Die ewigen Toten – Simon Beckett

Bei diesem Buch handelt es sich um den 6. Fall des forensischen Anthropologen Dr. David Hunter. Mehr brauche ich eigentlich nicht, um zu wissen, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss. Denn diese Thrillerreihe begeistert mich von Anfang an, so seltsam und makaber sie auch manchmal ist. Denn Dr. Hunter verbringt mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden und untersucht Verwesung und Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren. Und obwohl es widerlich und manchmal auch erschreckend sein kann, was auf ganz natürliche Weise mit dem menschlichen Körper nach dem Tod passiert, so interessant ist es gleichzeitig, dass ich die Bücher kaum aus der Hand legen kann, wenn ich sie erst begonnen habe. So erging es mir auch mit „Die ewigen Toten“.

Ob man dieses Buch auch lesen kann, wenn man die vorherigen Bücher nicht kennt? Ich denke schon. Leider ist mein Gedächtnis nicht das Beste und ich tauche mit jedem Buch beinahe gänzlich neu in die Geschichte David Hunters ein. Das ärgert mich zwar, aber der Autor greift die Vorgeschichte seines Protagonisten zumindest so grob auf, dass man den Anschluss finden kann. Allerdings beginnt die Geschichte um Dr. Hunters ‚Dämonen‘ natürlich bereits in den vorher erschienen Büchern der Reihe. Wer sich also nicht spoilern möchte, liest die Bücher dann doch besser der Folge ihres Erscheinens nach.

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Dieses Mal ermittelt David Hunter in einem verlassenen Krankenhaus mit schrecklicher Vergangenheit. Das St. Jude, das Krankenhaus im Norden Londons, soll in Kürze abgerissen werden. Nur noch Fledermäuse verirren sich seit langem dorthin, doch dann wird auf dem staubigen Dachboden eine teilweise mumifizierte Leiche gefunden, die in eine Plastikhülle eingewickelt ist. Als beim Versuch, die Leiche zu bergen, der Boden des baufälligen Gebäudes einbricht, entdeckt der forensische Anthropologe ein fensterloses Krankenzimmer, das nicht auf den Plänen verzeichnet ist. Warum wusste niemand von der Existenz dieses Raumes? Und warum wurde der Eingang zugemauert, obwohl dort nach wie vor Krankenbetten stehen? Betten, in denen noch jemand liegt. Ein harter Fall für David Hunter, der zusätzlich noch mit den Schatten seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Je tiefer Hunter in die Vergangenheit des Krankenhauses eindringt, desto mehr düstere Geheimnisse kommen ans Licht. Und bald ist klar, dass das St. Jude noch lange nicht sein letztes Opfer gefordert hat.

Einen wirklich schaurigen Handlungsort hat sich der Autor dieses Mal ausgesucht, der wohl jeden Freund der sogenannten Lost Places erfreuen dürfte. Die atmosphärische Szenerie des alten baufälligen Krankenhauses kann man sich bildlich gut vorstellen und ist gleich darin gefangen. Der Dachbodenfund lässt einen gruseln, aber auch das, was den anderen Toten widerfahren sein muss, lässt einen beim lesen nicht kalt. Das Thrillerelement sorgt für den gewünschten thrill und treibt einen durch die Handlung, durchsetzt mit der aufschlussreichen Ermittlungsarbeit, die Dr. Hunter leistet und dem wissensdurstigen Leser auf interessante Weise erklärt. Kurzum: Ein Thriller dieser Reihe, wie ich ihn mag und wie ich ihn mir von Simon Beckett wünsche. Dass manches in der Geschichte für meinen Geschmack aber dennoch etwas zu konstruiert ist, kann ich verschmerzen. Denn das Gesamtpaket dieses Thrillers, den ich mir zum Teil auch ungekürzt und hervorragend von Johannes Steck vertont bei Spotify angehört habe, ist für einen Fan wie mich dennoch großartig.

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Simon Beckett
Die ewigen Toten (David Hunter 6)
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld
Gebunden, 480 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5002-3
Preis: 22,95 € (D)
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 12.02.2019

Die Wälder – Melanie Raabe

Melanie Raabe konnte mich bereits mit „Die Falle“ und „Die Wahrheit“ begeistern, umso gespannter war ich auf ihren neusten Thriller „Die Wälder“.

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Dieser spielt überwiegend in einem riesigen Waldgebiet, das man durchfahren muss, um zu dem Dorf zu kommen, in dem Nina und Tim ihre Kindheit verbracht haben. Als Nina, inzwischen erwachsen und Ärztin, die Nachricht erhält, dass ihr bester Freund Tim unerwartet gestorben ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Vor allem, als sie erfährt, dass er sie noch kurz vor seinem Tod mehrfach telefonisch zu erreichen versucht hat. Tim hat nicht nur eine geheimnisvolle Nachricht hinterlassen sondern auch einen Brief, in dem er ihr den Plan schildert, seine Schwester finden zu wollen. Diese verschwand in den schier endlosen Wäldern, die das Dorf, in dem sie aufgewachsen sind, umgeben. Nina macht sich auf den Weg, um Tims Plan umzusetzen.

Und bereits da büßt dieser Thriller seine Glaubwürdigkeit ein, denn für mich passte es von Anfang an nicht, dass die junge Ärztin sich aufgrund dieses Briefes, von dem der Leser erst recht spät im Buch Teile des Inhalts erfährt, in diese Gefahr und auf die rechtlichen Abwege begibt, die ihr Tims unausgegorener Plan vorgibt. Dadurch wird die Geschichte nicht so recht greifbar und bleibt zu lange derart geheimnisvoll, dass man beinahe die Lust zu lesen verlieren könnte, weil einen die Autorin zu lange hinhält. Auch die Angstmacherei bezüglich des finsteren mythenumwobenen Waldes und einem Bösewicht, der auch noch den Namen Wolff trägt, wirkt ein wenig übertrieben und an den Haaren herbeigezogen. Insgesamt passt das jedoch ein wenig zu der Geschichte von 4 heranwachsenden Freunden, die im Wechsel zu Ninas Erlebnissen erzählt wird.

Aber man verzeiht Melanie Raabe dies beim Lesen großzügig, denn insgesamt ist dieser Thriller handwerklich gut gemacht. Die Autorin baut eine Stimmung auf, die einen fast schon in diesen dunklen mystischen Wald einsaugt. Und auch wenn man sich lange Zeit fragt, was dieser ‚böse‘ Wolff eigentlich getan hat, um sich diesen Titel zu verdienen, versteht man doch recht schnell, dass es sich hierbei um einen üblen und ziemlich gefährlichen Zeitgenossen handelt. Überhaupt sind ihre Charaktere gut gezeichnet, so dass man sie sich gut vorstellen kann und mit ihnen gemeinsam in die beiden Erzählstränge eintaucht, die zunächst unabhängig voneinander erzählt, irgendwann jedoch gekonnt zusammengeführt werden. Dabei enden die kurzen Kapitel meist mit einem Cliffhanger, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag.

So fühlte ich mich von diesem Thriller trotz einiger Kritikpunkte dennoch gut unterhalten, auch wenn ich von der Autorin bisher Besseres gewohnt war.

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Melanie Raabe
Die Wälder
Paperback, Klappenbroschur, 432 Seiten
ISBN: 978-3-442-75753-4
Preis: € 16,00 [D] inkl. MwSt. | € 16,50 [A] | CHF 22,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: btb Verlag
Erschienen: 27. Dezember 2019

Das Leseexemplar wurde mir freundlicherweise vom Verlag für Rezensionszwecke zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

erLESENer November

Im Lesemonat November war ich in Gilead unterwegs, wanderte mit vielen Japanerinnen nach Amerika aus, durchschlug einen echten Rothko mit meiner Faust, erfuhr, was im Bösland wirklich geschah und entjungferte mit Sascha Felix.

Bücherwelten – bieten Ablenkung, wenn man es gerade braucht…

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Die Zeuginnen von Margaret Atwood
Die ebenfalls großartige Fortsetzung von „Der Report der Magd“. Hervorragend!

Wovon wir träumten von Julie Otsuka
Ein intensives und berührendes Buch, das auf eine besondere Weise auf geschichtliche Ereignisse rund um die japanstämmigen Amerikaner blickt. Ein Buch, das nachwirkt und zum weiter informieren anregt. Empfehlenswert!

Duell von Joost Zwagerman
Es ist Ausflug in die Welt der Kunst und dabei voller Witz, Action, kluger Gedanken, interessanter Einblicke und einer gehörigen Portion Slapstick. Unterhaltsam!

Bösland von Bernhard Aichner
Ein relativ vorhersehbarer Thriller, der jedoch sehr gut als Hörbuch vertont ist und der von den gut ausgearbeiteten Charakteren lebt. Gar nicht schlecht!

Scherbenpark von Alina Bronsky
Ein gefühlvoller, aber nicht gefühlsduseliger Roman über eine starke siebzehnjährige Protagonistin, die in Deutschland in einem russischen Hochhaus-Ghetto aufwächst. Empfehlenswert!

Bösland – Bernhard Aichner

Eigentlich mag ich ja keine halben Sachen, aber als ich kürzlich bei Audible ein halbes Guthaben für einen Thriller ausgab, stöberte ich weiter in dem Genre und stieß auf Bösland von Bernhard Aichner – ein Autor, von dem ich bislang noch nichts gelesen hatte und den ich längst mal für mich entdecken wollte. Nach der Hörprobe stand für mich recht schnell fest, dass ich die andere Hälfte des Guthabens hierfür verwenden wollte, weil mich die Geschichte gleich fesseln konnte und ich neugierig darauf war, was es mit dem Bösland auf sich hatte.

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Ben hat einen Vater, der ihn schlägt und sich umbringt, als Ben zehn Jahre alt ist. Das prägt ihn, so dass er für seine Umwelt immer ein wenig seltsam erscheint. Als Ben mit seinem Freund Kux und Mathilda, dem Mädchen in das er heimlich verliebt ist, im Bösland spielt, wird Mathilda erschlagen. Daraufhin wird Ben, der am Tatort blutverschmiert gefunden wird und sein Gedächtnis bezüglich der Geschehnisse verloren hat, verhaftet. Er muss mit 13 Jahren in eine psychiatrische Klinik, wo er er jahrelang betreut wird und sich später ein unscheinbares Leben als Fotolaborant aufbaut. Knapp 30 Jahre nach den Ereignissen im Bösland entwickelt er ein Foto, auf dem er seinen alten Freund Kux wieder erkennt. Seine Therapeutin rät ihm, seinen Heimatort aufzusuchen und Kontakt mit Kux aufzunehmen. Ben folgt ihrem Rat und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse.

Die Sprecher haben gute Arbeit geleistet und den Charakteren Lebendigkeit und Authentizät eingehaucht. In kurzen Kapiteln jagt man regelrecht durch dieses Hörbuch und ein ums andere Mal wurde mein Badewasser kalt, weil ich beim Hören (und baden) kein Ende finden konnte, wenn ich gebannt der Geschichte lauschte. Ich fühlte mich gut unterhalten und wollte immer wissen wie es weiter geht.

Allzu überraschend ist die Handlung allerdings nicht und verläuft unerwartet oft genau so, wie ich es im Vorfeld vermutet hatte. Und doch nimmt man es diesem Thriller nicht allzu übel, weil er gut umgesetzt ist, die Charaktere gut ausgearbeitet und mit den richtigen Sprechern besetzt sind. Für besondere Spannung sorgt in dieser Geschichte auch der Psychokrieg, der zwischen zwei Personen entbrennt – ein ungleicher Kampf, bei dem man sich nicht sicher ist, wer ihn gewinnen kann. So bleibt doch immer ein wenig Unvorhersehbares übrig, das einen mitfiebern lässt.

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Bösland
Autor: Bernhard Aichner
Sprecher:  Hans Sigl, Johannes Steck, Martin Gruber, Beate Himmelstoß, Jule Ronstedt
Spieldauer: 6 Std. und 49 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Erscheinungsdatum: 01.10.2018
Sprache: Deutsch
Anbieter:  Der Hörverlag

erLESENer Oktober

Im Lesemonat Oktober ließ ich mich von Erebos terrorisieren, tauchte nach Norwegen ab, übte mich im therapeutischen Lesen und löste einen Fall bei den Amischen.

Bücherwelten – mit der richtigen Buchstabendosis für jede Stimmungslage…

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Erebos 2 von Ursula Poznanski
Eine spannende Fortsetzung der Geschichte rund um das an die moderne Technik angepasste Computerspiel mit den gefährlichen Auswirkungen in der Realität. Leichte Schwächen, aber dennoch lesenswert.

Heimatland von Kronprinzessin Mette-Marit (Hrsg.), Geir Gulliksen (Hrsg.)
Unterschiedliche Facetten Norwegens von bekannten norwegischen Literaten in Worte gefasst. Macht Lust aufs Reisen und mehr von Norwegern lesen.

Licht in der Nacht der Seele von Martin Duda
Ein literarisches Antidepressivum, das vor allem durch das Verständis des Autors für die Auswirkungen der Depression und die therapeutische Wirkung des Lesens beeindruckt.

Die Zahlen der Toten von Linda Castillo
Ein gelungenes Thriller-Debüt, das mir tatsächlich Lust darauf macht, mehr von dieser Reihe rund um Kate Burkholder und die Amischen zu lesen.

Der Federmann – Max Bentow

Als ich kürzlich auf der Suche nach einem spannenden Hörbuch war, das mir die leidige Hausarbeit versüßen sollte, stieß ich eher zufällig auf „Der Federmann“, weil es bei Audible für ein halbes Guthaben im Angebot war. Von Max Bentow und seiner inzwischen bereits aus 7 Büchern bestehenden Reihe um den Berliner Kommissar Nils Trojan hatte ich schon öfter Positives gehört. Dementsprechend gespannt hörte ich mir die Hörprobe zu „Der Federmann“, dem Auftakt der Reihe, an. Sie hat mich gleich in ihren Bann gezogen, weil Axel Milberg dem Protagonisten mit seiner Stimme so atmosphärisch furchterregend einen unverwechselbaren Charakter verlieh, dass es mich einfach nur gruselte. Genau so etwas hatte ich gesucht und kaufte mir darum gleich das Hörbuch.

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„Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, erwartet ihn eine grausame Inszenierung: Der jungen Frau wurden die Haare abgeschnitten, ein zerfetzter Vogel ist auf ihrem Körper platziert. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord – wieder hatte das Opfer lange blonde Haare, und wieder hinterlässt der Federmann einen makabren Gruß in Gestalt eines toten Vogels. Trojan hofft, durch die kleine Tochter der Ermordeten einen Hinweis zu bekommen, doch dann verschwindet das Mädchen von einem Tag auf den anderen. Unterstützt von der Psychologin Jana Michels macht sich Trojan an die Lösung des Falls – und befindet sich unvermittelt auf einer Reise in die tiefsten Abgründe einer kranken Seele.“ (So weit der Klappentext.)

Und ja: Es ist widerlich und es bringt mich fast bis an die Grenze dessen, was ich lesen, beziehungsweise hören oder sehen kann. Denn der Täter bringt nicht nur Frauen mit langen blonden Haaren um, sondern er geht auch nicht gut mit Vögeln um. Vor allem letzteres bereitet mir hierbei die größeren Probleme, denn ersteres ist man ja bei Thrillern gewohnt und hegt diesbezüglich wohl auch eine gewisse Erwartungshaltung. Außerdem mache ich mir beim Hören unglaubliche Sorgen um die kleine Tochter einer der Ermordeten – fast mehr, als ich ertragen kann. Aber dennoch kann ich von dem Hörbuch nicht ablassen und muss es bis zum Schluss weiter hören.

So richtig gefallen will mir das Ende zwar nicht und auch das vorgelagerte Action-Gerangel hat für meinen Geschmack unnötige Überlänge, aber es war ein Vergnügen Axel Milberg dabei zuzuhören, wie er diesem Thriller nicht nur abgrundtief krankes Leben einhaucht. Und so konnte ich nicht umhin und habe bereits in das 2. Hörbuch der Reihe, „Die Puppenmacherin“, hineingehört – ebenfalls von Axel Milberg vertont – und werde es mir wohl demnächst ebenfalls zulegen, wenn mir mal wieder nach einem blutrünstigem Thriller zumute ist.

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Der Federmann – Kommissar Nils Trojan 1
Max Bentow
Sprecher: Axel Milberg
Spieldauer: 8 Std. und 28 Min.
Ungekürztes Hörbuch
Audible-Abo-Preis: 6,47 € oder 1 Guthaben [Werbung]
Erscheinungsdatum: 25.07.2011
Sprache: Deutsch
Anbieter: Der Hörverlag

erLESENer Juni

Im Lesemonat Juni suchte ich vergeblich den Hannibal-Lecter-Nachfolger, lernte vieles über den Thunderhead, lachte über das kommunistische Känguru, zweifelte an der Zurechnungsfähigkeit des menschlichen Gehirns und tauchte beim Lesen mit nur einem Atemzug in die Tiefe ab.

Bücherwelten – komisch, eigenartig und erfrischend…

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Cari Mora von Thomas Harris
Ein optisch und haptisch gut gemachtes Buch mit enttäuschendem Inhalt.

Der Zorn der Gerechten . Scythe 2 . von Neal Shusterman
Klug, vielschichtig und philosophisch strickt Neal Shusterman seine Jugendbuchdystopie, die von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und einen atemlos und nachdenklich zurücklässt, auch im zweiten Teil weiter.

Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling
Kurzweilige und unterhaltsame Szenen aus dem Zusammenleben von Marc-Uwe Kling mit dem kommunistischen nirvanabegeisterten Känguru.

Unser verrücktes Gehirn von Dean Burnett
Dean Burnett wählt anschauliche Beispiele und Bilder aus dem Alltagsleben, schreibt witzig, salopp, eloquent und mit (Selbst-)Ironie über die kleinen und größeren Fehlbarkeiten des Gehirns, ohne dass die wissenschaftliche Seriosität darunter Schaden nähme. Hervorragend!

In die Tiefe von Anna von Boetticher
Die Autorin und Apnoetaucherin versteht es ihre Eindrücke und Erlebnisse so authentisch und mitreißend zu erzählen, dass man beim Lesen auch immer ein wenig mit in der Unterwasserwelt versinkt. Sehr interessant und inspirierend!

Cari Mora – Thomas Harris

Thomas Harris, 1940 in Jackson, Mississippi geboren, ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, der durch seine Hannibal-Lecter-Tetralogie berühmt wurde. Seine Romane wurden weltweit über 30 Millionen Mal verkauft. Sein größter Erfolg war „Das Schweigen der Lämmer“, das wochenlang die Bestsellerlisten anführte und als Verfilmung mit Anthony Hopkins einen Oskar für den besten Film erhielt. Aber auch die aus drei Staffeln bestehende Serie „Hannibal“ mit Mads Mikkelsen hat mich etliche Stunden abgrundtief gegruselt und bestens unterhalten.

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Für mich stand daher fest, dass ich unbedingt den erst kürzlich erschienen Thriller „Cari Mora“ lesen würde, zumal der Klappentext folgendes verspricht:

„Hannibal Lecter hat einen Nachfolger. Er ist erbarmungslos. Und er kann dich fühlen. Die Schreie einer Frau sind Musik in seinen Ohren. Er ist groß, blass, haarlos, und wie ein Reptil liebt er die Wärme. Menschen begegnen ihm mit Angst und Ekel. Er ist daran gewöhnt. Denn wenn sie das Monster in ihm erkennen, ist es meist zu spät. Bis der Killer sich Cari Mora aussucht. Die junge Frau hat keine Angst vor dem Grauen und wagt es, dem Dämon ins Auge zu blicken.“

Gelesen habe ich jedoch in diesem Buch von rivalisierenden kriminellen Gruppen, die an das gut in einer Villa in Miami gesicherte Gold des Drogenbarons Pablo Escobar zu gelangen versuchen. Das beinahe das komplette Buch einnehmende Gerangel um dieses Gold fordert etliche Opfer, die zum Teil sehr grausam ums Leben kommen. Doch selbst diese Effekthascherei kann nicht vermeiden, dass dieser Teil der Geschichte recht schnell ermüdend wirkt. Auch wenn die Sprache mittels spanischer Sätze den Personen Authentizität und Lebendigkeit zu verleihen versucht, bleiben diese auch aufgrund der Vielzahl der handelnden Personen blass und beliebig.

Anders hingegen die Titelgebende Cari Mora, die gezwungen wurde ihre Jugend bei der FARC zu verbringen und irgendwann vor der Gewalt in ihrem Heimatland Kolumbien fliehen konnte. Vom Leben gezeichnet hält sie sich mit verschiedenen Jobs über Wasser, unter anderem ist sie als Hüterin des Hauses in oben genannter Villa angestellt. Dort wird auch der „Hannibal-Lecter-Nachfolger“ vom Klappentext auf sie aufmerksam. Sein Name ist Hans-Peter Schneider und er ist getrieben von unsäglichen Neigungen. Er verdient in der Hauptsache seinen Lebensunterhalt damit, die Gewaltfantasien von Männern zu bedienen, für die Geld keine Rolle spielt und das Leben einer Frau keinen Wert hat. Und während ich mich durch drei Viertel des Buches durch das Goldgerangel quälte, fragte ich mich, welchen Anteil an der Geschichte Cari Mora und Hans-Peter Schneider wohl noch haben werden. Aber dann überschlägt sich der Autor plötzlich hinsichtlich Erzählgeschwindigkeit, fast als müsse er zügig zum Ende finden. Doch die eigentliche Überraschung war für mich, dass ich plötzlich – noch ganz im Lesefluss – die Danksagung aufblätterte, obwohl noch so viel vom Buch übrig war. Tatsächlich war mir nicht bewusst, dass Seite 277 bis 335 des Thrillers „Cari Mora“ mit einer Leseprobe von „Das Schweigen der Lämmer“ belegt sind. Ab dem Zeitpunkt fühlte ich mich um ein ausführlicheres und somit vielleicht besseres Ende geprellt, beziehungsweise fühlt es sich so an, als hätte der Leser für das Buch zu viel bezahlt, weil er die Leseprobe eines Buches mit eingekauft hätte, das bereits in den 1980er Jahren ein Bestseller war und somit vielen Thomas Harris Fans wohl bekannt sein dürfte. Dabei gehöre ich eigentlich nicht zu den Menschen, die die Anzahl der Buchseiten in ein Verhältnis zum Preis setzen, aber hier schlägt wohl die Enttäuschung über das abrupte Ende bei mir noch zusätzlich hohe Wellen.

Aber zurück zum Buch, das sich insgesamt doch mehr hinzog, als ich es mir gewünscht hätte und das Ringen des Autors um möglichst brutale und widerliche Arten seine handelnden Personen zutode kommen zu lassen, eher als mühsam und zu viel des „Guten“ empfand. Gefallen hat mir hingegen die Geschichte rund um Cari Mora, die mich letztlich auch dazu bewegt hat, das Buch zuende zu lesen und ein wenig zu recherchieren, was es mit der FARC auf sich hat. Das Beste an diesem Buch ist für mich jedoch tatsächlich der Schutzumschlag, dessen Farbgestaltung mir gefällt und der durch seine glatte und rauhe, glänzende und matte Oberfläche ein haptischer Hochgenuss ist. Aber das reicht leider nicht, um das Buch empfehlen zu können.

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Thomas Harris
Cari Mora
Aus dem Amerikanischen von Imke Walsh-Araya
Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten
ISBN: 978-3-453-27238-5
 22,00 [D] | € 22,70 [A] CHF 30,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Heyne
Erschienen: 20.05.2019

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.

Totenfang – Simon Beckett

Gerade erst ist „Die ewigen Toten“, der 6. Teil aus der David-Hunter-Reihe von Simon Beckett erschienen und ich konnte natürlich nicht umhin, mir auch dieses Buch zuzulegen, obwohl ich das vorherige Buch mit dem Namen „Totenfang“ noch nicht gelesen hatte. Aber das sollte sich jetzt endlich ändern und bereits nach wenigen Seiten wusste ich wieder, warum ich die Thriller rund um den forensischen Antropologen David Hunter so sehr mag.

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Zum einen ist Dr. David Hunter kein oberschlauer Superheld, dem alles gelingt oder gar eine gestrandete Existenz, der man es kaum zutraut einen Fall zu lösen, sondern ein eher ruhiger sympathischer Protagonist der mit leiser Selbstironie und profundem Wissen den Leser in der Ich-Perspektive ganz nah an sich herankommen lässt. Dabei erfährt man viele Details, die bei der Begutachtung der Leichen Aufschluss darüber geben, was dem toten Menschen widerfahren ist oder zumindest Hinweise darauf geben, was geschehen sein könnte. Das ist stellenweise natürlich nicht gerade appetitlich, aber als Leserin habe ich bei diesen Thrillern nicht den Eindruck dass der Fokus auf den Ekel gelegt werden soll, sondern dass hier vielmehr die Gratwanderung zwischen dem einerseits widerwärtigen Verfall des menschlichen Körpers und der andererseits hochinteressanten Wissenschaft, die sich dahinter verbirgt, geschafft wird. Dabei wird das Ganze noch in einer spannenden Geschichte erzählt, die nicht actiongeladen durchs Buch hetzt, aber einen durch die packende Handlung und so manchen Cliffhanger am Kapitelende doch dazu bringt, immer weiterlesen zu wollen.

In „Totenfang“, dem fünften Fall von David Hunter, verschlägt es ihn in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex. Dort wird an einer Flussmündung zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden, die bis zur Unkenntlichkeit von Krabben und Meeresinsekten verunstaltet wurde. Die Polizei geht davon aus, den seit über einem Monat vermissten 31-jährigen Leo Villiers, Spross der einflussreichsten Familie der Gegend, gefunden zu haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten, außerdem findet er tags darauf einen einzelnen Fuß im Wasser, der definitiv zu einer anderen Leiche gehört.

Simon Beckett konnte mich mit diesem Buch aufs Neue begeistern, weshalb ich es unbedingt Lesern empfehlen kann, die sich von der Thematik angesprochen fühlen und Lust auf einen spannenden Thriller haben. Da mir auch die anderen Bücher dieser Reihe gefallen haben, kann ich ebenfalls für „Die Chemie des Todes“, „Kalte Asche“, „Leichenblässe“ und „Verwesung“ eine Empfehlung aussprechen. Aber ich denke, auch wenn man diese Bücher nicht gelesen hat, fehlen einem keine grundlegenden Vorabinformationen, um „Totenfang“ verstehen zu können. Ich selbst kann mich selten nach längeren Zeiträumen an Einzelheiten aus Büchern (oder Filmen) erinnern, sondern behalte nur einen Gesamteindruck im Gedächtnis. Meine Vergesslichkeit fand ich beim Lesen von „Totenfang“ zwar schade, aber nicht einschränkend. Es bestärkt mich eher in dem Vorhaben, die David-Hunter-Reihe in einigen Jahren vielleicht nochmal komplett für mich aufs Neue entdecken zu können – jedes Ding hat halt zwei Seiten 😉

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Simon Beckett
Totenfang
Original: The Restless Dead, Bantam Press, London
Übersetzung: Sabine Längsfeld und Karen Witthuhn
Gebunden, 560 Seiten
ISBN: 978-3-8052-5001-6 – € 19,95 [D]
Preis: 22,95 [D]
Verlag: Wunderlich
Erschienen: 14.10.2016

Nanos – Sie bestimmen was du denkst – Timo Leibig

Allein der Titel machte mich bereits neugierig, hatte ich doch erst kürzlich ein Jugendbuch gelesen, bei dem Nanobots eine große Rolle spielten und das mich dazu brachte nachzuschauen, was es mit der Nanotechnologie derzeit so auf sich hat. Ich staunte darüber, inwieweit nanotechnologische Produkte bereits eingesetzt werden und war begeistert über die noch denkbaren Anwendungsmöglichkeiten. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und genau letzterem widmet sich Timo Leibig in seinem Thriller „Nanos“.

Er baut ein düsteres Zukunftszenario, indem er den Leser mit ins Deutschland des Jahres 2028 nimmt:

„Nachdem die Europäische Union an der Flüchtlingskrise vor knapp zehn Jahren ins Wanken geraten und schlussendlich aufgrund nationalistischer Tendenzen daran zerbrochen war, hatte ein Umdenken unter den Bürgern eingesetzt. Nicht mehr international war das Gebot der Stunde, sondern national. Jedes Land kehrte zu den eigenen Traditionen zurück, schloss die Grenzen, kümmerte sich um seinen eigenen Kram.“ (S. 107)

Ein neuer Bundeskanzler herrscht über Deutschland. Johann Kehlis, ursprünglich ein Magnat aus der Lebensmittelindustrie, nutzt eine einzigartige Technologie, um die Gedanken der Bürger zu manipulieren. Über Lebensmittel und das Trinkwasser speist er Nanopartikel in die Körper der Menschen ein, welche im Gehirn Botschaften von der Unfehlbarkeit des Systems hinterlassen. Die Methode wäre perfekt, gäbe es nicht einige Intolerante, bei denen die Nanos keine Wirkung zeigen. Diese werden denunziert und von einer Gruppe emotionsloser gewaltsamer Soldaten, die für Recht und Ordnung sorgt, aus dem Weg geräumt. Aber im Untergrund dieses totalitären Staates sammeln sich bereits Rebellen.

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Insgesamt ein interessanter Stoff, den Timo Leibig sich hier in seinem Verlagsdebüt (er veröffentlichte bereits 9 Thriller und einen Fantasy-Roman im Selfpublishing) zusammen gesponnen hat. Die spannende Handlung zog mich anfangs gleich in den Bann und einige Szenen waren hollywoodreif beschrieben, so dass ein rasanter Actionfilm vor meinem geistigen Auge ablief. Im Zusammenhang mit der Thematik ließ mich das auf Großes hoffen, aber diese Erwartungen wurden leider enttäuscht.

Gerne hätte ich den wissenschaftlichen Aspekt besser beleuchtet gesehen, doch die Idee des Buches wirkt nicht gut ausgearbeitet und bleibt ebenso oberflächlich wie die Protagonisten. Diese bleiben blass und sind eher unsympathisch und kaltschnäuzig – egal ob vermeintlich gut oder böse. Dann gibt es da noch das ein oder andere Klischee, wie beispielsweise das auf dem Totenbett gegebene Versprechen und wahrhaftes Heldentum, das mich eher beim Lesen die Augen verdrehen als mitfiebern lässt. Aber nichtsdestotrotz ist das Buch spannend geschrieben und durch die zahlreichen Actionszenen kommt keine Langeweile auf, wenn man nicht zu den Menschen gehört, die ein zu viel an Action irgendwann langweilt. So war es bei mir leider und das Ende ist zwar nicht komplett offen, lässt aber genug Raum für eine Fortsetzung. Auch wenn der Schreibstil flüssig ist und ich diesen Thriller nicht schlecht fand, ist er für mich jedoch nicht wirklich rund geworden. Der Inhalt ist eher flüchtig und schnell wieder vergessen, so dass ich den am 29.05.2019 erscheinenden zweiten Teil „Nanos – Sie kämpfen für die Freiheit“ nicht lesen werde.

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Timo Leibig
Nanos – Sie bestimmen was du denkst
Paperback, Klappenbroschur, 512 Seiten
ISBN: 978-3-7645-3190-4
€ 16,00 [D] | € 16,50 [A] | CHF 22,90 * (* empf. VK-Preis)
Verlag: Penhaligon
Erschienen: 24. September 2018

Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanke.