abc.etüden: Weichmutmacher

Gut ein halbes Jahr hatte sie sich informiert und alles an Wissen begierig in sich aufgesogen, von dem sie meinte, dass es wichtig für sie sein könnte. Vielleicht hatte es auch erst vor drei Monaten begonnen, so ganz genau konnte sie das inzwischen nicht mehr festmachen. Aber es gab einen Auslöser und wenn man ganz genau hinsah und noch weiter zurück blickte, dann gab es sogar Vorkommnisse und Begebenheiten in den vergangenen zwanzig Jahren, die sich nun wie Puzzleteilchen zu einem großen Ganzen zusammenfügten. Plötzlich passte alles und es schien nur eine logische Konsequenz zu sein, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt genau das tat, wozu sie sich nach vielen Überlegungen und einer scheinbar endlosen Vorbereitungsphase entschieden hatte.

Dabei hätte sie manches Mal Zetermordio schreien können, bei dem, was ihr in all diesen Jahren geschehen war. Kaum zu glauben, dass dies zu irgendetwas gut gewesen sein soll. Denn all das hatte sie auch für das Leben zu weichmütig gemacht. Ihr fehlte die nötige Härte um den ganz normalen Wahnsinn des Alltags durchzustehen. Und so hatte sie es sich im Laufe der Zeit in ihrem Krankheitskokon gemütlich gemacht. In der geschützten Atmosphäre hatte sie ihr Auskommen gefunden und es ließ sich darin mit den Jahren immer besser leben. Aber in all ihrer Weichmütigkeit hatte sie dennoch immer auch einen Blick nach draußen gewagt um zu schauen und zu lernen, welche Zutaten andere Menschen verwendeten, um sich trotz widriger Umstände ein schmackhaftes wohlbekömmliches Leben daraus zu backen.

Es war fast schon ein Geschenk gewesen, als sie endlich erkannt und verinnerlicht hatte, dass es die in unterschiedlichsten Formen gelebte Kreativität war, die ihrem Dasein Farbe und Würze verlieh. Und nun würde sie damit nach außen dringen. Ganz behutsam und hoffnungsvoll – aber auch mit einer gewissen Entschlossenheit.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Zetermordio, weichmütig, backen.

Adventüden 2020: Verwunschpunschung

 Dichte gelbliche Nebelschwaden krochen aus der Flasche. Dieses Gebräu war sicherlich nicht mehr gut. Vorsichtig fächelte sie sich etwas von dem Nebel zu, um daran zu riechen. Der Geruch erinnerte entfernt an Mango, Katzenklo und Leberwurst. Sie schüttelte sich. Trinken würde sie das Zeug sicherlich nicht, auch wenn der Aufdruck »Wunschpunsch« einfach verlockend klang und sie sich sehr darüber gefreut hatte, als sie die kleine Flasche am Nikolausmorgen überraschend in ihrem Stiefel vor der Wohnungstür gefunden hatte.

Sie hatte sich vorgestellt, dass der gut aussehende neue Nachbar von gegenüber ihr dieses nette Geschenk gemacht hatte. Abends hatte sie sich allein auf dem Sofa in ihre Kuscheldecke eingemummelt und ein Stück ihres geliebten Käsekuchens genossen, während sie sich endlosen Träumereien eines Kennenlernens, Sichverliebens und Glücklichseins hingab.

Doch was ihr der Wunschpunsch nun offenbarte, war eher ernüchternd und verursachte bei ihr einen leichten Würgereiz. Inzwischen brodelte die Flüssigkeit leicht und der entweichende Dunst verfärbte sich ins Grünliche. Beängstigend, wie viel davon so einer kleinen Flasche entfliehen konnte. Jetzt wurde sie hektisch. Die Brühe musste so schnell wie möglich raus aus ihrer Wohnung. Wer wusste, was sie da einatmete! Sie öffnete die Balkontür, zog sich schnell ein Paar Einweghandschuhe über und trug vorsichtig die Flasche, die sich bereits leicht erwärmt hatte, hinaus auf den Balkon. Dort nahm ganz allmählich das Brodeln ab und auch der Nebel lichtete sich.

Am nächsten Tag kippte sie enttäuscht den Wunschpunsch in den Abfluss und hörte nicht, wie er leise das Lied des mit Füßen getretenen Glücks und der verpassten Gelegenheiten summte.


Verwunschpunschung“ erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von Irgendwas ist immer. Für den Text durfte ich maximal 300 Wörter verwenden und es mussten (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe vorkommen: Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel.

NaNoWriMo 2020 (Tag 16 bis 30)

Wie es mir mit dem NaNoWriMo 2020 bisher erging, könnt ihr dort nachlesen: Tag 1 bis 5 und Tag 6 bis 15.

 ✍️ Tag 16:
Es ist kein Tag zum Schreiben. Ich habe einfach keine Lust und kann mich nicht motivieren. Vielleicht würde es helfen, jetzt eben schnell einen Termin bei Focusmate zu buchen und eine Stunde zu schreiben. Aber ich will einfach nicht. Ich öffne Scrivener und nehme mir vor, genau einen Satz zu schreiben. Und das nur, weil ich dranbleiben will und die Serie an Schreibtagen hintereinander nicht unterbrechen will. Ich schreibe jedoch genau 333 Wörter. Das trage ich noch auf der NaNoWriMo-Website bei der Fortschrittsanzeige ein und soll mir für heute reichen.

✍️ Tag 17:
Ich habe immer noch keine Lust zu schreiben, aber ich mache es – in drei Etappen. Dennoch gelingt es mir nicht den Rückstand von gestern aufzuholen. Immerhin ist das Tagespensum geschafft und ich habe nochmal rund 300 Wörter draufgelegt. Immer noch schreibe ich die Geschichte herunter, die ich im Oktober geplottet habe. Aber ich merke, dass das, was ich derzeit schreibe, die Geschichte überhaupt nicht weiter bringt. Das ist irgendwie unbefriedigend und bremst mich aus. Es fühlt sich so an, als schreibe ich gerade für den Papierkorb. Dennoch mache ich erstmal weiter, um zu sehen wohin mich das ganze führt und ob nicht vielleicht doch noch etwas dabei herauskommt, das ich vielleicht später beim Überarbeiten noch gebrauchen kann.

✍️ Tag 18:
Die Schreiblust ist immer noch nicht zurück, aber ich nehme an der Zoom-Schreib-Session von 12:30 bis 13:30 Uhr bei Julia teil. Mein Ziel sind wieder 700 Wörter. Es läuft bei mir derzeit so schleppend, dass ich nicht mit mehr rechne. Aber ich schaffe 960 in der Zeit mit den rund 80 anderen Teilnehmenden. Es gab eine Stelle, bei der ich immer wieder lachen musste. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man im Zoom-Fenster in der Rastereinteilung alle angestrengt und konzentriert schreiben sieht und man selbst immer wieder in Lachkrämpfe ausbricht, weil man sich kaum beherrschen kann. Ich hatte schon überlegt meine Videoübertragung auszuschalten, um die anderen nicht zu stören, habe mich aber schließlich doch wieder eingekriegt. Die Lage ist also bei mir doch nicht so ernst, wie ich dachte 😉 Später stoße ich noch durch die Write That Book Club Gruppe bei Facebook auf einen YouTube-Kanal, der die Pomodoro-Technik mit Hintergrundgeräuschen zum Schreiben koppelt: Peaceful Ambience. Das gefällt mir. Und auch das werde ich beizeiten ausprobieren.

✍️ Tag 19:
Ich habe immer noch keine Lust zu schreiben, schaffe aber bei fetziger Musik am späten Vormittag immerhin 1.336 Wörter. Ich bin nicht die einzige, bei der es nicht so ganz rund läuft. Julia hat sich für morgen folgendes vorgenommen:

Vor Jahren habe ich tatsächlich mal für kurze Zeit mit einem Spracherkennungssystem arbeiten müssen und bin immer noch traumatisiert. Auch habe ich immer schon lieber geschrieben, als geredet, weshalb mich das Diktieren so gar nicht reizen kann. Die Challenge werde ich hingegen gern aus der Ferne beobachten. 10.000 Wörter ist für mich als Schreibziel definitiv zu viel, aber vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, dass ich mir für morgen vornehme, meinen Rückstand in Höhe von 3.672 Wörtern (inklusive morgigem Tagespensum) aufzuholen. Klingt doch eigentlich machbar, zumindest wenn ich es über mehrere Etappen konsequent über den Tag verteile. Denn zwei Stunden am Stück schreiben, wie ich es in der Anfangszeit gemacht habe, bekomme ich gerade nicht mehr hin. Meine Geschichte strebt dem Finale entgegen, aber es zeichnet sich ein Ende ab, das mir einfach nicht passt. So etwas würde ich selbst nicht lesen wollen. Das ist noch so etwas, das mich gerade beim Schreiben ausbremst.

Nebenbei rutsche ich aus dem Herunterschreibmodus, in dem die Wörter beinahe von selbst in die Geschichte fließen, allmählich in den Überarbeitungsmodus hinein. Mich begleitet das Buch über den Tag hinweg, auch wenn ich nicht daran schreibe. Ich habe unterschiedliche Ideen dieses NaNoWriMo-Skript zu verwerten. Jede Idee für sich ist spannend für mich und bietet unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte und die Art sie auszudrücken. Das will demnächst genauer ausgearbeitet und auf Tauglichkeit überprüft werden. Ein Grund sich auf die bevorstehenden Herausforderungen zu freuen. Damit kann ich mich voraussichtlich noch Jahre beschäftigen und werde nie in die Bedrängnis kommen, ein Buch veröffentlichen zu müssen, um mich womöglich gnadenlos Rezensierenden stellen zu müssen 🙂

✍️ Tag 20:
5:00 Uhr. Es geht los. Ich dachte mir, ich probiere es heute mal mit der Pomodoro Technik. Aber ich komme mit den 5-Minuten-Pausen nicht zurecht. Die 25-minütigen Schreibabschnitte passen für mich hingegen. Über den Tag verteilt mache ich 4 davon, wodurch ich 2.043 Wörter schreibe. Mehr schaffe ich jedoch heute nicht, auch wenn ich gerne meinen Rückstand aufgeholt hätte.

✍️ Tag 21:
Irgendwann gegen 11:00 Uhr schreibe ich heute meine ersten 25 Minuten und komme beim Ende des Skripts aus. Es ist gar nicht so schlecht geworden. Das kann man so machen. Jetzt habe ich 32.247 heruntergeschriebene Wörter, umgerechnet etwa 93 Taschenbuchseiten, die noch ausgeschmückt werden wollen. Absätze und Handlungsstränge, die noch sanfter zu einander finden und verknüpft werden wollen. Ein ansprechender Anfang, der noch gefunden werden will. Namen, die sich noch nicht stimmig anfühlen wollen geändert oder mit entsprechendem Leben durch Beschreibungen und kleine erläuternde Handlungen gefüllt werden. Und dann gibt es auch noch ein Scrivener-Manuskript, das unbedingt mal aufgeräumt werden will, weil ich einfach immer weiter geschrieben habe und manches eigens dafür angelegte Kapitel übersprungen habe, weil ich einfach auch zu kleinteilig geplottet habe. Dennoch hat mir das Plotten im Vorfeld dabei geholfen die Geschichte halbwegs geordnet herauszulassen. Ob es sinnvoll wäre, meine Geschichte jetzt in tatsächliche Kapitel einzuteilen oder auch einfach in Textfragmente, muss ich erst noch herausfinden. Ich habe den Eindruck, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnt.

✍️ Tag 22:
Mein Scrivener-Projekt räume ich ein wenig auf und installiere endlich das deutsche Wörterbuch, damit nicht mehr alle geschriebenen Wörter rot unterkringelt angezeigt werden. Ich hatte das bislang gelassen ignoriert, aber es sind halt nette Kleinigkeiten, die einem das Schreiben angenehmer machen können. Außerdem exportiere ich das Skript für Libre Office und aus purer Neugier anschließend auch gleich noch als epub, einfach weil mich interessiert wie und ob das funktioniert. Aber auch, weil ich gerade mit mir hadere und nicht so recht weiß, wie es jetzt weiter gehen soll. Mit dem Herunterschreiben bin ich durch. Den ersten Part habe ich bereits kopiert und könnte nun mit der Überarbeitung anfangen. Aber so einfach ist das nicht, denn auch wenn ich mich eigentlich im Vorfeld beim Plotten für ein Genre und sogar schon einen Klappentext entschieden hatte, kamen mir beim Schreiben insgesamt vier (!) Ideen, in welche Richtung ich dieses Skript überarbeiten könnte. Vier unterschiedliche Genres, deren Eigenarten berücksichtigt werden wollen und die Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretieren und richtungsweisend wären. Ich bin also erstmal weg vom klassischen NaNoWriMo-Wörterzählen. Mir helfen jetzt eher Papier und Bleistift um Überlegungen zu den einzelnen Bereichen festzuhalten und herauszufinden welches Genre die besten Voraussetzungen bietet. Und vor allem, welches sich für mich am Stimmigsten anfühlt.

✍️ Tag 23:
Ich komme gerade überhaupt nicht weiter mit meinen Überlegungen. Mein Skript ist ein autobiografischer Rohtext, den ich allerdings in der Art nicht weiterführen möchte, da er zu nah an der von mir erlebten Realität geschrieben ist. Das hat mir einige Dinge in meiner Biografie nochmal klarer vor Augen geführt. So nah und teilweise schmerzlich ich an manchen Themen auch dran war, so gut getan hat es jedoch auch, mit einigem Abstand nochmal darauf zu schauen. Aber ich will mit meinem Text niemanden verletzen oder vorführen oder gar über das Leben der Menschen urteilen und berichten, die mit meinem Leben verknüpft sind oder waren. Ich finde, dass ich dazu nicht das Recht habe. Deshalb könnte ich aus diesem Skript höchstens einen autobiografischen Roman machen, bei dem ich manche Bereiche und teilhabenden Personen zur Unkenntlichkeit verfremden müsste. Dazu müsste ich mich jedoch noch weiter von der Geschichte entfernen. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das gelingt, denn diese Geschichte umfasst grob sechzehn Jahre meines Lebens. Aber sie hat auch Potenzial für einen nicht alltäglichen Liebesroman oder es ließe sich der Fokus auf den Mystery-Aspekt legen, so wie ich es eigentlich beim Plotten ursprünglich vorhatte. Aber beim Schreiben entwickelte sich der Drang, diese Geschichte erstmal möglichst ungefiltert und nur für mich herauszulassen. Wirklich eine Erfahrung für sich. Letzten Endes ließe sich aus der Quintessenz des Ganzen auch noch ein Sachbuch, beziehungsweise ein Ratgeber, formen. Scrivener speichert geduldig meine Überlegungen hierzu, aber meine geschriebene Wortzahl erhöht sich dadurch natürlich nicht.

✍️ Tag 24:
Ein Tag NaNoWriMo-Pause.

✍️ Tag 25:
Und noch einer. Ich überlege immer noch wie und was. Es wird kein Liebesroman werden. Ich lese sowas schon seit vielen Jahren nicht mehr gern, aber der Mysteryroman reizt mich nach wie vor. In den nächsten Tagen werde ich mir verstärkt Gedanken darüber machen, wie ich die Geschichte noch ein wenig mysteriöser machen kann, als sie ohnehin schon ist.

✍️ Tag 26:
Die Schreibpause genieße ich gerade, denke aber darüber nach, ab Dezember täglich eine Stunde zu schreiben, beziehungsweise mein Skript zu überarbeiten. Ohne Wörter zu zählen, das mag ich nicht mehr. Auf das Andere freue ich mich hingegen schon ein wenig. Abends trifft sich der Write That Book Club zum letzten Mal bei Zoom. Julia beantwortet eingesandte Fragen und auch für mich ist wieder vieles dabei, was ich interessant finde und für mich mitnehmen kann. Am Ende winken alle etwa 80 Teilnehmenden in die Kamera und verabschieden sich lautstark über die für alle geöffneten Mikrofone. Ein etwas chaotischer aber schöner Abschluss.

✍️ Tag 27:
Ich werde gegen 7:30 Uhr allmählich wach. Mir kommt ein Gedanke zu meiner Geschichte in den Kopf, der gleich Besitz von mir ergreift und mich nicht loslässt. Ich freue mich darüber, denn ich weiß, dass mir das weiterhelfen wird. Schließlich beschließe ich aufzustehen, um gleich aufzuschreiben, was mir da in den Kopf gekommen ist. Und just in dem Moment, in dem ich mich aus dem Bett schwinge ist die Idee weg. Vergessen. Und mir will ums verrecken nicht mehr einfallen, was ich da Hilfreiches vergessen habe. Über den ganzen Tag verteilt, versuche ich immer mal wieder, ob es mir nicht vielleicht doch noch einfällt. Aber nichts. Mittlerweile glaube ich, dass ich nur geträumt habe, dass ich eine kostbare Idee zu meinem Buch hatte.

✍️ Tag 28 und 29:
NaNoWriMo? Was war das nochmal? Ich nehme an beiden Tagen an einem Webinar teil und bin damit völlig ausgelastet.

✍️ Tag 30:
Der letzte Tag des NaNoWriMo 2020, den ich definitiv nicht geschafft habe.

✍️ Mein Fazit:
Der NaNoWriMo 2020 hat sich für mich definitiv gelohnt, wenn ich schon allein an die vielen Dinge denke, die ich durch Julia und den Write That Book Club kennengelernt habe. Das war wirklich bereichernd und hat den NaNoWriMo zu etwas sehr Lebendigem, Inspirierendem und immer wieder Motivierenden gemacht. Es ist fast ein wenig schade, dass sich das nicht wiederholen lässt. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass dies mein erster und letzter NaNoWriMo war. Das Wörterzählen finde ich widersinnig und nervig. Aber sich zum Schreiben zu verabreden und in der Zeit dann genau das zu tun, war klasse. Bei Focusmate werde ich mich sicherlich noch öfter einloggen und Termine machen, das funktioniert ja glücklicherweise unabhängig vom NaNoWriMo.

Auch wenn ich das eigentliche Ziel, 50.000 Wörter zu schreiben, nicht geschafft habe, war der NaNoWriMo für mich doch ein Erfolg. Innerhalb von 21 Tagen habe ich eine grobe Geschichte heruntergeschrieben, die mir seit Jahren auf der Seele lag und in ihrer Komplexität auch einiges an Druck erzeugt hat. Ganz von selbst hatte dabei der autobiografische Anteil das Schreiben komplett übernommen, so dass nicht der ursprünglich geplante Mystery Roman in einer Urfassung entstanden ist. Man könnte hierbei wohl von therapeutischem Schreiben sprechen, das mir sehr gut getan hat und diese Geschichte einfach aus meinem Kopf herausgelassen hat. Ich bin mir allerdings noch nicht sicher, was daraus noch werden soll. Vielleicht gönne ich mir einfach noch etwas Bedenkzeit und schaue mir das Skript dann im nächsten Jahr nochmal genauer an.

NaNoWriMo 2020 (Tag 6 bis 15)

Wie es mir mit dem NaNoWriMo 2020 bisher erging, könnt ihr dort nachlesen: Tag 1 bis 5.

✍️ Tag 6:
7:30 Uhr. Es hat gut getan, so lange zu schlafen. Heute nehme ich an einer der offiziellen Writing-Sessions vom WTB-Club mit Zoom teil. Wir sind um die 90 Schreiwillige, die den Ton ausgeschaltet haben und eifrig eine Stunde lang geschäftig vor sich hinschreiben. Als Ziel habe ich mir für diese Zeit 700 Wörter gesetzt, schaffe aber tatsächlich 1.100. Ich bin begeistert. Am Ende teilt Julia noch mit, dass sie zwei Videoräume in der privaten Facebook-Gruppe eröffnet hat. In dem einen kann man sich zum Quatschen und in dem anderen zum Schreiben treffen. Die Videoräume wurden bereits von einigen Schreiberlingen getestet und für gut befunden. Wenn ich mein Tonproblem gelöst habe, möchte ich das auch gerne ausprobieren. Aber erstmal heißt es für mich noch weiter schreiben und um kurz nach 9 habe ich dann auch mein Schreibziel für heute geschafft.

✍️ Tag 7:
Heute habe ich einen Schreibtermin nur mit mir selbst. Aufwachen, ohne vom Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden, ist herrlich. Es zeigt sich, dass dieser höchst persönliche und unendlich variable Termin um 6:30 Uhr stattfinden wird. Pünktlich starte ich die Soundtrack-Playliste von Spotify und schreibe, bis ich gegen 8:15 Uhr das Tagesziel erreicht habe. Ganz unspektakulär, aber nicht weniger effektiv.

✍️ Tag 8:
Sonntagmorgen. Irgendwann um kurz nach 6 bin ich wach geworden. Gemütlich stehe ich auf, versorge mich mit Tee und fange schließlich tiefenentspannt und ganz ohne Zeitdruck um 7:15 Uhr an zu schreiben – bis 9:00 Uhr. Auch wenn ich heute alles gemütlich angehen lasse, fühle ich mich erschöpft. Ich muss einen Gang zurück schalten und sage meinem Schreibbuddy ab. Obwohl mir diese frühen 5:15 Uhr Termine gefielen. Sie brachten nicht meine ursprüngliche Tagesstruktur durcheinander und ich konnte mit ihnen gleich zu Beginn des Tages meine große Schreibaufgabe hinter mich bringen – frei nach dem Motto „Eat that frog[Werbung] das Schwierigste gleich zu Beginn des Tages schaffen. Allerdings hat mich dieser Frosch, beziehungsweise das frühe Schreiben doch auch mehr Kraft gekostet, als ich anfangs gedacht hätte. Ich kehre also bewusst zurück zu meiner alten Tagesstruktur, bei der der reguläre Tag um 9:00 Uhr beginnt und wenn ich früher aufwache, dann ist das einfach nur Freizeit, die ich mit freiwilligen leisen Inhalten fülle, die meinen Herzbuben nicht wecken, sofern es mit dem Schlafen bei mir nicht funktioniert. Ich weiß, dass es gerade für mich ganz wichtig ist, auf einen ausgewogenen Schlafrhythmus zu achten, um meine Krankheit im Zaum zu halten. Noch habe ich alles im Griff, aber einiges ist doch auch durch den Stress, den ich mir selbst durch den NaNoWriMo mache, durcheinander geraten und will im Auge behalten werden.

✍️ Tag 9:
Noch nicht einmal 4:00 Uhr, ich bin hellwach. Kein Grund zur Sorge, zumal ich gestern Abend schon um kurz nach neun ausgebrannt ins Bett gefallen bin. Ich hätte den Termin um 5:15 Uhr also doch wahrnehmen können. Ich ärgere mich ein wenig über mich selbst, verdaddle sinnlos Zeit und lege mich später völlig erschöpft nochmal hin. Um 10:30 Uhr beginne ich dann doch noch meine Schreibsession, aber es kostet mich Überwindung. Um 12:00 Uhr habe ich mein Tagespensum geschafft. Feierabend für heute – zumindest mit dem Schreiben. Ich muss dringend einen Gang runterschalten und mich den Dingen widmen, die mich wieder in die Spur bringen.

✍️ Tag 10:
Ich schlafe bis 7:00 Uhr und fühle mich erholt. Ich will etwas von dem Druck aus diesem NaNoWriMo herausnehmen und widme mich heute bewusst vorrangig anderen Dingen. Erst nachmittags beginne ich zu schreiben. Mein Tagespensum schaffe ich zum ersten Mal nicht. Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen…Schreibstörungen. Aber um 18:00 Uhr nehme ich dennoch an der Zoom-Fragerunde von Julia K. Stein teil. Es beruhigt mich ein wenig, dass auch bei anderen nicht alles rund läuft und sie ähnliche Gedanken rund um ihr Buch haben. Es tut gut, einige Ängste von einer Autorin zerstreut oder bestätigt zu wissen, die selbst bereits einige Bücher (auch bei Verlagen) veröffentlicht hat. Nebenbei erfahre ich von Sensitivity Reading, dass manch einer sich mit 4-Minuten-Meditationen aufs Schreiben einstimmt, es sich bei Coffeeshop-Geräuschen von YouTube vielleicht gut schreiben lässt und dass man sich auch bei Discord zu Schreib-Sprints treffen kann.

Das Programm iVCam, mit dem ich mein Smartphone über den Computer als Webcam laufen lasse, teilt mir hingegen mit, dass die Trial-Version nun abgelaufen ist und mein Video nur noch „in klein“ dargestellt wird. Das ist schätzungsweise kein Problem für die Zoom-Sessions mit Julia, insgesamt muss aber nun eine andere Lösung her, zumal ja auch mein Ton mit der Ansage „Trial Version“ überblendet ist. Ich wäge Vor- und Nachteile ab und entscheide mich dagegen, die Software-Lösung im Abo-Modell zu erstehen oder einen einmaligen Kaufpreis in einer Höhe zu leisten, in der es bereits für einen geringen zusätzlichen Aufpreis günstige Webcams gibt. Es wird also in Kürze eine Webcam bei mir einziehen, die unabhängig vom Ladestand des Handy-Akkus jederzeit einsatzbereit ist und bei Bedarf auch an den Rechner meines Herzbuben angeschlossen werden kann. Als Nicht-Dauer-Webcam-Nutzer haben wir auf diese Art wenigstens beide etwas davon.

✍️ Tag 11:
Ich habe ein ernsthaftes Problem mit dem Schlaf, komme aber immerhin um 3:30 Uhr dazu, den aktuellen NaNoWriMo-Newsletter zu lesen. Darin entdecke ich auch, dass unter anderem auf dem YouTube-Kanal WordNerds sogenannte „Write-In leds“ live angeboten werden. Gar nicht schlecht. Dort kann man sich im Chat austauschen oder später die Aufzeichnung ansehen, um beim sogenannten „word sprint“ dabei zu sein und selbst mitschreiben. Kellie’s getippe fällt mir allerdings etwas auf die Nerven, aber der Ton lässt sich ja glücklicherweise regulieren, bis sich alle beim Schreiben selbst stumm schalten. Um 5:30 Uhr beginne ich endlich selbst zu schreiben und höre mir dabei Entspannungsmusik mit Klavier-, Cello- und Gitarrenklängen von YouTube an. Zunächst ist die Musik wunderbar, aber ich muss feststellen, dass ich meinen Plot gesprengt habe. Glücklicherweise kann ich das für mich aber ausblenden und schreibe einfach erstmal weiter, bis es mir gelingt, den Faden wieder aufzunehmen. Nach einer Stunde langweilt mich die Musik. Ich brauche etwas Rockiges – und schließlich auch eine Pause von der anstrengenden Thematik. Nachmittags geht es dann nochmal ans Werk und es gelingt mir den Rückstand vom Vortag aufzuholen.

✍️ Tag 12:
7:00 Uhr und ich schreibe immer noch nicht. Meine Schreiblust hält sich in Grenzen, stattdessen verfasse ich Blogbeiträge und lasse den Tag gemütlich angehen. Am späten Nachmittag starte ich doch noch Scrivener und schreibe mein Tagespensum herunter. Wenn der NaNoWriMo vorüber ist, werde ich nur noch eine Stunde pro Tag schreiben oder überarbeiten oder beides. Zwei Stunden sind mir insgesamt zu viel. Julia hat ein Video über Virtuelles Co-Working (und wie du dadurch effektiver arbeitest) herausgebracht. Ich finde es auch einfacher, wenn man feste Termine macht, brauche es andererseits aber auch, mal keine Termine zu haben, damit der Druck mich nicht auffrisst. Schön wäre es, wenn sich das Schreiben und spätere Überarbeiten in meine Tagesstruktur einfügen ließe, aber davon bin ich noch weit entfernt. Ich blute beim Schreiben immer ein wenig aus, aber es hat auf der anderen Seite auch einen heilenden und stellenweise erhellenden Effekt.

✍️ Tag 13:
Wieder so ein Tag, an dem es mich zu unchristlicher Zeit aus dem Bett treibt. Einen festen Schreibtermin habe ich nicht, möchte mir aber im Laufe des Vormittags die Zeit dafür nehmen. Um 8:30 Uhr bekomme ich endlich die Webcam [Werbung] und schließe sie gleich an. Schön, wie einfach das geht. Am Monitor anklemmen, USB-Kabel einstecken, Rechner neu starten, fertig. Ich beschließe, sie gleich um 10 Uhr bei Julia’s Zoom-Writing-Session auszuprobieren. Scheint zu funktionieren, aber das Bild, das meine Kamera überträgt, flackert und mein Ton brummt beim Testen nervtötend. Ich schalte während der Zoom-Session die Übertragung meines Videos aus, damit ich andere mit dem Geflacker nicht zu sehr störe, das Micro ist beim Schreiben sowieso stummgeschaltet. Vorgenommen hatte ich mir 700 Wörter, tatsächlich schaffe ich es aber, trotz der Ablenkung, mehr als 1000 Wörter in der gemeinsamen Zeit mit rund 100 Teilnehmern zu schreiben. Danach widme ich mich etwas intensiver der Technik und stelle fest, dass mein Monitor die Webcam-Übertragung stört, wenn sie oben drangeklemmt ist. Er ist halt nicht mehr der Jüngste und für mich ein Thema, mit dem ich mich erst im kommenden Jahr näher beschäftigen möchte. Ich probiere aus, wie es ist, wenn ich die Kamera auf dem kleinen Mini-Stativ befestige, das ich noch in einer meiner Technik-Rummel-Kisten finde, etwa so eines wie dieses hier [Werbung]. Die kleine Konstruktion stelle ich neben den Monitor und tatsächlich sind Bild und Ton plötzlich einwandfrei. Problem gelöst. Nachmittags nehme ich mir nochmal etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit und schreibe die restlichen Wörter herunter bis mein Tagespensum überschritten ist.

✍️ Tag 14:
Mein Tag beginnt etwa gegen 6 Uhr, alles in Ordnung. Aber dieser Herbst ist einfach unglaublich schön und bei dem Sonnenschein treibt es uns aus dem Haus. Fotografieren hat Vorrang. Und alles, was nichts mit Schreiben zu tun hat. Nachmittags raffe ich mich aber doch noch auf und schreibe gute eineinhalb Stunden lang mit progressive Rock und Postrock im Ohr. Geht doch. Tagespensum geschafft.

✍️ Tag 15:
Tatsächlich werde ich heute erst durch den Wecker um 5:45 Uhr geweckt. Wir wollen den Sonnenaufgang in einem Naturschutzgebiet genießen, in dem neben vielen Wildvögeln derzeit auch wieder Scharen von Wildgänsen unterwegs sind. Unsere Erwartungen werden nicht enttäuscht. Es ist traumhaft schön. Auf dem Nachhauseweg nehmen wir noch Brötchen fürs Frühstück mit und sichten dann bei einem Kakao erste Bilder und Videos. Aber im Hintergrund ruft der NaNoWriMo und will, dass ich pünktlich zur Halbzeit die 25.000er Wortmarke knacke. Widerwillig und tränenreich schreibe ich, weil der autobiografische Anteil dieses Mystery-Drama-Romans mit mitnimmt. Trotz allem habe ich gegen sechs Uhr abends endlich die magische Wortzahl geschafft. Scrivener meint, das entspricht 72 Taschenbuchseiten. Ich bin stolz auf mich.

✍️ Fortsetzung folgt…

NaNoWriMo 2020 (Tag 1 bis 5)

In diesem Jahr bin ich zum ersten Mal dem Ruf des National Novel Writing Month (NaNoWriMo) gefolgt und habe den preptober genutzt um der Idee, die seit Jahren in meinem Kopf herumspukt ein wenig Struktur zu verleihen. Abgesehen von kurzen oder noch kürzeren Texten oder Blogbeiträgen habe ich bislang nichts geschrieben und dachte mir, dass ich vielleicht etwas Hilfe gebrauchen könnte. Die fand ich in dem Onlinekurs „In 30 Tagen zum Romanentwurf“ von Annika Bühnemann. Die Investition im Wert etwa eines Hardcovers hat sich für mich wirklich gelohnt und es war eine interessante Erfahrung zu sehen, wie aus der groben Idee ganz allmählich eine immer greifbarere Geschichte erwächst. Für mich als Neuling wirklich beeindruckend. Nochmal den Wert etwa eines Hardcovers habe ich dann noch in Julia K. Steins „Write that Book Club“ investiert, weil mich das gemeinsame schreiben neugierig gemacht hat und ich mich beim NaNoWriMo sehr fremd und allein gefühlt habe. Aber ich wollte das Ding mit dem Buch endlich angehen, frei nach dem Motto „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Und weil ich über das Schreibprogramm „Scrivener“ schon öfter gestolpert bin und es mich anspricht, wie man dort alles rund um sein Schreibprojekt organisieren und bequeme automatische Backups für Dropbox einrichten kann, habe ich die 30-Tage-Testversion auf meinem Computer installiert. Dass ich nicht offen für Neues bin, kann mir jedenfalls keiner vorwerfen 😄

✍️ Tag 1:
Ich habe mich dem „Write that book Club“ (WTB) angeschlossen und erlebe mit rund 100 anderen Schreibwütigen meine erste Zoom-Writing-Session um 8:00 Uhr. Eigenartig, sich zum Schreiben zu verabreden, aber vielleicht eine gute Möglichkeit der Verschieberitis Einhalt zu gebieten – dafür ist es zumindest gedacht. Ebenfalls neu ist für mich, den Text möglichst wertungsfrei einfach herunterzuschreiben. Die Überarbeitung folgt dann später. Kleine Fehler überarbeite ich natürlich sobald ich sie entdecke (mein innerer Monk will es so), aber am Text gefeilt wird halt noch nicht. Später schreibe ich noch weiter, bis ich mein Tagespensum von 1.667 Wörtern geschafft habe. Insgesamt benötige ich dafür mehr Zeit, als ich anfangs gedacht hatte und bin erstmal erschöpft. In der WTB-Facebook-Gruppe findet sich später dann auch ein Schreib-Buddy für mich. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen.

✍️ Tag 2:
Man könnte von seniler Bettflucht sprechen, aber vielleicht habe ich auch nur um kurz nach 4:00 Uhr den Schlaf einfach aus. Es hat dennoch ganz gut gepasst und so bin ich mehr als bereit, als um 5:15 Uhr die einstündige Zoom-Writing-Session mit meinem Schreibbuddy startet. Ein kurzes „Hallo und Guten Morgen!“ und dann geht es auch schon los. Ich schreibe hochkonzentriert und merke kaum, dass ich nebenbei einen Liter Tee trinke. Das Fenster in der linken oberen Bildschirmecke stört nicht und doch schaue ich gelegentlich dort hin und sehe eine junge sympathische Frau, die ebenso konzentriert mit ihrer Schreibarbeit beschäftigt ist, wie ich selbst. Die Stunde vergeht wie im Flug. Es folgt noch eine ganz kurze Bestandsaufnahme und wir einigen uns darauf, uns am nächsten Tag um die gleiche Zeit zu treffen. Dann wollen wir jedoch Skype statt Zoom zu verwenden, weil sie technische Probleme hat. Nach einer kurzen Pause schreibe ich auch schon weiter, bis ich mein Tagespensum geschafft habe. Dabei stelle ich fest, dass mir ansprechende Namen für meine Protagonisten fehlen. Ich entdecke den Real Name Creator – ein wirklich hilfreiches Tool, aber es ist doch eigenartig, wenn plötzlich diese fremden Namen in meiner Geschichte auftauchen. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Gegen 8:00 Uhr mache ich Schluss und richte noch schnell für den nächsten Tag Skype auf meinem Rechner ein. Dann ist es endlich Zeit für den ersten Kaffee des Tages.

✍️ Tag 3:
5:15 Uhr. Mein Schreibbuddy ist ebenso pünktlich wie ich. Wie schön. Wir widmen uns kurz der Technik, aber nach kaum 10 Minuten wird die Verbindung getrennt. Ihre Internetverbindung ist schlecht. Wir benachrichtigen uns über Facebook und beschließen ohne Technikschnickschnack weiter zu schreiben. Auch kein Problem. Eigentlich sogar eher im Gegenteil, denn ich mache mir Musik zum Schreiben an und genieße es ungemein. Gegen 8:00 Uhr habe ich mein Tagespensum erreicht. Ich merke, wie mich dieses Ziel an täglich zu schreibenden Worten antreibt. Hätte ich dies nicht vor Augen, hätte ich schon früher aufgehört zu schreiben. Vielleicht wäre es insgesamt aber dennoch für mich sinnvoller, mir 3 Stunden als Schreibziel zu setzen. Denn eigentlich finde ich dieses Worte zählen irgendwie blödsinnig, auch wenn ich verstehe, dass für so etwas wie den NaNoWriMo Vergleichsgrößen gebraucht werden. Mit meinem Schreibbuddy tausche ich später über den Facebook-Messenger-Nachrichten aus. Wir planen, wie wir am nächsten Tag vorgehen wollen. Mit Skype wollen wir es nochmal probieren und finden es beide hilfreich, morgens diesen festen Termin zum Schreiben zu haben. Außerdem gefällt mir die Testversion des Schreibprogramms Scrivener wirklich gut. Ich habe mir das Programm heute gekauft – natürlich abzüglich des NaNoWriMo-Rabatts in Höhe von 20 Prozent.

✍️ Tag 4:
5:15 Uhr. Skype hatte ich auf dem Handy installiert und heute auch nur dort laufen gelassen. Die Tonübertragung meines Schreibbuddies ist aber aufgrund ihrer Internetverbindung dennoch ein wenig hakelig. Wir schalten zügig auf „stumm“ und dann geht es mit dem Schreiben auch schon los. Über meine Kopfhörer höre ich leise Musik dabei. Der Schreibflow lässt nicht lange auf sich warten. Das Wortziel habe ich heute bereits um 7:30 Uhr erreicht und beende mein schreiben. Gerne würde ich mir einen Wortpuffer für eine Zeit schaffen, in der es vielleicht nicht so gut läuft, aber ich habe nach 1.667 Wörtern eigentlich auch immer erstmal genug vom Schreiben und brauche eine längere Pause. Mein Schreibbuddy verlegt aus unterschiedlichen Gründen seine Schreibzeit in den nächsten Tagen. Unser nächster gemeinsamer 5:15-Uhr-Termin ist erst wieder am Montag. Für mich passt dieser frühe Termin so gut, dass ich beschließe ihn beizubehalten, ob mit oder ohne Schreibbuddy. Vielleicht probiere ich mal Focusmate aus – denke ich mir so. Und schwupps, ist der Termin dort auch schon gebucht.

Nebenbei mache ich mir Gedanken darüber, in welche Kategorien sich meine Geschichte einordnen lässt. Auf der NaNoWriMo-Projektseite entscheide ich mich für Mystery, Personal, Literary und Drama. Eine spezielle Richtung muss sich daraus erst noch beim Schreiben, vielleicht auch erst beim Überarbeiten, entwickeln. Da meine Mystery-Geschichte viel Autobiografisches enthält, von dem ich mir nicht sicher bin, inwieweit ich es jemals preisgeben möchte, hat sich mein Schreiben gerade eher in eine therapeutische Richtung entwickelt, die mir sehr gut tut. Ich schreibe also ungefiltert nur für mich das geplottete Mystery-Thema herunter, halte mir aber die Option offen, zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht durch Überarbeitung noch etwas daraus zu machen, was ich auch bereit wäre mit anderen zu teilen. Diese Einstellung bekommt mir richtig gut und die Worte fließen. Außerdem habe ich einige Ideen im Kopf, von denen ich noch nicht weiß, ob es mir gelingen wird sie einzubinden. Ich genieße die Freiheit, gerade nur an einem Entwurf zu schreiben. Nichts ist in Stein gemeißelt. Pures Pixelwerk, das nicht einmal ausgedruckt werden wird und das außer mir in dieser Form niemand jemals lesen wird. Und auch wenn ich denke, dass mein Geschriebenes vielleicht später in einer virtuellen Schublade versauern könnte, weil ich es dort nicht rauslasse, genieße ich es gerade ungemein, so zu tun, als könnte ich tatsächlich ein Buch schreiben.

✍️ Tag 5:
5:15 Uhr. Mein erstes Mal mit Focusmate. Ich bin etwas nervös, weil ich zwar beinahe täglich irgendetwas auf Englisch anhöre, aber selbst seit dem letzten Urlaub in Südafrika vor 5 Jahren nicht mehr Englisch gesprochen habe. Diesen Focusmate-Termin hatte ich mit jemandem namens Angela gebucht, aber tatsächlich steht jetzt Dan in meinem Terminplan. Er ist pünktlich, genau wie ich. Das gefällt mir schonmal. Wir unterhalten uns kurz über das, was wir machen. Dan programmiert an einer App für einen Kunden und ich habe geplant für den NaNoWriMo 500 Wörter in der Zeit von 5:15 Uhr bis 6:05 Uhr zu schreiben. Leider hört auch er in regelmäßigen Abständen die Durchsage „Trial Version“, wenn ich den Ton anhabe. Davon hatte mir auch mein Schreibbuddy schon berichtet. Es muss von dem Programm kommen, das ich benutze um mein Smartphone als Webcam mit meinem Rechner zu verbinden (iVCam). Das Problem wäre nun zumindest schonmal lokalisiert. Ich entschuldige mich für die Unanehmlichkeiten. Wir schalten beide das Mikro aus und arbeiten konzentriert an unseren Projekten. Es läuft für mich nicht ganz so flüssig, aber das kann auch an dem Thema liegen, das ich gerade ausformuliere. Als die Zeit um ist, habe ich immerhin 889 Wörter geschrieben. Das ist besser, als ich dachte. Dan ist mit seiner App nicht fertig geworden, aber das hat er auch nicht erwartet. Er gibt mir den Tipp bei Focusmate ein anderes als das iVCam-Mikrophon auszuwählen, aber die Option steht mir nicht zur Verfügung. Schließlich verabschieden wir uns freundlich und ich verspreche, mich um mein technisches Problem zu kümmern. Dennoch hat es insgesamt besser funktioniert, als ich gedacht habe. Mein Englisch ist zwar etwas eingerostet und sicherlich nicht immer die Krönung der Grammatikschöpfung, aber es gelingt mir dennoch mich relativ flüssig auszudrücken. Das hat mir gefallen und ich weiß, dass ich heute um diese Zeit nicht geschrieben hätte, wenn ich diesen Termin nicht gehabt hätte. Drei mal pro Woche kann ich Focusmate kostenlos nutzen und beschließe es wieder zu tun, wenn es mir gelingt die „Trial Version“-Ansage aus meiner Tonübertragung zu entfernen. Heute werde ich noch eine weitere Schreibetappe zu einem späteren Zeitpunkt einlegen müssen, weil der Wetterbericht Nebel vorausgesagt hat und mein Herzbube gleich nach Ende der Schreibsession mit frisch gekochtem Kaffee vor mir steht. Morgensonne, Herbst und Nebel sind eine traumhafte Kombination zum Fotografieren. Das ist erstmal wichtiger und nach dem Kaffee geht es gleich los. Den Rest fürs Tagesziel schreibe ich ausnahmsweise nachmittags, ganz für mich allein und mit einer Soundtrack-Playliste von Spotify im Ohr. Auch schön.

✍️ Fortsetzung folgt…

erLESENer Oktober 2020

Eigentlich müsste die Überschrift eher „unerLESENer Oktober 2020″ lauten. Denn in dem Monat bin ich kaum zum lesen gekommen und habe tatsächlich hier nur die Rezension für ein Hörbuch veröffentlicht.

Das passiert, wenn die Bildschirmzeit die Lesezeit auffrisst. Und davon gab es wirklich viel in dem Monat. Erst die digitale „Frankfurter Buchmesse Special Edition“ vom 14. bis 18. Oktober, dann „Adobe Max – The Creativity Conference“ vom 20. bis 23. Oktober und zum Abschluss noch das „Greator Festival Online“ vom 25. bis 31. Oktober. Ich habe das alles sehr genossen, aber es war auch viel Input in kurzer Zeit. Zeit und Lust zu lesen hatte ich in der übrig gebliebenen ‚Freizeit‘ wenig, wenn man mal von den obligatorischen 2 bis 3 Buchseiten absieht, die es kurz vor dem Einschlafen manchmal dann doch noch sein müssen. Stattdessen habe ich in dem Monat auch noch begonnen eine Idee, die mir seit Jahren im Kopf herumspukt, zu strukturieren und für den NaNoWriMo vorzubereiten. Das soll mir dabei helfen im November einen Text im Umfang von etwa 50.000 Wörtern herunter schreiben zu können, aus dem sich vielleicht mit anschließender Überarbeitung ein Roman machen lässt. Eine wirklich interessante Erfahrung, wie ganz allmählich eine immer greifbarere Geschichte aus der Stichwortsammlung erwächst.  Der November ist also etwas entspannter und ich werde hoffentlich wieder mehr Zeit zum Lesen finden. Oder auch nicht. Wir werden sehen 🙂

abc.etüden: Übersinnlichkeit

Als sie morgens verschlafen vor dem Badezimmerspiegel ihre Zähne putzte, war noch alles in Ordnung gewesen. Abschließend hatte sie wie gewohnt ihre Zähne gebleckt und danach ihre Haare zu einem Zopf zusammengebunden, bevor sie sich auf den Weg zur Arbeit machte. Auch der Vormittag im Büro war noch ganz normal und ohne große Vorkommnisse abgelaufen – etwas stressig zwar, aber das gehörte zum Arbeitsleben halt manchmal dazu.

Sicherheitshalber hatte sie sich gleich nach der Arbeit auf den Weg in den Wald gemacht um etwas Entspannung bei einem Spaziergang zu finden. Doch als sie allmählich zur Ruhe kam, merkte sie, dass etwas anders war. Sie nahm die Farben um sich herum verändert wahr. Das Grün der Bäume war greller als sonst und die Fliegenpilze am Wegesrand schienen fast schon zu leuchten. Alles um sie herum war kontrastreicher als sonst. Helles erschien heller und Dunkles noch dunkler. Die geliebten Gerüche des Waldes waren intensiver, zwar nicht zu intensiv, aber doch ein wenig zu stark, um wirklich angenehm zu sein. Selbst die Stimmen der Vögel glichen keinem Gesang mehr, sondern hallten leise, aber vehement in ihrem Kopf wider.

Sie wunderte sich über ihre Wahrnehmung, aber sie machte ihr keine Angst mehr. Traurig erinnerte sie sich an ihre Tabletten, die sie pünktlich und wie gewohnt genommen hatte, aber gegen stressige Situationen auf der Arbeit oder gegen die normalen Unplanbarkeiten des Lebens konnten auch sie nicht schützen. Jetzt hieß es einfach die Ruhe zu bewahren, tief durchzuatmen und erstmal alles hinter sich zu lassen. Das Hier und Jetzt würde sie schon bald begrüßen und ihr die gewohnte Sinneswelt zurückgeben. Darauf konnte sie vertrauen, auch wenn die Pfütze vor ihr gerade einen Himmel zeigte, der am Boden war und in dem sie versinken würde, wenn sie nicht auf sich aufpasste.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Pilze, traurig, schlafen.

abc.etüden: Waldbaden

Vergessen war die vergangene Nacht, in der sie sich von einer auf die andere Seite gewälzt hatte und sie auch das langweilige Buch dem schlafen nicht näher gebracht hatte. Als endlich die Morgendämmerung hereingebrochen war, ging sie leise durch den allmählich erwachenden Wald. Nicht dass sie zu den Waldbesuchern gehörte, die sonst herumlärmte, aber heute war sie für die Ruhe besonders empfänglich und lauschte intensiv dem gelegentlichen Zwitschern der Vögel und dem Rauschen der Blätter, das der Wind erzeugte, wenn er in kleinen unregelmäßigen Böen durch die Bäume strich. Erste Blätter rieselten bereits zu Boden und kündeten davon, dass der Herbst nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.

Konzentriert setzte sie einen Schritt nach dem anderen und saugte tief die harzig-erdige Luft in sich ein. Ihre Sinne waren geschärft und empfänglich für alles, was das Hier und Jetzt ihrem übernächtigten Geist zu bieten hatte. Der Wald nahm sie mit offenen Armen auf und schenkte ihr Kraft. Sie wünschte sich, dass sie ähnlich wie die Pilze eine Symbiose mit den Bäumen eingehen könnte. Mit ihnen fast schon verschmelzen zu können um sich mit sich und der Welt als eins zu fühlen. Ein Geben und Nehmen. Ein Gedanke, so schön und traurig zugleich. Denn derzeit konnte sie dem Wald nicht mehr zurückgeben, als dass sie ihn von dem Müll befreite, den andere ihm achtlos aufgebürdet hatten.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Pilze, traurig, schlafen.

abc.etüden: Gedankenwälzer

Es gab da diese Idee, die sie fast schon engelhaft immer wieder von Zeit zu Zeit umgarnte und doch nicht viel mehr war als ein Gedanke, den sie sich nicht traute weiter zu denken. Denn immer dann, wenn er ihr in den Sinn kam und weiter gesponnen werden wollte, blockte sie ihn ab. Zu laut hallten in ihrem Kopf Sätze wider, die von ihrer Unfähigkeit sprachen. Immer ging es um mangelndes Durchhaltevermögen und fehlendes Talent. Unbestätigt zwar, aber dennoch. Wenn man ein wenig genauer hinhörte, schwang darin eigentlich die tiefsitzende Angst vor Ablehnung und Versagen mit. Die Quintessenz ihres Lebens. Niederschmetternd und grausam.

Wohl auch ein Grund, sich zu vergraben und in dem auszuharren, was sie bislang erreicht hatte. Aber durfte man tatsächlich dabei von erreichen sprechen? Hatte sie irgendwelche Anstrengungen dafür unternommen oder waren es nicht vielmehr Dinge, die sich auf die ein oder andere Art ergeben hatten oder in die die Umstände und manchmal auch einfach die Wirren des Lebens sie getrieben hatten? Wie in einem Spiel, in dem jemand Anderes für sie würfelte und setzte. Wann hatte sie die Würfel aus der Hand gegeben? Wann hatte sie aufgehört zu träumen und nach den Sternen zu greifen? Etwas zu wagen, den Unkenrufen in ihrem Kopf zum Trotz? Und wann, wenn nicht jetzt war die Zeit gekommen, so manchen Gedanken einfach weiter zu denken und zu schauen ob er für die Realität taugte?


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Idee, engelhaft, vergraben.

#WritingFriday: Geisterjäger

Es war ruhig in der Wohnung, das heißt, noch war es ruhig, denn auch wenn seine Menschen noch schliefen, war es doch genau die richtige Zeit für den ersten Frühsport. Trix blinzelte noch etwas verschlafen, legte kurz seine spitzen Ohren an und streckte sich genüsslich. Das war gar nicht so einfach für den dreibeinigen rotgetigerten Kater, aber er hatte von klein auf gelernt seinen Körper genau so auszubalancieren, dass er die wohltuende Streckung erreichte. Dann sprintete er auch schon los, hechtete durch alle Räume und kippte voller Überschwang auch schon mal um. Aber immer rappelte er sich wieder auf. Er musste die bösen Geister vertreiben, die seine Menschen im Schlaf beschlichen und versuchten, ihnen die Kraft für den bevorstehenden Tag zu rauben. Natürlich wichen die Geister Trix aus, aber er gab nicht auf und warf gelegentlich sogar mit seinen Fellmäusen nach ihnen. Das ergab meist ein fröhliches Glöckchengeklingel, wenn sie ihr Ziel durchquerten und anschließend auf dem Boden oder gegen irgendwelchen Schränken landeten.

Eine anstrengende und erschöpfende Aufgabe, die der kleine rote Wächter über die Geisterwelt sich auferlegt hatte und der er in jeder Nacht nachkam, so gut er konnte. Und jede Nacht gönnte er sich nur kleine Pausen und war froh, wenn die Morgendämmerung hereinbrach, weil seine Menschen allmählich erwachten. Dann war auch die Zeit für sein Frühstück gekommen, das er immer lautstark einforderte, auch wenn er sich sicher sein konnte, dass seine Menschen es ihm gerne mit freundlichen Worten und einem Lächeln im Gesicht servierten, weil sie ihm für seine nächtliche Arbeit dankbar waren. Sie zeigten ihm dies auch mit zahlreichen Streicheleinheiten, die er während des Tages bekam und die er meist mit einem wohligen Schnurren quittierte. Einfach weil er es mochte, wenn seine Menschen dann einen ganz zärtlichen Gesichtsausdruck bekamen und ihre Augen liebevoll glänzten.

Doch auch im Kampf gegen die Geister des Tages war Trix eine wirkungsvolle Wunderwaffe. Der kleine Kater bemerkte immer sofort, wenn sie von seinen Menschen Besitz ergriffen. Meist waren diese dann angespannter als sonst oder aber so erschöpft, dass sie sämtlicher Lebensenergie beraubt schienen. Dann legte er sich auf seine Menschen, schloss die Augen und meditierte. Er selbst kam dabei wieder zur Ruhe und konnte viel von der beinahe unerschöpflichen Kraft weitergeben, die ihn dann durchströmte. Das genoss er so sehr, dass er manchmal ein wenig dabei sabberte. Seine Menschen brachte das meist zum Lachen. Für ihn ein untrügliches Zeichen dafür, dass seine Bemühungen wieder einmal erfolgreich gewesen waren.

Irgendwann hatten seine Menschen überlegt, Trix durch eine Prothese sein fehlendes Beinchen zurückzugeben. Aber das hätte dieses perfekte kleine Katzenwesen verstümmelt.


Beim #WritingFriday im August wird aus den vorgegebenen Schreibthemen jeweils eines ausgewählt und Freitags veröffentlicht. Dieses Mal: „Berichte aus dem Alltag von Trix, einer dreibeinigen roten Katze mit einem verblüffenden Talent.“