abc.etüden: Aprilgedanken 2021

Es war noch zu früh für den Sonnenhut. So oder so. Jetzt im April sah man der Staude noch nicht an, dass sie sich rüstete um Anlauf zu nehmen und irgendwann zwischen Juli und Oktober verschwenderisch zu blühen. Und um einen Sonnenschutz für seinen Kopf brauchte man sich gerade auch nicht zu kümmern. Nachdenklich zupfte sie ein wenig unerwünschtes Grünzeug weg, das sich um die Pflanze herum breitgemacht hatte. Nicht gerade eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, aber ihr tat die Bewegung an der frischen Luft gut.

Gut bekam es ihr auch, wenn es ihr gelang, den Augenblick von Zeit zu befreien. Unbeschwert sie selbst zu sein und sich durch das Ausüben geliebter Tätigkeiten völlig im Hier und Jetzt aufzulösen. Doch das war in den vergangenen Monaten immer schwieriger geworden. Sie fühlte sich gefangen in einer Warteschleife. Immer galt es die nächste Meldung abzuwarten, die schon Einfluss auf den folgenden Tag haben konnte und in der Entscheidungen der Machthaber mitgeteilt wurden, die schon innerhalb weniger Stunden wieder als haltlos entkräftigt werden konnten. Oder sie war wie paralysiert, weil der Stoff, der doch eigentlich Leben retten sollte, plötzlich selbst begann zu töten.

Hier hatten andere die Fäden für ihr Leben in der Hand und spielten das Lied vom Tod nicht unbedingt gekonnt. Wie schön wäre es, wenn sie einfach ihre Hände an die Schläfen legen und diese Gedanken wegmassieren könnte. Einfach mal darauf vertrauen, dass schon alles gut werden würde. Sich mit exzessivem Sport betäuben und in Bücherwelten flüchten. Oder vielleicht ins nächste Gartencenter, um ein wenig farbenfrohe Lebendigkeit für Zuhause nachzuladen.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Sonnenhut, haltlos, massieren.

abc.etüden: Ein besonderes Geschenk

Erschrocken schlug sie die Augen auf und rappelte sich mühsam auf. Sie hörte ein kurzes Fiepsen. Dann knirschte und schmatzte etwas. Was war das nur? Sie schwang sich aus dem Bett und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Die Geräusche kamen eindeutig aus dem Wohnzimmer. Vorsichtig schlich sie dorthin und hielt im Türrahmen erschrocken inne. Im Halbdunkel sah sie nur noch letzte Dackelfalten in dem weit geöffneten Schlund der Venusfliegenfalle verschwinden, die sie erst gestern zu ihrem Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Die Pflanze musste über Nacht einen enormen Wachstumsschub bekommen haben und füllte nun fast das ganze Zimmer aus. Sanft wogen ihre Blätter hin und her, während einige ihrer wie Fangeisen ausgelegten Fallen wütend um sich schnappten. Immer wieder forderten sie abwechselnd „Füttere mich!“ und blickten sie dabei grimmig an. Die Luft war erfüllt von dem fruchtigen Duft der Blüten, den nun auch ein Geruch nach Blut durchsetzte. Jetzt rülpste die Pflanze auch noch und gab dabei einen Blick auf ihren Rachen frei, in dem noch ein Dackelbeinchen zu sehen war.

Entsetzt schlug sie die Hände vors Gesicht und schrie.

Und schrie immer noch, als sie schweißgebadet von ihrem eigenen Schrei erwachte. Jetzt hörte sie ein Scheppern. Dann klirrte etwas. Was war das nur? Immer noch von ihrem Traum gefangen, schwang sich aus dem Bett und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Die Geräusche kamen eindeutig aus dem Wohnzimmer. Vorsichtig schlich sie dorthin und hielt im Türrahmen erschrocken inne. Im Halbdunkel sah sie nur noch ihre erschreckte Katze um die Ecke flitzen. Die Venusfliegenfalle war entgegen der von ihr geträumten klein geblieben, hatte aber den Kampf gegen ihre Katze verloren, die sie vermutlich in spielerischem Übermut versehentlich von der Fensterbank gestürzt hatte.

Dem Pflänzchen würde sie morgen einen neuen Topf gönnen müssen – und unbedingt einen neuen Namen. Vielleicht Mechthild oder Mathilde, anstatt Audrey, die Zweite.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Dackelfalten, fruchtig, scheppern.

abc.etüden: Ausflug in die Kindheit

Seltsam durch die Straßen zu fahren, durch die man als Kind gegangen oder sogar ausgelassen gerannt war und die die Welt für einen bedeutet hatten. Jetzt war hier alles leer. Sie konnte sich vorstellen, dass hier normalerweise mehr los war, aber seit Corona schienen auch die Bewohner dieser kleinen Stadt den Empfehlungen zu folgen und eher zu Hause zu bleiben.

Jetzt fuhren sie langsam an ihrer alten Grundschule vorbei. Sie sah gar nicht so anders aus, als sie ihr in Erinnerung geblieben war. Nur die Verkehrsberuhigung hatte es damals sicherlich noch nicht gegeben. Sie erinnerte sich schwammig an die Schulhofspiele, die sie dort in den Pausen immer gemacht hatten und daran, dass sie unauffällig durch ihre Schulzeit gerutscht war. Nie war sie besonders gut, nie besonders schlecht, nie besonders beliebt, sondern eher schüchtern und leise gewesen. Das hatte andererseits auch den Vorteil, dass sie unbemerkt genug geblieben war, um nicht das Ziel der allseits gefürchteten Klassenkeile zu werden, die immer die gleichen erwischte. Nämlich die Schüler, die irgendwie anders waren. Die keinen Sitzplatznachbarn in der Bank neben sich hatten, die in den Pausen eher allein blieben oder oft den Unterricht störten, so dass sie in der Nachbarklasse in der Ecke stehen mussten.

Lieber erinnerte sie sich daran, wie sie mit ihrer Freundin endlos auf dem Nachhauseweg trödeln konnte und sie es nicht müde wurden, sich irgendwelche Geschichten zu erzählen. Irgendwann hatte diese Freundschaft im zweiten oder vielleicht auch dritten Schuljahr abrupt geendet, weil ihrer Freundin verboten wurde, mit ihr zu spielen. Sie erinnerte sich an die Enttäuschung, die sie damals empfunden hatte und wie es sie geschmerzt hatte, dass ihre beste Freundin sie plötzlich ignorierte und eingehakt mit einer neuen besten Freundin über den Schulhof stolzierte. Schwammig erinnerte sie sich daran, dass sie über Umwege irgendwann herausgefunden hatte, warum es zu diesem Spielverbot gekommen war. Es waren Gründe, für die sie nichts konnten, weil sie aus der Erwachsenenwelt stammten und eigentlich auch dort hätten bereinigt werden müssen. Gründe, die selbst nach mehr als 40 Jahren noch einen schalen Nachgeschmack bei ihr hinterließen und dafür sorgten, dass sie bei der Weiterfahrt durch den Ort, in dem sie groß geworden war, nicht mehr nur die Nostalgie einer unbeschwerten Kindheit begleitete, sondern auch die Traurigkeit, Einsamkeit und Hilflosigkeit eines Kindes, das nicht gelernt hatte, dass es wertvoll war und es Dinge gab, für die es sich zu kämpfen lohnte.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Klassenkeile, schwammig, trödeln.

abc.etüden: Kleine Lügen

„Wie geht es dir?“
„Danke, mir geht es gut.“
„Und dir?“
„Auch gut.“

Noch immer hallten diese Sätze in ihr nach obwohl das Telefonat längst beendet war.

Kleine Nettigkeiten, die man zu Gesprächsbeginn austauschte und die davon entbanden erzählen zu müssen, dass man damit gekämpft hatte, in der vergangenen Woche irgendwie über die Runden zu kommen.

Sätze, die wie eine alte Strickjacke immer dann hervorgekramt wurden, wenn sie zweckmäßig ihre Aufgabe erfüllen konnten. Sie mussten niemanden umgarnen und es gab auch keine Schönheit in ihnen zu entdecken.

Sätze, die es nicht wert waren, dass man sie in Erinnerung behielt. Und doch war ihre Oberflächlichkeit trügerisch.

Denn alles hatte seine Zeit und es war gerade einfach nicht der richtige Augenblick um zu jammern. Vor allem nicht sein Herz bei jemandem auszuschütten, der es gerade ebenfalls nicht leicht hatte.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Strickjacke, trügerisch, entdecken.

abc.etüden: Denkefieber

Sie kannte es schon. Immer fing es mit Appetitlosigkeit an, was unter normalen Umständen völlig untypisch für sie war, denn essen konnte sie eigentlich immer. Umso mehr freute sie sich, wenn das ausnahmsweise nicht so war. Dann verdrängte sie auch das Durstgefühl, das sich nicht einmal durch vermehrtes Trinken besänftigen ließ. Irgendwann fühlte sie sich überhitzt und ihre Haut war trocken und empfindlich. Sie brauchte längst kein Thermometer mehr um zu wissen, wenn das Fieber sie wieder einmal erwischt hatte.

Dann hieß es schnell zu reagieren. Sie musste sich aus dem Trubel des Alltagswahnsinns herausnehmen, sich Ruhe gönnen, den Geist durch Entspannungsrituale besänftigen und mit etwas Glück vielleicht sogar in die erholsame Dunkelheit eines tiefen Schlafes hinabsinken. Doch das musste unbedingt geschehen, bevor sich ihr Denken wie ein wilder Affe aufführte, der die kuriosesten Zusammenhänge herstellte und ihre Welt neu durchmischte. Ihre Empfindungen ließen sich dann nicht mehr blockieren oder gar besänftigen. Und der Schüttelfrost, der sie schließlich ergriff, wirbelte nicht nur ihre Gedankenwelt durcheinander, sondern entband sie auch von jeglicher Sinnhaftigkeit der ihr zur Verfügung stehenden Worte mitsamt der Strukturen, mit denen sie diese üblicherweise miteinander in Verbindung setzte.

In diesem Zustand der Verwirrung beschleunigte sich ihre Atemfrequenz und begleitet von heftiger Übelkeit blieb ihr keine andere Möglichkeit sich Erleichterung zu verschaffen, als dass sie seitenlanges übelstes Kauderwelsch kanalisiert über ihre Schreibhand mittels eines Kugelschreibers in ihr Notizbuch erbrach. Wellenartig verschaffte ihr dies Erleichterung, bis der Schreibfluss nach einer Weile allmählich schwächer wurde, schließlich abklang und sie erschöpft zurück ließ. Übrig blieben von alledem nur etliche vollgeschriebene Seiten und eine sanfte Schweißperle, die ihr beinahe unscheinbar von der Stirn tropfte, ein weiteres Wort ihrem Gedächtnis entriss und es für alle Zeiten unwiederbringlich mit sich nahm.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Wörter in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Affe, neu, blockieren.

abc.etüden: Moderne Kaffeefahrten

Sie klopfte gegen den Lautsprecher, auch wenn sie sich nicht daran erinnern konnte, dass das jemals Tonprobleme gelöst hätte. Doch so leicht ließ sie sich nicht erschüttern. Jetzt wurde das Bild des Videos unscharf. Ein Timer zählte die letzten Minuten bis zum eigentlichen Start herunter. Der dumpfe Ton der Erzählerstimme war trotz des verwaschenen Standbildes immer noch zu hören. Scheinbar musste man das in Kauf nehmen, wenn man darauf wartete, sich diese Online-Veranstaltung kostenlos anzusehen.

Im vergangenen Jahr hatte sie sich einiges von dem angeschaut, das die unterschiedlichsten Veranstalter aufgrund der Corona-Bestimmungen ins Netz verlegt und meist für die Allgemeinheit kostenlos zugänglich gemacht hatten. Sie hatte interessante, sogar wertvolle Impulse erhalten und vieles gelernt, unter anderem auch über Geschäftstaktiken und -praktiken. Jetzt grenzte es fast schon an Slapstik, wie die Speaker des soeben gestarteten Erfolgskongresses geradezu reißerisch und nach dem bewährten Schema ihre Verkaufsshow abspulten.

Brav buhlten sie mit sogenannten Geschenken um die Gunst der Zuschauer, beziehungsweise die E-Mailadressen, um ihre Seminare und Coachings oder andere Produkte noch gezielter bewerben zu können. Jetzt blinkte in aggressivem Orange auf der Website gleich rechts neben dem eingebetteten YouTube-Video außerdem ein Werbebanner. Hier hatte man sich wirklich Mühe gegeben und das Ding an ihrem eingeschalteten Werbeblocker vorbeigeschmuggelt. Eigentlich war ihr ein von vornherein verwehrter Zugang lieber, wenn sie nicht bereit war Werbung in ihrem Browser zuzulassen. Wer weiß, was diese Seite im Hintergrund noch alles veranstaltete oder in Erfahrung brachte, von dem sie keine Ahnung hatte.

Aber das war wohl der Preis, den man zu zahlen hatte, wenn man eigentlich keinen zahlen wollte. So großartig hatten sich die Zeiten nicht geändert. Nur nahm man heute nicht mehr an Kaffeefahrten teil und ließ die Verkaufsveranstaltungen für Heizdecken und Teppiche über sich ergehen, sondern es ging um Seminare und Coachings. Außerdem erledigte man alles Online – und den Kaffee kochte man sich selbst.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Lautsprecher, orange, erschüttern.

abc.etüden: Weichmutmacher

Gut ein halbes Jahr hatte sie sich informiert und alles an Wissen begierig in sich aufgesogen, von dem sie meinte, dass es wichtig für sie sein könnte. Vielleicht hatte es auch erst vor drei Monaten begonnen, so ganz genau konnte sie das inzwischen nicht mehr festmachen. Aber es gab einen Auslöser und wenn man ganz genau hinsah und noch weiter zurück blickte, dann gab es sogar Vorkommnisse und Begebenheiten in den vergangenen zwanzig Jahren, die sich nun wie Puzzleteilchen zu einem großen Ganzen zusammenfügten. Plötzlich passte alles und es schien nur eine logische Konsequenz zu sein, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt genau das tat, wozu sie sich nach vielen Überlegungen und einer scheinbar endlosen Vorbereitungsphase entschieden hatte.

Dabei hätte sie manches Mal Zetermordio schreien können, bei dem, was ihr in all diesen Jahren geschehen war. Kaum zu glauben, dass dies zu irgendetwas gut gewesen sein soll. Denn all das hatte sie auch für das Leben zu weichmütig gemacht. Ihr fehlte die nötige Härte um den ganz normalen Wahnsinn des Alltags durchzustehen. Und so hatte sie es sich im Laufe der Zeit in ihrem Krankheitskokon gemütlich gemacht. In der geschützten Atmosphäre hatte sie ihr Auskommen gefunden und es ließ sich darin mit den Jahren immer besser leben. Aber in all ihrer Weichmütigkeit hatte sie dennoch immer auch einen Blick nach draußen gewagt um zu schauen und zu lernen, welche Zutaten andere Menschen verwendeten, um sich trotz widriger Umstände ein schmackhaftes wohlbekömmliches Leben daraus zu backen.

Es war fast schon ein Geschenk gewesen, als sie endlich erkannt und verinnerlicht hatte, dass es die in unterschiedlichsten Formen gelebte Kreativität war, die ihrem Dasein Farbe und Würze verlieh. Und nun würde sie damit nach außen dringen. Ganz behutsam und hoffnungsvoll – aber auch mit einer gewissen Entschlossenheit.


Bei den abc.etüden geht es darum, 3 Worte in einer Geschichte unterzubringen, die maximal 300 Wörter umfasst. Dieses Mal: Zetermordio, weichmütig, backen.

Adventüden 2020: Verwunschpunschung

 Dichte gelbliche Nebelschwaden krochen aus der Flasche. Dieses Gebräu war sicherlich nicht mehr gut. Vorsichtig fächelte sie sich etwas von dem Nebel zu, um daran zu riechen. Der Geruch erinnerte entfernt an Mango, Katzenklo und Leberwurst. Sie schüttelte sich. Trinken würde sie das Zeug sicherlich nicht, auch wenn der Aufdruck »Wunschpunsch« einfach verlockend klang und sie sich sehr darüber gefreut hatte, als sie die kleine Flasche am Nikolausmorgen überraschend in ihrem Stiefel vor der Wohnungstür gefunden hatte.

Sie hatte sich vorgestellt, dass der gut aussehende neue Nachbar von gegenüber ihr dieses nette Geschenk gemacht hatte. Abends hatte sie sich allein auf dem Sofa in ihre Kuscheldecke eingemummelt und ein Stück ihres geliebten Käsekuchens genossen, während sie sich endlosen Träumereien eines Kennenlernens, Sichverliebens und Glücklichseins hingab.

Doch was ihr der Wunschpunsch nun offenbarte, war eher ernüchternd und verursachte bei ihr einen leichten Würgereiz. Inzwischen brodelte die Flüssigkeit leicht und der entweichende Dunst verfärbte sich ins Grünliche. Beängstigend, wie viel davon so einer kleinen Flasche entfliehen konnte. Jetzt wurde sie hektisch. Die Brühe musste so schnell wie möglich raus aus ihrer Wohnung. Wer wusste, was sie da einatmete! Sie öffnete die Balkontür, zog sich schnell ein Paar Einweghandschuhe über und trug vorsichtig die Flasche, die sich bereits leicht erwärmt hatte, hinaus auf den Balkon. Dort nahm ganz allmählich das Brodeln ab und auch der Nebel lichtete sich.

Am nächsten Tag kippte sie enttäuscht den Wunschpunsch in den Abfluss und hörte nicht, wie er leise das Lied des mit Füßen getretenen Glücks und der verpassten Gelegenheiten summte.


Verwunschpunschung“ erschien zuerst im Rahmen der Adventüden 2020, einem Projekt von Irgendwas ist immer. Für den Text durfte ich maximal 300 Wörter verwenden und es mussten (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe vorkommen: Etikett, Gin, Käsekuchen, Kuscheldecke, Lebkuchen, Lichtermeer, Märchenbuch, Minnesang, Nebelschwaden, Schlittenfahrt, Semmelknödel, Streicheleinheiten, Wichtel, Wunschpunsch, Zugvogel.

NaNoWriMo 2020 (Tag 16 bis 30)

Wie es mir mit dem NaNoWriMo 2020 bisher erging, könnt ihr dort nachlesen: Tag 1 bis 5 und Tag 6 bis 15.

 ✍️ Tag 16:
Es ist kein Tag zum Schreiben. Ich habe einfach keine Lust und kann mich nicht motivieren. Vielleicht würde es helfen, jetzt eben schnell einen Termin bei Focusmate zu buchen und eine Stunde zu schreiben. Aber ich will einfach nicht. Ich öffne Scrivener und nehme mir vor, genau einen Satz zu schreiben. Und das nur, weil ich dranbleiben will und die Serie an Schreibtagen hintereinander nicht unterbrechen will. Ich schreibe jedoch genau 333 Wörter. Das trage ich noch auf der NaNoWriMo-Website bei der Fortschrittsanzeige ein und soll mir für heute reichen.

✍️ Tag 17:
Ich habe immer noch keine Lust zu schreiben, aber ich mache es – in drei Etappen. Dennoch gelingt es mir nicht den Rückstand von gestern aufzuholen. Immerhin ist das Tagespensum geschafft und ich habe nochmal rund 300 Wörter draufgelegt. Immer noch schreibe ich die Geschichte herunter, die ich im Oktober geplottet habe. Aber ich merke, dass das, was ich derzeit schreibe, die Geschichte überhaupt nicht weiter bringt. Das ist irgendwie unbefriedigend und bremst mich aus. Es fühlt sich so an, als schreibe ich gerade für den Papierkorb. Dennoch mache ich erstmal weiter, um zu sehen wohin mich das ganze führt und ob nicht vielleicht doch noch etwas dabei herauskommt, das ich vielleicht später beim Überarbeiten noch gebrauchen kann.

✍️ Tag 18:
Die Schreiblust ist immer noch nicht zurück, aber ich nehme an der Zoom-Schreib-Session von 12:30 bis 13:30 Uhr bei Julia teil. Mein Ziel sind wieder 700 Wörter. Es läuft bei mir derzeit so schleppend, dass ich nicht mit mehr rechne. Aber ich schaffe 960 in der Zeit mit den rund 80 anderen Teilnehmenden. Es gab eine Stelle, bei der ich immer wieder lachen musste. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man im Zoom-Fenster in der Rastereinteilung alle angestrengt und konzentriert schreiben sieht und man selbst immer wieder in Lachkrämpfe ausbricht, weil man sich kaum beherrschen kann. Ich hatte schon überlegt meine Videoübertragung auszuschalten, um die anderen nicht zu stören, habe mich aber schließlich doch wieder eingekriegt. Die Lage ist also bei mir doch nicht so ernst, wie ich dachte 😉 Später stoße ich noch durch die Write That Book Club Gruppe bei Facebook auf einen YouTube-Kanal, der die Pomodoro-Technik mit Hintergrundgeräuschen zum Schreiben koppelt: Peaceful Ambience. Das gefällt mir. Und auch das werde ich beizeiten ausprobieren.

✍️ Tag 19:
Ich habe immer noch keine Lust zu schreiben, schaffe aber bei fetziger Musik am späten Vormittag immerhin 1.336 Wörter. Ich bin nicht die einzige, bei der es nicht so ganz rund läuft. Julia hat sich für morgen folgendes vorgenommen:

Vor Jahren habe ich tatsächlich mal für kurze Zeit mit einem Spracherkennungssystem arbeiten müssen und bin immer noch traumatisiert. Auch habe ich immer schon lieber geschrieben, als geredet, weshalb mich das Diktieren so gar nicht reizen kann. Die Challenge werde ich hingegen gern aus der Ferne beobachten. 10.000 Wörter ist für mich als Schreibziel definitiv zu viel, aber vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, dass ich mir für morgen vornehme, meinen Rückstand in Höhe von 3.672 Wörtern (inklusive morgigem Tagespensum) aufzuholen. Klingt doch eigentlich machbar, zumindest wenn ich es über mehrere Etappen konsequent über den Tag verteile. Denn zwei Stunden am Stück schreiben, wie ich es in der Anfangszeit gemacht habe, bekomme ich gerade nicht mehr hin. Meine Geschichte strebt dem Finale entgegen, aber es zeichnet sich ein Ende ab, das mir einfach nicht passt. So etwas würde ich selbst nicht lesen wollen. Das ist noch so etwas, das mich gerade beim Schreiben ausbremst.

Nebenbei rutsche ich aus dem Herunterschreibmodus, in dem die Wörter beinahe von selbst in die Geschichte fließen, allmählich in den Überarbeitungsmodus hinein. Mich begleitet das Buch über den Tag hinweg, auch wenn ich nicht daran schreibe. Ich habe unterschiedliche Ideen dieses NaNoWriMo-Skript zu verwerten. Jede Idee für sich ist spannend für mich und bietet unterschiedliche Perspektiven auf die Geschichte und die Art sie auszudrücken. Das will demnächst genauer ausgearbeitet und auf Tauglichkeit überprüft werden. Ein Grund sich auf die bevorstehenden Herausforderungen zu freuen. Damit kann ich mich voraussichtlich noch Jahre beschäftigen und werde nie in die Bedrängnis kommen, ein Buch veröffentlichen zu müssen, um mich womöglich gnadenlos Rezensierenden stellen zu müssen 🙂

✍️ Tag 20:
5:00 Uhr. Es geht los. Ich dachte mir, ich probiere es heute mal mit der Pomodoro Technik. Aber ich komme mit den 5-Minuten-Pausen nicht zurecht. Die 25-minütigen Schreibabschnitte passen für mich hingegen. Über den Tag verteilt mache ich 4 davon, wodurch ich 2.043 Wörter schreibe. Mehr schaffe ich jedoch heute nicht, auch wenn ich gerne meinen Rückstand aufgeholt hätte.

✍️ Tag 21:
Irgendwann gegen 11:00 Uhr schreibe ich heute meine ersten 25 Minuten und komme beim Ende des Skripts aus. Es ist gar nicht so schlecht geworden. Das kann man so machen. Jetzt habe ich 32.247 heruntergeschriebene Wörter, umgerechnet etwa 93 Taschenbuchseiten, die noch ausgeschmückt werden wollen. Absätze und Handlungsstränge, die noch sanfter zu einander finden und verknüpft werden wollen. Ein ansprechender Anfang, der noch gefunden werden will. Namen, die sich noch nicht stimmig anfühlen wollen geändert oder mit entsprechendem Leben durch Beschreibungen und kleine erläuternde Handlungen gefüllt werden. Und dann gibt es auch noch ein Scrivener-Manuskript, das unbedingt mal aufgeräumt werden will, weil ich einfach immer weiter geschrieben habe und manches eigens dafür angelegte Kapitel übersprungen habe, weil ich einfach auch zu kleinteilig geplottet habe. Dennoch hat mir das Plotten im Vorfeld dabei geholfen die Geschichte halbwegs geordnet herauszulassen. Ob es sinnvoll wäre, meine Geschichte jetzt in tatsächliche Kapitel einzuteilen oder auch einfach in Textfragmente, muss ich erst noch herausfinden. Ich habe den Eindruck, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnt.

✍️ Tag 22:
Mein Scrivener-Projekt räume ich ein wenig auf und installiere endlich das deutsche Wörterbuch, damit nicht mehr alle geschriebenen Wörter rot unterkringelt angezeigt werden. Ich hatte das bislang gelassen ignoriert, aber es sind halt nette Kleinigkeiten, die einem das Schreiben angenehmer machen können. Außerdem exportiere ich das Skript für Libre Office und aus purer Neugier anschließend auch gleich noch als epub, einfach weil mich interessiert wie und ob das funktioniert. Aber auch, weil ich gerade mit mir hadere und nicht so recht weiß, wie es jetzt weiter gehen soll. Mit dem Herunterschreiben bin ich durch. Den ersten Part habe ich bereits kopiert und könnte nun mit der Überarbeitung anfangen. Aber so einfach ist das nicht, denn auch wenn ich mich eigentlich im Vorfeld beim Plotten für ein Genre und sogar schon einen Klappentext entschieden hatte, kamen mir beim Schreiben insgesamt vier (!) Ideen, in welche Richtung ich dieses Skript überarbeiten könnte. Vier unterschiedliche Genres, deren Eigenarten berücksichtigt werden wollen und die Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise interpretieren und richtungsweisend wären. Ich bin also erstmal weg vom klassischen NaNoWriMo-Wörterzählen. Mir helfen jetzt eher Papier und Bleistift um Überlegungen zu den einzelnen Bereichen festzuhalten und herauszufinden welches Genre die besten Voraussetzungen bietet. Und vor allem, welches sich für mich am Stimmigsten anfühlt.

✍️ Tag 23:
Ich komme gerade überhaupt nicht weiter mit meinen Überlegungen. Mein Skript ist ein autobiografischer Rohtext, den ich allerdings in der Art nicht weiterführen möchte, da er zu nah an der von mir erlebten Realität geschrieben ist. Das hat mir einige Dinge in meiner Biografie nochmal klarer vor Augen geführt. So nah und teilweise schmerzlich ich an manchen Themen auch dran war, so gut getan hat es jedoch auch, mit einigem Abstand nochmal darauf zu schauen. Aber ich will mit meinem Text niemanden verletzen oder vorführen oder gar über das Leben der Menschen urteilen und berichten, die mit meinem Leben verknüpft sind oder waren. Ich finde, dass ich dazu nicht das Recht habe. Deshalb könnte ich aus diesem Skript höchstens einen autobiografischen Roman machen, bei dem ich manche Bereiche und teilhabenden Personen zur Unkenntlichkeit verfremden müsste. Dazu müsste ich mich jedoch noch weiter von der Geschichte entfernen. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das gelingt, denn diese Geschichte umfasst grob sechzehn Jahre meines Lebens. Aber sie hat auch Potenzial für einen nicht alltäglichen Liebesroman oder es ließe sich der Fokus auf den Mystery-Aspekt legen, so wie ich es eigentlich beim Plotten ursprünglich vorhatte. Aber beim Schreiben entwickelte sich der Drang, diese Geschichte erstmal möglichst ungefiltert und nur für mich herauszulassen. Wirklich eine Erfahrung für sich. Letzten Endes ließe sich aus der Quintessenz des Ganzen auch noch ein Sachbuch, beziehungsweise ein Ratgeber, formen. Scrivener speichert geduldig meine Überlegungen hierzu, aber meine geschriebene Wortzahl erhöht sich dadurch natürlich nicht.

✍️ Tag 24:
Ein Tag NaNoWriMo-Pause.

✍️ Tag 25:
Und noch einer. Ich überlege immer noch wie und was. Es wird kein Liebesroman werden. Ich lese sowas schon seit vielen Jahren nicht mehr gern, aber der Mysteryroman reizt mich nach wie vor. In den nächsten Tagen werde ich mir verstärkt Gedanken darüber machen, wie ich die Geschichte noch ein wenig mysteriöser machen kann, als sie ohnehin schon ist.

✍️ Tag 26:
Die Schreibpause genieße ich gerade, denke aber darüber nach, ab Dezember täglich eine Stunde zu schreiben, beziehungsweise mein Skript zu überarbeiten. Ohne Wörter zu zählen, das mag ich nicht mehr. Auf das Andere freue ich mich hingegen schon ein wenig. Abends trifft sich der Write That Book Club zum letzten Mal bei Zoom. Julia beantwortet eingesandte Fragen und auch für mich ist wieder vieles dabei, was ich interessant finde und für mich mitnehmen kann. Am Ende winken alle etwa 80 Teilnehmenden in die Kamera und verabschieden sich lautstark über die für alle geöffneten Mikrofone. Ein etwas chaotischer aber schöner Abschluss.

✍️ Tag 27:
Ich werde gegen 7:30 Uhr allmählich wach. Mir kommt ein Gedanke zu meiner Geschichte in den Kopf, der gleich Besitz von mir ergreift und mich nicht loslässt. Ich freue mich darüber, denn ich weiß, dass mir das weiterhelfen wird. Schließlich beschließe ich aufzustehen, um gleich aufzuschreiben, was mir da in den Kopf gekommen ist. Und just in dem Moment, in dem ich mich aus dem Bett schwinge ist die Idee weg. Vergessen. Und mir will ums verrecken nicht mehr einfallen, was ich da Hilfreiches vergessen habe. Über den ganzen Tag verteilt, versuche ich immer mal wieder, ob es mir nicht vielleicht doch noch einfällt. Aber nichts. Mittlerweile glaube ich, dass ich nur geträumt habe, dass ich eine kostbare Idee zu meinem Buch hatte.

✍️ Tag 28 und 29:
NaNoWriMo? Was war das nochmal? Ich nehme an beiden Tagen an einem Webinar teil und bin damit völlig ausgelastet.

✍️ Tag 30:
Der letzte Tag des NaNoWriMo 2020, den ich definitiv nicht geschafft habe.

✍️ Mein Fazit:
Der NaNoWriMo 2020 hat sich für mich definitiv gelohnt, wenn ich schon allein an die vielen Dinge denke, die ich durch Julia und den Write That Book Club kennengelernt habe. Das war wirklich bereichernd und hat den NaNoWriMo zu etwas sehr Lebendigem, Inspirierendem und immer wieder Motivierenden gemacht. Es ist fast ein wenig schade, dass sich das nicht wiederholen lässt. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass dies mein erster und letzter NaNoWriMo war. Das Wörterzählen finde ich widersinnig und nervig. Aber sich zum Schreiben zu verabreden und in der Zeit dann genau das zu tun, war klasse. Bei Focusmate werde ich mich sicherlich noch öfter einloggen und Termine machen, das funktioniert ja glücklicherweise unabhängig vom NaNoWriMo.

Auch wenn ich das eigentliche Ziel, 50.000 Wörter zu schreiben, nicht geschafft habe, war der NaNoWriMo für mich doch ein Erfolg. Innerhalb von 21 Tagen habe ich eine grobe Geschichte heruntergeschrieben, die mir seit Jahren auf der Seele lag und in ihrer Komplexität auch einiges an Druck erzeugt hat. Ganz von selbst hatte dabei der autobiografische Anteil das Schreiben komplett übernommen, so dass nicht der ursprünglich geplante Mystery Roman in einer Urfassung entstanden ist. Man könnte hierbei wohl von therapeutischem Schreiben sprechen, das mir sehr gut getan hat und diese Geschichte einfach aus meinem Kopf herausgelassen hat. Ich bin mir allerdings noch nicht sicher, was daraus noch werden soll. Vielleicht gönne ich mir einfach noch etwas Bedenkzeit und schaue mir das Skript dann im nächsten Jahr nochmal genauer an.

NaNoWriMo 2020 (Tag 6 bis 15)

Wie es mir mit dem NaNoWriMo 2020 bisher erging, könnt ihr dort nachlesen: Tag 1 bis 5.

✍️ Tag 6:
7:30 Uhr. Es hat gut getan, so lange zu schlafen. Heute nehme ich an einer der offiziellen Writing-Sessions vom WTB-Club mit Zoom teil. Wir sind um die 90 Schreiwillige, die den Ton ausgeschaltet haben und eifrig eine Stunde lang geschäftig vor sich hinschreiben. Als Ziel habe ich mir für diese Zeit 700 Wörter gesetzt, schaffe aber tatsächlich 1.100. Ich bin begeistert. Am Ende teilt Julia noch mit, dass sie zwei Videoräume in der privaten Facebook-Gruppe eröffnet hat. In dem einen kann man sich zum Quatschen und in dem anderen zum Schreiben treffen. Die Videoräume wurden bereits von einigen Schreiberlingen getestet und für gut befunden. Wenn ich mein Tonproblem gelöst habe, möchte ich das auch gerne ausprobieren. Aber erstmal heißt es für mich noch weiter schreiben und um kurz nach 9 habe ich dann auch mein Schreibziel für heute geschafft.

✍️ Tag 7:
Heute habe ich einen Schreibtermin nur mit mir selbst. Aufwachen, ohne vom Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden, ist herrlich. Es zeigt sich, dass dieser höchst persönliche und unendlich variable Termin um 6:30 Uhr stattfinden wird. Pünktlich starte ich die Soundtrack-Playliste von Spotify und schreibe, bis ich gegen 8:15 Uhr das Tagesziel erreicht habe. Ganz unspektakulär, aber nicht weniger effektiv.

✍️ Tag 8:
Sonntagmorgen. Irgendwann um kurz nach 6 bin ich wach geworden. Gemütlich stehe ich auf, versorge mich mit Tee und fange schließlich tiefenentspannt und ganz ohne Zeitdruck um 7:15 Uhr an zu schreiben – bis 9:00 Uhr. Auch wenn ich heute alles gemütlich angehen lasse, fühle ich mich erschöpft. Ich muss einen Gang zurück schalten und sage meinem Schreibbuddy ab. Obwohl mir diese frühen 5:15 Uhr Termine gefielen. Sie brachten nicht meine ursprüngliche Tagesstruktur durcheinander und ich konnte mit ihnen gleich zu Beginn des Tages meine große Schreibaufgabe hinter mich bringen – frei nach dem Motto „Eat that frog[Werbung] das Schwierigste gleich zu Beginn des Tages schaffen. Allerdings hat mich dieser Frosch, beziehungsweise das frühe Schreiben doch auch mehr Kraft gekostet, als ich anfangs gedacht hätte. Ich kehre also bewusst zurück zu meiner alten Tagesstruktur, bei der der reguläre Tag um 9:00 Uhr beginnt und wenn ich früher aufwache, dann ist das einfach nur Freizeit, die ich mit freiwilligen leisen Inhalten fülle, die meinen Herzbuben nicht wecken, sofern es mit dem Schlafen bei mir nicht funktioniert. Ich weiß, dass es gerade für mich ganz wichtig ist, auf einen ausgewogenen Schlafrhythmus zu achten, um meine Krankheit im Zaum zu halten. Noch habe ich alles im Griff, aber einiges ist doch auch durch den Stress, den ich mir selbst durch den NaNoWriMo mache, durcheinander geraten und will im Auge behalten werden.

✍️ Tag 9:
Noch nicht einmal 4:00 Uhr, ich bin hellwach. Kein Grund zur Sorge, zumal ich gestern Abend schon um kurz nach neun ausgebrannt ins Bett gefallen bin. Ich hätte den Termin um 5:15 Uhr also doch wahrnehmen können. Ich ärgere mich ein wenig über mich selbst, verdaddle sinnlos Zeit und lege mich später völlig erschöpft nochmal hin. Um 10:30 Uhr beginne ich dann doch noch meine Schreibsession, aber es kostet mich Überwindung. Um 12:00 Uhr habe ich mein Tagespensum geschafft. Feierabend für heute – zumindest mit dem Schreiben. Ich muss dringend einen Gang runterschalten und mich den Dingen widmen, die mich wieder in die Spur bringen.

✍️ Tag 10:
Ich schlafe bis 7:00 Uhr und fühle mich erholt. Ich will etwas von dem Druck aus diesem NaNoWriMo herausnehmen und widme mich heute bewusst vorrangig anderen Dingen. Erst nachmittags beginne ich zu schreiben. Mein Tagespensum schaffe ich zum ersten Mal nicht. Konzentrationsstörungen, Wortfindungsstörungen…Schreibstörungen. Aber um 18:00 Uhr nehme ich dennoch an der Zoom-Fragerunde von Julia K. Stein teil. Es beruhigt mich ein wenig, dass auch bei anderen nicht alles rund läuft und sie ähnliche Gedanken rund um ihr Buch haben. Es tut gut, einige Ängste von einer Autorin zerstreut oder bestätigt zu wissen, die selbst bereits einige Bücher (auch bei Verlagen) veröffentlicht hat. Nebenbei erfahre ich von Sensitivity Reading, dass manch einer sich mit 4-Minuten-Meditationen aufs Schreiben einstimmt, es sich bei Coffeeshop-Geräuschen von YouTube vielleicht gut schreiben lässt und dass man sich auch bei Discord zu Schreib-Sprints treffen kann.

Das Programm iVCam, mit dem ich mein Smartphone über den Computer als Webcam laufen lasse, teilt mir hingegen mit, dass die Trial-Version nun abgelaufen ist und mein Video nur noch „in klein“ dargestellt wird. Das ist schätzungsweise kein Problem für die Zoom-Sessions mit Julia, insgesamt muss aber nun eine andere Lösung her, zumal ja auch mein Ton mit der Ansage „Trial Version“ überblendet ist. Ich wäge Vor- und Nachteile ab und entscheide mich dagegen, die Software-Lösung im Abo-Modell zu erstehen oder einen einmaligen Kaufpreis in einer Höhe zu leisten, in der es bereits für einen geringen zusätzlichen Aufpreis günstige Webcams gibt. Es wird also in Kürze eine Webcam bei mir einziehen, die unabhängig vom Ladestand des Handy-Akkus jederzeit einsatzbereit ist und bei Bedarf auch an den Rechner meines Herzbuben angeschlossen werden kann. Als Nicht-Dauer-Webcam-Nutzer haben wir auf diese Art wenigstens beide etwas davon.

✍️ Tag 11:
Ich habe ein ernsthaftes Problem mit dem Schlaf, komme aber immerhin um 3:30 Uhr dazu, den aktuellen NaNoWriMo-Newsletter zu lesen. Darin entdecke ich auch, dass unter anderem auf dem YouTube-Kanal WordNerds sogenannte „Write-In leds“ live angeboten werden. Gar nicht schlecht. Dort kann man sich im Chat austauschen oder später die Aufzeichnung ansehen, um beim sogenannten „word sprint“ dabei zu sein und selbst mitschreiben. Kellie’s getippe fällt mir allerdings etwas auf die Nerven, aber der Ton lässt sich ja glücklicherweise regulieren, bis sich alle beim Schreiben selbst stumm schalten. Um 5:30 Uhr beginne ich endlich selbst zu schreiben und höre mir dabei Entspannungsmusik mit Klavier-, Cello- und Gitarrenklängen von YouTube an. Zunächst ist die Musik wunderbar, aber ich muss feststellen, dass ich meinen Plot gesprengt habe. Glücklicherweise kann ich das für mich aber ausblenden und schreibe einfach erstmal weiter, bis es mir gelingt, den Faden wieder aufzunehmen. Nach einer Stunde langweilt mich die Musik. Ich brauche etwas Rockiges – und schließlich auch eine Pause von der anstrengenden Thematik. Nachmittags geht es dann nochmal ans Werk und es gelingt mir den Rückstand vom Vortag aufzuholen.

✍️ Tag 12:
7:00 Uhr und ich schreibe immer noch nicht. Meine Schreiblust hält sich in Grenzen, stattdessen verfasse ich Blogbeiträge und lasse den Tag gemütlich angehen. Am späten Nachmittag starte ich doch noch Scrivener und schreibe mein Tagespensum herunter. Wenn der NaNoWriMo vorüber ist, werde ich nur noch eine Stunde pro Tag schreiben oder überarbeiten oder beides. Zwei Stunden sind mir insgesamt zu viel. Julia hat ein Video über Virtuelles Co-Working (und wie du dadurch effektiver arbeitest) herausgebracht. Ich finde es auch einfacher, wenn man feste Termine macht, brauche es andererseits aber auch, mal keine Termine zu haben, damit der Druck mich nicht auffrisst. Schön wäre es, wenn sich das Schreiben und spätere Überarbeiten in meine Tagesstruktur einfügen ließe, aber davon bin ich noch weit entfernt. Ich blute beim Schreiben immer ein wenig aus, aber es hat auf der anderen Seite auch einen heilenden und stellenweise erhellenden Effekt.

✍️ Tag 13:
Wieder so ein Tag, an dem es mich zu unchristlicher Zeit aus dem Bett treibt. Einen festen Schreibtermin habe ich nicht, möchte mir aber im Laufe des Vormittags die Zeit dafür nehmen. Um 8:30 Uhr bekomme ich endlich die Webcam [Werbung] und schließe sie gleich an. Schön, wie einfach das geht. Am Monitor anklemmen, USB-Kabel einstecken, Rechner neu starten, fertig. Ich beschließe, sie gleich um 10 Uhr bei Julia’s Zoom-Writing-Session auszuprobieren. Scheint zu funktionieren, aber das Bild, das meine Kamera überträgt, flackert und mein Ton brummt beim Testen nervtötend. Ich schalte während der Zoom-Session die Übertragung meines Videos aus, damit ich andere mit dem Geflacker nicht zu sehr störe, das Micro ist beim Schreiben sowieso stummgeschaltet. Vorgenommen hatte ich mir 700 Wörter, tatsächlich schaffe ich es aber, trotz der Ablenkung, mehr als 1000 Wörter in der gemeinsamen Zeit mit rund 100 Teilnehmern zu schreiben. Danach widme ich mich etwas intensiver der Technik und stelle fest, dass mein Monitor die Webcam-Übertragung stört, wenn sie oben drangeklemmt ist. Er ist halt nicht mehr der Jüngste und für mich ein Thema, mit dem ich mich erst im kommenden Jahr näher beschäftigen möchte. Ich probiere aus, wie es ist, wenn ich die Kamera auf dem kleinen Mini-Stativ befestige, das ich noch in einer meiner Technik-Rummel-Kisten finde, etwa so eines wie dieses hier [Werbung]. Die kleine Konstruktion stelle ich neben den Monitor und tatsächlich sind Bild und Ton plötzlich einwandfrei. Problem gelöst. Nachmittags nehme ich mir nochmal etwas mehr als eine halbe Stunde Zeit und schreibe die restlichen Wörter herunter bis mein Tagespensum überschritten ist.

✍️ Tag 14:
Mein Tag beginnt etwa gegen 6 Uhr, alles in Ordnung. Aber dieser Herbst ist einfach unglaublich schön und bei dem Sonnenschein treibt es uns aus dem Haus. Fotografieren hat Vorrang. Und alles, was nichts mit Schreiben zu tun hat. Nachmittags raffe ich mich aber doch noch auf und schreibe gute eineinhalb Stunden lang mit progressive Rock und Postrock im Ohr. Geht doch. Tagespensum geschafft.

✍️ Tag 15:
Tatsächlich werde ich heute erst durch den Wecker um 5:45 Uhr geweckt. Wir wollen den Sonnenaufgang in einem Naturschutzgebiet genießen, in dem neben vielen Wildvögeln derzeit auch wieder Scharen von Wildgänsen unterwegs sind. Unsere Erwartungen werden nicht enttäuscht. Es ist traumhaft schön. Auf dem Nachhauseweg nehmen wir noch Brötchen fürs Frühstück mit und sichten dann bei einem Kakao erste Bilder und Videos. Aber im Hintergrund ruft der NaNoWriMo und will, dass ich pünktlich zur Halbzeit die 25.000er Wortmarke knacke. Widerwillig und tränenreich schreibe ich, weil der autobiografische Anteil dieses Mystery-Drama-Romans mit mitnimmt. Trotz allem habe ich gegen sechs Uhr abends endlich die magische Wortzahl geschafft. Scrivener meint, das entspricht 72 Taschenbuchseiten. Ich bin stolz auf mich.

✍️ Fortsetzung folgt…