen Toten widerfahren sein muss, lässt einen beim lesen nicht kalt. Das Thrillerelement sorgt für den gewünschten thrill und treibt einen durch die Handlung, durchsetzt mit der aufschlussreichen Ermittlungsarbeit, die Dr. Hunter leistet und dem wissensdurstigen Leser auf interessante Weise erklärt. Kurzum: Ein Thriller dieser Reihe, wie ich ihn mag und wie ich ihn mir von Simon Beckett wünsche. Dass manches in der Geschichte für meinen Geschmack aber dennoch etwas zu konstruiert ist, kann ich verschmerzen. Denn das Gesamtpaket dieses Thrillers, den ich mir zum Teil auch ungekürzt und hervorragend von Johannes Steck vertont bei Spotify angehört habe, ist für einen Fan wie mich dennoch großartig.

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Simon Beckett
Die ewigen Toten (David Hunter 6)
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld
Gebunden, 480 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5002-3
Preis: 22,95 € (D)
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 12.02.2019

erLESENer Februar 2020

Im Lesemonat Februar erlernte ich die Kunst der kriminellen Achtsamkeit, stellte meine Kindheit und die Kindheit meiner Tochter in Punkto Ernährung auf den Prüfstand und kam nach und nach dem Tod von Mattias auf die Spur.

Bücherwelten, so stimmungsaufhellend, wissenserweiternd und perspektivenverrückend…

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Achtsam morden von Karsten Dusse
Ein makaberer und zugleich humorvoller Thriller rund um das Thema Achtsamkeit. Herrlich erfrischend und mal ganz etwas Anderes aus dem Genre.

Die Macht der ersten 1000 Tage von Dr. med. Matthias Riedl
Welchen Einfluss Evolution und Eltern haben, wie die Mechanismen der Prägung und artgerechte Ernährung funktionieren erklärt der Autor interessant und gut verständlich. Eigentlich für mich ein 5-Sterne-Buch, aber manches hätte ich mir ausführlicher gewünscht.

Nach Mattias von Peter Zantingh
Ein ungewöhnlicher Roman, der aus der Sicht verschiedener Personen erzählt, wie es dazu kam, dass Mattias aus deren Leben verschwand und in welchem Kontakt sie zu ihm standen. Ein leises Buch, das nachwirkt.

erLESENer Januar 2020

Im Lesemonat Januar suchte ich Paul auf Trinidad, erlebte, was nach dem Untergang Endoras geschah, kehrte mit Nina ins Dorf zurück und hielt mich an glücklichen Erinnerungen fest.

Bücherwelten – in diesem Monat leider überwiegend durchwachsen und eher durchschnittlich…

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Goldkind von Claire Adam
Ein stimmungsvoller Roman über Trinidad und die Frage, ob man das Leben eines Kindes für ein anderes opfern kann. Ein Buch, das nachdenklich macht.

Das Vermächtnis des Ältesten . Scythe 3 von Neil Shusterman
Nach den beiden hervorragenden Teilen der Trilogie ein leider nicht so gelungener Abschluss. Mir scheint, der Autor war noch voller guter Ideen, die er unbedingt in diesen dritten und letzten Teil packen wollte, das ganze aber nicht zu einem runden Ganzen verarbeiten konnte.

Die Wälder von Melanie Raabe
Ein handwerklich zwar gut gemachter Thriller, dem es allerdings an Glaubwürdigkeit mangelt. Schade, von der Autorin bin ich Besseres gewohnt.

Die Kunst der guten Erinnerung von Meik Wiking
Ein Buch über Glück, das dabei helfen soll Momente zu schaffen, an die man sich gern zurückerinnert. Nett gemacht, aber irgendwie doch mehr ein Erinnerungsstück des Autors, das mich nicht so recht begeistern konnte.

Die Wälder – Melanie Raabe

Melanie Raabe konnte mich bereits mit „Die Falle“ und „Die Wahrheit“ begeistern, umso gespannter war ich auf ihren neusten Thriller „Die Wälder“.

03_Die Wälder

Dieser spielt überwiegend in einem riesigen Waldgebiet, das man durchfahren muss, um zu dem Dorf zu kommen, in dem Nina und Tim ihre Kindheit verbracht haben. Als Nina, inzwischen erwachsen und Ärztin, die Nachricht erhält, dass ihr bester Freund Tim unerwartet gestorben ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Vor allem, als sie erfährt, dass er sie noch kurz vor seinem Tod mehrfach telefonisch zu erreichen versucht hat. Tim hat nicht nur eine geheimnisvolle Nachricht hinterlassen sondern auch einen Brief, in dem er ihr den Plan schildert, seine Schwester finden zu wollen. Diese verschwand in den schier endlosen Wäldern, die das Dorf, in dem sie aufgewachsen sind, umgeben. Nina macht sich auf den Weg, um Tims Plan umzusetzen.

Und bereits da büßt dieser Thriller seine Glaubwürdigkeit ein, denn für mich passte es von Anfang an nicht, dass die junge Ärztin sich aufgrund dieses Briefes, von dem der Leser erst recht spät im Buch Teile des Inhalts erfährt, in diese Gefahr und auf die rechtlichen Abwege begibt, die ihr Tims unausgegorener Plan vorgibt. Dadurch wird die Geschichte nicht so recht greifbar und bleibt zu lange derart geheimnisvoll, dass man beinahe die Lust zu lesen verlieren könnte, weil einen die Autorin zu lange hinhält. Auch die Angstmacherei bezüglich des finsteren mythenumwobenen Waldes und einem Bösewicht, der auch noch den Namen Wolff trägt, wirkt ein wenig übertrieben und an den Haaren herbeigezogen. Insgesamt passt das jedoch ein wenig zu der Geschichte von 4 heranwachsenden Freunden, die im Wechsel zu Ninas Erlebnissen erzählt wird.

Aber man verzeiht Melanie Raabe dies beim Lesen großzügig, denn insgesamt ist dieser Thriller handwerklich gut gemacht. Die Autorin baut eine Stimmung auf, die einen fast schon in diesen dunklen mystischen Wald einsaugt. Und auch wenn man sich lange Zeit fragt, was dieser ‚böse‘ Wolff eigentlich getan hat, um sich diesen Titel zu verdienen, versteht man doch recht schnell, dass es sich hierbei um einen üblen und ziemlich gefährlichen Zeitgenossen handelt. Überhaupt sind ihre Charaktere gut gezeichnet, so dass man sie sich gut vorstellen kann und mit ihnen gemeinsam in die beiden Erzählstränge eintaucht, die zunächst unabhängig voneinander erzählt, irgendwann jedoch gekonnt zusammengeführt werden. Dabei enden die kurzen Kapitel meist mit einem Cliffhanger, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.

So fühlte ich mich von diesem Thriller trotz einiger Kritikpunkte dennoch gut unterhalten, auch wenn ich von der Autorin bisher Besseres gewohnt war.

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Melanie Raabe
Die Wälder
Paperback, Klappenbroschur, 432 Seiten
ISBN: 978-3-442-75753-4
Preis: € 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: btb Verlag
Erschienen: 27. Dezember 2019

Das Leseexemplar wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Bösland – Bernhard Aichner

Eigentlich mag ich ja keine halben Sachen, aber als ich kürzlich bei Audible ein halbes Guthaben für einen Thriller ausgab, stöberte ich weiter in dem Genre und stieß auf Bösland von Bernhard Aichner – ein Autor, von dem ich bislang noch nichts gelesen hatte und den ich längst mal für mich entdecken wollte. Nach der Hörprobe stand für mich recht schnell fest, dass ich die andere Hälfte des Guthabens hierfür verwenden wollte, weil mich die Geschichte gleich fesseln konnte und ich neugierig darauf war, was es mit dem Bösland auf sich hatte.

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Ben hat einen Vater, der ihn schlägt und sich umbringt, als Ben zehn Jahre alt ist. Das prägt ihn, so dass er für seine Umwelt immer ein wenig seltsam erscheint. Als Ben mit seinem Freund Kux und Mathilda, dem Mädchen in das er heimlich verliebt ist, im Bösland spielt, wird Mathilda erschlagen. Daraufhin wird Ben, der am Tatort blutverschmiert gefunden wird und sein Gedächtnis bezüglich der Geschehnisse verloren hat, verhaftet. Er muss mit 13 Jahren in eine psychiatrische Klinik, wo er er jahrelang betreut wird und sich später ein unscheinbares Leben als Fotolaborant aufbaut. Knapp 30 Jahre nach den Ereignissen im Bösland entwickelt er ein Foto, auf dem er seinen alten Freund Kux wieder erkennt. Seine Therapeutin rät ihm, seinen Heimatort aufzusuchen und Kontakt mit Kux aufzunehmen. Ben folgt ihrem Rat und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse.

Die Sprecher haben gute Arbeit geleistet und den Charakteren Lebendigkeit und Authentizät eingehaucht. In kurzen Kapiteln jagt man regelrecht durch dieses Hörbuch und ein ums andere Mal wurde mein Badewasser kalt, weil ich beim Hören (und baden) kein Ende finden konnte, wenn ich gebannt der Geschichte lauschte. Ich fühlte mich gut unterhalten und wollte immer wissen wie es weiter geht.

Allzu überraschend ist die Handlung allerdings nicht und verläuft unerwartet oft genau so, wie ich es im Vorfeld vermutet hatte. Und doch nimmt man es diesem Thriller nicht allzu übel, weil er gut umgesetzt ist, die Charaktere gut ausgearbeitet und mit den richtigen Sprechern besetzt sind. Für besondere Spannung sorgt in dieser Geschichte auch der Psychokrieg, der zwischen zwei Personen entbrennt – ein ungleicher Kampf, bei dem man sich nicht sicher ist, wer ihn gewinnen kann. So bleibt doch immer ein wenig Unvorhersehbares übrig, das einen mitfiebern lässt.

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Bösland
Autor: Bernhard Aichner
Sprecher:  Hans Sigl, Johannes Steck, Martin Gruber, Beate Himmelstoß, Jule Ronstedt
Spieldauer: 6 Std. und 49 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Erscheinungsdatum: 01.10.2018
Sprache: Deutsch
Anbieter:  Der Hörverlag